Kieler Erinnerungstag:

Juli 1902
Schrevenpark der Öffentlichkeit übergeben

Der Schrevenpark, der beliebteste Kieler Stadtpark, wurde am 26. Juli 1902 der Öffentlichkeit übergeben. Der Park wurde vielfach umgestaltet, er hat aber in seinem Ausmaß und seiner Anlage weitgehend das Gesicht des ursprünglichen Landschaftsparks bewahrt.

Die Parkanlage wird dominiert durch den Schreventeich, der ein Drittel der Parkfläche ausmacht. Der Teich hatte schon seit Jahrhunderten eine große Bedeutung für Kiel. Er diente zur Wasserversorgung des Schlosses, des Franziskanerklosters und einiger umliegender Adelshäuser. Durch ausgehöhlte Baumstämme, die „Piepenbäume“, floss das Wasser in die niedriger gelegene Stadt. 1862 erwarb Kiel den Schreventeich vom Landesherrn, um ihn für die Wasserversorgung der Einwohner zu nutzen. Als der wachsende Wasserbedarf Kiels durch Tiefenbrunnen und ein Grundwasserwerk gedeckt werden konnte, wurde der Schreventeich 1880 vom Versorgungsnetz der Stadt getrennt. Damals war der Schreventeich etwa doppelt so groß wie heute. Der nördliche Teil, vor 1875 durch einen Damm abgetrennt, verlandete, wurde aufgefüllt und in Pachtgärten umgewandelt.

Ein nobles Wohngebiet in grüner Oase

Nachdem Kiel 1871 Reichskriegshafen geworden war, stieg die Bevölkerungszahl sprunghaft an. Umliegende Dörfer wurden eingemeindet, neue Wohngebiete und Grünanlagen ausgewiesen. Die Stadt beauftragte den bekannten Kölner Städteplaner Hermann Joseph Stübben, einen Stadterweiterungsplan zu erarbeiten. 1897 wies er in seinem Bebauungsplan das Gebiet um den Schreventeich als neuen Stadtpark aus. Dieser sollte einerseits zur Erholung der städtischen Bevölkerung dienen, anderseits die Wohnqualität der neuen umliegenden Bebauung steigern. Das Anlegen des Parkes war also eine Art Vorleistung für die Entstehung des großbürgerlichen Wohnviertels.

Nach der Gründung des Deutschen Reiches und dem damit zusammenhängenden Städtewachstum war es Wunsch vermögender Bevölkerungskreise, in neuen Stadtteilen nobel in einer Parkanlage zu wohnen. „Die Bauherren und Investoren versuchten die Attraktivität, den Charakter, das Prestige sowie den Erholungswert des neuen Stadtteils und damit den Wert der Immobilie zu steigern, indem sie Raum für großzügige Parkflächen ließen. Der vermögende Bewohner einer Villa oder großen Eigentumswohnung sollte in unmittelbarer Nähe den Komfort einer grünen Oase genießen können und sich fühlen, als wohne er in einem vom Landschaftsgarten umgebenen herrschaftlichen Haus“ (Jörg Matthies).

In Kiel entstanden um den neu angelegten Schrevenpark zwischen 1901 und 1908 in der Goethestraße fünf- bis sechsgeschossige Wohnhäuser mit aufwändigem Fassadenschmuck und großzügig geschnittenen Wohnungen, in der Schillerstraße zwischen 1906 und 1911. „Der Lessingplatz sowie der Arndtplatz bildeten eine in den Schrevenpark überleitende, großzügig offene Situation“ (Jörg Matthies). In dieses großbürgerliche Wohnquartier zogen hohe Beamte, Offiziere, Kapitäne, Unternehmer, Kaufleute und Ingenieure.

Der Hohenzollern-Park: Ein großzügiger Landschaftspark entsteht

Der Park war fertig angelegt, als die Bewohner ihre Häuser bezogen. 1898 hatte der Stadtgärtner Max Schwedler einen Gestaltungsplan vorgelegt, der aber nicht ausgeführt wurde, weil der Gärtner unehrenhaft aus städtischen Diensten entlassen wurde. 1900 ernannte die Stadt Ferdinand Hurtzig zu seinem Nachfolger, der einen neuen Plan für den Park entwarf. Im Januar 1901 wurde beschlossen. „dem neu anzulegenden Stadtpark aus Anlass der bevorstehenden zweihundertjährigen Jubelfeier der Erhebung Preußens zum Königreich und in dankbarer Würdigung der Verdienste des Herrscherhauses um die Größe und die Wohlfahrt des Vaterlandes den Namen ’Hohenzollern-Park’ beizulegen“ (Kieler Zeitung).

Im Frühjahr 1901 begannen die Erdarbeiten. Zunächst wurde der zwei Meter hohe Wall abgetragen, der den Schreventeich umgab und den Blick auf den Teich nicht frei gab. Seine Form wurde durch Vorsprünge und Aufschüttungen verbessert, die Uferlinie bogenförmig gestaltet und eine Insel angelegt, die zur damaligen Zeit Element eines jeden Landschaftsparks war. Ebenso gehörten geschwungene Wege durch den Park dazu. Auf sie gelangte man von jeder auf den Park zuführende Straße, denn Hurtzig vertrat die Meinung: „Wege sollen in den Park führen und auch durch ihn; der Park soll nicht Stadtteile trennen, sondern sie verbinden“.

Zwei große Schmuckbeete im Norden und Südosten gaben dem Park bunte Akzente mit jahreszeitlich wechselnden Blumen, die in geometrischer Form gepflanzt wurden. Der gesamte Park war kranzförmig mit Silberahornbäumen umgeben, die noch in Teilen erhalten sind. Um Sichtachsen im Park freizugeben, wurden Bäume und Sträucher in Gruppen gepflanzt. Aus Kostengründen und um den Park gleich ein fertiges Aussehen zu geben, schlug Hurtzig vor, sich an die Kieler Bevölkerung zu wenden. Am 14 Mai 1901 war in der Kieler Zeitung zu lesen: „In manchen Privatgärten sind Bäume oder Sträucher für die Verhältnisse des Gartens zu groß geworden und müssen über kurz oder lang fallen, während sie in einem großen Park noch weiter das Menschenherz erfreuen können. Die Besitzer solcher Bäume und Sträucher würden nun sich selbst und vor allem der Allgemeinheit einen großen Dienst erweisen, wenn sie dieselben der Stadt überwiesen. Bäume bis zu 25 Zentimeter Durchmesser sind leicht verpflanzbar. Wer also auf diese Weise zur Verschönerung des Parkes beitragen kann, braucht nur der Stadtgärtnerei eine Mitteilung zukommen zu lassen.“ Mehr als 100 große Bäume aus Kieler Gärten wechselten in den neuen Park.

Um der Insel an der Ostseite des Teiches einen felsigen Charakter zu verleihen, wurden Findlinge dorthin transportiert, die bei den Erdarbeiten gefunden worden waren. Im Frühling 1902 entstand am gegenüberliegenden Ufer eine Terrassenanlage. Am 26. Juli 1902 wurde der Hohenzollernpark der Öffentlichkeit übergeben. Er war Hurtzigs „künstlerisches Hauptwerk“ (Jörn Matthies).

Vielseitige Erholungsmöglichkeiten

Auf zwei Rasen-Tennisplätzen und einem Reitweg entlang der Goethestraße konnten sich die großbürgerlichen Bewohner des Viertels sportlich betätigen. 1904 entstand auf der Insel, zu der eine Naturholzbrücke führte, ein achteckiger, offener Aussichtspavillon und nordöstlich des Teiches eine von Bäumen gesäumte Sandfläche als Kinderspielplatz. Ebenfalls 1904 errichtete man am südwestlichen Ufer eine Gastwirtschaft und ein Bootshaus im Stil des nordischen Blockhauses und verziert mit Drachen auf dem Dach. Von hier konnten sich die Kieler mit einem Ruderboot auf dem Teich vergnügen. Der Pächter der Gastwirtschaft errichtete 1925 auf dem Teich ein Wasserkarussell, das er selbst als „achtes Weltwunder“ bezeichnete. Besucher des Parks konnten sich in vier Booten mechanisch um ein Podest im Kreis herumziehen lassen. Aber das Wunder lebte nur kurz. 1926 entstand vor der Brücke zur Insel ein Rosengarten, in dem die „Schlummernde“ ihren Platz fand. Diese Skulptur hatte 1911 Richard Engelmann gestaltet, später Professor an der Kunsthochschule in Weimar. Stadtbaurat Willy Hahn erwarb sie für den Hohenzollernpark. Die Kieler schienen die „Schlummernde“ nicht recht gemocht zu haben, denn spöttisch nannten sie sie „Venus von Kilo“.

Bis heute ein beliebter Erholungspark

Im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bomben weite Teile des Parks und die ehemals vorhandenen Gebäude. Der 1947 in Schrevenpark umbenannte Landschaftspark wurde zwischen 1946 und 1953 mit vereinfachtem Wegnetz und ohne Parkarchitektur wieder hergestellt. Wo früher die Terrassen gelegen hatten, entstand ein Kinderspielplatz. Im nördlichen Teil wurde ein Planschbecken angelegt, das sich an heißen Sommertagen großer Beliebtheit erfreut.

Die Kieler besuchen den Park gern zum Ausruhen und zum Spazierengehen wegen seines alten Baumbestandes und der zahlreichen Wasservögel. Da das nahe gelegene Kraftwerk das Wasser des Schreventeiches zur Kühlung benutzt und ihm die Abwärme zuführt, ist er das wärmste Gewässer in Kiel, das im Winter nicht zufriert. Viele Enten, Gänse und Zugvögel aus dem Norden haben hier ihren Lebensraum. Allerdings leidet dadurch die Wasserqualität. Daher wurde auf der Insel, die wieder begehbar ist, eine Wassertreppe zu Belüftung angelegt.

Zum 100. Geburtstag des Parkes im Jahre 2002 ist an der Stelle des Kinder-Sandspielplatzes ein Boule-Platz angelegt und das Rosenbeet mit der „Schlummernden“ wieder hergestellt worden. Sie war seit 1950 wegen Verschmutzung und Beschädigung im Hiroshimapark aufgestellt.

Der Park, der auch nach der Umformung in seiner Grundstruktur erhalten geblieben ist, gilt in Schleswig-Holstein neben dem Lübecker Stadtpark als bedeutendstes Zeugnis eines Landschaftparks aus der Kaiserzeit.

Autorin: Christa Geckeler (1937 - 2014)


Literatur

Bericht über die Verwaltung

und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Kiel in der Zeit vom 1. April 1901 bis 31. März 1906, Kiel 1905, S. 281

Matthies, Jörg

Kiel: Schrevenpark, in: Adrian v. Buttlar / Margita Marion Meyer (Hg.): Historische Gärten in Schleswig-Holstein, Heide 1996, S. 378-380

Matthies, Jörg

Begleiter durch den Schrevenpark in Kiel, Hg.: Landeshauptstadt Kiel, der Oberbürgermeister, Grünflächenamt, Kiel 2002

Schrevenpark. Tag des offenen Denkmals 14. September 2003

. Wunder der Technik und der Natur. Parks und Technische Kulturdenkmäler in Kiel

Zeitungen

Kieler Express

vom 18. Juli 2001, vom 23. März 2002

Kieler Nachrichten

vom 31. Juli 1999, vom 21. August 2002, vom 4. Juli 2005

Kieler Zeitung

vom 12. Januar 1901, vom 14. Mai 1901, vom 10. Juni 1901

Text

Vielfach!


Dieser Artikel kann unter Angabe des Namens der Autorin Christa Geckeler, des Titels Kieler Erinnerungstage: Juli 1902 | Schrevenpark der Öffentlichkeit übergeben und des Erscheinungsdatums 26. Juli 2012 zitiert werden.

Zitierlink: https://www.kiel.de/erinnerungstage?id=181

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