Kieler Erinnerungstag:

14. Januar 1814
Kieler Frieden

Der zwischen Dänemark, Schweden und England geschlossene Friede 1814 in Kiel hatte große Auswirkungen auf die territoriale Neugestaltung Nordeuropas.


Kampf gegen Napoleon

Es war die Zeit der Napoleonischen Kriege. Nach dem englischen Überfall auf Kopenhagen hatte sich Dänemark Frankreich, dem Gegner Englands, angeschlossen. Damit standen auch die Herzogtümer Schleswig und Holstein als Teil der dänischen Monarchie auf der Seite Napoleons. Als Napoleons Truppen 1812 in Russland eine entscheidende Niederlage erlitten, bildeten Russland, Preußen, Schweden und Österreich eine Koalition. England zahlte Subsidien. Das Ziel der Verbündeten war, Europa von Napoleon zu befreien. Dänemark aber hielt an dem Bündnis mit Frankreich fest, weil die Verbündeten Schweden den Gewinn von Norwegen zugesagt hatten. Dänemark empfand dieses Versprechen als empörende Zumutung.


Der Schwedenwinter in Schleswig-Holstein

Nach der siegreichen Schlacht der Verbündeten bei Leipzig im Oktober 1813 schwenkte eine schwedisch-russisch-preußische Armee nach Norden gegen Dänemark, den Verbündeten Napoleons. Oberbefehlshaber der Nordarmee war Jean Baptiste Bernadotte, der schwedische Kronprinz. Unter den russischen Soldaten waren auch Kosaken, die wegen ihres fremden Äußeren die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzten. Man bezeichnete diese Zeit deshalb als „Kosakenwinter“, in Kiel und Umgebung auch als „Schwedenwinter“.

Anfang Dezember kam es zu blutigen Gefechten mit den dänischen Truppen bei Bornhöved und Sehestedt. Am 13. Dezember wurde Kiel besetzt. Einen Tag später erschien Bernadotte in der Stadt und bezog sein Hauptquartier im Buchwaldtschen Hof, einem städtischen Adelssitz in Kiel. Bernadotte wurde von den Bewohnern mit Begeisterung empfangen: Vielleicht war die Stimmung schon gegen den dänischen Gesamtstaat gerichtet, zu dem Schleswig-Holstein damals gehörte. Die Herzogtümer waren durch hohe Steuern und die Teilnahme am Krieg belastet. Vielleicht hielt man es aber auch nur für geschickter, den Sieger des Krieges herzlich zu empfangen.

Kiel hatte unter der Einquartierung und auch Plünderungen der Truppen zu leiden. Mehrere Lazarette wurden in der Stadt eingerichtet, u. a. im Schloss. Bettgestelle, Bettzeug, Stroh, Leibwäsche, Strümpfe, Essgeschirr und die tägliche Verpflegung mussten bereitgestellt werden, wofür vor allem der Kieler Magistrat zu sorgen hatte. Aber auch viele Ortschaften außerhalb Kiels waren an den Lieferungen beteiligt. Vor allem Holz in großen Mengen musste geliefert werden, damit die Kranken in den Lazaretten in dem sehr kalten und schneereichen Winter nicht froren. Am 2. Januar wurden die Kieler aufgefordert, Flinten, Pistolen und Säbel abzuliefern. Gottesdienst konnte in den Kirchen der Stadt nicht mehr abgehalten werden, weil diese zur Lagerung von Stroh und Heu dienten. Die Kieler mussten sich zum Gottesdienst im größten Hörsaal der Universität treffen.

Die Einwohner litten vor allem am Mangel an Lebensmitteln. Am 22. Dezember war folgende Bekanntmachung in der Zeitung zu lesen: „Die Last der außerordentlichen Einquartierung, die unserer Stadt auferlegt ist, hat bereits eine große Anzahl unserer ärmeren Mitbürger, deren geringfügige Wintervorräte in wenig Tagen aufgezehrt worden und die in diesem Augenblick weder Verdienst, noch Geld und Kredit haben, in die kummervolle Lage versetzt, dass sie nicht nur keinen Unterhalt für ihre Einquartierten, sondern selbst kein Brot für sich und ihre Kinder haben. Es ist Pflicht der Menschlichkeit und Bruderliebe, diese für den Augenblick verarmten Mitbürger aus allen Kräften zu unterstützen.“

Am 23. Januar 1814 verließ Bernadotte mit dem Hauptquartier die Stadt, in den letzten Januartagen folgte ihm der größte Teil seiner Truppen. Kiel aber hatte noch lange unter den Folgen der Einquartierung zu leiden.


Der Kieler Friede

Im Norden fand der Krieg gegen die Dänen mit dem Kieler Friede am 14. Januar 1814 ein Ende. Geschlossen wurde er zwischen Dänemark, Schweden und England geschlossen. Friedrich VI. von Dänemark musste Norwegen an Schweden abtreten. Er erhielt dafür Schwedisch-Vorpommern und Stralsund mit der Insel Rügen, tauschte diese Gebiete aber im Juni 1815 mit Preußen gegen das Herzogtum Lauenburg und eine Summe von zwei Millionen Talern. Gleichzeitig beendete Dänemark mit England den Krieg. England erhielt Helgoland. Dänemark wurde außerdem gezwungen, mit 10 000 Mann der antinapoleonischen Koalition beizutreten. Die Norweger nutzten die Gelegenheit, um sich eine eigene moderne Verfassung zu geben. Auch wenn ihnen der Sprung in die Unabhängigkeit nicht gelang, musste der schwedische König als künftiger Souverän von Norwegen doch die neue Verfassung akzeptieren.

Das Kräfteverhältnis in Nordeuropa veränderte sich nachhaltig durch den Friedenschluss von 1814. Dänemark wurde „endgültig zu einer unbedeutenden Mittelmacht im Ostseeraum herabgestuft“ (Schlürmann). Die territoriale Neuordnung hatte fast 100 Jahre Bestand. Helgoland blieb bis 1890 englisch und Norwegen bis 1905 mit der schwedischen Monarchie verbunden.


Gedenkstein zur Erinnerung an den Frieden

Der Kieler Friede wurde im Buchwaldtschen Hof geschlossen. Bis 1944 hatte dort eine Gedenktafel an den Friedensvertrag erinnert. Dieser Adelssitz und spätere Schule wurde im Krieg zerstört und die Trümmer 1955/56 abgetragen. An der Stelle des Buchwaldtschen Hofes entstand das erste Verwaltungsgebäude der Evangelisch-Lutherischen Kirche. Es lag etwas hinter der heutigen Straßenfront des Landeskirchenamtes. Auf dem Vorplatz des Verwaltungsgebäudes stellte die Kirchenleitung 1960, angeregt vom Kieler Magistrat, einen Gedenkstein auf. Entworfen und hergestellt wurde er von der Kieler Künstlerin Illa Blaue. Er trägt folgende Inschrift: „An dieser Stelle stand der Buchwaldtsche Hof, 1621 errichtet als adliger Freihof, 1944 im Krieg zerstört. 1814 wurde hier der Kieler Friede zwischen Dänemark, Schweden und England geschlossen.“

Seit 1967 erweiterte das Landeskirchenamt seine Gebäude, die heute in der Dänischen Straße bis zum Warleberger Hof reichen,wo der Gedenkstein an der Straßenfront neu aufgestellt wurde. Hier aber stand niemals der Buchwaldtsche Hof. So befindet sich der Gedenkstein eigentlich am falschen Platz.

Im Laufe der Jahre war der Stein verwittert und die Schrift unleserlich geworden. Im Jahre 2010 wurde ein originalgetreuer Nachbau angefertigt, finanziert von der Nordelbischen Kirche, der Stadt, der Bürgerstiftung Kiel und der Deutsch-Dänischen Gesellschaft.



Christa Geckeler




Literatur

Bülck, Rudolf

Aus dem Winter 1813/14 in Kiel, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 45, 1948-1952, S. 7 f.

Eckhardt, Heinrich

Alt-Kiel in Wort und Bild, Neudruck, Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 62, Neumünster 1975, S. 232-243

Hübner, Eckhardt

Kosakenwinter in: Kiel Lexikon, hrsg. von Doris Tillmann und Johannes Rosenplänter, Neumünster 2011, S. 197

Kinzler, Sonja (Hg.)

Der Kieler Frieden 1814: Ein Schicksalsjahr für den Norden, Neumünster 2013.

Liebich, Volker

Der Kosakenwinter in Preetz, in: „...aus Preetzer Geschichte...“, Informationsblatt des Heimatvereins Preetz und Umgebung e. V. sowie des Archivs der Stadt Preetz, Nr. 8/2001, S. 72-76

Schlürmann, Jan

Kieler Friede, in: Kiel Lexikon, hrsg. von Doris Tillmann und Johannes Rosenplänter, Neumünster 2011, S. 174

Zeitungen

Kieler Nachrichten

vom 5. März 1960, vom 29. April 1988, vom 15. April 2006, vom 12. November 2010


Abbildungen: 1 und 3: Stadtarchiv Kiel; 2: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Kiel

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