Nachhaltiges Kiel

Wir machen Zukunft

In Kiel gibt es viele engagierte Menschen, die sich mit guten Ideen und viel Tatendrang dafür einsetzen, dass unsere Fördestadt nachhaltig und zukunftsfähig wird.

Jeden Monat stellen wir eine*n Kieler Zukunftsmacher*in in einem Kurzinterview vor. Sie kennen Leute, die unbedingt dazugehören? Dann lassen Sie uns das gerne wissen.

Mai 2021 Leah-Maria Rott - Kosmos by opencampus.sh

Portraitfoto
Foto: Viktoria Micheel - www.viktoriamicheel.de

Was hat Dich nach Kiel geführt?

Ursprünglich komme ich aus der Nähe von Flensburg. Nach dem Abitur habe ich in Glasgow, Marburg, Berlin und Bremen gelebt. Vor sieben Jahren wurde der Wunsch, mit meinen Kindern auf dem Land und wieder näher am Meer zu leben, groß und wir zogen zurück in den Norden. In Kiel habe ich mein Lehramtsstudium, das ich in Bremen begonnen hatte, fortgesetzt und bin kurz darauf über eine Gründungsidee auf opencampus.sh gestoßen. 

Damals war mir nicht bewusst, dass Kiel eine ideale Größe hat, um kreative Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Heute könnte ich ein dutzend Gründe nennen, die dafürsprechen, genau hier zu leben.

Was genau machst Du?

Mittlerweile bin ich bei opencampus.sh in verschiedenen Initiativen aktiv. Allen gemeinsam ist, dass es darum geht, kreative Veränderungsprozesse in Gang zu setzen und einen relevanten Beitrag für eine innovative und nachhaltige Zukunftsgestaltung zu leisten. In diesem Kontext habe ich im November 2019 die Planung, Koordination und schließlich die Leitung des Kosmos by opencampus.sh, einem Konzeptstore in der Holstenstraße, übernommen.

Im Kosmos machen wir eine Vielzahl der Angebote unseres Vereins der breiten Öffentlichkeit unter einem Dach zugänglich. Darüber hinaus ist der Konzeptstore ein Schaufenster und Shop für über 100 StartUps, Künstler*innen und junge Unternehmen aus Kiel und dem Norden. Neben dem Shop gibt es ein Café, wechselnde Ausstellungen, sowie Raum für Workshops und Events.

Im vergangenen Jahr konnten wir trotz der Pandemie bereits mehrere Schulworkshops und Praktika in Kooperation mit der Social Entrepreneurship Initiative SEEd von opencampus.sh durchführen. Durch die im Shop angebotenen Produkte der Startups ist der Kosmos eine Plattform, die Nachhaltigkeit in verschiedenen Dimensionen greifbar werden lässt. Der Austausch mit den Gründer*innen bietet einen persönlichen Einblick in die individuellen und inspirierenden Entstehungsgeschichten für die teilnehmenden Schüler*innen.

Der besondere Standort des Kosmos-Stores ermöglicht es uns, sehr unterschiedliche Zielgruppen zusammen zu bringen und in der Mitte der Stadt zu Austausch, Vernetzung und gemeinsamer, nachhaltiger Zukunftsgestaltung einzuladen. Sobald Präsenzveranstaltungen wieder möglich sind, werden wir auch die derzeit online stattfindenden öffentlichen Bildungsangebote des opencampus.sh Edu-Programms wieder in unseren Räumen anbieten.

Kosmos - Konzeptshop - Photographin: Viktoria Micheel
Kosmos - Konzeptshop - Photographin: Viktoria Micheel

Welche SDGs sind von Deinem Engagement besonders berührt?

SDG 4 “hochwertige Bildung”
Das Bildungssystem in Deutschland setzt sich zum Ziel, uns Kernkompetenzen mit auf den Weg zu geben und soll uns dabei unterstützen, mit einem gut aufgestellten Wissensfundament in den Arbeitsmarkt einzutreten. Was wir außerdem in der Schule dringend bräuchten, ist das Aufzeigen von größeren Zusammenhängen. 

Das schließt das Bewusstsein dafür ein, das Lernen nicht endlich ist sowie den Mut, daran zu glauben, dass die individuelle Wirkungskraft uns befähigt, einen nachhaltigen und positiven Beitrag in unserer Gesellschaft leisten zu können. Begeisterung und Neugierde sind der Schlüssel zu erfolgreicher Wissensaneignung. Diese grundlegenden Faktoren für Lernerfolge kommen im derzeitigen Bildungssystem - egal ob Schule, Ausbildung oder Universität - häufig zu kurz.

Mit den Angeboten seitens opencampus.sh möchten wir die Menschen unabhängig von Alter, Bildungstand oder sozialen und kulturellen Hintergründen einladen, ihrer Neugierde nachzugehen, sich neuen Themen zu öffnen und ihren Wissens-, Erfahrungs- und Wirkungshorizont zu erweitern.

SDG 11 "nachhaltige Städte und Gemeinden"
Mit dem Kosmos bringen wir lokale Vielfalt und innovative Impulse in die Innenstadt. In einem ehemaligen Leerstand, mitten in der Kieler Fußgängerzone, findet sich auf vier Etagen und 600 Quadratmetern eine große Produktvielfalt. Das Sortiment wächst von Woche zu Woche und es entstehen stets neue Kontakte, die sich zu einem großen und nachhaltigen Netzwerk aufsummieren. 

Kiel bietet eine beeindruckende Diversität, das zeigt sich unter anderem an den unzähligen lokalen Startups, Projekten und Unternehmen. Diese Diversität spiegelt sich im Angebot wider. Durch die vielfältige Anzahl der beteiligten Akteur*innen und durch die sich ergänzenden Inhalte entsteht ein nachhaltiger und langfristiger Mehrwert für die (Innen)-Stadt.

SDG 12 „nachhaltige(r) Konsum und Produktion“
Bei allen Produkten, die wir im Kosmos anbieten, achten wir auf die Einhaltung fairer und nachhaltiger Produktion. Die Lieferketten sind nachvollziehbar und transparent. Der persönliche Austausch mit den Startups bietet zudem immer die Möglichkeit, individuelle Unterstützungsangebote zu machen und neue Kooperationen anzustoßen. Auch im Hinblick auf den Gesamtbetrieb des Kosmos, zum Beispiel bei unserem Café, setzen wir den Fokus auf ressourcenschonendes Wirtschaften.

Im Konzept des Kosmos finden neben den genannten auch die Entwicklungsziele  SDG 3 „Gesundheit und Wohlergehen“ wie auch SDG 5 „Geschlechtergleichheit“ Berücksichtigung. Der Kosmos steht für ein Wirtschaften, das lokal, nachhaltig und community-orientiert agiert und so ein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept realisiert.

Team-Foto - Kosmos Konzeptshop
Team-Foto - Kosmos Konzeptshop

Warum findest du Nachhaltigkeit wichtig?

Für mich bezieht sich Nachhaltigkeit auf sehr unterschiedliche Aspekte des alltäglichen Lebens. Nachhaltigkeit sollte auch, aber nicht nur, im Hinblick auf kommende Generationen, auf allen Ebenen die Grundlage des eigenen Handelns darstellen. Jede*r Einzelne kann im Kleinen - zum Beispiel durch Müllvermeidung, sparsamen Energieverbrauch oder bedachtem Konsum - einen bedeutenden Teil zu einer ökologisch nachhaltigeren Gesellschaft beitragen. 

Gleichzeitig denke ich, dass gesamtgesellschaftliche Hürden, wie ein dringend notwendiger Wandel unseres gegenwärtigen Wirtschafts- und Wertesystems, eine wichtige Rolle spielen. Mein Eindruck ist, dass in keiner Zeit zuvor die Unabdingbarkeit von lokalem und globalem nachhaltigem Handeln offensichtlicher wurde als jetzt.

Doch Nachhaltigkeit bezieht sich für mich nicht allein auf unseren Konsum, sondern auch auf Bildung und unser soziales Miteinander. Neben den bedeutenden Sorgen bezüglich der aktuellen Herausforderungen habe ich gleichzeitig auch Hoffnung. 

Denn im besten Fall kann die derzeitige Lage in vielen Bereichen zu einem entscheidenden Wandel führen. Aktuell scheint nichts mehr „normal“ zu sein. Dieser Ausnahmezustand kann die Option bieten, dass wir uns die Frage stellen in welcher „Normalität“ wir zukünftig leben möchten.

Der Kosmos und die vielen positiven Erfahrungen, die wir dort machen, stimmen mich optimistisch, dass nachhaltige Veränderungen in der unmittelbaren Umgebung auch intuitiv entstehen und wachsen können. Ich bin der Ansicht, dass nachhaltig leben zu können kein Privileg sein sollte – auch keine Bürde – sondern vielmehr eine Selbstverständlichkeit, für die jede*r auch einen ganz eigenen Beitrag leisten kann.

Kiel 2030 - was ist Deine Vision für unsere Stadt?

“In der Kieler Innenstadt brummt das Leben. Auf dem Assmus-Bremer Platz wird der Marktstand gerade mit frisch gefangenem Fisch beliefert. Ein Straßenmusiker untermalt das Spielen einiger Kinder am Wasserlauf. Zwei ältere Damen sitzen bei einer Partie Schach in der Sonne. 

Der Leerstand in der Fußgängerzone ist Geschichte. Gebäude, die allenfalls für weitere Filialen großer Firmenketten funktioniert hätten, werden von verschiedenen Betreiber*innen kooperativ genutzt: ein Friseursalon zusammen mit einem Blumengeschäft, die Musikschule über der Bäckerei, die Kita neben dem kleinen Buchhandel mit angegliedertem Café. Menschen sitzen auf begrünten Dächern, genießen den Blick zur Förde und erfreuen sich über ausbleibende Motorengeräusche. 

Statt Autos gibt es Fahrradstraßen und ausreichend große Parkplatzflächen am Stadtrand kombiniert mit modernem ÖPNV.”

Eine Stadt ist so viel mehr als ein mit dem Auto erreichbarer Ort zum Shoppen. Kiel hat in meinen Augen ein enormes Potential, das unter anderem darin liegt, dass kurze Wege viele innovative Prozesse und Ideen möglich machen. 

Ich denke, dass Kiel in den nächsten Jahren dieses Potential entfaltet und zwar unter Einbezug der vielfältigen Bewohnerschaft, der Ideen lokaler Startups und dem Innovationswillen der Stadt. Ich glaube, dass zukunftsfähige und nachhaltige Veränderungen nur dann möglich sind, wenn sie nicht für, sondern mit den Menschen gedacht und umgesetzt werden.


Die Interviews der vergangenen Monate

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