Nachhaltiges Kiel

Wir machen Zukunft

In Kiel gibt es viele engagierte Menschen, die sich mit guten Ideen und viel Tatendrang dafür einsetzen, dass unsere Fördestadt nachhaltig und zukunftsfähig wird.

Jeden Monat stellen wir eine*n Kieler Zukunftsmacher*in in einem Kurzinterview vor. Sie kennen Leute, die unbedingt dazugehören? Dann lassen Sie uns das gerne wissen.

August 2021 Janet Perozo - Perozo Stillmode 3.0.

Portraitfoto
Foto: Janet Perozo, Photographin: Viktoria Micheel www.viktoriamicheel.de

Was hat Dich nach Kiel geführt?

Ich komme ursprünglich aus Caracas in Venezuela. Mit 24 Jahren bin ich zum ersten Mal nach Deutschland gekommen und auch direkt nach Kiel geflogen. Ich habe meinen damaligen Partner während seines Urlaubs in Caracas kennengelernt und mich kurz danach entschieden, ihn für einen Monat in Deutschland zu besuchen.

Das zweite Mal, als ich wieder in Kiel war, wollte ich nur sechs Monate bleiben. In der Zeit habe ich mich an der Muthesius Kunsthochschule beworben und dort anschließend Industriedesign studiert. Daraufhin habe ich meinen Mann kennengelernt und eine Familie gegründet. Aus den sechs Monaten ist ein ganzes Leben geworden! Und jetzt ist Kiel nicht nur mein aktueller Wohnort, sondern auch meine zweite Heimat.

Was genau machst Du?

Viele Frauen denken, dass nach dem Kaiserschnitt ein Stillen nicht möglich ist. Es ist komplizierter als nach einer spontanen vaginalen Geburt, aber dennoch machbar. Die Milchbildung kommt häufig schwieriger in Gang und mehr Babys haben Saugprobleme. Auch die Unbeweglichkeit, sowie die Schmerzen nach einer OP, beeinträchtigen den Stillstart. 

Die natürlichen physiologischen Prozesse sind gestört und auch die äußeren Rahmenbedingungen ungünstiger. Durch diese erschwerten Startbedingungen und aufgrund unzureichender Unterstützung ist das Risiko nach einem Kaiserschnitt erhöht, dass die Mutter das Stillen aufgibt.

Nach der Bauchgeburt meines Sohnes und ebenfalls nach meiner Tochter, hatte ich die Idee das Patientenhemd neu zu entwickeln; eines in dem die Frauen sich schon im Krankenhaus wohlfühlen können. Ich habe ein praktisches Stillhemd, welches einen Sonderpreis beim Ideen Wettbewerb Schleswig-Holstein gewonnen hat, entwickelt. 

Nach dem Wettbewerb habe ich die Marke Perozo gegründet. Mittlerweile biete ich nicht nur Patientenhemden an, sondern eine ganze Kollektion von Stillkleidung aus Bio Baumwolle, die man auch nach der Stillzeit weitertragen kann.

Neben der Kleidung biete ich auch Stillräume an. Dies sind Rückzugsorte für stillende Mütter, auch da wo vorher keine Möglichkeit bestand das Baby in Ruhe und Geborgenheit zu stillen. Der Stillraum kann für jeden Raum und jede Größe angepasst werden. 

 Es handelt sich um ein modulares System (schnell aufbaubar und erweiterbar) für zum Beispiel Hochschulen, Verwaltung, Einkaufszentren, Restaurants oder als mobiles System bei großen und kleinen Veranstaltungen.

Perozo Stillmode 3.0. im Knooper Weg 140B in Kiel
Foto: Perozo Stillmode 3.0. im Knooper Weg 140B in Kiel, Photographin: Viktoria Micheel

Welche SDGs sind von Deinem Engagement besonders berührt?

Die Ziele 2 - Kein Hunger, 8 - Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum, 10 - Weniger Ungleichheiten und 12 - Nachhaltige/r Konsum und Produktion passen sehr gut zu meinem Engagement.

Mit Perozo möchte ich eine Marke mit nachhaltigen Stoffen und fairer Produktion etablieren. Ich möchte das Stillen als Ernährung unterstützen und Müttern das Gefühl geben, ihr Baby immer und überall stillen zu können. Dabei ist mir vom Einkauf der Materialien, über die Produktion und den Vertrieb wichtig, dass faire Bezahlung über die ganze Lieferkette vorherrscht, Maßnahmen zum Klimaschutz eingehalten werden und meine Kundin am Ende dazu beigetragen hat, die Ziele für nachhaltige Entwicklung zu unterstützen.

Foto: Stillmode Perozo, Photographin: Viktoria Micheel
Foto: Stillmode Perozo, Photographin: Viktoria Micheel

Warum findest du Nachhaltigkeit wichtig?

Nachhaltigkeit fördert Innovation.

Ich bin zwar in der Hauptstadt Venezuelas großgeworden, trotzdem spielt das Wasser in meinem Leben eine große Rolle. Am Strand fühle ich mich zu Hause.

Wasserverbrauch ist ein sehr wichtiges Thema, deswegen müssen wir bewusster leben. Das bedeutet nicht auf Sachen zu verzichten, sondern mehr darauf zu achten was und wie wir Sachen konsumieren. Wer faire Mode herstellt, leistet etwas Gutes für die Menschen und die Umwelt. Wer faire Mode kauft, trägt einen großen Teil dazu bei, die Ressourcen unserer Erde nachhaltiger zu nutzen.

Foto: Stillmode Perozo, Photographin: Viktoria Micheel
Foto: Stillmode Perozo, Photographin: Viktoria Micheel

Kiel 2030 - was ist Deine Vision für unsere Stadt?

Ich wünsche mir bis zum Jahr 2030 mutige, nachhaltige und innovative Ideen, deren Umsetzung unsere Stadt noch lebenswerter machen. Dazu gehören für mich unter anderem der Ausbau von Fahrradstraßen und der Sprottenflotte, oder auch die Unterstützung kleinerer Unternehmen, auch wenn wirtschaftliche Interessen bei großen Modeketten oder Möbelhäusern oftmals Vorrang haben.

Eine innovationsfreundliche und zukunftsfähige Stadt, die viele Möglichkeiten für kreative Menschen bietet, ist darüber hinaus ein großer Wunsch von mir. Das Potential eines Hochschulstandortes mit vielen fantasievollen Köpfen ist vorhanden, hier hat sich in der Vergangenheit schon viel getan. Die Synergien gilt es weiter auszubauen.

Ich freue mich auf 2030 hier in Kiel.


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