Nachhaltiges Kiel

Wir machen Zukunft

In Kiel gibt es viele engagierte Menschen, die sich mit guten Ideen und viel Tatendrang dafür einsetzen, dass unsere Fördestadt nachhaltig und zukunftsfähig wird.

Jeden Monat stellen wir eine*n Kieler Zukunftsmacher*in in einem Kurzinterview vor. Sie kennen Leute, die unbedingt dazugehören? Dann lassen Sie uns das gerne wissen.

 

November 2019: Christoph Corves – Kiel School of Sustainability

Christoph Corves
Foto: Markus Brüggemann
Was hat dich nach Kiel geführt?

Ich habe bereits in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Biologie in Kiel studiert. Mit der antiquierten Art, wie damals dieser Fachbereich an der Uni unterrichtet wurde, kam ich nicht gut zurecht und ich bin 1989 der Universität Kiel entkommen, indem ich nach Edinburgh gegangen bin. Als ich im Zug nach Schottland saß, dachte ich "Nie wieder Kiel!".

In Edinburgh blieb ich fünf Jahre, dazwischen war ich ein Jahr in Lateinamerika. Mir war es wichtig, in meiner wissenschaftlichen Arbeit konkrete Bezüge zu gesellschaftlich wichtigen Themen wie Umweltschutz herzustellen. Im Rahmen meiner Doktorarbeit entwickelte ich beispielsweise Methoden, wie man mit Satellitendaten die Vernichtung von Regenwäldern im Amazonasgebiet kartieren und überwachen kann.

Nach Schottland legte ich mit meiner damaligen und heutigen Partnerin einen Zwischenstopp in Berlin ein und produzierte dort mit einer eigenen Produktionsfirma Dokumentarfilme und Bildungsmedien zu Themen nachhaltiger Entwicklung.

Im Jahr 2000 bin ich dann doch wieder nach Kiel gekommen. Rund um Bernd Günther Nahm und die von ihm geleitete Filmwerkstatt Kiel war hier ein einmaliges Biotop für Filmemacher*innen entstanden, in dem ich mich zuhause fühlte.

Als dann die Universität Kiel eine Professur für Geographie und Medien ausschrieb, bewarb ich mich. Die Möglichkeit, mit so vielen jungen motivierten Menschen zu arbeiten, überzeugte mich, die von mir sehr geschätzte Selbständigkeit als Filmemacher aufzugeben. Seit langem schon hatte ich die Idee, ein Bildungsprogramm aufzubauen, das vermittelt, wie man mit eigenen Projekten die Welt verändern kann.

Es ging und geht mir darum, zu verändern, was und wie an Hochschulen gelernt wird. Denn ich finde, Universitäten haben die Pflicht, zur Lösung wichtiger gesellschaftlicher Zukunftsfragen beizutragen. In der Forschung und in der "Lehre". Dabei muss ich sagen, dass mir der Begriff "Lehre" nicht gefällt. Ich verstehe meine Rolle nicht als jemand, der anderen Menschen etwas "lehrt". Ich sehe meine Aufgabe darin, junge Menschen, die lernen wollen, wie sie zu nachhaltiger Entwicklung beitragen können, auf ihrem Weg zu unterstützen.

Dazu habe ich das Projekt yooweedoo, den Master Sustainability und die School of Sustainability (Uni Kiel) gegründet, natürlich nicht ich allein, sondern mit vielen anderen motivierten Menschen. Im Kern dieser Projekte steht eine andere Art zu lernen. Nicht die Professor*innen, sondern die Studierenden entscheiden, mit welchen Problemen in Umwelt und Gesellschaft sie sich beschäftigen wollen. Es bleibt nicht bei der Theorie, sondern unsere Studierenden lernen, eigene Projekte für eine nachhaltige Entwicklung zu planen und dann auch umzusetzen.

Was genau machst du?

Ich möchte die jungen Menschen - und auch andere Interessierte - dazu „empowern“, sich für eine nachhaltige Entwicklung stark zu machen. Sie sollen konkret erfahren, dass Sie die Welt mit eigenen Projekten verändern können. Hierfür gibt es im Rahmen von yooweedoo die unterschiedlichsten Unterstützungs- und Vernetzungsangebote. Auch das Lernen voneinander - sei es unter den Studierenden, Projektumsetzer*innen oder Lehrenden - fördern wir mit diversen Angeboten, wie zum Beispiel den Changeleader- oder Changecoach-Programmen.

Das yooweedoo Lernprogramm ist zudem ein zentraler Baustein des Master Sustainability. In jedem Jahr bewerben sich mehrere Hundert hochmotivierte junge Menschen aus Deutschland und der ganzen Welt um einen Platz in diesem Master. 40 von ihnen können wir pro Jahr einen Platz anbieten. Sie kommen nach Kiel, um im yooweedoo Lernprogramm zu lernen, wie man die Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung kreativ und unternehmerisch lösen kann. Viele von ihnen verwurzeln sich während des Masterstudiums in Kiel. Sie gründen Projekte, Vereine und Startups. Und viele bleiben nach dem Ende ihres Studiums hier.

In den vergangenen Jahren sind mit Unterstützung durch yooweedoo in Kiel eine Vielzahl von Projekten, Vereinen und Startups entwickelt worden, die in kreativer Weise einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. Dazu gehören viele Projekte, die aus der Kieler Gründerszene nicht mehr wegzudenken sind. Zum Beispiel: Goldeimer, Kulturgrenzenlos, Kieler Honig, Umtüten, Spülbar, die Reste Ritter, die Werk Statt Konsum, das Fahrradkinokombinat, das Glückslokal, die MeerManege, Lille und My Boo.

Sie alle bereichern mit ihrer Kreativität die Stadt Kiel. Sie arbeiten im gesamten Stadtgebiet und tragen zur nachhaltigen Entwicklung der Stadt bei. Sie haben zur Veränderung der Stadt Kiel hin zu einer kreativen, nachhaltigkeits- und zukunftsorientierten Stadt enorm beigetragen.

Welche SDGs sind von deinem Engagement besonders berührt?

Ganz klar SDG 4 „Hochwertige Bildung“. Die Projekte, die im Rahmen von yooweedoo und dem Master Sustainability entstehen, berühren natürlich auch viele andere SDGs wie zum Beispiel SDG 11 „Nachhaltige Stadtentwicklung“.

Warum findest du Nachhaltigkeit wichtig?

Mir sind viele Dinge wichtig, die ich mit der Idee von Nachhaltiger Entwicklung verbinde. Besonders gilt das für das Thema "Gerechtigkeit". Unsere Art zu leben, sollte nicht zu Lasten der Umwelt, nicht zu Lasten anderer Menschen an anderen Orten der Welt und nicht zu Lasten kommender Generationen gehen.

Ich denke zum Beispiel, dass es Konzernen nicht erlaubt sein sollte, die Gesellschaft und die Umwelt zu schädigen. Der Dieselskandal, die Verwicklung der Deutschen Bank in eine Flut betrügerischer Aktivitäten, die Schädigung der Umwelt durch die Produktion von Atomstrom und Kohlestrom, die massive "Steuervermeidung" durch Konzerne, all diese Aktivitäten deutscher Großkonzerne und Banken werfen aus meiner Sicht grundsätzliche Fragen auf.

  • Wie müssen wir Gesellschaft, Wirtschaft und Politik organisieren, damit Nachhaltige Entwicklung möglich ist?
  • Sind Konzerne mit Nachhaltiger Entwicklung kompatibel oder sollten sie zerschlagen werden, da sie einer nachhaltigen Entwicklung und einer gerechteren Welt im Wege stehen?

Ich denke, dass wir als Hochschule verpflichtet sind, solche Fragen zu stellen, um die Gesellschaft gestalten zu können.

Und ich denke, dass wir als Hochschule verpflichtet sind, unseren Studierenden zu ermöglichen, zu lernen, wie sie mit eigenen Ideen und Projekten zu einer nachhaltigen Welt beitragen können. Deshalb ist mir der Bereich Bildung besonders wichtig.

 

Kiel 2030 - was ist Deine Vision für unsere Stadt?

Meine Vision ist, dass Kiel eine "Stadt der Zukunftsmacher*innen" wird.

Um nicht nur Studierende, sondern alle Kieler*innen dabei zu unterstützen, für die nachhaltige Entwicklung Kiels aktiv zu werden, starten wir gerade ein neues Vorhaben.

In der Alten Mu haben wir das Changelab eingerichtet als Bildungs-, Beratungs- und Vernetzungszentrum für Menschen, die in Schleswig-Holstein nachhaltige und gemeinwohlorientierte Projekte und Startups gründen wollen.

Im Changelab kann man arbeiten, sich beraten lassen, Gleichgesinnte treffen oder an Lernangeboten rund um Gründung und Management von nachhaltigen und gemeinwohlorientierten Projekten, Vereinen und Startups teilnehmen.

Wir freuen uns auf spannende Ideen für neue Vorhaben in Kiel!


Die Interviews der vergangenen Monate

 
Oktober 2019
September 2019
August 2019
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Oktober 2018
September 2018
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Kontakt

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Leiterin des Büros des Stadtpräsidenten

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Koordinatorin kommunale Entwicklungspolitik

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