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Stadtfotografie - Kieler Stadtteile.
Rolf Reiner Maria Borchard

Sonntag, 20. Februar 2011 bis Sonntag, 1. Mai 2011

Neue Gablenzbrücke
Neue Gablenzbrücke

Weder Hinterhöfe noch Nebenstraßen in Kiel entgehen dem wachen Blick von Rolf Reiner Maria Borchard. Seit zehn Jahren durchstreift der Fotograf die Stadt nach Motiven. Mehr als 1.500 Fotografien sind dabei entstanden – ein dichtes Porträt und Zeitdokument der 30 Kieler Stadtteile. Eine umfangreiche Ausstellung im Stadtmuseum Warleberger Hof zeigt mit 160 Fotografien die Ergebnisse seiner ausgedehnten Spaziergänge. Die Ausstellung „Stadtfotografie – Kieler Stadtteile“ ist vom 20. Februar bis 1. Mai im Obergeschoss des Warleberger Hofes, Dänische Straße 9, zu sehen.

Rolf Reiner Maria Borchard, bis 2006 Professor an der Muthesius Kunsthochschule und heute als Architekt und Fotograf tätig, ist Wahl-Kieler aus Leidenschaft. Seine einprägsamen Farbfotografien von Kiel zeigen, teils um Luftbilder ergänzt, alle Kieler Stadtteile mit ihren kleinbürgerlichen oder großartigen Fassaden, verkehrsüberlasteten oder ruhigen Straßen, gestalterisch gelungenen oder misslungenen Plätzen, gewachsenen oder geplanten Siedlungen.

Der „Augenlustwandler“ auf den Spuren Kiels

Bei seiner Arbeit bezieht sich Borchard auf den Begründer der Stadtfotografie, Eugène Atget, der als Dokumentarist mit seiner Großbildkamera das Paris um 1900 festgehalten hat. Ebenso unbeirrt macht sich 100 Jahre später Borchard daran, Kiel im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts darzustellen. Als sein eigener Auftraggeber machte sich der architektonisch gebildete Fotograf auf und erkundete Straße um Straße. Als „Augenlustwandler“ wurde Borchard deshalb in einem Essay von Manfred Sack, einem der profiliertesten deutschen Architekturkritiker, bezeichnet.

Der fotografische Rundgang startete auf dem Ostufer, im Norden und Süden der Schwentine. Anlass war der 200. Geburtstag der von Borchard bewohnten ehemaligen Wassermühle an der Schwentine. Auf dem Westufer ging es weiter durch Düsternbrook bis zum Nord-Ostsee-Kanal. Darauf folgten die nördlichen Stadtteile Holtenau, Pries, Friedrichsort und Schilksee. Gaarden und Elmschenhagen. Der Kieler Rand im Westen und Süden schlossen sich an. Mit der Kieler Mitte fand das Projekt 2010 seinen Abschluss. Insgesamt sind so sechs Fotobände entstanden – Borchards Liebeserklärung an seine Wahlheimat.

Stadttopografie im präzisen Blick des Künstlers

Borchard konzentriert sich in seinem Werk auf die Architektur, Straßen und Plätze der Stadt. Er fotografiert immer „direkt“ auf eine klare Aussage hin, so dass die Gebäude in ihrer Struktur und Raumentfaltung erkennbar werden. Seine Motive lichtet Borchard nicht in „Ganzgroß-Aufnahme“ ab, sondern mit Abstand und einem leichten Weitwinkel. So fängt er das Motiv im räumlichen Kontext ein und sein städtebaulicher Zusammenhang sowie die Atmosphäre eines Stadtteils wird spürbar. Menschen sind auf seinen Bildern kaum zu sehen, da sie nach Borchard von den Architekturstrukturen nur ablenken würden.

Die Ausstellung im Stadtmuseum hat Borchard mit Bedacht konzipiert. Im Gegensatz zu den sechs nach Stadtteilen gegliederten Bildbänden nimmt er sich hier die Freiheit, die Bilder neu zu ordnen und anders zu gewichten, um so die aktuelle städtebauliche Diskussion anzuregen. Schwerpunkt der Schau sind die Fotografien aus dem sechsten Band „Die Kieler Mitte“, die mit den zentralen Stadtteilen den eigentlichen Kern der Landeshauptstadt darstellen. Ein Schwerpunkt legt Borchard auf die historischen Orte, die Straßen und Plätze der Altstadtinsel. Hinzu kommt die Bedeutung der Förde und die Darstellung Kiels als vielgestaltige Seestadt. Düsternbrook und Gaarden, Mettenhof und die ländliche Umgebung treten rahmend als Gegensatzpaare hinzu.

Die Betrachterinnen und Betrachter sollen auf diese Weise die real gebaute Umwelt mit ihren Qualitäten genauer und neu sehen. Ziel des Fotografen ist es auch, Entwicklungspotential in den Stadtteilen zu erkennen. Angesichts der aktuellen Diskussion zum Thema „Perspektiven für die Kieler Innenstadt“ ist die Ausstellung von besonderem dokumentarischen Wert, da sie Kiels Mitte in einem kritischen Augenblick für das kollektive Gedächtnis der Stadt festhält.


Rolf Reiner Maria Borchard
Fotograf, Maler und Architekt

1940 in Herford, Nordrhein-Westfalen, geboren
1970 Diplom an der Technischen Universität (TU) Hannover
1970-1976 Assistent bei Prof. Zinsser und Prof. Sohns
1976-1987 Lehrbeauftragter für Gestaltungsgrundlagen, TU HannoverLehrbeauftragter für Foto, Video und Film, TU Hannover
1987-2006 Professor für Gestaltungsgrundlagen und Fotografie,Muthesius Kunsthochschule Kiel (MU)
1996-1999 Rektor der MU

Fotoausstellungen
1976 Zeitsequenzen – Körpersequenzen, Kunsthalle zu Kiel
1976 Gesichter der Wüste, Galerie Merkin-Möws Hannover
1979 Februartage, Ballhof-Galerie Hannover
1980 Hannoverscher Klassizismus, Glas-Foyer Hannover-Herrenhausen
1981200220032006 Bilder aus Landschaftsgärten, Glashaus DerneburgSchwentinetalfotos, Kieler StadtmuseumKieler Stadtteile, ehemaliger Bauhof Hansen und Bugenhagen KircheRückblende, Landesbibliothek Kiel

Fotobücher
1988 Elysische Felder (Landschaftsgärten), Ernst & Sohn, Berlin
1989 Hannoverscher Klassizismus, Schlütersche Verlagsanstalt
1992 Hamburger Elbchaussee, Ernst & Sohn, Berlin
19982003200320062007 Riga, Edition MengesChinesische Gärten in Suzhou, Edition MengesKieler Stadtteile Ellerbek, Wellingdorf, Neumühlen-DietrichsdorfRückblende, Borchard & WegnerSonwik, Flensburg, Edition Menges


Veröffentlichungen unter anderem: Bauwelt, md, Architektur und Wohnen, Living, Schädelspalter, DIE ZEIT, Spiegel, Nordelbingen und Tageszeitungen.

193 Fotos sind im Besitz des Historischen Museums Hannover


Führungen: sonntags um 15.30 Uhr
Führung mit dem Fotografen Rolf Reiner Maria Borchard: Sonntag, 27. Februar, um 11.30 Uhr


Begleitpublikation

Alle sechs Bildbände von Rolf Reiner Maria Borchard können als limitierte Ausgabe zur Ausstellung im Schuber erworben werden. Preis: 192 Euro.

Bis auf den ersten Band sind alle Bände auch als Einzelbände erhältlich.
Die Fotos können ebenso käuflich erworben werden (je nach Größe von 120 Euro bis 485 Euro).


Begleitprogramm

Vortragsreihe (in Kooperation mit der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte):
Mittwoch, 2. März, 19.30 Uhr
Liebe auf den zweiten Blick
Vortrag von Bürgermeister Peter Todeskino, Dezernent für Stadtentwicklung und Umwelt

Donnerstag, 31. März, 19.30 Uhr
Zur historischen Bedeutung der Kieler Marktbebauung von 1972
Vortrag von Dr. Heiko K. L. Schulze, Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein

Donnerstag, 14. April, 19.30 Uhr
Kiel – Anstöße zu städtebaulichen Veränderungen in den letzten drei Jahrzehnten
Vortrag von Dr. Otto Flagge, Stadtbaurat a.D.


Am Sonntag, 27. Februar, um 11.30 Uhr, führt Rolf Reiner Maria Borchard selbst durch seine Ausstellung.
Ansonsten: Führungen immer sonntags 15.30 Uhr