Kieler Erinnerungstag:

Mai 1913
Marinesignalturm nimmt den Betrieb auf

1912 errichtete die Marine im Kieler Hafen einen Signalturm und schenkte der Stadt Kiel damit ein markantes Wahrzeichten. Der Signalturm nahm im Mai 1913 seinen Betrieb auf. Der Turm stand am Ende einer Brücke von 55 Metern Länge, die insgesamt 65 Meter von der Strandpromenade in den Hafen hineinreichte.

Ein markantes Wahrzeichen im Kieler Hafen

Der fünfgeschossige, eckige Turm aus Beton hatte eine Höhe von 15 Metern, seine Mastspitze reichte bis zu 40 Meter. Die vorspringende Lage und die Höhe der Signalstation erweiterten den Beobachtungswinkel beträchtlich. Ein Überblick des Hafens von der Hörn bis nach Bülk war möglich. Die Signalstation diente der Marine zur Nachrichtenübermittlung an die im Hafen liegenden Schiffe. Tag und Nacht wurden die Kommandanten von hier durch Lichtsignale und Flaggen informiert.

Vom Signalturm wurde auch der „Zwölf-Uhr-Schuss“ ausgelöst, nach dem sich die Chronometer der im Hafen liegenden Schiffe ausrichten sollten. Die Kieler nannten diesen Signalschuss „Klümpschuss“, weil dann die Hausfrauen ihre Klöße zum Mittagessen in den Topf legten.

Der „schiefe Turm“

Obwohl einige Bomben ins Wasser fielen, überstand der Turm unbeschädigt den Zweiten Weltkrieg. Auf Befehl der Briten wurde jedoch im Mai 1945 der nahe gelegene Blücherbunker gesprengt. Der Turm schien nicht wesentlich gelitten zu haben, nur einige Mauerrisse machten sich bemerkbar. Lediglich die zu ihm führende Brücke war stärker in Mitleidenschaft gezogen.

1950 aber bekam der Turm „Schlagseite“. Die Neigung, die etwa 60 cm betrug, behinderte jedoch den Dienstbetrieb der dort untergebrachten Hafen- und Verkehrsbetriebe nicht. Obwohl das Gebäude 1953 saniert worden war, musste es 1954 geräumt werden. Die Neigung betrug fast einen Meter, das Fundament wies starke Risse auf, größere Mauerstücke waren herausgebrochen. 1956 wurde das Wahrzeichen des Kieler Hafens baupolizeilich gesperrt.

Rettung aussichtslos

Ende 1958 begannen die Abbrucharbeiten, die großes Aufsehen in der Kieler Bevölkerung weckten. Im Dezember wurde ein Abbruchstopp erreicht und eine „Arbeitsgemeinschaft zur Rettung des Kieler Signalturms“ durch Verbände, die der Marine verbunden waren, gegründet. Diese beabsichtigte, eine Sammlung einzuleiten, um das traditionsreiche Gebäude zu erhalten. Auch die Stadt versprach die Mitarbeit zur Rettung des Turmes.

Die ursprünglich auf 350 000 DM geschätzten Erneuerungskosten für den Signalturm konnten von privater Seite nicht so schnell aufgebracht werden. Die „Arbeitsgemeinschaft zur Rettung des Kieler Signalturms“ wandte sich schließlich an den Bundesverteidigungsminister Franz-Joseph Strauß mit der Bitte, sich für den Erhalt des Turmes einzusetzen. Es kam eine abschlägige Antwort. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Fundamente des Bauwerks stark zerfallen seien. Selbst durch eine Reparatur könne seine Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden. So wurde der Signalturm zum Leidwesen der Kieler 1959 endgültig abgebrochen.

An seiner Stelle wurde später das Dienstgebäude des Hafenkapitäns errichtet. Die Blücherbrücke entstand neu und wurde zum ständigen Liegeplatz des Segelschulschiffes „Gorch Fock“. Auch früher schon hatten die Segelschulschiffe an dieser Stelle festgemacht.

Autorin: Christa Geckeler (1937 - 2004)


Literatur

Stolz, Gerd

Historische Stätten der Marine in Schleswig-Holstein, Heide 1990, S. 45 f.

Zeitungen

Kieler Nachrichten

vom 20. Dezember 1958, vom 28. Februar 1959, vom 7. März 1959

Kieler Zeitung

vom 5. Juli 1912, vom 18. September 1912, vom 10. November 1912, vom 2. April 1913, vom 9. April 1913

Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung

vom 13. September 1952, vom 9. Juni 1954, vom 20. Dezember 1957, vom 31. Mai 1958, vom 28. Februar 1959



Dieser Artikel kann unter Angabe des Namens der Autorin Christa Geckeler, des Titels Kieler Erinnerungstage: Mai 1913 | Marinesignalturm nimmt den Betrieb auf und des Erscheinungsdatums 01. Mai 2013 zitiert werden.

Zitierlink: https://www.kiel.de/erinnerungstage?id=232

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