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Kieler Erinnerungstag: Juni 2007

125 Jahre Kieler Woche

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125 Jahre Kieler Woche

Die größte Segelregatta der Welt findet jährlich in der Kieler Woche statt. Sie feiert 2007 ihren 125. Geburtstag. In ihrer Gestaltung und Ausrichtung ist sie ein Spiegel deutscher Geschichte vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart.

Am 23. Juli 1882 setzten 20 Yachten Segel zu einer eintägigen Wettfahrt auf der Kieler Förde. Segeln zum Vergnügen und aus Freude am Sport war damals ungewöhnlich. Wassersport, Golf und Reiten waren kostspielig und daher exklusive Sportarten der Reichen. In den unteren und mittleren Schichten wurden Fußball, Turnen und Radsport bevorzugt.

1862 war der Erste Kieler Ruder-Club entstanden, der 1869 mit dem Norddeutschen Regatta-Verein (NRV) aus Hamburg eine erste Wettfahrt für Ruder- und Segelboote auf der Förde veranstaltete. Den Mitgliedern des NRV standen nur die Alster oder die Elbe mit ihrem Gezeitenstrom zur Verfügung. Sie suchten deshalb außerhalb Hamburgs nach einem günstigeren Segelrevier. Der Vorsitzende des NRV und dessen Segelwart beobachteten 1881 eine kleine Segelregatta auf der Kieler Förde, deren Revier sie als vorzüglich erkannten. Die Kieler Marinesegler, die das Segeln auf der Förde ausweiten wollten, begrüßten daher eine Verabredung für eine gemeinsame Wettfahrt für den Juli 1882.

Unter großer Anteilnahme der Kieler Bevölkerung fand der Segelwettkampf statt. Prinz Heinrich und seine Schwestern und zahlreiche Gäste aus Hamburg, Lübeck und Flensburg beobachteten die Regatta von Dampfern, Segelkuttern, Ruderbooten und Kähnen aus. Veranstalter war der NRV, denn in Kiel gab es noch keinen Segelklub. Nach der Segelregatta wurde die vom Ersten Kieler Ruder-Club organisierte Ruderregatta durchgeführt. Die Kieler Zeitung vom 25. Juli berichtete: „Nach der (Segel-)Regatta fand an Bord der ’Auguste Viktoria’ die Preisverleihung statt, dann Dinner im Bellevue, und am Abend endete ein Fest im Offizierskasino den schönen Tag.“ Schon hier zeichneten sich nach Hedwig Sievert die wesentlichen Merkmale des seit 1894 als Kieler Woche bezeichneten Segelereignisses ab: eine große Beteiligung der Bevölkerung und der kaiserlichen Familie, die feierliche Preisverleihung und das Festessen im Bellevue.

Die Kieler Woche im Glanz der Kaiserzeit

Die Segelregatta war ein voller Erfolg und wurde deshalb jährlich im Juni als eintägige Veranstaltung wiederholt. An ihr beteiligten sich immer mehr Segler, auch aus anderen deutschen Städten und aus dem Ausland. 1892, zehn Jahre nach der ersten Wettfahrt, gingen statt der 20 Boote nun schon 100 an den Start. Alleiniger Veranstalter war zunächst weiter der NRV. Dann teilte sich dieser die Aufgaben mit dem 1887 in Kiel entstandenen Marine- Regatta-Verein (MRV).

Die Marine spielte in Kiel eine entscheidende Rolle. Seit 1865 war Kiel Ostseestation der preußischen Marine. 1887, als der MRV entstand, hatte die Marine noch eine geringe Bedeutung, denn unter Wilhelm I. und seinem Reichskanzler Bismarck standen die 1870/80er Jahre ganz im Zeichen der Kontinentalpolitik. Wilhelm II., der 1888 deutscher Kaiser wurde, vergrößerte die Flotte. Seine Schlagworte lauteten: „Weltpolitik als Aufgabe, Weltmacht als Ziel, Flottenbau als Instrument“. Durch die Flottengesetze von 1898 und 1900 wurden immer mehr Kriegsschiffe auf den Werften des Kieler Ostufers produziert und immer mehr Marinesoldaten in Kiel stationiert.

Im Gründungsjahr hatte der MRV 251 Mitglieder, vorwiegend Marineoffiziere. 1889 übernahm Prinz Heinrich, der Bruder des Kaisers, das „Protectorat“ des Vereins, der sich 1891 zum Kaiserlichen Yacht-Club (KYC) umgestaltete, dessen Kommodore der Kaiser höchst persönlich war. Der KYC hatte 1913 schon 3600 Mitglieder. In der Mehrzahl waren es Seeoffiziere, vom Leutnant bis zum Admiral, aber auch führende Reeder, hohe Beamte, Diplomaten, Rittergutsbesitzer, Fabrikanten, Bankiers. Reiche Kaufleute oder Professoren konnten in den Club nur eintreten, wenn sie Reserveoffiziere geworden waren. Diesen Dienstgrad aber konnten selbst angesehene Kaufleute nicht erwerben, wenn Recherchen ergeben hatten, dass sie in ihrem Geschäft selbst Kunden bedienten. Der Kaiserliche Yacht-Club war also ein höchst elitärer Verein.

Postkarte Regatta 1912
Postkarte Regatta 1912

An der Spitze der Hierarchie standen der Kaiser und seine Familie. Prinz Heinrich, der im Kieler Schloss wohnte, war schon seit 1885 aktiver Teilnehmer der Kieler Woche.

Der Kaiser und die Kieler Woche

1889 besuchte der Kaiser vor Antritt seiner Nordlandreise die Kieler Woche, stiftete einen Wanderpreis und übernahm 1890 „höchst eigenhändig“ Preisverleihungen. Von nun an war der Kaiser alljährlich im Juni zur Kieler Woche an der Ostsee. Er reiste mit dem Sonderzug an, verließ unter Begleitung hoher Stadtvertreter den Bahnhof durch das für ihn gebaute „Kaiserportal“. Am Kai bestieg er eine Barkasse, die ihn zu seiner Yacht „Hohenzollern“ brachte, auf der er während der Kieler Woche zumeist residierte und auch die Wettfahrten beobachtete. Seit 1893 nahm Wilhelm II. auch aktiv an den Fahrten mit seinen Rennyachten „Meteor“ I-IV teil und steuerte 1901 seine Yacht „Iduna“ selbst.

Der Besuch des Kaisers in Kiel galt weniger der Stadt, sondern seiner Flotte. Zur Kieler Woche wurde dem In- und Ausland die Macht der deutschen Flotte und damit des Deutschen Reiches beeindruckend zur Schau gestellt. Zu den ausländischen Besuchern gehörten viele Staatsoberhäupter, unter ihnen der russische Zar (1892), der belgische König (1897) und der englische König (1904).

Alljährlich fand ein großes gesellschaftliches Programm statt. Seit 1894 huldigten blumengeschmückte Boote in einem Korso dem Kaiser auf seiner Yacht „Hohenzollern“. Es gab ein Feuerwerk und Feste an Bord der Kaiserlichen Yacht, im Kieler Schloss, an Bord der Kriegsschiffe und im Kaiserlichen Yacht-Club. Die Gräfin Baudissin urteilte: „Und die Krone und die Sehnsucht aller Mädchen- und Leutnantsherzen bildet der große Ball in der Marineakademie, zum dem allerdings nur Mitglieder des Kaiserlichen Yacht-Clubs und von diesen eingeführte Gäste Zutritt haben“.

Und die normalen Bürger Kiels, die Werftarbeiter, Handwerker, Beamten, kleinen Ladenbesitzer? Sie waren Zuschauer, aber nicht aktiv beteiligt. Ihre Bedeutung war politisch und gesellschaftlich gering, und das spiegelte sich in der Kieler Woche wider. Trotzdem zog es diese Menschen zur Kieler Woche. Sie kamen in Sonderzügen aus Hamburg und ganz Schleswig-Holstein. Man wollte die Kriegsschiffe sehen, die vornehmen Leute bewundern, Platzkonzerte hören, vor allem beim Blumenkorso und dem Feuerwerk dabei sein und sich anschließend beim Tanz in einem Lokal vergnügen.

Die Sozialdemokratie dagegen appellierte an die Arbeiter, die Kieler Woche zu boykottieren, denn in Preußen galt noch immer das Dreiklassenwahlrecht für die Kommunal- und Landtagswahlen. Die Stimme des Arbeiters hatte hierbei politisch kaum Gewicht. So gab die Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung 1904 auf die Frage „Was ist die Kieler Woche?“ folgende Antwort: „Ein Stelldichein der wackeren Leute, die mit einem silbernen Teelöffel im Munde geboren, nichts zu tun haben als die Welt zu durchschwärmen und von Fest zu Fest zu ziehen. Jetzt eilen sie nach Kiel. Da treffen sie sich, die Reichen aus allen Ländern der Erde. Stolz schaukeln die Yachten der Millionäre und Milliardäre auf den Fluten der Kieler Förde.“ Aber die Arbeiter feierten als Zuschauer weiter mit.

Die Kieler Woche, die inzwischen mehrtägig stattfand und an der sich zumeist 450-500 Boote beteiligten, ging 1914 mitten in den Wettfahrten abrupt zu Ende. Am Sonntag, dem 28. Juni, war die „Meteor“ mit dem Kaiser an einer Wettfahrt beteiligt, als sich ein Depeschenboot näherte, das aber ärgerlich abgewiesen wurde. Daraufhin wurde ein Zigarettenetui hinüber geworfen mit dem Telegramm: Österreich-ungarisches Thronfolgerpaar in Sarajewo ermordet. Die „Meteor“ holte den Rennstander nieder, die Kieler Woche wurde abgebrochen. Wenige Wochen später brach der Erste Weltkrieg aus.

„Im Abglanz alter Zeiten“ – die Kieler Woche in der Weimarer Republik

Der Krieg ging für Deutschland verloren. Die Bedingungen des Versailler Friedensvertrages trafen das Reich empfindlich. So musste es z. B. die alleinige Kriegsschuld und allgemeine Rüstungsbeschränkungen, natürlich auch für die Marine, anerkennen. Während der Revolution 1918 hatte der Kaiser abgedankt, Deutschland wurde demokratische Republik, mit der sich aber viele Bürger nicht identifizieren konnten. Auch im Kaiserlichen Yacht-Club war man weiterhin monarchisch gesonnen. Er behielt seinen Namen, der Kaiser blieb Kommodore, Prinz Heinrich Vizekommodore. Sogar im Reichstag in Berlin wurde die antidemokratische Haltung des KYC diskutiert und durch den Reichswehrminister General Groener den aktiven Marineoffizieren die Mitgliedschaft im Club untersagt.

Regatten wurden aber weiterhin alljährlich veranstaltet, wenn auch in kleinerem Rahmen und mit kleineren Booten. 1919 wurde jedoch die geplante Kieler Woche abgesagt. Sie sollte am 28. Juni eröffnet werden, an dem Tag, an dem der Versailler Friedensvertrag unterschrieben werden musste. Die Regierung Scheidemann trat zurück, und die veranstaltenden Segelvereine ließen die Kieler Woche „wegen der politischen Lage“ ausfallen.

1920 traten nur 50 kleinere Boote in Kiel zum Wettkampf an, die aus einigen deutschen Städten kamen. Aus dem Ausland war nur eine einzige Yacht aus Schweden beteiligt. Durch den Krieg waren offizielle Kontakte mit dem Ausland im sportlichen und kulturellen Bereich zerrissen worden und kamen durch die Isolation Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg nur zögerlich wieder in Gang. 1921 war die Kieler Woche stärker besucht, und 1922 hatten sich sogar schon sechs Segler aus Schweden eingefunden. 1923 gab es dann wieder einen Rückschlag, denn die Inflation machte es den Gästen schwer, ihren Aufenthalt in Kiel bei steigender Geldentwertung zu finanzieren. Ab Mitte der 1920er Jahre gewann die Kieler Woche dann aber wieder zunehmend an Bedeutung. 1930 waren 133 Yachten am Start, darunter Schweden, Dänen, Engländer, Holländer. Auch die in- und ausländische Marine erschien mit Flottenverbänden im Kieler Hafen.

Langsam hatte sich ebenfalls ein gesellschaftliches Programm entwickelt, zwar ohne diplomatische Empfänge und ohne Besuche hoher Politiker aus Berlin. Diese vermieden die Kieler Woche wegen der monarchischen Einstellung des KYC. Aber die Stadt veranstaltete einen Begrüßungsabend im Ratskeller, es gab ein Militärkonzert, den Yachtclub-Ball im Bellevue, ein Gartenfest der Kieler Seglervereinigung und natürlich die feierliche Preisverleihung. Die Bevölkerung war kaum an der Segelwoche beteiligt, sie schaute nur den Regatten zu. Es gab für sie auch wenig andere Möglichkeiten. Denn die Idee, die Kieler Woche zu einem Fest aller Sportler zu machen, wie es 1918 geplant wurde, hatte sich nicht durchgesetzt. Außerdem gab es in der Kieler Woche kein attraktives Kulturprogramm für Einheimische und Gäste.

Statt dessen setzte die Stadt auf die Kieler Herbstwoche für Kunst und Wissenschaft im September, die das Image Kiels von Kaiserreich, Marine und Revolution befreien und demokratische Werte an die Stelle setzen sollte. Die ersten Herbstwochen waren erfolgreich, bedeutende Redner fanden sich ein, wie Albert Einstein und Albert Schweitzer, Konzerte, Theateraufführungen und Ausstellungen fanden statt. „Die Zeit war aber wohl noch nicht reif, die Kieler Woche, die nicht zuletzt ihre internationale Reputation hätte einbringen können, und die Herbstwoche mit ihrer erklärt demokratischen Konzeption zu verbinden. Die konservativen wie die fortschrittlichen Kreise waren dafür offenbar noch nicht empfänglich“ (Jürgen Jensen).

Die Kieler Woche im Zeichen der nationalsozialistischen Propaganda

Die Nationalsozialisten nutzten die Kieler Woche von Anfang an für ihre Propaganda, für die Anerkennung ihres Systems im In- und Ausland.

1933 waren zur Begrüßungsfeier im Kollegiensaal des Rathauses, der mit Hakenkreuzfahnen und Führerbild geschmückt war, zahlreiche Gäste im „braunen Ehrenkleid“ erschienen. Der nationalsozialistische Oberbürgermeister Behrens betonte: „Sport wird immer mehr einen Arbeitscharakter bekommen, weil es die Interessen des Staates so fordern. Ziel jeden Sportlers muss sein, sich in jeder Sekunde seines Lebens als politischer Soldat des Reiches zu fühlen.“

Mit ungeheuerem Propagandaaufwand fand die Kieler Woche 1934 statt, die von Berlin aus gestaltet wurde. 540 Boote aus 14 Nationen hatten sich gemeldet, soviel wie nie zuvor nach dem Ersten Weltkrieg. Eine Sonderfluglinie brachte höchste Repräsentanten aus Staat und Partei zu den Veranstaltungen nach Kiel. In einem großartigen Feuerwerk am ersten Abend „leuchteten im Feuerbild“ Friedrich der Große, der Reichspräsident Hindenburg und der Reichskanzler Adolf Hitler. Und Oberbürgermeister Behrens verkündete, dass „von nun an die Reichsmarinestadt Kiel das seglerische Nürnberg Deutschlands“ sein werde.

Unter Friedens- und Freundschaftsbekundungen fanden die Kieler Wochen bis 1939statt, die Teilnehmerzahl war aber sinkend. Gleich nach der Segelolympiade 1936 wurden der Kaiserliche Yacht-Club und die Kieler Segler-Vereinigung gleichgeschaltet und 1937 zum Yacht-Club von Deutschland umgestaltet. 1939 fanden die letzte Kieler Woche und im August die Starboot-Weltmeisterschaft statt, während die Kriegsvorbereitungen in diesen Tagen auf höchsten Touren liefen. Am 1. September 1939 brach der Zweite Weltkrieg aus, von Deutschland entfesselt.

Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg

Windjammerparade
Windjammerparade

1945 war Kiel zu 80% zerstört, 5 Millionen Kubikmeter Trümmer bedeckten die Stadt. Wohnhäuser, öffentliche Gebäude, Versorgungseinrichtungen lagen in Schutt und Asche. Die britische Besatzungsmacht hatte den Yacht-Club aufgelöst und das Klubhaus und die meisten Boote beschlagnahmt. Aber die Briten setzten die Tradition der Kieler Woche fort, indem sie im Sommer 1945 bis 1947 eine Segelregatta, die „Kiel Week“, veranstalteten. Es war ein exklusives Ereignis nur für die Sieger.

Die Stadt Kiel entschloss sich auf Initiative von Oberbürgermeister Andreas Gayk, 1947 eine Septemberwoche zu begehen in Anknüpfung an die Tradition der Weimarer Republik, als von 1920 bis 1927 die Herbstwoche für Kunst und Wissenschaft veranstaltet worden war. Die Septemberwoche 1947 stand unter dem Motto „Kiel im Aufbau“. Sie sollte zeigen, was Kiel bisher an Aufbauleistungen erreicht hatte, was es durch die Anstrengungen aller in Zukunft noch zu tun gab und dass Frieden, Humanität und Völkerverständigung die neuen geistigen Werte waren. 1948 wurde die Septemberwoche wiederholt mit einem umfangreichen politischen und kulturellen Programm, mit einem Volksfest auf der Krusenkoppel und einem Feuerwerk. Auch ausländische Gäste waren zu der Festwoche erschienen. Die Herbstwoche, auch als Kieler Woche bezeichnet, sollte für Andreas Gayk den Rang einer Kieler Woche haben, die aber mit neuen Inhalten gefüllt war. Die geistige Erneuerung sollte im Mittelpunkt der Veranstaltungen stehen, wobei das Segeln nur ablenken würde.

Der KYC, seit 1946 nun Kieler Yacht-Club, hatte schon im Juni 1948 die erste Segelwoche nach dem Krieg abgehalten. Es gab nun zwei Kieler Wochen in einem Jahr. Zwischen Yacht-Club und Stadtverwaltung kam es zu einem Streit, wer die Kieler Woche veranstalten dürfe. Nach heftigen Diskussionen gab Andreas Gayk nach, denn er erkannte, dass die Kieler Woche, die das traditionelle Segeln mit einschloss, den Ruf Kiels als Stadt der Friedenswirtschaft und der Völkerverständigung im Ausland festigen konnte. Er erklärte öffentlich, ohne das Segeln könne es keine Kieler Woche geben. Segel- und Aufbauwoche wurden zusammengelegt. Und so gibt es seit 1949 eine gemeinsame Kieler Woche mit den Schwerpunkten Sport, Kultur, Politik.

1949 waren die Segelveranstaltungen noch bescheiden. 135 Yachten gingen an den Start, darunter zwei englische Starboote. Vertreter des öffentlichen Lebens waren aus dem Ausland gekommen. Neben Veranstaltungen der Stadt, der Wirtschaft, des Sports, der Schulen und der Universität war einer der Höhepunkte des Programms der Vortrag von Prof. Otto Hahn über die Atomkernforschung als Beispiel internationaler Zusammenarbeit.

Bundespräsident Heuss, OB Gayk 1951
Bundespräsident Heuss, OB Gayk 1951

In den nächsten Jahren gewann die Kieler Woche zunehmend an nationaler und internationaler Bedeutung. Sie wurde zum Treffpunkt von Diplomaten, Politikern und Staatsoberhäuptern. 1950 kam der Bundespräsident Theodor Heuss zu Besuch. Das war das erste Mal, dass nach 1914 ein deutsches Staatsoberhaupt zur Kieler Woche anwesend war. Er kam die nächsten Jahre wieder und nach ihm andere Bundespräsidenten und auch Bundeskanzler. Neben den Segelwettkämpfen gab es ein umfangreiches Kulturprogramm mit „staatspolitischen Vorträgen“, die später durch Fachkongresse ersetzt wurden, und mit der Verleihung des Kulturpreises der Stadt Kiel als Höhepunkte. Außerdem wurden Theatergastspiele, Autorenlesungen, Konzerte von Klassik bis Rock und Kunstausstellungen, seit den 1960er Jahren auch aus Osteuropa, veranstaltet.

Malen für Kinder 1973
Malen für Kinder 1973

Tausende von Kielern und Gästen nehmen alljährlich an den Massenveranstaltungen teil: an der Eröffnung der Kieler Woche, am anschließenden Holstenbummel, am Volksfest auf der Krusenkoppel, an dem Kindervergnügen auf der Spiellinie, am Besuch des Internationalen Marktes, an den Open-Air-Konzerten und am Abschlussfeuerwerk. 5000 Segler mit 2000 Booten aus über 50 Nationen sind jedes Jahr zur Kieler Woche am Start, die als größtes Segelereignis der Welt und als größtes Sommerfest im Norden Europas bezeichnet wird.

Christa Geckeler

Literatur

Erdmann, Karl Dietrich: 100 Jahre Kieler Woche, 100 Jahre deutscher Geschichte, in: Karl Dietrich Erdmann. Träger des Kulturpreises 1982 der Landeshauptstadt Kiel, Kiel 1982, S. 31-51

Istel, Werner und Axel Rost: Die Kieler Woche. Das größte Segelfest seit 1882, Hamburg 1996

Jensen, Jürgen: Kiel im Kaiserreich. Das Erscheinungsbild der Marinestation der Ostsee 1871-1918, Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 9, Neumünster 1978

Jensen, Jürgen: Die Kieler Woche, Deutschland und die Welt, in: Geschichte der Stadt Kiel, Hg. Jürgen Jensen und Peter Wulf, Neumünster 1991, S.457-475

Jensen Jürgen und Renate Jürgens: Kiel in der Geschichte der Malerei. Die Fördestadt im ersten Jahrhundert der Kieler Woche, Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 14, Neumünster 1982

Sievers, Kai Detlev: Die „Kieler Woche“ im wilhelminischen Deutschland. Ihre nationale und soziale Bedeutung, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 67, 1980, S. 213-228

Sievert, Hedwig: 75 Jahre Kieler Woche, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 48, 1957, S. 189-220

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