Stadt- & Schifffahrtsmuseum
Sanierung des Warleberger Hofes
Das Stadtmuseum ist im ältesten noch
erhaltenen Adelshof Kiels untergebracht
Fast zwei Jahre lang waren die Türen des Stadtmuseums Warleberger Hof im Herzen der Kieler Altstadt geschlossen: Kiels ältestes Profangebäude aus dem frühen 17. Jahrhundert wurde seit dem Frühjahr 2009 umfangreich saniert und umgebaut - vom Kellergewölbe bis zum Dachstuhl und von den Fachwerkmauern bis zum nagelneuen behindertengerechten Aufzug. Seit Januar 2011 sind die umfangreichen Arbeiten abgeschlossen.
Durch die Verlegung der Tischlerei und der grafischen Sammlung vom Warleberger Hof in das Museumsdepot war im ausgebauten Dachgeschoss Platz für Büros des Museumsteams. Damit wurden Räume im Erdgeschoss für Ausstellungen frei, dort können nun Rundgänge angeboten werden. Auch im historischen Kellergewölbe gibt es „neue" Räume für Ausstellungen. Mit dem Aufzug gelangen jetzt auch Rollstuhlfahrer problemlos in alle Ausstellungsetagen.
Aufwändige Sanierung mit uralter und modernster Technik
Sanierungen von Altbauten bringen häufig Überraschungen mit sich. So war es auch beim Warleberger Hof, der im Laufe von knapp 400 Jahren mehrmals umgebaut worden war. Der von der städtischen Immobilienwirtschaft beauftragte Architekt Günter Szymkowiak musste ebenso auf uralte Handwerkskunst wie auf hochmoderne Technik setzen, um alle Bauprobleme zu lösen.
Nach Auszug des Stadtmuseums Ende März 2009 konnten die Handwerker loslegen. Zunächst wurden die Fachwerkwände konstruktiv saniert. Dabei wurden 18,5 Kubikmeter Eichenholz mit einer Gesamtlänge von 420 Metern ausgetauscht. 155 Knotenpunkte wurden in traditioneller Handwerkstechnik nach vorhandenem Vorbild überarbeitet oder erneuert.
Bei der Sanierung wurde festgestellt, dass die historischen Deckenbalken aufgrund von Überlastung und Durchbiegung gebrochen waren. Nach Rücksprache mit den Denkmalschutzbehörden wurden die historischen Balken in der vorgefundenen Lage belassen, Beilagehölzer sorgen nun für die im Museumsbetrieb erforderliche statische Sicherheit. Die historischen Verformungen des Gebäudes sind im Wesentlichen erhalten geblieben.
Die historischen Ziegel wurden bei den Rückbauarbeiten der Fachwerkfassaden geborgen, zur Wiederverwendung aufbereitet und gefachweise auf Paletten bis zur Weiterverwendung gelagert. Jeder Stein wurde möglichst an der alten Stelle wiedereingebaut. Manche Steine mussten auf traditionelle Weise nachgestellt werden. Von insgesamt 275 Quadratmeter Fassadenflächen wurden nur etwa 17 Quadratmeter mit neuen nachgestellten Ziegeln gemauert.
Die Stockrahmen der Fenster in den Nordfassaden waren vom Hausschwamm befallen und mussten total ersetzt werden. Nicht befallene Fenster wurden restauriert. Alle Fenster-Innenflügel sind mit Dämmgläsern ausgestattet worden.
Die Dachflächen der Osttraufen wurden mit neuen Falzpfannen eingedeckt, die Dachflächen der West- und Südtraufen behielten die alte Deckung und wurden mit altem Material ausgebessert und ergänzt. Darunter wurde das historische Dachgebälk statisch ertüchtigt. Das gesamte Dach wurde mit einer 20 Zentimeter dicken Schicht Mineralwolle gedämmt.
Für die Statische Instandsetzung des Gebäudes und alle zur Wiederherstellung notwendigen Arbeiten wurden 1,47 Millionen Euro aufgewendet.
Gelder aus dem Konjunkturpaket II ermöglichten den Einbau eines behindertengerechten Aufzuges und je einer behindertenfreundlichen Toilette im Erd- und Dachgeschoss. Ebenfalls aus Mitteln des Konjunkturpakets II wurde eine energetische Sanierung der Haustechnik (Einzelraumregelung Heizung und effiziente, museumsgerechte Beleuchtung) und des Gebäudes (Wärmedämmung) mitfinanziert. Der „mittelalterliche" Warleberger Hof erfüllt jetzt primärenergetisch die Anforderungen an Neubauten der ENEV 2007.
In Zusammenhang mit der Sanierung konnte die städtische Bauverwaltung mit Hilfe der Denkmalschutzbehörden die Bauakte des Warleberger Hofes bis auf das Jahr 1616 rekonstruieren. Wichtige Änderungen am Gebäude sind in den Jahren 1695, 1765 und 1909 vorgenommen und dokumentiert worden. Während der Sanierung konnten die historischen Quellen anhand der hölzernen Gebäudesubstanz bestätigt werden. Diese Kenntnisse waren notwendig, um den Aufzug ohne Substanzverlust an den historischen Bauteilen einbauen zu können.
Als Nebeneffekt für die Kieler Stadtgeschichte wurden bei den Schachtungsarbeiten für die Aufzugsfundamente historische Hölzer, die zu einer Pfahlgründung eines Vorgängerbaues gehörten, freigelegt und geborgen. Untersuchungen der vorgefundenen Balken ergaben, dass die Bäume im Jahr 1278 gefällt und verbaut worden waren. Demzufolge wurde schon 36 Jahre nach der Stadtgründung Kiels an dieser Stelle ein Gebäude errichtet, vermutlich schon ein Adelshof.
Barockdecke im
Warleberger Hof


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