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Kieler Erinnerungstag: 19. Februar 1970

Die Stadt Kiel stiftet die Andreas-Gayk-Medaille

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Die Stadt Kiel stiftet die Andreas-Gayk-Medaille

„Um Anerkennung und Dank für Verdienste zum Wohl der Stadt und ihrer Bürger sichtbar zum Ausdruck zu bringen, stiftet die Ratsversammlung eine Verdienstmedaille der Stadt Kiel. Sie trägt den Namen ’Andreas-Gayk-Medaille’.“ So heißt es in der Satzung der Stadt Kiel über die Stiftung und Verleihung einer Verdienstmedaille vom 19. Februar 1970.

Ein langer Beratungsweg

Seit 1962 hatte sich der Ältestenrat der Ratsversammlung mit der Frage beschäftigt, wie verdiente Bürger zu ehren sind. Man einigte sich damals auf die Verleihung einer Verdienstmedaille. Da im Detail jedoch Differenzen bestanden und keine Entscheidung herbeigeführt werden konnte, ergriff Stadtpräsident Köster im März 1967 erneut die Initiative. Er schlug vor, anlässlich der 725-Jahrfeier der Stadt erstmalig eine Verdienstmedaille zu vergeben. Köster forderte die Fraktionen zu Stellungnahmen auf. Diese befürworteten grundsätzlich eine solche Medaille. Aber über den Namen, die Gestaltung der Plakette und über die Häufigkeit ihrer Verleihung wurde über zwei Jahre diskutiert. Schon der Name war strittig: Kiel-Medaille, Ehrenmedaille der Stadt Kiel, Goldmedaille der Stadt Kiel oder Andreas-Gayk-Medaille standen im Raum. Die SPD sah für die Gestaltung auf der einen Seite der Plakette das Bild des ehemaligen Oberbürgermeisters Andreas Gayk vor, dessen Name untrennbar mit dem Wiederaufbau Kiels verbunden sei. Auf der anderen Seite sollte das historische Stadtsiegel abgebildet sein. Die CDU befürwortete das historische Siegel, bevorzugte aber auf der Kehrseite das Wappen der Landeshauptstadt. Einig war man sich dagegen, dass die Medaille aus Gold hergestellt werden sollte, da es sich um einen repräsentativen Preis handelt. Am 22. Januar 1970 einigte sich der Ältestenrat endgültig auf die Verleihung einer Andreas-Gayk-Medaille aus 14-karätigem Gold.

Die Andreas-Gayk-Medaille

Am 11. Februar 1970 beriet der Ältestenrat abschließend über die Satzung für die Verleihung der Andreas-Gayk-Medaille. Am 18. Februar stimmte der Magistrat, am 19. Februar die Ratsversammlung der Satzung zu.

Der Entwurf für die Medaille stammte aus der Muthesius-Werkschule, die Ausführung übernahm eine Gravieranstalt aus Wuppertal. 926 DM kostete damals die Herstellung einer Medaille. Die kreisrunden Goldmünzen haben einen Durchmesser von 7 cm und sind 5 mm dick. Auf der Vorderseite zeigen sie das Bild von Oberbürgermeister Andreas Gayk mit faksimilierter Unterschrift, auf der Rückseite die Worte „Für Verdienste um die Landeshauptstadt Kiel“.

Feierstunde zur ersten Medaillenverleihung 1971
Feierstunde zur ersten Medaillenverleihung 1971

Die Medaille wird von der Ratsversammlung verliehen „an Persönlichkeiten, die sich auf politischem, wirtschaftlichem, sozialem oder kulturellem Gebiet außergewöhnliche Verdienste um die Stadt Kiel erworben haben,

oder

sich durch eine besonders aufopferungsvolle Tätigkeit für die Stadt und ihre Bürger um das Wohl Kiels verdient gemacht haben,

oder

das Ansehen der Stadt im In- und Ausland durch ihren persönlichen Einsatz in hervorragender Weise gefördert haben“.

Vorschläge, wer für diese Ehrung vorgesehen werden sollte, konnten aus der Bürgerschaft, der Ratsversammlung und dem Magistrat eingehen. Die Zahl der lebenden ausgezeichneten Medaillenbesitzer durfte 30 nicht überschreiten. Die Verleihung sollte in feierlicher Form einmal im Jahr in der Ratsversammlung durch den Stadtpräsidenten vorgenommen werden. Weil es in der Satzung von 1970 ausdrücklich heißt, dass „eine Rückgabepflicht [der] Hinterbliebenen“ nicht besteht, gab die Stadt gleich 45 Medaillen in Auftrag.

1971: Ehrungen für 15 Kieler

In einer würdigen Feierstunde ehrte die Ratsversammlung am 16. Dezember 1971 zum ersten Mal 15 Kieler Bürger mit der Andreas-Gayk-Medaille. Die Medaillen wurden von der Stadtpräsidentin Ida Hinz und Oberbürgermeister Günther Bantzer überreicht in Anerkennung und als Dank für besondere Verdienste um den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Neuaufbau der Landeshauptstadt nach dem Krieg.

Übergabe der Urkunde an Prof. Hallermann 1971
Übergabe der Urkunde an Prof. Hallermann 1971

Die Stadt hatte zuvor aufgerufen, Personen zu benennen, „deren selbstlosem Einsatz und großer Aktivität es zu verdanken ist, dass der Wiederaufbau unserer Stadt so zügig vorangetrieben werden konnte.“ Daraufhin gingen 89 Vorschläge ein, von Kieler Bürgern, dem Deutschen Gewerkschaftsbund, vom Kulturamt, der SPD und den Fraktionen der Ratsversammlung. Weitere 82 Bürger kamen in die engere Wahl, die schon in den Festsitzungen der Ratsversammlung am 16.9.1947 und 2.9.1948 aufgrund ihrer ehrenamtlichen Aufräumarbeiten von Trümmern nach dem Krieg geehrt worden waren. Die Ratsversammlung wählte 15 Preisträger aus. Darunter waren eine Trümmerfrau, die den höchsten Einsatz einer Frau beim Aufräumdienst erbracht hatte, ein Kieler, der als Elfjähriger an 52 Sonntagen ehrenamtliche Aufräumarbeiten geleistet hatte, eine gebürtige Schottin, die sich als Mittlerin zwischen Stadtverwaltung und Besatzungsmacht betätigt hatte. Außerdem wurden weitere Personen, die in der Zeit von Not, Hunger und Elend in der Nachkriegszeit ehrenamtlich Arbeit geleistet hatten, mit der Medaille ausgezeichnet: ein Pastor, der sich um Kinder, Flüchtlinge und Einsame kümmerte, ein Professor, der das Studentenwerk aufbaute, ein Bürgermeister, der sich für die Versorgung der Bevölkerung einsetzte, Kiels erster Oberbürgermeister nach dem Krieg und Personen, die sich um den Wiederaufbau der Industrie- und Handelskammer, der Gewerkschaften oder des Kieler Sportlebens verdient gemacht hatten.

Die zweithöchste Auszeichnung der Stadt

Seit 1971 werden fast in jedem Jahr ein oder mehrere Kieler Bürger mit der Andreas-Gayk-Medaille geehrt. Sie haben sich Verdienste um die Stadt in der Politik, der Wirtschaft, in der Kultur, im Sport, auf journalistischem und sozialem Gebiet erworben. Nach dem Ehrenbürgerrecht ist die Andreas-Gayk-Medaille die zweithöchste Auszeichnung der Stadt. Nur wird sie aus Kostengründen nicht mehr in Gold angefertigt, sondern in Silber.

Christa Geckeler

Quellen

Akte des Büros der Stadtpräsidentin, Nr.: 001/03/2: Andreas-Gayk-Medaille

Zeitungen

Kieler Nachrichten vom 13. Februar 1970, vom 21. Februar 1970, vom 17. Dezember 1971, vom 17. Dezember 1997, vom 17. Dezember 2001

Weitere Infos:


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