Kieler Erinnerungstag:

26. Februar 1861
Gründung der Kieler Freiwilligen Feuerwehr

1. Kieler Freiwillige Feuerwehr



Neben der Kieler Berufsfeuerwehr gibt es heute zehn Freiwillige Feuerwehren in der Stadt. Sie unterstützen die Berufsfeuerwehr vor allem in Brandeinsätzen: Als im Sommer 2009 in der Wik ein Großfeuer durch den Brand eines Paraffinlagers ausbrach, waren alle Kieler freiwilligen Feuerwehren und die der Umgebung bis hin zur Freiwilligen Feuerwehr in Rendsburg gefordert. Die Freiwillige Feuerwehr leistet auch vorbeugenden Brandschutz, hilft bei Verkehrsunfällen, Sturmschäden und Überflutungen und wirkt im Katastrophenschutz mit. Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr sind ehrenamtlich und unentgeltlich tätig. Sie sind Tag und Nacht bereit, in Not zu helfen und dabei auch das eigene Leben zu riskieren.

Große Feuergefahr in mittelalterlichen Städten

Ausgebildete Berufsfeuerwehren und Freiwillige Feuerwehren gab es erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Vorher war es Pflicht der Bürger, Brände in der Stadt selbst zu löschen.

Feuer war die größte Gefähr, die einer mittelalterlichen Stadt mit Fachwerkhäusern, Stroh gedeckten Dächern und hölzernen Schornsteinen drohte. In den Kieler Burspraken (Polizeiverordnungen) von 1460 heißt es z. B., dass in der Nähe der Stadt kein Hopfen verbrannt und kein offenes Licht in den Stall genommen werden durfte. Bäcker und Brauer hatten stets Tonnen mit Wasser am Feuer bereitzuhalten. Brach Feuer aus, läuteten die Glocken Sturm, und jeder Bürger musste sofort mit Eimern und anderem Löschgerät antreten und helfen, den Brand zu löschen. Auch die Stadt verfügte über Löschgeräte: vier lange Feuerhaken, zwei Feuerleitern und zehn Ledereimer. Schon seit den ersten Jahrhunderten nach der Stadtgründung gab es jährlich zwei Brandschauen. Dann gingen zwei Ratsherren, vier Bürger, die Ratsdiener und die Wächter mit Axt und Hämmern bewaffnet in die Häuser der Stadt, um zu kontrollieren, ob die Brandvorschriften eingehalten wurden. Feuergefährliche Öfen, Feuerstellen und Schornsteine wurden niedergerissen und der Hausbesitzer bestraft.

Feurio!

1730 wurde eine neue Kieler Feuerordnung erlassen, die Vorschriften über Feuerschutz, Brandschau, Brandversicherung und Feuerbekämpfung enthielt, vieles aber aus der vorgehenden Zeit übernahm.

Alle, die mit Feuer umgingen, sollten eine Tonne mit Wasser bereithalten und auf Glut und Asche besonders achten. Wer z. B. Kerzen herstellte, hatte dies nur bei Tage und unten im Hause zu tun, nicht aber bei Nacht und auf dem Boden. Handwerker sollten Schornsteine so bauen, dass sie leicht zu reinigen waren und Treppen nicht in der Nähe von Feuerstellen anbringen. Feuerlöscheimer mussten in den Haushalten vorrätig sein, aber auch bei der Stadt, die zusätzlich über Spritzen verfügte. Nach wie vor fanden zwei Brandschauen im Jahr statt.

Brach ein Feuer aus, musste derjenige, dessen Haus Feuer gefangen hatte, dies durch den Ruf „Feurio“! bekannt machen, den Nachbarn benachrichtigen und selbst zu löschen beginnen. Außerdem hatte er dafür zu sorgen, dass der Küster verständigt wurde, damit dieser die Sturmglocke läutete. Bei Tage ging auch der Stadttambour mit einer Trommel durch die Straßen, bei Nacht rief der Nachtwächter das Feuer aus. Nun waren alle Einwohner verpflichtet, Hilfe zu leisten. Handwerker mussten eine bestimmte Anzahl von Meistern, Gesellen und Lehrlingen stellen, die zum Brandherd eilten. Die anderen Einwohner hatten Bedienstete mit Eimern zum Löschen zu schicken. Diejenigen, die Pferde besaßen, waren verpflichtet, die Spritzen zu bringen und Wasser zu transportieren. Die Feuerwehr war eine Pflichtfeuerwehr.

1775 erließ Christian VII. eine neue Feuerordnung, die im Wesentlichen den Vorschriften von 1730 entsprach. An der Spitze des Löschwesens stand nun das Feuerdepartement, in dem zwei Ratsherren, fünf Mitglieder der „Sechzehn Männer“ und zehn Mitglieder der „Zweiunddreißig Männer“ vertreten waren. Dem Feuerdepartement wurde ein Oberkommandeur unterstellt, der die Anordnungen traf.

Vor allem den eigenen Durst löschen

Die Pflichtfeuerwehr arbeitete nicht immer zur Zufriedenheit der Bürger. Bemängelt wurde die mangelnde Einsatzbereitschaft, die geringe Disziplin, die Langsamkeit, die Unfähigkeit, die Spritzen zu bedienen, und die Trunkenheit. Wenn die Männer im Winter bei starkem Frost im Einsatz waren, wurden an sie „Erfrischungen“, d.h. Alkohol, verteilt. Beim Schlossbrand 1838 erhielt eine Spritzenmannschaft 18 Flaschen Branntwein, eine andere sogar 23 Flaschen. So kam es vor, dass wegen Trunkenheit Geräte beschädigt und einmal sogar dem Vorgesetzten Jacke und Stiefel ausgezogen wurden. Trotz Bemühens, die Mängel zu beheben, änderte sich nichts Grundsätzliches.

Statt Pflichtfeuerwehr eine Freiwillige Feuerwehr

Die erste Freiwillige Feuerwehr war 1841 in Meißen, die erste Berufsfeuerwehr 1851 in Berlin gegründet worden. In Kiel ergriff der Kieler Männerturnverein (KMTV) 1850 die Initiative und schlug vor, ein freiwilliges Löschkorps zu bilden. Beim Magistrat stieß man auf Ablehnung. Als der Turnwart Benjamin Schmidt beim Ersten Deutschen Turnerfest 1860 in Coburg die Übungen der Freiwilligen Feuerwehr und dann die in Leipzig sah, erneuerte der KMTV seinen Vorschlag. Am 26. Februar 1861 genehmigte der Kieler Magistrat die Bildung der „Feuer- und Löschkompanie“, die aus 50 freiwilligen Turnern bestand. Das Grundgesetz der Kompanie schrieb in § 1 seiner allgemeinen Bestimmungen vor: „Jedes Mitglied hat in und außer dem Dienste ein ehrenhaftes männliches Betragen, insbesondere im Dienste Nüchternheit, Pünktlichkeit, Ruhe, Ausdauer und Gehorsam und - wo es gilt - Mut und Besonnenheit zu zeigen.“

Die Kieler Turnerfeuerwehr war die erste, die in Schleswig-Holstein gegründet wurde. Ein Steigerkarren mit Leiter, ein Fangtuch und ein Rettungssack waren die wichtigsten Anschaffungen. Eine Spritze kam bald als Geschenk einer Feuerversicherung hinzu. Die Geräte standen auf dem Gelände der Gasanstalt, auf dem Grundstück des heutigen Rathauses, später am Wall. Die Unterbringung war unzureichend, da die Geräte Wind und Wetter ausgesetzt waren und im Winter aus dem Schnee ausgegraben werden mussten. Die Ausbildung der Mitglieder der Turnerfeuerwehr wurde durch regelmäßige Übungen gewährleistet. Gab es „Feuerlärm“ musste jedes Mitglied unter Androhung von Geldstrafen zu seiner Spritze eilen.

1867 wurde die Turnerfeuerwehr aufgelöst und mit den Mitgliedern des Gewerbevereins als Freiwillige Feuerwehr neu gegründet. Sie löschte schnell, einsatzbereit und mutig Brände und half bei Unglücksfällen und Naturkatastrophen, z. B. bei der schweren Sturmflut 1872. Daneben bestand weiterhin das städtische Feuerdepartement.

1873 erfolgte eine Reform des Löschwesens, die die alte Feuerordnung von 1775 ablöste. Es gab nun drei Institutionen, die bei Feuer alarmiert wurden: die Brandkommission, d. h. das ehemalige Feuerdepartement, die das gesamte Löschwesen der Stadt verwaltete, die Freiwillige Feuerwehr und eine neu eingerichtete Zwangsfeuerwehr, in der die männlichen Einwohner Kiels zwischen 25 und 35 Jahren dienstverplichtet waren.

Die Großstadt braucht eine Berufsfeuerwehr

Kiel war 1871 Reichskriegshafen geworden und hatte 1900 fast 100 000 Einwohner. Daher erhöhte sich die Zahl der Feuereinsätze. Durch Kollegienbeschluss trat der Königliche Brandmeister der Berliner Feuerwehr Freiherr Constantin von Moltke in Kiel in städtischen Dienst und erhielt 1896 den Auftrag, eine Berufsfeuerwehr zu organisieren. Wegen der Finanzlage der Stadt war das nur in kleinem Rahmen möglich. Daher blieben die beiden Freiwilligen Feuerwehren für Kiel und für den Stadtteil Wik erhalten, die die Berufsfeuerwehr weiterhin unterstützten. 1910 gab es in Kiel dann schon zehn Freiwillige Feuerwehren.

Das 1887 am Martendamm errichtete Spritzenhaus wurde zur Hauptfeuerwache ausgebaut, Nebenwachen gab an der Prüne und an der Gerhard-/Ecke Wrangelstraße. Die fortschreitende Technik und Motorisierung zog auch bei der Feuerwehr ein: 1898 gab es in der Stadt 500 öffentliche und 100 private Hydranten. 1912 wurde ein Löschfahrzeug mit Benzinantrieb, 1916 ein Automobilkrankenwagen und 1926 das erste Feuerlöschboot angeschafft.

Die Freiwillige Feuerwehr: unverzichtbar im Brandschutz der Stadt

Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es im Raum Kiel 14 Freiwillige Feuerwehren, die während des Krieges im Luftschutz aufgingen. Alle Brände in der stark bombadierten Stadt zu löschen, war eine nicht zu bewältigende Aufgabe.

Nach dem Krieg lösten sich die Freiwilligen Feuerwehren bis auf die in Elmschenhagen auf. Eine allgemeine Uniformmüdigkeit hatte eingesetzt. Dazu kam das Desinteresse, seine Gesundheit und auch das eigene Leben für die Allgemeinheit einzusetzen. Heute aber gibt es neben der Berufsfeuerwehr wieder zehn freiwillige Wehren in Kiel: in Dietrichsdorf, Elmschenhagen, Gaarden, Meimersdorf, Moorsee, Rönne, Russee, Schilksee, Suchsdorf und Wellsee.

Jeder Interessierte kann bei seiner örtlichen Feuerwehr mitmachen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, die Feuerwehren stellen die Ausbildung sicher. Da in Kiel die Berufsfeuerwehr allein den Brandschutz nicht sicherstellen kann, ist es notwendig, dass sich viele Freiwillige ausbilden lassen, damit bei Bränden und anderen Notfällen schnell Hilfe zur Stelle ist.

Autorin: Christa Geckeler (1937 - 2004)


Literatur

Auhagen, Ernst (Hg.)

Die Entwicklung des Löschwesens der Stadt Kiel. Denkschrift zur 50jährigen Stiftungsfeier der Kieler Freiwilligen Feuerwehr, 1. Kompanie, Kiel 1911

Festschrift zum 25jährigen Stiftungsfest

der Freiwilligen Feuerwehr zu Kiel am 26. Februar 1886, Kiel 1886

Kettenbeil, Lutz

Bürger gegen den Roten Hahn. Eine Dokumentation über die Entwicklung des Kieler Brandschutzes aus Anlass des 125jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr und des 90jährigen Bestehens der Kieler Berufsfeuerwehr, Neumünster 1986

Leisner, Max

Ein ehrbarer Rath und gantze Bürgerschaft, Kiel 1968, S. 54-61

Informationen von Christin Pries vom Stadtfeuerwehrverband

Zeitungen

Kieler Express vom 2. Juni 2001

Kieler Nachrichten vom 8. März 1961, vom 6. Juni 2001



Dieser Artikel kann unter Angabe des Namens der Autorin Christa Geckeler, des Titels Kieler Erinnerungstage: 26. Februar 1861 | Gründung der Kieler Freiwilligen Feuerwehr und des Erscheinungsdatums 26. Februar 2011 zitiert werden.

Zitierlink: https://www.kiel.de/erinnerungstage?id=122

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