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Ostfriedhof - Geschichte

Allee auf dem Ostfriedhof
Allee auf dem Ostfriedhof

Der Ostfriedhof wurde im Jahr 1909 von der Bugenhagen-Kirchengemeinde als Friedhof für die Gemeinden Ellerbek und Wellingdorf angelegt. An dieses Ereignis erinnert heute der Gedenkstein im Eingangsbereich der Kapelle. 1940 übernahm die Stadt Kiel das direkt an der Stadtgrenze liegende Friedhofsareal, das nach dem Ende des zweiten Weltkriegs das Doppelte vergrößert wurde.
 
Vom Haupteingang am Klausdorfer Weg verläuft der breite, durch eine Allee eingefasste Hauptweg in Richtung Friedhofskapelle. Dahinter erstreckt sich der durch ein unregelmäßiges Wegenetz und einer nur angedeuteten Hauptachse geprägte Erweiterungsteil.
 
Die Kapelle in ihrer heutigen Form wurde in den Jahren 1952/53 erbaut. Sie steht an der Stelle des Vorgängergebäudes aus dem Jahr 1914, das während des zweiten Weltkrieges durch Bomben zerstört wurde. Auffällig ist ihr moderner Glockenturm, der räumlich vom Kapellengebäude getrennt errichtet wurde.
 
Der Glockenturm beherbergt eine Besonderheit: Die Prauster Glocke. Sie wurde im Jahr 1730 im Auftrag des präsidierenden Danziger Bürgermeisters Johann Gottfried von Diesseldorff aus einer älteren, gerissenen Glocke vom Glockengießermeister Michael Wittwerck  umgegossen. Bis zum zweiten Weltkrieg erklang sie in einer Ordenskirche in Praust bei Danzig. Während des Krieges wurde die Glocke konfisziert und nach Hamburg verbracht, wo sie eingeschmolzen und zu Kanonen und Granaten verarbeitet werden sollte.
 
Soweit kam es jedoch nicht. Nach Kriegsende wurde die Glocke unter Trümmern wiedergefunden und als Leihglocke den westlichen Landeskirchen zur Verfügung gestellt. Der Plan, die Prauster Glocke mit zwei weiteren Danziger Glocken im Lübecker Dom erklingen zu lassen, scheiterte aufgrund klanglicher Dissonanzen. So stand die Glocke mehrere Jahrzehnte „sang- und klanglos“ in der Lübecker St. Petrikirche, bis sie Ostern 1991 zum Ostfriedhof kam. Die Prauster Glocke ist eine Dauerleihgabe und gehört noch immer der ehemaligen deutschen evangelischen Gemeinde von Praust.
 
Im Herbst 2000 wurde der islamische Friedhof feierlich eingeweiht. Diese jüngste Erweiterung  wurde dem alten Friedhofsgelände östlich angegliedert und dem Koran folgend gen Mekka ausgerichtet. Somit ist die Stadt Kiel in der Lage, ihren, dem islamischen Glauben angehörenden Mitbürgern eine eigene Begräbnisstätte zu anzubieten.