Kieler Erinnerungstag:

2. Mai 1891
Der Marine-Regatta-Verein wird zum Kaiserlichen Yachtclub

Am 12. Februar 1887 gründeten segelbegeisterte Marineoffiziere in Kiel den Marine-Regatta-Verein (MRV). Prinz Heinrich, Bruder des künftigen Kaisers Wilhelm II., wurde sein Protektor. Bei seiner Gründungsversammlung hatte der Verein 112 Mitglieder, 1891 dann schon 500, unter denen die Marineoffiziere die große Mehrheit ausmachten. Die 50 Herren in Zivil bildeten eine Minderheit in dem Verein. Sie waren Werftdirektoren, Reedereibesitzer, Professoren, Maler, Kaufleute und Ingenieure, sogar ein Oberjägermeister war dabei.

Im Vorstand des MRV wurden aber Überlegungen angestellt, das Sportsegeln auf eine breitere zivile Basis zu stellen. So wurde auf der Generalversammlung am 2. Mai 1891 beschlossen, Satzung und Namen des MRV zu ändern. Prinz Heinrich schlug den Namen Kaiserlicher Yacht-Club (KYC) vor, der begeistert aufgenommen wurde, vorbehaltlich der Zustimmung des Kaisers. Dieser sagte zu, wurde Kommodore des KYC, Prinz Heinrich Vizekommodore. Ordentliches Mitglied konnten nunmehr „alle gebildeten Männer jeglichen Standes und Ranges werden, welche dem Vorsitzenden ein von zwei ordentlichen Mitgliedern unterstütztes Gesuch einreichen...“.

1891 verschiffte der Kaiser seine Yacht „Meteor“ nach Kiel, die in das Vereinsregister des KYC eingetragen wurde. 1893 verlieh Wilhelm II. dem Club einen besonderen Stander, den der Verein bis heute behalten hat. Nur eine Veränderung gab es: Die darin enthaltene kleine Kaiserkrone ist aufgrund der politischen Ereignisse entfallen.

Clubhaus und Yachthafen an der Förde

Im Jahr 1900 war der KYC mit 1410 Mitgliedern der größte Segelclub Deutschlands. Zur Kieler Woche, die zu einem internationalen Segelerlebnis geworden war, trat er als Hausherr auf. Clubräume hatte der Verein zunächst in der Marineakademie, heute Sitz der Landesregierung. Schon seit 1898 hatte sich der Kaiserliche Yacht-Club nach eigenen Räumen umgesehen, zumal die Marineakademie Platzbedarf anmeldete. Ein Neubau aus eigenen Mitteln ließen die Finanzen des KYC nicht zu. Da kam die Firma Krupp zur Hilfe, die mit Kiel durch die Germaniawerft verbunden war.

Friedrich Alfred Krupp hatte die Seebadeanstalt Düsternbrook erworben und aus zwei Gebäuden, die teilweise abgerissen wurden, das Clubhaus des KYC errichten lassen, dahinter ein Logierhaus, das heutige Gebäude des Instituts für Weltwirtschaft. Das Clubhaus stellte Krupp dem Verein für eine symbolische Jahresmiete von einer Reichsmark zur Verfügung. 1900 konnte der KYC einziehen.

„Was Prunk und Ausstattung betraf, stellte das Klubhaus des KYC die ehrwürdige alte Royal Yacht-Squadron in Cowes glatt in den Schatten. Vielleicht war das gerade eine besondere Freude Kaiser Wilhelm II. England war, zumindest was Marine und Segelsport betraf, sein großes Vorbild, was er übertrumpfen wollte“ (Bruno Paulenz). Wertvolle Materialien, wertvolle Gemälde, teure Schiffsmodelle zierten das Innere des Clubhauses, dessen Farben in weiß und rot gehalten waren. Die Haupträume öffneten sich alle zum Wasser mit dem prächtigen Blick auf die Förde. Das Restaurant befand sich im Untergeschoss, ein Festsaal ging über beide Stockwerke, vom Lesesaal führte eine Treppe zu einem Privatzimmer für den Kaiser.

Im Kruppschen Logierhaus konnten Gäste und Mitglieder des Clubs luxuriös übernachten: Die Inneneinrichtung des Logierhauses machte dieses Hotel zu einem der elegantesten in Europa.


Vor dem Logierhaus lag der 1903 angelegte Hafen des Kaiserlichen Yacht-Clubs. Nicht nur der Yacht-Club konnte Friedrich Krupp wegen seiner Großzügigkeit dankbar sein, sondern auch die Stadt Kiel: Krupp stiftete 200.000 Mark zur Anlage einer Strandpromenade bis Bellevue, die den Namen Strandweg bekam und heute Hindenburgufer heißt.

Krieg - Minen im Kieler Hafen

1910 hatte der Club 3106 Mitglieder und 235 Yachten in seinem Register eingetragen. 1912, zum 25. Jubiläum des Kaiserlichen Yacht-Clubs, kamen 850 Yachten nach Kiel. Alle, die im Segelsport Rang und Namen hatten, waren dabei. Zwei Jahre später, zur Kieler Woche 1914, wurde dem Kaiser, der auf der „Meteor“ segelte, die Nachricht von der Ermordung des österreichischen Thronfolgers überbracht Die Flaggen gingen auf Halbmast, die „Meteor“ brach die Wettfahrt ab, der Kaiser reiste nach Berlin zurück.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges war es mit dem Segeln in Kiel vorbei. Viele Schiffseigner wurden einberufen, der Kieler Hafen vermint, das Clubhaus Hilfslazarett. Den Seglern stand nur die Innenförde zur Verfügung. Hier veranstaltete der KYC 1917 eine kleine Wettfahrt mit dem Start bei Kitzeberg.

Der Kaiser dankt ab, der Kaiserliche Yacht-Club bleibt

Mit der Meuterei der Marine in Kiel im November 1918 begann die Revolution in Deutschland. Scheidemann rief in Berlin die Republik aus, der Kaiser ging nach Holland ins Exil, blieb aber Kommodore des Kaiserlichen Yacht-Clubs, der seinen Namen nicht änderte.

Krupp aber verkaufte das Clubhaus und das Gelände an der Seebadeanstalt an das Institut für Seeverkehr und Weltwirtschaft. Da die finanzielle Lage des KYC nach dem Krieg schwierig war, konnte er selbst das Haus nicht erwerben, das bis zum 30. Juni 1920 geräumt sein musste. Die Mitglieder das KYC beschlossen, das zum Hotel gehörige Maschinenhaus zu kaufen und es zum neuen Clubhaus umzubauen. Die Mittel dazu wurden durch Spenden und Umlagen der Mitglieder aufgebracht. Am 1. Juli 1926 wurde das neue Haus eingeweiht. Bis dahin fand der KYC im Haus des ehemaligen Admirals Mischke im Strandweg 67 Unterkunft.

Einen Rückschlag gab es für den KYC 1928, als der Reichswehrminister verfügte, dass Offiziere bis zum 15. Juni, also noch vor der Kieler Woche, aus dem KYC austreten müssten. Der Club zeige allein schon durch seinen Namen, dass er in der monarchischen Tradition stehe. 328 Offiziere und Beamte mussten den KYC verlassen, was für den Verein eine große Einbuße bedeutete. Um den Mitgliederschwund aufzufangen, entschloss man sich, auch weibliche Mitglieder aufzunehmen.

Ende des Kaiserlichen Yacht-Clubs unter den Nationalsozialisten

Unter den Nationalsozialisten wurden alle staatlichen Organe, Behörden, Parteien und auch Vereine gleichgeschaltet. Nach und nach verloren alle Sportverbände ihre Selbständigkeit und wurden in den Deutschen Reichsbund für Leibesübungen überführt. Im Winter 1933/34 erwog die Reichssportführung, den KYC in den Yacht-Club von Deutschland zu integrieren. Der Yacht-Club konnte sich wider Erwarten erfolgreich wehren. Aber er verlor seinen Einfluss bei der Organisation der Kieler Woche. Es wurde ein besonderer „Kieler-Woche-Ausschuss“ gebildet, in dem der KYC nur eine untergeordnete Rolle spielte.

Was den Verein vorerst schützte, mögen die guten Kontakte zur Kieler Seglervereinigung gewesen sein, die mit dem KYC seit 1920 die Kieler Woche organisierte. Außerdem hatte Kiel 1931 den Zuschlag für die Ausrichtung der Olympischen Spiele 1936 erhalten. Und 1936 sollte das Marine-Ehrenmal in Laboe für die Gefallenen der Kaiserlichen Marine eingeweiht werden. Angesichts dieser beiden bevorstehenden Ereignisse wäre es nicht opportun gewesen, den Kaiserlichen Yacht-Club aufzulösen.

Die Durchführung der olympischen Segelwettbewerbe 1936 in Kiel war das letzte große Ereignis des KYC. 1937 sollte er mit der Kieler Seglervereinigung und anderen deutschen Yacht-Clubs zum „Yacht-Club von Deutschland“ (YCvD) vereinigt werden. Um dem zuvorzukommen, beschloss eine außerordentliche Mitgliederversammlung am 28. Oktober 1936, den Kaiserlichen Yacht-Club aufzulösen. Im Januar 1937 fand die Gründungsversammlung des YCvD im Clubhaus des ehemaligen KYC statt. Kiel blieb der Mittelpunkt des deutschen Segelsports.

Der Beginn des Zweiten Weltkrieges bedeutete das Ende des Segelsportes. Kleinere Wettfahrten waren nur auf der Innenförde möglich. 1940 wurde das Clubhaus beschlagnahmt und durch eine Flak-Einheit belegt.

Vom Kaiserlichen zum Kieler Yacht-Club

Bei Kriegsende war Kiel fast vollständig zerstört und von den Briten besetzt. Der YCvD wurde aufgelöste, das Clubhaus und die meisten Boote beschlagnahmt. Die Segeltradition in Kiel aber setzten die Briten fort. Sie gründeten den „British Kiel Yacht Club“ und veranstalteten 1945 bis 1947 die „British Kiel Week“, natürlich ohne Beteiligung der Deutschen.

Ehemalige Mitglieder des Yacht-Clubs waren wenige Wochen nach Kriegsende zusammengekommen, um die Neugründung eines Segelvereins zu besprechen. Als sie 1946 den YCvD ins Vereinsregister am Amtsgericht eintragen lassen wollten, erfuhren sie, dass die Briten eine Namensänderung verlangten. Die Mehrheit der Mitglieder entschied sich für „Kieler Yacht-Club“. Die Abkürzung KYC konnte die alte bleiben.

1948 richtete der KYC mit Vereinen aus Hamburg und Berlin die erste Kieler Woche nach dem Krieg aus. Zum Jahresende hatte der Verein schon wieder 500 Mitglieder und 60 Yachten. 1950 besuchte Bundespräsident Heuß erstmalig die Kieler Woche und leitete damit eine Tradition ein, dass das Staatsoberhaupt zu diesem Ereignis Gast ist und mit dem KYC segelt. 1952 bekam der KYC sein Clubhaus zurück. Er entwickelte sich in den nächsten Jahrzehnten wieder zum bedeutendsten Segelclub Deutschlands, der sich an internationalen Meisterschaften und Regatten und an der Organisation der olympischen Segelwettbewerbe 1972 in Kiel beteiligte.

Zu diesem Ereignis sah sich der KYC genötigt, seine Räumlichkeiten zu erweitern. Um die vielen Gäste unterzubringen, wurde in einem Anbau ein Bettenhaus errichtet. Die Baukosten waren erheblich und belasteten den KYC in der Folge stark. Die Thyssen Krupp AG, die in alter Verbundenheit zu Kiel und dem KYC steht, erwies sich wieder als Retter. 2007 kaufte Thyssen Krupp Betten- und Clubhaus und überließ sie dem KYC zur Dauermiete. Das Gebäude wurde in Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Haus benannt. 2008 begannen Umbauarbeiten. Das Hotel wurde abgerissen und das alte Clubhaus modernisiert, das zum größten Teil als Hotel genutzt wird. Das Gebäude heißt heute Hotel Kieler Yachtclub, in dem der KYC einige Räume nutzt.

Autorin: Christa Geckeler (1937 - 2004)


Literatur

Meyer-Döhner, Kurt

75 Jahre KYC. Aus dem Leben eines Yachtclubs. Bielefeld und Berlin 1962

Paulenz, Bruno

100 Jahre Kieler Yacht-Club, Spiegelbild deutschen Schicksals, in: Sport in Schleswig-Holstein, Jahrbuch 1986, Kiel 1986, S. 81-132

Schlenska, Otto

100 Jahre Kieler Yacht-Club, Kiel 1987

W. G.

Kaiserlicher Yacht-Club Kiel, in: Sport im Bild. Illustrierte Wochenschrift für Sport, Gesellschaft, Theater, Berlin, 17. Juni 1904

Zeitungen

Kieler Nachrichten

vom 18. August 2007; vom 31. Dezember 2007


Abbildungen:

Postkarten, Stadtarchiv Kiel

Regattapreis, Stadt- und Schifffahrtsmuseum



Dieser Artikel kann unter Angabe des Namens der Autorin Christa Geckeler, des Titels Kieler Erinnerungstage: 2. Mai 1891 | Der Marine-Regatta-Verein wird zum Kaiserlichen Yachtclub und des Erscheinungsdatums 02. Mai 2011 zitiert werden.

Zitierlink: https://www.kiel.de/erinnerungstage?id=131

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