Nachhaltiges Kiel

Wir machen Zukunft - Archiv

In Kiel gibt es viele engagierte Menschen, die sich mit guten Ideen und viel Tatendrang dafür einsetzen, dass unsere Fördestadt nachhaltig und zukunftsfähig wird.

Jeden Monat stellen wir ein*e Kieler Zukunftsmacher*in in einem Kurzinterview vor. Sie kennen Leute, die unbedingt dazugehören? Dann lassen Sie uns das gerne wissen.

 

November 2018: Nele Markwardt - Marktschwärmer Kiel

Nele Markwardt title=
Foto: Sara Ghazi Alkoud
Was hat dich nach Kiel geführt?

Vor zehn Jahren habe ich eine Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin in Kiel angefangen. Nach zwei Jahren in dem Job habe ich dann doch etwas Neues ausprobieren wollen und habe an der Uni Ernährungs- und Verbraucherökonomie studiert. Aktuell sitze ich an meiner Masterarbeit im Agribusiness. Wichtig für mich war, dass ich am Wasser bleiben kann. Ich bin auf einer Insel aufgewachsen und fühl mich immer komisch, wenn das Wasser nicht in der Nähe ist.

Was genau machst du?

Neben dem Studium habe ich vor zweieinhalb Jahren das Projekt „Marktschwärmer“ entdeckt und wusste sofort, dass ich das auch für Kiel machen möchte. Marktschwärmer ist ein Wochenmarkt, bei dem es wirklich nur regionale Produkte gibt. Als Gastgeberin der Kieler Schwärmerei habe ich dann ganz viele Höfe und Lebensmittelproduzent*innen in und um Kiel angesprochen.

Nun haben wir jede Woche am Donnerstag den Markt in den Räumlichkeiten des „Mmhio“ im Knooper Weg 75, für den man die Produkte vorher online einkauft. Dann wissen wir, dass alles abgeholt wird und unsere Bäuerinnen und Bauern können ganz genau planen, was sie mitbringen.

Mir ist wichtig, dass es einfach ist, Lebensmittel aus der Region zu kaufen. Dass wir Städter nicht einzeln in die umliegenden Dörfer fahren müssen. So hoffe ich, dass ich mit der Idee Marktschwärmer, die ursprünglich aus Frankreich kommt, die Direktvermarktung und damit kleine landwirtschaftliche Betriebe unterstützen kann. Sie bieten uns eine Menge toller Lebensmittel, und mal ehrlich: Warum Kartoffeln im Supermarkt aus Frankreich kaufen, wenn sie hier aus Kiel kommen können?

Welche SDGs sind von deinem Engagement besonders berührt?

Das Ziel 2 - Kein Hunger, steht in Deutschland eher für bewussten Konsum ohne Verschwendung. Genau das kann Marktschwärmer super umsetzen, denn jedes Brot wird auf Bestellung gebacken und das Gemüse extra für uns geerntet. Die nachhaltige Landwirtschaft hat bei uns einen festen Platz und ist mir besonders wichtig.

Das nächste ist Ziel 8 - Menschwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum. Bei uns setzen die Bauern und Bäuerinnen ihre Preise selbst. Natürlich geben sie eine kleine Provision ab (18,3 Prozent), wovon die Internetseite, Zahlungsdienstleister und meine Organisationsarbeit bezahlt werden. Trotzdem haben sie so eine faire Grundlage, mit der sie die Preise so setzen können, dass der Wert ihrer Arbeit auch angemessen entlohnt wird.

Ziel 11 - Nachhaltige Städte und Gemeinden, ist für Marktschwärmer immer ein wichtiger Punkt. Wir versuchen, Landwirt*innen und Stadtbewohner*innen zusammenzubringen, ohne großen Aufwand und im besten Fall auch ohne viel Fahrerei. Die meisten unserer Kund*innen kommen mit dem Rad zur Verteilung der Lebensmittel und unsere Erzeuger*innen haben im Durchschnitt eine Entfernung von weniger als 25 km nach Kiel.

Nachhaltiger Konsum und Produktion, Ziel 12, ist die Basis und das Hauptthema von Marktschwärmer. Wir möchten mit Höfen zusammenarbeiten, die ihre Umwelt und Ressourcen schützen und bewahren möchten. Dazu ist nicht immer ein Biosiegel nötig, wichtig ist, dass die Produzent*innen mit Herz und Verantwortung dabei sind. Und das sind sie!

Das letzte Ziel, das mich für Marktschwärmer anspricht, ist Ziel 15 - Leben an Land. Natürlich greift Landwirtschaft immer in die Umwelt ein, jedoch haben wir viele Höfe dabei, die zum Beispiel ganz vergessene, alte Sorten anbauen und so die Sortenvielfalt erhalten. Ich habe zum Beispiel diesen Herbst das erste Mal Sibirischen Kohl gesehen und gegessen!

Warum findest du Nachhaltigkeit wichtig?

Ich merke immer mehr, dass wir alle so viel Verantwortung tragen und unser Konsum eine Menge negative Folgen haben kann. Vor allem für Menschen in anderen Gegenden der Welt.

Ich bin nicht dafür, dass man im Alltag alles radikal von heute auf morgen verändert, aber einige Kleinigkeiten wie regionale Lebensmittel, nicht so viele neue Dinge kaufen, weniger Verpackungen…, damit ist schon ein guter Anfang gemacht, um auch in Zukunft in einer gesunden Welt zu leben. Und das ist leicht umzusetzen.

Kiel 2030 - was ist Deine Vision für unsere Stadt?

Eine Stadt, die ihre Offenheit, die sie in den letzten Jahren gezeigt hat, unbedingt beibehält! Und für die regionale Lebensmittelversorgung wünsche ich mir stadtnahe Flächen, die von der Stadt zur Verfügung gestellt werden, und von jungen Landwirt*innen bewirtschaftet werden können, um öffentliche Einrichtungen zu versorgen. Für eine moderne und nachhaltige Zukunft in unserem Kiel!


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Kontakt

Stefanie Skuppin
Leiterin des Büros des Stadtpräsidenten

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Koordinatorin kommunale Entwicklungspolitik

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