Nachhaltiges Kiel

Wir machen Zukunft

In Kiel gibt es viele engagierte Menschen, die sich mit guten Ideen und viel Tatendrang dafür einsetzen, dass unsere Fördestadt nachhaltig und zukunftsfähig wird.

Jeden Monat stellen wir ein*en Kieler Zukunftsmacher*in in einem Kurzinterview vor. Sie kennen Leute, die unbedingt dazugehören? Dann lassen Sie uns das gerne wissen.

 

Juli 2019: Christina Lehmann - umtüten

Christina Lehmann
Foto: Sara Ghazi Alkoud
Was hat dich nach Kiel geführt?

Ich wollte raus aus Berlin! Fünf Jahre in der Großstadt haben mir gezeigt: ich will der Natur wieder näher sein und raus aus der Anonymität, rein ins Kleinstadtleben. Außerdem wollte ich etwas studieren, was Sinn macht.

So bin ich nach Kiel gekommen und habe hier den Master in Umweltmanagement studiert. Über Kiel wusste ich davor nur, dass es weit „oben“ an der Ostsee liegt - was mir als überzeugendes Argument gereicht hat. Und jetzt gibt es natürlich noch viel mehr Gründe, weshalb Kiel zu meiner zweiten Heimat geworden ist.

Was genau machst du?

Ich motiviere Menschen, ihren Müllkonsum zu hinterfragen und im Alltag umzudenken. Dafür habe ich umtüten vor vier Jahren gemeinsam mit Anja gestartet, damals noch als Studentenprojekt.

Wir wollten jedoch raus aus der Uni-Blase und Konsumenten in Alltagsmomenten zeigen, dass müllfrei einkaufen gar nicht schwer ist. Dafür haben wir nachhaltige, praktische und schöne Alternativen entwickelt: unsere Tüüten für Brot, Snacks, Gemüse und Obst.

Bei umtüten geht’s aber nicht nur um ein Produkt. Vor allem möchten wir für das Thema Müllvermeidung sensibilisieren und jeden ermutigen, aus der Alltagsroutine rauszukommen. Raus aus der Bequemlichkeit heißt nämlich auch, sich für neue Wege zu öffnen - und das macht das Leben ja so schön!

Wir gestalten dafür Workshops für Kinder und Jugendliche und packen das Thema Müllvermeidung spritzig und praktisch an. Und wir gehen in Unternehmen, um Prozesse unter die Lupe zu nehmen und nachhaltige Impulse zu geben.

Welche SDGs sind von deinem Engagement besonders berührt?

Wie heutzutage konsumiert und gewirtschaftet wird, schockiert mich. Denn natürlich macht uns das zehnte Paar Schuhe nicht glücklicher. Das wurde schon häufiger bewiesen. Also, warum kaufen wir es trotzdem? Ich will nicht, dass mir suggeriert wird, dass ich immer mehr brauche. Tu ich nämlich nicht.

Mit umtüten will ich zeigen, dass wir verantwortungsvoll wirtschaften können und sollten. Ich will auch niemandem einreden, er bräuchte unbedingt und nur unser Produkt. Jeder kann zu Dingen greifen, die er bereits besitzt.

Was mir bei unseren Tüüten wichtig ist, ist eine transparente und nachvollziehbare Produktionskette. Wir kennen all unsere Lieferanten. Die Baumwollplantage in Tanzania wird zum Beispiel komplett regenbewässert und es herrschen dort faire Arbeitsbedingungen.

Die Stoffe werden in Deutschland gesponnen, gewebt und in Augsburg und im Münsterland händisch zu Tüüten genäht. Dort unterstützen sie Menschen mit Schwierigkeiten im Arbeitsleben durch faire Gehälter und individuell angepasste Arbeitsmodelle.

So will ich Menschen motivieren, darüber nachdenken was und wie viel wir brauchen: Ziel 12 (Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion). Und sowohl Konsumenten als auch anderen Unternehmen zeigen, dass eine soziale und ökologische Wertschöpfungskette zu einem guten Produkt dazugehört: Ziel 8 (Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum). 

Warum findest du Nachhaltigkeit wichtig?

Sobald ich in der Natur bin, begeistert mich ihre Schönheit und Vielfalt. Ich bin einfach wahnsinnig dankbar und schätze es sehr wert. Deshalb ist es für mich auch unbegreiflich, dass wir glauben, im Zentrum von allem zu stehen und versuchen, die Natur zu beherrschen.

Ich bin davon überzeugt, dass es jedem guttut, sich über seine Umwelt und Mitmenschen Gedanken zu machen und diese in Entscheidungen miteinzubeziehen. Im Einklang mit seiner Umwelt zu handeln, fühlt sich so gut an und macht einfach noch viel mehr Spaß. Sollte jeder ausprobieren!

Kiel 2030 - was ist Deine Vision für unsere Stadt?

Ich wünsche mir Kiel als Stadt, die neue Wege geht.

Wir haben hier unglaubliche Projekte, die kollektives Arbeiten und alternatives Leben auf eine neue Ebene bringen. Die Alte Mu, opencampus oder der MUDDI Markt prägen schon jetzt so einige von uns. Ich wünsche mir, dass sie 2030 den Ton für die ganze Stadt angeben.

Das heißt auch, dass Nachhaltigkeit kein Schlagwort mehr sein sollte und auf allen Ebenen angepackt wird. Das heißt auch, dass die Kreuzfahrtschiffe am besten verboten werden und Kiel zur Fahrradstadt mit geilem ÖPNV wird!


Die Interviews der vergangenen Monate

 
Februar 2019
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Oktober 2018
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