Ausstellung in der Stadtgalerie
In der Heinrich-Ehmsen-Stiftung:
Heinrich Ehmsen
Frühe Aktstudien 1907-1913
27. April - 31. Oktober 2010

Heinrich Ehmsen, Aktstudie, 1907, Bleistift, Foto: Helmut Kunde, Strande

Heinrich Ehmsen, Liegender weiblicher Akt, 1907, Kohle, Foto: Helmut Kunde, Strande

Heinrich Ehmsen, Studie mit 9 Akten, 1907, Tusche, Foto: Helmut Kunde, Strande

Heinrich Ehmsen, Frauen zerbrechen, 1913/17, Bleistift, Foto: Helmut Kunde, Strande

Heinrich Ehmsen, Menschen in Landschaft 2, 1913, Bleistift, Foto: Helmut Kunde, Strande
Seit der Gründung der Kunstakademien im späten 16. Jahrhundert gehört das Studium des klassischen an die Antike angelehnten Aktzeichnens zur Grundlage der künstlerischen Ausbildung. Den nackten Körper mit Bleistift auf Papier zu bringen und damit seine Stellungen und Bewegungen und deren Wiedergabe zu verinnerlichen, diente der zeichnerischen Schulung und wurde zur Basis für die Ausbildung bildender Künstler, die über hand-werkliche Fähigkeiten hinausstrebten.
So nimmt auch Heinrich Ehmsen 1907 an der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule, ausgestattet mit einem Kieler Stipendium, das Studium des Aktzeichnens auf. Auch im Rahmen seiner Ausbildung zum Dekorationsmaler bei Johannes Lauweriks (1864-1932) betreibt Ehmsen Akt- und Tierstudien, um das Zeichnen von Formen, Konturen und Schattierungen einzuüben. Während seines gut anderthalbjährigen Aufenthalts ab 1910 in Paris setzt Ehm-sen das Aktstudium fort. Dazu besucht er die Académie Colarossi, da im dortigen öffentlichen Studio Modelle für wenig Geld gestellt werden.
Diese Akte sind in Formgebung und Ausgestaltung auf das akademische Studienzeichnen beschränkt, was an den zumeist skizzenhaften Zeichnungen gut ablesbar ist. Die Bewegungsstudien, die er während dieser Zeit anfertigt, lassen sich in den aufsteigenden weiblichen Figuren seiner an die Formsprache des Jugendstils ange-lehnten Holz- und Linolschnitte wiedererkennen. Trotz des intensiven Aktstudiums gehen Ehmsens Aktzeichnun-gen nicht über Studien und Skizzen hinaus. Als inhaltliches Thema entdeckt er den Akt nicht, auch wenn er spä-ter gelegentlich nackte Körper zur symbolischen Darstellung von Flucht, Leid und Tod nutzt. Erst in den späteren Arbeiten Ehmsens zeigt sich, dass es das Aktstudium war, das es ihm ermöglichte, die Befindlichkeiten des Indi-viduums zum Ausdruck zu bringen.
Relativ unvorbereitet trifft Heinrich Ehmsen die Einberufung zum einjährigen Militärdienst, den er in den
Jahren 1911/12 in München ableistet. Hier knüpft er Kontakte zu den Künstlervereinigungen des Blauen
Reiters und der Neuen Secession München und wohnt nach dem Militärdienst in Schwabing. In seinen hier ge-zeichneten Aktstudien verbindet er die Linien der Körper in Teilen mit den sie umgebenden Landschaften, was an die Arbeiten von André Dérain (1880-1954) erinnert. Auch erste Hinweise auf Abstraktion werden in diesen Stu-dien sichtbar.
Mit Beginn des Ersten Weltkrieges endet Ehmsens Aktstudium weitgehend. Lediglich eine 1913 begonnene Blei-stiftzeichnung stellt er 1917 fertig und gibt ihr den Titel Frauen zerbrechen. Akte finden sich zwar noch in Selbst-portraits oder Gesellschaftsdarstellungen, sie stehen jedoch nicht im Zentrum seines Interesses. Thematisch befasst sich Ehmsen fortan mit den Erlebnissen des Ersten Weltkrieges und der Revolution, deren Augenzeuge er in München wird.
