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Kiel - Brest: Was uns verbindet - ein historischer Dialog

Seit 50 Jahren sind Brest und Kiel als Partnerstädte miteinander verbunden. Brest und Kiel weisen erstaunlich viele Parallelen in ihrer Entwicklung und Geschichte auf. Die städtischen Archive von Brest und Kiel stellen jeden Monat einen Aspekt dieser Gemeinsamkeiten auf ihren Internetseiten vor.
Folge 12: Dezember 2014

Brest und Kiel: Geborene Partner

Um den Kreis zu schließen, kehren wir zum Ausgangspunkt unserer Parallelgeschichte von Brest und Kiel zurück: den Abschluss der Partnerschaft 1964.

Die Geschichte der Brester Städtepartnerschaften beginnt mit einer Kriegspatenschaft. Ab 1943 entsteht ein Hilfskomitee Lyon-Brest für Flüchtlinge aus Brest. Auch nach Kriegsende hat diese Partnerschaft weiter Bestand. Darüber hinaus erweist sich die Stadt Glasgow als Wohltäter: In Glasgow, das zudem ebenfalls eine Hafenstadt wie Brest ist, wird für die Stadt ein Hilfskomitee eingerichtet.

Die erste eigentliche Städtepartnerschaft wird mit der Stadt Denver abgeschlossen. Wie bei der Partnerschaft mit der Stadt Lyon ist auch hier die Unterstützung beim Wiederaufbau der Stadt der Leitgedanke der Städtepartnerschaft. Erst mit den  Verträgen mit Plymouth 1963 und im nachfolgenden Jahr mit Kiel entstanden  Städtepartnerschaften, deren Ursprung nicht auf den Zerstörungen beruhte, die die Stadt Brest erlitten hatte.

Für Kiel war der Vertrag mit Brest die erste Kodifizierung einer Städtepartnerschaft, doch bereits seit 1946 war man in Kontakt mit Coventry getreten, das Opfer schwerer deutscher Bombenangriffe im Jahr 1940 gewesen war. Der Versöhnungsgedanke führte somit zu einem Partnerschaftsvertrag mit Coventry im Jahr 1967.

Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags im Rathaus Kiel
Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags im Kieler Rathaus 1964:
Bürgermeister Müthling, Stadtpräsident Köster, Bürgermeister Lombard

Ankunft eines Teils der Kieler Delegation am Flughafen Guipavas 1964
Ankunft eines Teils der Kieler Delegation am Flughafen Guipavas 1964

Zugegeben, die Städte Kiel und Brest waren ziemlich spät dran, als es darum ging, einen Partner im Nachbarland zu finden. Schon 1964 waren mehr als 170 deutsch-französische Städtepartnerschaften besiegelt worden

Die Kieler Stadtverwaltung zeigte sich noch 1962/63 mehr als skeptisch. Nur aufgrund der hartnäckigen Arbeit der Deutsch-Französischen Gesellschaft in Kiel öffneten sich die Verantwortlichen in Kiel der Idee einer Partnerschaft mit einer französischen Stadt.

Zunächst hatte Kiel in Rennes angefragt, während sich in Brest ein Austausch mit Flensburg nahe der dänischen Grenze abzeichnete. Im Oktober 1963 schrieb die Deutsch-Französische Gesellschaft dem Bürgermeister von Brest Georges Lombard und bot sich als Vermittler an. Im März 1964 reiste Albert Raasch von der Deutsch-Französischen Gesellschaft als Beauftragter der Stadt Kiel nach Brest, um Details der Städtepartnerschaft abzusprechen.

Am 26. Juni 1964 segnete die Kieler Ratsversammlung den Partnerschaftsvertrag ab, in Anwesenheit einer Delegation aus Brest mit Bürgermeister George Lombard an der Spitze.

Am 1. August 1964 schließt Brest sogar zwei Städtepartnerschaften im Doppelpack: Zeitgleich wird ein Vertrag mit Kiel, ein weiterer mit der italienischen Stadt Tarent geschlossen. Anwesend ist der Kieler Stadtpräsident Hermann Köster.

Rede von George Lombard am 1. August 1964
Rede von George Lombard am 1. August 1964 im Rathaus Brest, im Hintergrund
die Kieler Delegation, auf den Tischen Partnerschaftsurkunden für Kiel und Tarent

Der Bürgermeister von Brest (Mitte), der Kieler Stadtpräsident (rechts) und der Bürgermeister von Tarent (links) auf der Rathaustreppe in Brest am 1. Juni 1964
Der Bürgermeister von Brest (Mitte), der Kieler Stadtpräsident (rechts) und der
Bürgermeister von Tarent (links) auf der Rathaustreppe in Brest am 1. Juni 1964

Mehrere Faktoren haben in gleicher Weise dazu beigetragen, dass die Städtepartnerschaft von Kiel und Brest geschlossen wurde. 20 Jahre nach der Befreiung Frankreichs von deutscher Besatzung setzten sich Frankreich und Deutschland für ein einiges Europa und für eine Politik der Versöhnung ein. Partnerschaften zwischen französischen und deutschen Städten gehörten zu den sichtbaren Zeichen dieser Annäherung. Der Text der Partnerschaftsurkunde  von Brest und Kiel drückt das sehr deutlich aus.

Hinzu kommt aber, dass Brest und Kiel auch „ Zwillingsschwestern“ sind, wie wir auf diesen „parallelen“ Internetseiten zeigen konnten. Es sind zwei Hafenstädte, die von der Marine bestimmt wurden. Beide haben im Zweiten Weltkrieg Zerstörungen durch Bombenangriffe erlitten, beide wurden wiederaufgebaut. Ihre geographische, topographische und wirtschaftliche Lage ist zwar nicht identisch, aber doch in vielerlei Hinsicht vergleichbar.

Die Unterschrift unter die Partnerschaftsurkunde beider Städte ist auch ein Ergebnis dieser Tatsache, nicht nur einer beidseitigen Annäherungspolitik der zwei Staaten. Die zahlreichen Austauschprojekte, die daraus hervorgegangen sind, zeugen davon.

In diese Reihe gehört auch das Internetprojekt der beiden Stadtarchive, das wir während des gesamten Jubiläumsjahrs hier präsentiert haben.

Das Stadtarchiv Kiel bedankt sich herzlich bei den Archives municipales et communautaires de Brest, insbesondere bei Hugues Courant, für die partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Partnerschaftsurkunde 1964
Partnerschaftsurkunde, der Kieler Delegation überreicht am 1. August 1964
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Text:
Hugues Courant (Archives municipales et communautaires de Brest)
Dr. Johannes Rosenplänter (Stadtarchiv Kiel)

Zu den Internetseiten des Stadtarchivs Kiel

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Den Text in französischer Sprache finden Sie auf den Internetseiten des Archivs der Stadt Brest

Abbildungen: Archives Brest (2Fi06349); Stadtarchiv Kiel (33100, Album 004, Urkunde 546)