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Schifffahrtsmuseum

Zur Geschichte der städtischen Fischhalle

Die Fischhalle 1910 mit Becken für lebende Fische und Verkaufsständen
Fischhalle 1910 mit Becken für lebende Fische und Verkaufsständen
 
 

Als vor 100 Jahren die Kieler Fischhalle gebaut wurde, war sie für die Stadt eine wichtige Errungenschaft. Bis dahin nämlich waren Markt- und Straßenhandel üblich, Fisch-Einzelhandels-
geschäfte gab es noch nicht. Am Schuhmachertor mit der Anlegestelle der Ellerbeker Fischerboote, am Wall und am Seegarten wurde unter freiem Himmel Fischmarkt abgehalten. Vereinzelt gab es baufällige Buden. Fischer, aber vor allem die Ellerbeker Fischerfrauen, boten hier vormittags ihre Ware an. Dazu kam der Verkauf an den Haustüren.
 
Dieser Fischhandel erfüllte die großstädtischen Ansprüche Kiels nicht mehr. Seit Jahren wurde in der ”Kieler Zeitung” darüber geklagt, dass der Fischhandel ungeschützt der Witterung ausgesetzt sei und ”in wenig zeitgemäßer und in wenig appetitlicher Gestalt” ablaufe. Guter Fisch sei zu teuer und werde ”nicht in bester Verfassung an den Käufer gebracht”.

Abhilfe versprach man sich durch eine Konzentration des Handels in einer städtischen Fischverkaufshalle bei den Seegartenbrücken. Jahre verstrichen, bis der Neubau beschlossen und dann nach einem Entwurf des Stadtbaurates Georg Pauly im Juni 1909 begonnen wurde. Dieser Bau, der die Reihe der Speicher an der Förde nach Norden abschloss, hat von außen betrachtet so gar nichts von einem nützlichen Zweckbau. Reich verzierte Sandsteinportale, Sandsteinbänder im Backsteinmauerwerk und vor allem das mächtige geschweifte Spitzbogendach zeugen von hoher architektonischer Qualität. Mit diesem repräsentativen Gebäude wollte die Stadt gegenüber dem benachbarten Schloss ein deutliches Zeichen städtischen Selbstbewußtseins setzen.

Im Innern des Gebäudes befanden sich zwei in den Boden eingelassene Seewasserbehälter. Mit ihren acht Meter Länge konnten sie ganze Netze mit frischem Fang aufnehmen. Zwölf Verkaufsstände mit Bassins für lebende Ware reihten sich an den Längswänden der Halle. Und um die großen Becken herum gab es zahlreiche ”fliegende” Stände, die für 30 Pfennig täglich gemietet werden konnten. An den Außenseiten und nur von außen zugänglich befanden sich 24 kleine Läden für Räucherfisch sowie sechs größere an den Ecken und am Haupteingang. Die große Halle wurde von einer gewölbten Holzdecke überspannt.

Bei der feierlichen Eröffnung am 31. Oktober 1910 mit zahlreichen Gästen aus Politik, Handel und Fischhandel stellte Georg Pauly seinen Bau vor und begründete dabei auch die mächtige Deckenhöhe. Sie sei ”nicht aus rein architektonischen Gründen, sondern deshalb gewählt worden, um den Fischgeruch, der sich so leicht einnistet, fernzuhalten.”

Gut zwei Monate später jedoch war die zunächst große Freude über den Neubau verflogen. ”Die Klagen der Händler über den schlechten Geschäftsgang werden immer lauter”, meldete jetzt die Zeitung. Die Vermietung der Stände ging nur schleppend voran, da die verlangten Abgaben im Verhältnis zum Umsatz offenbar zu hoch waren. Von den 24 äußeren Läden standen zehn leer. Auch die Fischer klagten. Für Fischauktionen sei zu wenig Platz, ebenso für die Kisten. Sie warfen der  Stadt vor, den Kieler Fischern nur Schwierigkeiten zu bereiten, so daß die ersten bereits mit ihren Fängen nach Eckernförde fahren, weil sie dort entgegenkommender behandelt werden.

Die Querelen um die Fischhalle nahmen auch in den folgenden Jahrzehnten nicht ab. Keiner schien so recht zufrieden: Die Kieler Fischer fingen zu wenig, so dass die fischverarbeitende Industrie immer auf die Fänge auswärtiger Fischer angewiesen war. Und die Kieler Verbraucher aßen trotz intensiver Werbemaßnahmen kaum mehr Fisch als zuvor.

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Fischhalle ohne größeren Schaden. Fast ein kleines Wunder, denn die unmittelbare Umgebung - Schloß, Marstal, die zahlreichen mehrgeschossigen Häuser am Wall - lag zum großen Teil in Trümmern. Für die Existenz des Gebäudes weitaus gefährlicher war die Nachkriegszeit. Mit dem Umzug des Seefischmarktes an die Schwentinemündung 1948 hatte die Fischhalle nämlich ihre Funktion verloren. Ein jahrelanges Tauziehen um ihr Schicksal begann. Sie war Getreidelager und stand lange Zeit leer, bevor sie 1966 zugunsten einer Erweiterung des Oslo-Kais abgebrochen und am Kleinen Kiel wieder aufgebaut werden sollte. Zum Glück realisierten sich die Pläne nicht. Als die Fischhalle 1972 auf Initiative des Landeskonservators als bedeutendes Baudenkmal unter Schutz gestellt wurde, wurden die Abriss-Pläne noch einmal hervorgeholt, um Platz für ein Parkhochhaus zu schaffen. Erst 1974  beschloss die Ratsversammlung die Instandsetzung der Fischhalle und die zukünftige Nutzung als Schifffahrtsmuseum. Nach umfangreichen Umbauarbeiten wurde das Museum am 30. April 1978 endlich eröffnet und ist bis heute das beliebteste Museum der Landeshauptstadt.

Die Fischhalle 1934
Die Fischhalle 1934