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Stadt- & Schifffahrtsmuseum

Geschichte des Warleberger Hofes

Das Stadtmuseum ist im ältesten noch erhaltenen Adelshof Kiels untergebracht
Das Stadtmuseum ist im ältesten noch
erhaltenen Adelshof Kiels untergebracht

Der Warleberger Hof in der Dänischen Straße ist der älteste Profanbau und das einzige erhaltene adlige Stadthaus in Kiel und steht unter Denkmalschutz. 1616 überließ Herzog Friedrich III. von Gottorf seinem Amtsschreiber Christoph Martens das Grundstück als steuerfreies Geschenk. Martens errichtete ein stattliches Gebäude mit großem Garten und Wirtschaftsgebäuden, das den Vergleich mit den anderen Adelshöfen in Kiel – eine Liste von 1631 nennt insgesamt 77 – nicht zu scheuen brauchte. 1621 konnte er sein Haus an die privilegierte Wasserleitung des Schlosses anschließen. Zu den mit dem Grundstück verbundenen Sonderrechten gehörte auch die Braugerechtsame. Der bis heute erhaltene große Braukeller mit Zisterne und Herdanlage zeugt von der Bedeutung dieses Vorrechts, am örtlichen Braugewerbe und am städtischen Bier- und Weinhandel vorbei neben dem selbstgebrauten Bier auch namhafte Importbiere und Weine lagern und konsumieren zu können.

Um dieses Privilegienpaket stritten Bürger und Rat der Stadt auch mit den nachfolgenden Eigentümern des Warleberger Hofes, mit Henning von Thienen auf Warleberg, der das Haus 1695 erwarb und erweiterte und ihm seinen Namen gab, mit denen von Buchwaldt, von Blome und von Rumohr.  Ihm, Henning Bendix von Rumohr, verdankt der Warleberger Hof sein heutiges Aussehen. Seit 1765 ließ er das Haus aufwendig umbauen, fügte einen Anbau hinzu und verlegte die Hauptfront in die Dänische Straße. Er schuf den repräsentativen Eingang durch das rundbogige Sandsteinportal mit Rocaillenaufsatz, dessen Kartusche ein R (Rumohr) zeigt.

Seit 1839 befand sich der Warleberger Hof im Besitz der Universität und beherbergte verschiedene Institute, zunächst die Anatomie, seit 1881 das Museum für Völkerkunde, das Theater- und Hebbelmuseum und das Medizinhistorische Institut. Im Zuge der Verbreiterung der Dänischen Straße wurde der Warleberger Hof 1909 um ca. fünf Meter verkürzt und die Fassade mit Maschinenziegeln neu gestaltet. Das Sandsteinportal blieb erhalten.

1967 erwarb die Stadt den Warleberger Hof, um ein Stadtmuseum einzurichten. Bei den Umbauten blieb das historische Kellergewölbe unangetastet. Die Ausstellungsräume im Erdgeschoss wurden mit hölzernen Paneelen, Seidentapeten, Supraporten und prächtigen Stuckdecken versehen, die aus abgebrochenen Kieler Häusern des 18. Jahrhunderts stammten. Das Stadtmuseum im Warleberger Hof wurde 1970 eröffnet und zeigt in drei Geschossen wechselnde Ausstellungen zur Stadt- und Kulturgeschichte. 2009/2010 wurden das historische Fachwerk der Rückseite und der Dachstuhl saniert sowie ein Fahrstuhl eingebaut.

 

Rückwärtige Ansicht des Warleberger Hofes, 1955
Rückwärtige Ansicht des Warleberger Hofes, 1955