Kieler Erinnerungstag:

03. August.1936
Olympische Segelwettfahrten

3. bis 14. August 1936 Olympische Segelwettfahrten in Kiel



Im Mai 1931 hatte das Internationale Olympische Komitee die Entscheidung getroffen, dass die Olympischen Spiele 1936 in Berlin ausgetragen werden sollten. Für die Segelwettbewerbe war Kiel, für die Winterspiele Garmisch vorgesehen.

Kiel bereitet sich auf das Ereignis vor

Um die Segler aus aller Welt würdig zu empfangen, musste Kiel für das internationale Ereignis Vorbereitungen treffen. Seit 1934 wurden die Wassersportanlagen planmäßig ausgebaut, zunächst der Hafen an der Reventloubrücke (Yachthafen Düsternbrook). Nördlich des Segelhafens des Kaiserlichen Yacht-Clubs am Hindenburgufer war 1935 mit beträchtlicher finanzieller Hilfe des Reiches der Olympiahafen entstanden, der zusammen mit dem KYC-Hafen, der in das Eigentum der Stadt übergegangen war, 200 Yachten Platz bot. Die Lage war für die Segler ideal, denn der Weg zum Schauplatz der Wettkämpfe auf der Innenförde war nicht weit und ebenso nicht zum Olympiaheim. Es entstand kein olympisches Dorf, sondern nur ein Haus am Hindenburgufer neben dem Institut für Seeverkehr und Weltwirtschaft. Hier steht heute das Studentenwohnheim „Haus Weltclub“.

Um die Wettfahrtstrecke möglichst sicher zu machen, wurde der sogenannte Grasberg, eine felsige Untiefe vor Strande, die mitten im Regattakurs lag, durch die Marine weggesprengt. Damit die Kieler und die Gäste den Stand der Wettfahrten verfolgen konnten, waren in der Stadt großzügig Lautsprecher und Schaukarten der Regattareviere verteilt, auf denen man dann durch magnetisch bewegte Schiffchen den Stand der Wettfahrten verfolgen konnte.

Die Stadt schmückt sich für ihre Gäste

Der Schmuck in der Stadt beschränkte sich im Wesentlichen auf eine große Anzahl von Flaggen. Oberhalb der Treppe vor der Bellevuebrücke hatte man hohe Säulen mit den olympischen Ringen errichtet. Hier wurden am 29. Juli die Flaggen der 26 Nationen gehisst, die an den Segelwettkämpfen teilnahmen, am Strand entlang die Flaggen der 53 Nationen, die sich insgesamt an den Olympischen Spielen beteiligten. Der Adolf-Hitler-Platz, heute Rathausplatz, ertrank in Fahnen aller Nationen. Auf dem Seegartenplatz, nun in eine steinerne Fläche umgestaltet, war auf einem fünfteiligen, 4 m hohen Sockel eine große Weltkugel von 2,20 m Durchmesser installiert.

Stürmische Eröffnungsfeier

Am 1. August wurden in Berlin die Olympischen Spiele feierlich eröffnet, zu denen die aktiven Segler aus Kiel am Morgen fuhren, um den olympischen Eid zu leisten. Bei ihrer Rückkehr am folgenden Tag bereiteten ihnen Zuschauer am Bahnhof einen jubelnden Empfang. Die Segler schritten nach Nationen gegliedert die Freitreppe an der Wasserseite herab und begaben sich durch ein Ehrentor an der Bahnhofsbrücke mit der Aufschrift „Wir begrüßen die Jugend der Welt“ zu einem Hafendampfer, der sie zum Olympiaheim brachte.

Nachmittags veranstaltete die Stadt im Hotel Bellevue einen Empfang für die in Kiel anwesenden Presse-, Bild- und Filmberichterstatter. Wie auch schon in Berlin wurden die Gäste mit Friedensbekundungen überschüttet. Oberbürgermeister Behrens betonte: „So werden auch die Olympischen Segelregatten dazu beitragen, daß das klare Licht des Olympischen Feuers, ... Künder des großen Friedenswillens unseres Führers und seines Volkes sein wird. So mögen die Olympischen Spiele im Segeln in Kiel jenen Ablauf nehmen, der Ausdruck einer Gesinnung und eines Willens ist. Tage des Festes, des Friedens, der Ritterlichkeit, der Kameradschaft und der Freude stehen vor uns.“ Diese Aussagen standen im extremen Gegensatz zu der umfassenden militärischen Aufrüstung Deutschlands seit 1935, zu seiner Vorbereitung auf einen Angriffskrieg. Im Jahr der Olympischen Spiel forderte Hitler in einer geheimen Denkschrift: „I. Die deutsche Armee muß in 4 Jahren einsatzfähig sein. II. Die deutsche Wirtschaft muß in 4 Jahren kriegsfähig sein.“

Am Abend des 3. August wurden die Olympischen Segelwettbewerbe in Kiel am Hindenburgufer eröffnet. Eine wahre Völkerwanderung von Kielern und Gästen hatte sich hierher aufgemacht, obwohl das Wetter stürmisch und regnerisch war.

Die gesamte Förde war von Lichtern übersät. Ruderer, Paddler und Kanuten lagen mit ihren von Lampion geschmückten Booten auf dem Wasser, dazu kamen die Kriegsschiffe mit ihrem Scheinwerferspiel. Die Segler marschierten unter den Klängen des Badenweiler Marsches vom Olympiaheim heran. Über die Bellevuebrücke lief als letzter Staffelläufer Peter Hansohm zu einem Kutter und übergab das olympische Feuer der Besatzung, die es zur Olympia-Kogge hinüberbrachte. Die Kogge war ein Nachbau einer Hansekogge. In ihrem Mastkorb wurde das olympische Feuer entfacht. Jubel und Kanonendonner begleitete dieses Ereignis. Die Olympiaringe leuchteten am Nachthimmel, die Olympiafahnen stiegen empor. Der Führer des Deutschen Seglerverbandes Oberstleutnant a. D. Kewisch rief: „Wind, Wellen und See schweißen Führer und Mannschaft zu einem Willen zusammen...“

In der Nacht brach ein Sturm los, der die Kogge mit dem olympischen Feuer zum Kentern brachte. Sie wurde wieder aufgerichtet und das Feuer neu entzündet. Die Segelregatten begannen am nächsten Tag mit Verspätung.

Gold für deutsche Segler

Am 4. August fanden bei prasselndem Regen und steifer Brise die ersten Wettfahrten statt. Der zweite Regattatag bescherte den Seglern kein besseres Wetter. Dann aber schien die Sonne, und der Wind schlief ein. Es waren schwierige Segelbedingungen.

Die Ausrichtung der Wettfahrten lag weitgehend in der Hand des Marine-Regattavereins und der Kriegsmarine. Diese hatte aus einem Minenprahm ein Start- und Zielschiff gebaut, mit langem hölzernen Oberdeck, das mit einem Sonnensegel überspannt war. Hier wurden auch die Ehrengäste vom Vorsitzenden des Marine-Regattavereins empfangen. Gesegelt wurde auf der Förde zwischen Schilksee und Laboe und südlich des Friedrichsorter Leuchtturms. Während der Regattazeit war der gesamte Schiffsverkehr auf der Förde und durch den Nord-Ostsee-Kanal gesperrt. Vier Bootsklassen gingen an den Start: die neu entwickelte Olympiajolle, das Star-Boot, die 6m-Rennklasse und die internationale 8m-Rennklasse. Die Regatten fanden vom 4. bis 12. August statt, danach noch bis zum 14. Wettfahrten, in denen die Entscheidung noch nicht gefallen war. Bis zu 10 000 Zuschauer kamen täglich an die Förde. Bis zu 3000 Personen konnten jeden Tag an Regattabegleitfahrten teilnehmen.

Neben diesem sportlichen Ereignis gab es für die Segler und Gäste ein vielfältiges kulturelles und gesellschaftliches Programm. Zu Besuch kamen fast das gesamte Olympische Komitee, die Botschafter der beteiligten Nationen sowie das Diplomatische Corps. Hitler erschien am 10. August in Kiel. Höhepunkt des Rahmenprogramms war die Rückgabe der bronzenen Schiffsglocke des Schlachtkreuzers „Hindenburg“, der bei Scapa Flow 1919 versenkt und zehn Jahre später gehoben worden war. Der englische Kreuzer „Neptune“ hatte die Glocke als Zeichen der Freundschaft mitgebracht. Die feierliche Übergabe fand in der Aula des Kommandogebäudes der Marinestation Ostsee (heute Landeshaus) statt.

Als dann am 14. August die olympischen Segelwettbewerbe beendet waren, hatte Deutschland drei Medaillen errungen. Im Starboot gewannen Peter Bischoff und sein Vorschotmann Hans-Joachim Weise als erste deutsche Segler eine olympische Goldmedaille. In der Klasse der Olympiajolle erhielt Werner Krogmann eine Silber- und Howaldt und seine Crew eine Bronzemedaille. Weitere Goldmedaillen gingen an Großbritannien, Italien und die Niederlande.

Glanzvolle Abschlussfeier

Am 12. August 1936 fand abends die Abschlussfeier auf dem Festplatz bei Bellevue statt. Ungefähr 50 000 Menschen nahmen daran teil. Die Nordische Rundschau berichtete: „Im Halbkreis hatten die Formationen der Partei, die Ehrenkompanien der Luftwaffe und der Kriegsmarine sowie die Abordnungen des italienischen Kreuzers ’Gorizia’ und des englischen Kreuzers ’Neptune’ Stellung genommen...Mit großem Jubel werden die aufmarschierenden Mannschaften der teilnehmenden Nationen begrüßt, die am Fuße der sechs Siegermasten vor der Bellevuebrücke Aufstellung nehmen...Der Führer des Deutschen Seglerverbandes, Oberstleutnant a. D. Kewisch, verliest die Sieger der Nationen. Unter den Klängen der National-Hymnen und unter dem begeisterten Jubel der Zehntausende werden die Flaggen Englands, Hollands, Italiens, Norwegens, Schwedens und Deutschlands gehißt. Jedes Mal präsentierten die Ehrenkompanien.“ Der Fanfarenmarsch erklang, Raketen stiegen von den Kriegsschiffen auf, BDM-Mädchen überreichten den Siegern schlichte Eichenkränze, denn die Medaillen gab es erst bei der Abschlussfeier am 16. August in Berlin. Auf den im Hafen liegenden Kriegsschiffen standen die Besatzungen mit brennenden Fackeln an der Reling. Kewisch erklärte die Segelwettbewerbe für beendet. Die olympischen Flaggen wurden niedergeholt und Kewisch übergeben, der sie mit den Worten in Empfang nahm: „Ich nehme diese Flaggen zu treuen Händen in Verwahrung, bis sie in vier Jahren der Nation Japan für die nächsten Olympischen Spiele ausgehändigt werden.“ Das Feuer auf der Kogge erlosch.

Die Olympischen Spiele des Jahres 1940 in Japan fanden nicht statt. Am 1. September 1939 hatte Deutschland den Zweiten Weltkrieg entfesselt.

Autorin: Christa Geckeler (1937 - 2004)


Literatur

Verwaltungsbericht der Stadt Kiel

1. Januar 1933 bis 31. März 1938, S. 209

Amtlicher Führer zu den Olympischen Segelwettfahrten

zu Kiel 1936

Meyer-Döhner, Kurt

75 Jahre KYC. Aus dem Leben eines Yacht-Clubs, Bielefeld und Berlin 1962, S. 101-108

Paulenz, Bruno

100 Jahre Kieler Yacht-Club, Spiegelbild deutschen Schicksals, in: Sport in Schleswig-Holstein, Jahrbuch 1986, Kiel 1986, S. 112-115

Sievert, Hedwig

Kieler Ereignisse in Bild und Wort, Kiel 1973, Nr. 51-54

Talanow, Jörg

Kiel so wie es war, Teil 2, Düsseldorf 1978, S. 54-58

Zeitungen

Kieler Nachrichten

vom 4. August 1956; vom 15.-21. August 1972; vom 12. November 1972

Nordische Rundschau

vom 4. August 1936

Olympische Zeitung

vom 1. August 1936, vom 5. August 1936




Dieser Artikel kann unter Angabe des Namens der Autorin Christa Geckeler, des Titels Kieler Erinnerungstage: 03. August.1936 | Olympische Segelwettfahrten und des Erscheinungsdatums 03. August 2011 zitiert werden.

Zitierlink: https://www.kiel.de/erinnerungstage?id=142

Kontakt

Landeshauptstadt Kiel
Stadtarchiv
Rathaus
Fleethörn 9
24103 Kiel

0431 901-3422