KulturSpuren Matrosenaufstand

Kasernengelände Arkonastraße

Soldatenrat des Linienschiffs Prinzregent Luitpold (Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-J0908-0600-002, CC-BY-SA)

4. November 1918: Bildung des ersten Soldatenrates

5. und 9. November 1918: Kriegsschiffe unter roter Flagge

Im Kasernengelände rund um die Arkonastraße in Kiel-Wik waren verschiedene Divisionen der Marine untergebracht, unter anderem auch die Besatzung der Markgraf.

Im Kasernengelände rund um die Arkonastraße in Kiel-Wik waren verschiedene Divisionen der Marine untergebracht, unter anderem auch die Besatzung der Markgraf. Nachdem bereits 47 Besatzungsmitglieder bei der Ankunft in Kiel verhaftet worden waren, wurden am 3. November weitere 57 Matrosen des Schiffes von der Wik aus ins Fort Herwarth gebracht. Nur mit Mühe fanden sich einige Matrosen, die bereit waren, die Kameraden zu verhaften.

Am 4. November, einen Tag nach dem großen Demonstrationszug und den ersten Toten des Aufstands, wurden die in der Wik untergebrachten Divisionen zum Appell gerufen. Bereits am Morgen waren die Arbeiter der Germaniawerft in Gaarden und der Torpedowerkstatt in Friedrichsort in Streik getreten und einer der Kommandeure wollte im Appell die Belegschaft der Kaserne zur Ruhe mahnen.

Die Appellversammlung nutzte Karl Artelt, Angehöriger der Torpedodivision und später einer der Aufstandsführer, nach eigener Schilderung dazu, die Truppen zur Wahl von Soldatenräten aufzurufen. Er selbst wurde durch Akklamation zum Vorsitzenden des Soldatenrates gewählt. Es ist unklar, ob es wirklich eine Wahl zum Soldatenrat gab, oder ob die führenden Aufständischen sich einfach als von ihren Kameraden gewählt betrachteten.

Petruskirche, historische Postkarte (Quelle: Stadtarchiv Kiel)
Petruskirche, historische Postkarte (Quelle: Stadtarchiv Kiel)

Offiziere, die sich widersetzten, wurden entwaffnet und die Matrosen stürmten die Waffenkammern. 700 bis 800 Matrosen zogen demonstrierend durch das Kasernengelände und brachten weitere Kameraden dazu, sich ihnen anzuschließen. Artelt und weitere baten den Kommandeur, ihre Forderungen nach Abdankung des Kaisers, Freilassung der Gefangenen und Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts an Gouverneur Souchon zu überbringen. Eine Delegation mit Artelt an der Spitze wurde zu daraufhin persönlichen Verhandlungen zum Gouverneur in die Marinestation bestellt.

Gleichzeitig verließen die Schiffe des III. Geschwaders Kiel in Richtung Lübecker Bucht. Um das Zentrum der Unruhen zu entfernen, hatte Souchon am Morgen ihr Auslaufen angeordnet. Jedoch weigerten sich die Matrosen, zu arbeiten, so dass sämtliche Decksarbeiten von Fähnrichen und Deckoffizieren ausgeführt werden mussten. Am 9. November kehrte das III. Geschwader nach Kiel zurück - mit gesetzten roten Fahnen statt der Reichskriegsflagge. Die im Hafen verbliebenen Torpedoboote hatten bereits am 5. November rote Fahnen gesetzt.

Die Gebäude des Marinegeländes in der Wik sind heute weitgehend erhalten. Im Zentrum steht die 1905 bis 1907 als Garnisonskirche errichtete Petruskirche, die heute für kulturelle Veranstaltungen und Gottesdienste genutzt wird. In unmittelbarer Nähe der Kirche befindet sich die ehemalige Ingenieur- und Deckoffizierschule der Marine, die unter anderem als Drehort für die Fernsehreihe "Tatort" genutzt wird. In der Weimarer Straße befindet sich darüber hinaus die Marinearrestanstalt der Kaiserzeit, die im Zweiten Weltkrieg zum Marine-Untersuchungsgefängnis um- und ausgebaut wurde. In der Zeit des Nationalsozialismus erwarteten dort zahlreiche Gefangene ihre Urteile.

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