Museumsdepot Wissenschaftspark

Die Sammlungen des Stadt- und Schifffahrtsmuseums

Die breit gefächerte, genreübergreifende Sammlung des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums bildet die politische, soziale, wirtschaftliche, kulturelle und speziell maritime Entwicklung der Fördestadt der vergangenen 200 Jahre ab.

Sie wird ergänzt durch historische Dokumente des Kieler Stadtarchivs, insbesondere durch die umfangreiche Foto- und Mediensammlung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Kieler Museumsbestände des ehemaligen Thaulow-Museums zur Gründung eines neuen Landesmuseums nach Schleswig überführt. Damit besaß Kiel keine stadtgeschichtliche Sammlung mehr.

Erst 1965 begann eine neue lokalhistorische Sammeltätigkeit, getragen durch Stiftungen von BürgerInnen und ergänzt um Ankäufe des Museums. Sie bekam mit der Einrichtung der Fischhalle als Schifffahrtsmuseum einen zusätzlichen maritimen Schwerpunkt.

2007 wurde das Zentraldepot im Wissenschaftspark nach aktuellen museologischen Standards und den Anforderungen der Sammlung entsprechend auf 2.700 Quadratmetern Fläche eingerichtet. Seitdem bestückt das Museum seine Ausstellungen im Warleberger Hof und in der Fischhalle mit Objekten, die das Depot dazu bereithält

 

Die Sammlungen

Zu den wichtigsten Beständen des Museums zählt die Gemäldesammlung. Dazu gehört die „Fördegalerie“ mit Stadtansichten und Landschaften Kiels. Namhafte spätimpressionistische Künstler sind darunter vertreten wie Hans Olde, Georg Burmester, Fritz Stoltenberg oder Friedrich Missfeldt.

Daneben verfügt das Depot auch über einen exzellenten Bestand der Marinemalerei, auf die sich im 19. Jahrhundert etwa Carl Saltzmann, Willy Stöwer, Hans Bohrdt, Claus Bergen und Robert Schmidt-Hamburg konzentrierten.

Die Plakatsammlung des Kieler Museums im Kunstdepot ist die wohl umfangreichste des Landes. Sie ist weitgehend überregional ausgerichtet und umfasst politische Propaganda, Produktwerbung des vergangenen Jahrhunderts, Reiseplakate, Städtereklame und Kieler-Woche-Plakate.

Nennenswert ist auch der Bestand an Druckgrafiken mit Kiel-Darstellungen aus Wilhelminischer Zeit. Fayencen aus dem 18. Jahrhundert repräsentieren die Tradition der Kieler Keramikproduktion; umfangreich ist die Sammlung der Kieler Kunstkeramik aus den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Gemälde auf Gitterauszügen title=
Aus der Gemäldesammlung

Die hafen- und seefahrtsgeschichtlichen Bestände im Zentralraum des Depots gehen in ihren Anfängen auf eine großzügige Schenkung des Hamburger Sammlers maritimer Antiquitäten Dr. Claus Grimm zurück.

Ihm folgten andere Stifter, Leihgeber und der Förderkreis Kieler Schifffahrtsmuseum. Gemeinsam mit dem Museum bauten sie einen repräsentativen Bestand zur maritimen Kulturgeschichte der Stadt auf. Hierzu gehört auch die Sammlung aus dem im Krieg zerstörten Alt-Ellerbeker Fischerhaus mit Bilddokumenten, Wohnaccessoires, Trachten und Fischereigerät.

Weitere Schlaglichter wirft die Museumssammlung auf die Werften mit einem ganzen Ensemble von Maschinen des Stahlschiffbaus, auf die Marine, den U-Boot-Bau und seine Folgen, den Segelsport sowie auf die maritim-technischen Entwicklungen Kieler Unternehmen. Zeitlich reicht die Sammlung vom ausgehenden 18. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts mit einem Schwerpunkt in der Kaiserzeit. 

Erst kürzlich in den Fundus aufgenommen wurde die ethnologische Südseesammlung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) als Dauerleihgabe zur Dokumentation und Erforschung unter kolonial- und stadtgeschichtlichen Aspekten, denn vom Reichskriegshafen Kiel aus fuhren Marineangehörige in die sogenannten „Schutzgebiete“ und brachten von dort Ethnografika als Souvenirs mit.

Eine umfangreiche Modellsammlung mit zahlreichen Schiffsmodellen und Dioramen zur Hafengeschichte wird im Depot in übersichtlichen Schauvitrinen präsentiert.

Die Modelle zeigen Schiffstypen vom Wikingerboot über Frachtsegler, U-Boote, Schlachtschiffe, Segelyachten oder moderne Tanker bis zum Forschungsschiff.

Zum größten Teil sind es Schiffe, die auf Kieler Werften gebaut wurden oder hier stationiert bzw. bereedert waren.

Schiffsmodelle in Vitrinen title=
Aus der Modellsammlung

Zu den historischen Sachdokumenten zählen maritime Kleidung wie Matrosenanzug und Marineuniformen, Militaria der kaiserlichen Marine, seemännische Souvenirs und Volkskunst wie Buddelschiffe, nautisches Gerät und Teile von Schiffsausrüstungen,

„Kieler Erfindungen" wie Kreiselkompass und Echolot sowie Objekte aus dem Segelsport, insbesondere Trophäen und Pokale. Auch kleinere Sportboote wie zwei Jollen aus den 1930er Jahren und Ruderboote gehören zum Inventar.

Mit einem reichen Bestand an Arbeitsgerät und Material der Kieler Werften wird ein Bogen geschlagen zu den stadtgeschichtlichen Sammlungen der Kieler Industriekultur.

Teil einer großen Maschine mit großen Zahnrädern title=
Teil der Industriemaschinen-Sammlung

In den 1980er Jahren wurde eine umfassende Sammlung industrieller Werkzeuge und Werft- und Fabrikausstattungen angelegt, ergänzt durch Werkstatt- und Ladeneinrichtungen aus Handwerk und Einzelhandel des 20. Jahrhunderts.

Der Blick in eine Glühlampen- und eine Süßwarenfabrik gehören ebenso dazu wie das gesamte Inventar des alteingesessenen Gaardener Schreibwarengeschäftes Vollbehr. Noch gibt es viele KielerInnen, die sich bei einem Besuch im Depot anhand dieser authentischen Stücke lebhaft und gern an ihre Schulzeit und den Einkauf von Heften und Stiften bei Frau Vollbehr erinnern.

Die Sammlung macht auch deutlich, wie sich das öffentliche Leben in Kiel und die private Alltagskultur seit Mitte des 19. Jahrhunderts wandelten. Dafür stehen schulgeschichtliche Bestände, Kiel-Souvenirs aus den verschiedenen Epochen, Möbel, Kleidung, Hausrat und Arbeitsgerät als Zeugen.

Besondere Zeugnisse der Stadtgeschichte sind Baumaschinen und Bauschilder aus der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Krieg. Jüngere Entwicklungen der Wohnkultur und des Designs zeigen die grellorangenen Kunststoffmöbel und Accessoires der 1960er und 1970er Jahre.

Historischer Schreibwarenladen title=
Der Schreibwarenladen Volbehr


Führungen

Die Sammlung des Museums im Depot ist riesig. Aber wie groß genau sie ist, das ist auf eigene Faust gar nicht abzuschätzen - das erfahren BesucherInnen in Gruppenführungen durch das Depot in der Kieler Kuhnkestraße.

Gemeinsam wird dort auch auf die Arbeitsweise des Museums geschaut, etwa, wie die verschiedenen Exponate aufbewahrt werden, und was dabei alles zu beachten ist.

Führungen sind auf Anfrage möglich. Sie dauern 60 Minuten und kosten 100 Euro für die Gruppe mit maximal 25 Personen.

Anmeldungen bitte unter 0431 901-3488.

 

Bitte tragen Sie hier das Skript ein.
Kontakt

Katrin Seiler-Kroll, Sammlungsleitung
0431 260 914-11