Kieler Erinnerungstag:


Die St.-Jürgen-Kapelle

Am Sophienblatt gegenüber der Einmündung der Ringsstraße, wo sich heute der große Parkplatz am Bahnhof befindet, stand die alte St.-Jürgen-Kapelle, deren Bau schon im 14. Jahrhundert erstmalig urkundlich Erwähnung fand. Im Jahre 1267, bald nach der Gründung Kiels, entstand hier weit außerhalb der Stadt ein Hospital für Aussätzige (Leprakranke). Auch eine kleine Kirche gehörte dazu, die St.-Jürgen-Kapelle, benannt nach dem Schutzheiligen der Aussätzigen, dem heiligen St. Georg oder niederdeutsch St. Jürgen. Die kleine Backsteinsaalkirche war sehr schlicht und mit einem Satteldach versehen. An der Nordseite bildete ein schmuckloses spitzbogiges Portal den Zugang zur Kapelle. Die letzte Gestalt der Kirche dürfte aus dem 16. Jahrhundert stammen.

Die Lepra verschwand mit dem ausgehenden Mittelalter aus weiten Teilen Europas, denn die Lebens-, Wohn- und Ernährungsverhältnisse verbesserten sich. In den Städten wurden z. B. die Wasserversorgung und die Abwasserbeseitigung in Angriff genommen. Der Aussatz erlosch allmählich auch in Schleswig-Holstein. Bestehen blieben aber die St.-Jürgen-Kapelle und das Hospital, das nun ein Armenhaus wurde. 1822 entstand statt dessen ein Altersheim, das sogenannte Stadtkloster. Die uralte St.-Jürgen-Kapelle diente jetzt als Andachtsstätte der Klosterinsassen. Die kleine Glocke am Ostgiebel läutete ihnen auf ihrem letzten Gang. Diese Glocke ist noch erhalten. Sie hängt in dem 1908/09 in der Harmsstraße erbauten neuen Stadtkloster.

Die St.-Jürgen-Kapelle wurde 1902 abgebrochen, um den Bau der St.-Jürgen-Kirche zu ermöglichen. Das Stadtkloster musste 1909 im Zuge des Bahnhofneubaus weichen. Es erhielt neue Gebäude in der Harmsstraße.



Christa Geckeler


Literatur



Jensen

, Jürgen und Peter Wulf (Hg): Geschichte der Stadt Kiel, Neumünster 1991

Kieler Nachrichten

vom 7. August 1942, vom 10. Juni 1954, vom 11. Februar 1984

Wilde

, Lutz: Denkmaltopographie, Landeshauptstadt Kiel, Sonderveröffentlichung der

Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Neumünster 1995

Hansen

, Gerd: 1904 – 1954 – 2004 – Chronik von St. Jürgen in Kiel


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