Schifffahrtsmuseum Fischhalle

Die Geschichte

Die Entwicklung Kiels ist untrennbar mit der Schifffahrt verbunden. Schon bei der Gründung 1242 war es als Hafenstadt angelegt. Denn mit seiner Lage am Ende der langen Förde bot der Ort, der zunächst Holstenstadt tom Kyle hieß, Schiffen natürlichen Schutz.

Im Mittelalter gehörte Kiel zur Hanse. Eine bedeutende Seehandelsstadt wie etwa Lübeck oder Flensburg wurde es in dieser Zeit aber nicht. Erst als die preußische Kriegsmarine 1865 an die Förde kam, wuchs Kiel in wenigen Jahren zur Großstadt. 
 

Maritime Faktoren und die Kieler Expansion

Die Position als kaiserlicher Flottenstützpunkt ließ den Schiffbau und mit ihm viele weitere Gewerbe expandieren. Die nun folgenden Prozesse der Industrialisierung und Urbanisierung waren in Kiel vor allem von maritimen Faktoren geprägt.

Die Marine und die Werften, der Seehandel und das Fischereigewerbe bestimmten die lokale Wirtschaft. Kiels sportliches Image ist seit 1882 mit dem Segeln verbunden.

Die einseitige Ausrichtung auf Marine und Kriegsschiffbau war Segen und Fluch für Kiel: Sie brachte den Glanz des Kaiserreiches, aber auch Krieg, Revolution und die Krisen der 1920er Jahre, die erneute Aufrüstung während der NS-Zeit und die schwere Zerstörung der Stadt im II. Weltkrieg.

Nach 1945 folgte ein mühsamer ziviler Neubeginn. Das ambivalente Verhältnis der Stadt zum Kriegsschiffbau wird in den Ausstellungen des Schifffahrtsmuseum eingehend beleuchtet.   

Die Ausstellung

Eindrucksvoll zeigen die Exponate des Museums die auch überregional bedeutende Kieler Seefahrtsgeschichte. Neben den vier in der großen Halle angeordneten Kernpunkten der maritimen Stadthistorie - Hafen, Marine, Werften und Segelsport - werden auch Sonderthemen dargestellt: die Entwicklung des Fischereiwesens, die Geschichte des Nord-Ostsee-Kanals, der Kieler Matrosenaufstand von 1918 oder der Großschiffbau zur Zeit des Wirtschaftswunders in den 1950ern.

Gezeigt wird außerdem Marinemalerei, historisches nautisches Gerät und in einer „Wunderkammer“ die einstige Privatsammlung maritimer Antiquitäten von Dr. Claus Grimm.

Ein großer Schiffsmotor in der Mitte der Ausstellungshalle, von den Deutschen Werken 1942 in Kiel gebaut, ist das technikgeschichtliche Bindeglied zwischen den Themen Werften und Marine. 

Schiffsdiesel

Die ganze Welt des Schiffbaus im Modell

Besonders umfangreich ist die Sammlung von Schiffsmodellen aus den verschiedenen Epochen der Kriegs- und der Handelsmarine. Dazu gehören Original-Werftmodelle wie die bei Howaldt gebaute „Undine“ von 1910 und der „Saturno“ von 1905, die Fregatte „Moltke“, die mit der preußischen Flotte nach Kiel kam, die kaiserliche Segelyacht „Meteor“, die dem sportlichen Wettstreit zur See diente, und ein kostbares Silbermodell  der Staatsyacht „Hohenzollern“.

Detailgetreu zu sehen sind auch das Flettner-Rotorschiff als herausragende schiffbautechnische Erfindung der 1920er Jahre, die „Gorch Fock“ als Symbol der auf Verteidigung ausgelegten Bundesmarine, der Frachter „Claire Grammerstorff“, der Fischdampfer „Eckernförde“ ebenso wie die Skandinavien-Fähre „Kronprins Harald“.

Ganze Modellschiffserien zeigen die in Kiel gebauten U-Boot-Typen und die Sportbootsklassen der Segelregatten; große Dioramen etwa vom Sartorikai um 1930 oder der Kaiserlichen Werft um 1900 geben Überblick über die Hafenanlagen.

Schiffsmodell, Ausschnitt

Ein umfassendes Bild vom maritimen Leben an der Förde

Neben den Modellen zeigt die Ausstellung Original-Boote wie einen „Pirat“ von 1952 und ein „Finn Dinghy“ der Olympiaregatten von 1972 als Beispiele des Segelsports. Ein Ellerbeker Fischerboot dokumentiert die kleingewerbliche Fischerei an der Förde vor über 100 Jahren.

Das Beiboot eines Torpedobootes von ca. 1910 ist das wohl älteste erhaltene Original der kaiserlichen Flotte, und das Wracksegment eines Kleinst-U-Bootes vom Ende des Zweiten Weltkriegs lässt keinen Zweifel an der Erbarmungslosigkeit des Kriegseinsatzes  unter Wasser. 

Die nautische Sammlung zeigt und erläutert wertvolle Messinginstrumente zur astronomischen Navigation aus dem 19. Jahrhundert sowie in Kiel erfundene und weiterentwickelte Geräte wie das Echolot und den Kreiselkompass.

Im besonderen Fokus der Kunst

Am Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich in Kiel die politische Marinemalerei  und gleichzeitig mit ihr eine akademische Landschaftsmalerei. Wichtige Arbeiten aus diesem Feld zeigt der große Gemäldebestand, der die Ausstellungsräume schmückt und zugleich die Seefahrtsgeschichte dokumentiert.

Maritime Malerei im Schifffahrtsmuseum Fischhalle

Die vom Kaiserhaus geförderte Marinemalerei mit Vertretern wie Carl Saltzmann, Hans Bohrdt oder Claus Bergen sollte die deutsche Flottenidee künstlerisch unterstützen, während die Freilichtmaler der Fördelandschaft wie Georg Burmester oder Hans Olde vom französischen Impressionismus beeinflusst waren.

Die Landschaftsmaler widmeten sich besonders dem Fischerdorf Ellerbek. Ein eigenes maritimes Genre bilden die Kapitänsbilder, die vor allem die technischen Details der Schiffe wiedergeben. Etliche Schiffsporträts von Heinrich Reimers dokumentieren die in Kiel bereederten Schiffe des 19. und 20. Jahrhunderts.

Windjammer in Malerei und Modell

An den Giebelseiten des Ausstellungsraumes haben großformatige Gemälde ihren Platz. Carl Saltzmann schuf 1886 ein neun Meter langes Panorama, das die prächtig inszenierte Begrüßung des Prinzen Heinrich am Kieler Schloss wiedergibt.

Ihm gegenüber hängt ein Großgemälde von Harald Duwe. Es kommentiert die marinebegeisterte Darstellung Saltzmanns aus der friedensbewegten Perspektive von 1982.

Am gleichen Ort und mit gleicher Blickrichtung zeigt es ankommende Passagiere eines Fördedampfers vor dem Hintergrund der Silhouette von HDW. Duwe kritisiert so die Gleichgültigkeit gegenüber der Rüstungsproduktion der U-Boot-Werft.

Photos, Plakate, Porträts

Museale Dokumente politischer, wirtschaftlicher oder militärischer Entwicklungen sind auch die maritimen Plakate verschiedener Epochen, die anschaulich in verschiedene Ausstellungsthemen einführen: Plakate, die für die Bundesmarine werben, für die Olympischen Spiele 1936 und 1972, für die Revolution 1918/19 oder im wunderschönen Art-Déco-Design Reklame für das Fischereigewerbe machen.

Historische Kiel-Fotografien sind im Kaiserpanorama zu betrachten, bei dem Stereoskop-Dias für einen faszinierenden 3-D-Effekt sorgen. Auch moderne digitale Medien unterstützen die seefahrtsgeschichtliche Ausstellung durch Filme oder Fotoserien.
 
Im Zentrum der Geschichte stehen die Menschen. Über dem Mittelgang der Ausstellungshalle hängen Porträts von Kielerinnen und Kieler, die alle auf ihre Art wichtig waren und sind für die Entwicklung der Stadt: vom Stadtgründer bis zur Werftarbeiterfrau von 1965. In Hörstationen kann man ihren Biografien lauschen.

Große Portraitfotos unter dem Dach der Fischhalle
Nach oben sehen lohnt sich

Service

Mit dem Audioguide in fünf Sprachen (Deutsch, Italienisch, Englisch, Französisch, Norwegisch) können Sie sich durch die Dauerausstellung zur maritimen Stadtgeschichte Kiels führen lassen. Die gut eine Stunde lange Hörführung stellt in 32 Stationen je zwei aus den 16 Themenbereichen der Dauerausstellung ausgewählte Objekte vor. Der Audioguide ist kostenlos am Museumstresen erhältlich.

Für Kinder  

Kinder mit Matrosenmützen und Seesack

  • Das Schifffahrtsmuseum in der Kieler Fischhalle hat eine besondere Kinderausstellung mit vielen spielerischen Elementen zusammengestellt.
  • Gegen ein Pfand von 5 Euro können Kinder am Museumstresen eine Matrosenmütze und einen kleinen Seesack leihen, mit dem sie die Ausstellung erkunden können.
  • Auf Wunsch gibt es zusätzlich einen Ralley-Bogen für Kinder von 6 bis 8 Jahren.
     

Zur Fischhalle gehört auch ein kleiner Museumsshop mit einem exklusiven Sortiment an Souvenirs und ausgewählten Büchern.

Mit Genuss nachwirken lassen: Die Museumsgastronomie „Der Alte Mann“ mit großem Draußenbereich direkt am Wasser, lädt mit Blick auf die Werft und den Kreuzfahrtterminal ein, die vielfältigen Eindrücke aus der Stadt- und Schifffahrtsgeschichte bei Kaffee und Kuchen oder herzhaften Snacks nachwirken zu lassen. Geöffnet Dienstag - Samstag 10 - 24 Uhr, Sonntag & Montag 10 - 19 Uhr.

 

Taschen, Kassenterminal, Infoflyer
Nützliches und Schönes im Museumsshop

 


Logo Zukunftsprogramm Wirtschaft