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Kieler Erinnerungstag: Dezember 1950

Baubeginn der Ostseehalle

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Baubeginn der Ostseehalle

Die Ostseehalle, heute Sparkassen-Arena, gehört zu Kiel wie der Kieler Hafen und die Kieler Woche. Die beliebte Halle ist jung und entstand erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Baubeginn war im Dezember 1950.

Eine Mehrzweckhalle zur Belebung der Kieler Wirtschaft

Durch den Krieg war Kiel zu fast 80% zerstört worden. Die Marine und die Werften, die bisher die wirtschaftliche Existenz der Stadt gebildet hatten, gab es nicht mehr. Wichtige Kieler Industriebetriebe wurden ganz oder teilweise demontiert, 1949/50 große Teile der Werftanlagen auf dem Ostufer gesprengt. Die Stadt war gezwungen, ihre Wirtschaft umzustrukturieren, eine Friedenswirtschaft aufzubauen. In diesem Zusammenhang ist der Bau der Ostseehalle zu sehen. Die geplante Mehrzweckhalle sollte mit kulturellen und sportlichen Veranstaltungen, Messen und Ausstellungen die Wirtschaftskraft der Stadt beleben. Außerdem war Kiel seit Ende 1945 faktisch Landeshauptstadt geworden und brauchte daher ein Gebäude für Großveranstaltungen.

Soll die zerstörte Nord-Ostsee-Halle wieder aufgebaut werden?

In Kiel gab es schon einmal eine große Halle, die Nord-Ostsee-Halle in der Gutenbergstraße direkt neben dem Professor-Peters-Platz, dort, wo sich heute die Hauptfeuerwache befindet. Sie wurde 1925 eingeweiht und diente vor allem als Ausstellungsgelände für die seit 1921 eingerichtete Nordische Messe. Auch nach dem Ersten Weltkrieg war Kiel gezwungen, seine einseitig auf die Marine und Werften ausgerichtete Wirtschaft umzustellen. Der Bau der Nord-Ostsee-Halle war eine dieser Maßnahmen. Hier sollte gezeigt werden, was Handel, Industrie und Wirtschaft in Schleswig-Holstein zu bieten hatten. 1944 wurde die Halle fast völlig zerstört. Bis Mitte 1950 plante man im Rathaus, die Halle wieder aufzubauen und in ihrer Nutzung zu erweitern. Am 21. September 1950 beschloss die Ratsversammlung jedoch den Neubau einer „Sport- und Ausstellungshalle“ für 9000 Besucher.

Nord-Ostsee-Halle
Nord-Ostsee-Halle

Ausschlaggebend waren vor allem finanzielle Gründe, denn der Wiederaufbau der alten Halle wäre teurer geworden als ein Neubau. Zudem war die Gutenbergstraße für Großveranstaltungen zu abgelegen, eine Halle im Zentrum Kiels daher günstiger.

Die Ostseehalle auf dem Gelände des Kuhbergviertels

Als Standort der neuen Halle waren das Sophienblatt, der Exerzierplatz und der Schlossgarten im Gespräch. Die Entscheidung fiel aber zugunsten des zerstörten Kuhberggeländes. Es war zentral gelegen, lag in der Nähe des Bahnhofs und war mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Hotels und Freiflächen befanden sich in nächster Umgebung. Zwischen dem Großen Kuhberg, heute Ziegelteich, und dem Kleinen Kuhberg lag 1950 eine triste, zerstörte, mit Bäumchen bepflanzte Fläche, die den Blick bis zum Bahnhof freigab. Die Gebäude der Commerzbank und der Kieler Nachrichten hatten noch Kriegsschäden, und in der Holstenstraße standen behelfsmäßige Verkaufsbuden. Lediglich die Grundsteinlegung 1949 für das Howehaus Holstenstraße/Schevenbrücke signalisierte den Wiederaufbau der Innenstadt, der nun mit der Bebauung des Kuhbergviertels durch eine große Halle fortgesetzt werden sollte.

Der Kuhberg - ein altes historisches Gelände

Der Kuhberg ist schon im Mittelalter und später ein Ort großer Versammlungen gewesen, denn hier fanden öfter die schleswig-holsteinischen Landtage statt, auf denen über wichtige Landesangelegenheiten beraten und Recht gesprochen wurde. Außerdem bekam die Stadt jahrhundertelang das Wasser in hölzernen Röhren vom Kuhberg. Seit Kiel 1575 über die eigentliche Altstadt hinauswuchs, entstanden hier die ersten Häuser und nach 1600 die ersten wichtigen Straßen: der Große und der Kleine Kuhberg und die Lange Reihe mit ihrer Fortsetzung, dem Walkerdammm. Dazwischen bildeten sich im Laufe der Zeit unübersichtliche Gassen und Gässchen, die Wohnort der einfachen Leute waren, die in kleinen Häusern mit Scheunen, Ställen und anderen Nebengebäuden wohnten. So malerisch sich das Viertel nach außen darstellte, war es wegen seiner Enge und Baufälligkeit für die Bewohner unbequem, dort zu leben. Im Zweiten Weltkrieg wurde das „Gängeviertel“, wie es auch hieß, durch Bomben fast völlig zerstört.

Vom Hangar zur Ostseehalle

Hier nun begannen im Dezember 1950 die Bauarbeiten für die Ostseehalle, die in der Bevölkerung auf Proteste stießen: Die Stadt ließ sich die neue Mehrzweckhalle mehr als 2,5 Millionen DM kosten, während viele Einwohner Kiels noch in Notunterkünften wohnten. Stadtbaurat Herbert Jensen nahm den Entschluss der Ratsversammlung gegen Kritik in Schutz, indem er die wirtschaftliche Notwendigkeit der Halle betonte und darauf hinwies, dass seit 1945 bereits „rund 150 Millionen DM für den Neubau und die Wiederinstandsetzung von rund 24.000

Wohnungen aufgewendet wurden“ und dass daher „die Kosten für den Bau der Ostseehalle ohne Bedenken vertretbar sein.“

Ostseehalle im Bau 1951
Ostseehalle im Bau 1951

Der Kern der Halle bestand und besteht auch heute noch aus einer Flugzeughalle vom Seefliegerhorst List auf Sylt. Nach dem Krieg waren ehemaligen Flugzeughallen sehr begehrt, z. T. für Fabrikhallen oder für neue Stahlkonstruktionen. Auch die Stadt Kiel bemühte sich um eine alte Flugzeughalle und erwarb vermutlich 1948 eine von drei Hallen von List. Mit Genehmigung der britischen Besatzungsbehörde wurde sie dort abmontiert und mit dem Zug nach Kiel geschafft und bei einer Schrottfirma gelagert.

1950 bekam der Kieler Architekt Wilhelm Neveling den Auftrag, eine Mehrzweckhalle für rund 9.000 Besucher zu entwerfen. Am 30. April 1951 feierte Kiel das größte Richtfest nach dem Krieg. Zur Kieler Woche 1951, am 17. Juni, wurde die Halle mit der ersten schleswig-holsteinischen Wirtschaftsschau eingeweiht. Anwesend waren der Kieler Oberbürgermeister Andreas Gayk, die gesamte Landesregierung und Vizekanzler Blücher als Vertreter der Bundesregierung. Mit einem „bunten Abend des Kieler Stadttheaters“ fand am 2. September 1951 die Einweihung des 2. Bauabschnitts der Halle statt.

Ostseehalle nach der Eröffnung 1951
Ostseehalle nach der Eröffnung 1951

Am 1. März 1952 konnte mit der endgültigen Fertigstellung die volle Kapazität der Ostseehalle genutzt werden, die damit eine der größten Unterhaltungshallen der Bundesrepublik war.

Die Ostseehalle erobert die Menschen

Zunächst wurde die Halle vor allem für lokale und regionale Veranstaltungen sportlicher, kultureller und wirtschaftlicher Art genutzt. Genannt seien hier insbesondere die Handballspiele des THW. Im Laufe der Jahre aber entwickelte sich die Ostseehalle zu einer Stätte nationaler und internationaler Darbietungen. Stars und Prominente aus Sport, Show, Wirtschaft und Politik kamen nach Kiel. Handballturniere, Leichtathletik-Hallenmeisterschaften, die Eisrevue Holiday on Ice, die Don Kosaken, der Geigenvirtuose Yehudi Menuhin, der Dirigent Wilhelm Furtwängler, der amerikanische Komponist und Dirigent Leonard Bernstein, der italienische Sänger Gigli, die Jazzmusiker Louis Armstrong und Lionel Hampton, die Politiker Konrad Adenauer, Kurt Georg Kiesinger, Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl u. a. traten in der Ostseehalle auf. Hinzu kamen zahlreiche Ausstellungen und Opern- und Pressebälle. „Die Ostseehalle eroberte mit ihrem vielschichtigen Angebot die Menschen“ (Karl-Heinz Reischuk).

Ostseehalle innen
Ostseehalle innen

Von 1952 bis 1959 lag die jährliche Besucherzahl im Durchschnitt bei 501 000. Nach 25 Jahren konnte die Halle 8,7 Millionen Besucher aufweisen, nach 50 Jahren schon 22 Millionen. Nur gut ein Drittel von ihnen kommt aus Kiel, 65% dagegen aus dem Umland, aus ganz Schleswig-Holstein und sogar aus dem südlichen Dänemark.

„Groschengrab“ Ostseehalle

Hatte die Halle 1956 noch Besucherzahlen von 587.000 aufzuweisen, stagnierten diese plötzlich, um dann tief einzubrechen. 1958 lagen sie bei nur 268.000, und dieser Trend setzte sich bis 1979 fort. Die geringeren Besucherzahlen waren sicherlich auf die Konkurrenz des Fernsehens zurückzuführen. Aber Veranstalter und Besucher stellten auch zunehmend höhere Ansprüche an Ausstattung und Bequemlichkeit. Daher wurden 1959 als wesentliche Verbesserung die harten und engen Holzbänke im 1. und 2. Rang gegen Klappstühle ausgewechselt. Aber dennoch kamen nicht mehr Besucher.

Pläne für eine umfassende Sanierung der Ostseehalle gab es genügend, aber das Geld fehlte. 1974 begann dann endlich die Renovierung, die sich 1979 fortsetzte, nachdem drei Damen beim Senioren-Karneval mit ihren Stühlen fast drei Meter in die Tiefe gestürzt waren. So wurde bis zum Beginn der 1980er Jahre mit über 4 Millionen DM fast das gesamte Innere der Ostseehalle erneuert, diese dann anschließend von außen saniert. Von 1974 bis 1993 investierte die Stadt Kiel in die Ostseehalle 23.218.000 DM. Sie war zum „Groschengrab“ der Stadt geworden. Es war daher nicht verwunderlich, dass die städtische Verwaltung mehrfach die Privatisierung der Halle diskutierte.

Am 1. September 1993 übernahm die im selben Jahr gegründetet „Ostseehalle Kiel Betriebsgesellschaft“ (OKB) die private kaufmännische Leitung der Halle, während die Verwaltung der Immobilie weiterhin bei den Kieler Hafen- und Verkehrsbetrieben blieb. Die Gesellschaft hatte sich zum Ziel gesetzt, die Ostseehalle mit Gewinn zu betreiben, was ihr trotz oder wegen weiterer Investionen auch gelang.

Eine Halle für die Zukunft

Aber für den Umbau in eine moderne, konkurrenfähige Arena fehlte wiederum das Geld. 20 Millionen DM waren erforderlich. Oberbürgermeister Norbert Gansel befürwortete daher den Verkauf der Ostseehalle. Er sagte 1998 : „Die Stadt ist an einer Modernisierung und Vergrößerung, vor allen Dingen bei den Sitzplätzen, und an einer Verschönerung sehr interessiert. Wir sind aber nicht in der Lage, diese Investionen aus dem Haushalt zu bezahlen. Bei einem Verkauf müsse gesichert sein, dass der Umbau vorgenommen wird und die Sicherung des Standards und der Arbeitsplätze gewährleistet sind.“

Sparkassen-Arena
Sparkassen-Arena

Im September 1998 stimmte die Ratsversammlung einstimmig bei drei Stimmenthaltungen dem Verkauf der Ostseehalle an die Käufergruppe Kieler Nachrichten, Provinzial und Citti zu. Der Kaufpreis für die Halle und das angrenzende Grundstück betrug 12 Millionen DM. Die Kosten für die Modernisierung wurden auf 15 bis 20 Millionen DM geschätzt. Im September 2000 begann der Umbau. Neben einem 4. Rang mit zusätzlich 2.500 Sitzplätzen erhielt die Halle u. a. weitere Ausstellungsflächen, VIP-Logen, eine neue Fassade aus Glas und Stahl und ein Dach, das an die Flügel eines riesigen Flugzeugs und damit an die ursprüngliche Nutzung der Stahlkonstruktion der Ostseehalle erinnert. Im September 2001 waren die Umbauarbeiten abgeschlossen. „Die Ostseehalle ist also gerüstet für die nächsten Jahrzehnte“ (Karl-Heinz Reischuk). Als eine der größten und modernsten Veranstaltungshallen Deutschlands bietet sie Platz für 13.500 Besucher, bei Handballspielen für 10.000. Nach wie vor ist die Ostseehalle Stätte für Konzerte, Handballspiele des THW, von Kongressen, Verkaufsmessen, Reit- und Boxveranstaltungen und politischen Großkundgebungen.

Um eine noch viefältigere Nutzung zu ermöglichen, erhielt die Halle 2008/2009 einen Südanbau. Er enthält im Obergeschoss eine VIP-Business-Longe mit 350 Sitzplätzen, die direkt mit der Halle verbunden ist, aber auch separat genutzt werden kann. Hauptmieter ist der THW.

Seit dem 1. Januar 2008 hat die Ostseehalle ihren alten Namen verloren. Durch einen Vertrag mit den Eigentümern erhielt die Sparkassen-Finanzgruppe die Namensrechte an der Halle. Sie heißt nun Sparkassen-Arena.

Christa Geckeler

Literatur

Jessen-Klingenberg, Manfred: Die Ostseehalle: Aus Schwertern wurden Pflugscharen, in: Begegnungen mit Kiel. Gabe der Christian-Albrechts-Universität zur 750-Jahr-Feier der Stadt, hrsg. von Werner Paravicini in Zusammenarbeit mit Uwe Albrecht und Annette Henning, Neumünster 1992, S. 320 f.

Kiel. Bürger bauen eine neue Stadt, hrsg. vom Magistrat der Stadt Kiel, Kiel 1955, S. 101, S. 126

Reischuk, Karl-Heinz: Die Geschichte eines Hangars. 50 Jahre Kieler Ostseehalle, Hrsg: Ostseehalle Kiel, Betriebsgesellschaft mbH & Co. KG, Hamburg 2001

Zeitungen

Kieler Nachrichten vom 4. November 1976, vom 11. März 1977, vom 21. September 2001, vom 28. Januar 2009, vom 18. Februar 2009

Schleswig-Holsteinische Volkszeitung vom 8. März 1951

Weitere Infos:


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