Heinrich-Ehmsen-Stiftung: Werkbestand

Die Grafiken. Teil 1

Sonntag, 6. Dezember 2020, 11 Uhr bis 17 Uhr

Stadtgalerie Kiel

Andreas-Gayk-Straße 31, 24103 Kiel

Barrierefreier Zugang


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Mit der vierteiligen Ausstellungsreihe „Heinrich-Ehmsen-Stiftung: Werkbestand“ werden erstmalig sämtliche Gemälde und Grafiken Heinrich Ehmsens, die sich im Besitz der Stiftung befinden, in unmittelbarer chronologischer Folge präsentiert. Zunächst wird das grafische Werk Ehmsens in zwei aufeinanderfolgenden Ausstellungen zu sehen sein, bevor, ebenfalls in zwei Etappen, der Überblick über die Gemälde aus dem Stiftungsbestand erfolgt.

Die älteste Zeichnung, die sich im Besitz der Heinrich-Ehmsen-Stiftung befindet, ist auf das Jahr 1905, die jüngste mit 1958 datiert, so dass anhand der über 250 Werke im Bestand, die komplette Zeitspanne des künstlerischen Schaffens Ehmsens, eine Chronologie seiner Themen und der künstlerischen Entwicklung abgebildet werden können. Von September 2020 bis Februar 2021 rücken Zeichnungen und Druckgrafiken in den Fokus, die zwischen 1905 und den frühen 1920er Jahren entstanden sind.

Die Auswahl macht zunächst eine rapide Entwicklung von den zeichnerischen Anfängen in der Geburtsstadt Kiel, über den Besuch der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf (1906-1910), einem Studienaufenthalt in Paris (1910/11) bis zum Ersten Weltkrieg sichtbar. Auf eine Serie erster Porträtzeichnungen seiner Geschwister folgen Akt- und Tierstudien aber auch die Linol- und Holzschnitte religiöser und visionärer Thematik aus der Zeit in Düsseldorf, wo Heinrich Ehmsen u.a. von J.L.M. Lauweriks, einem der wichtigsten Vertreter des holländischen Jugendstils unterrichtet wurde. Seit 1910 hat Ehmsen bereits engeren Kontakt zum deutschen Expressionismus, u.a. zur Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“. 1911 wird er zum Militärdienst nach München eingezogen.

Von den ersten strengen Zeichnungen und Fingerübungen, einer anfänglichen Prägung durch den Jugendstil bis zu den expressionistischen Darstellungen im Schützengraben vergehen lediglich zehn Jahre. Vornehmlich mit einfachen Farb- und Bleistiften sowie Kreide hält Ehmsen die Erfahrungen, die er als Infanterist während des Ersten Weltkriegs in Flandern, Frankreich und Rumänien erlebt, fest. Ein realistisch expressionistischer Stil verdrängt die ornamental-dekorative Bildsprache des Frühwerks und ist kennzeichnend für die Zugehörigkeit Ehmsens zur zweiten Generation der deutschen Expressionisten.

Im direkten Anschluss, nach München zurückgekehrt, erlebt Ehmsen die Zerschlagung der Münchner Räterepublik. Zahlreiche Zeichnungen und Radierungen, welche hauptsächlich in den standrechtlichen Hinrichtungen der Rotgardisten ihren Inhalt finden, belegen nicht nur die Augenzeugenschaft der gewaltsamen Eskalation, sondern auch die fortgesetzte künstlerische Aufarbeitung unmittelbarer persönlicher Erfahrungen von Gewalt, Tod und Schrecken. In das Zentrum der Grafiken aus dem Ersten Weltkrieg finden sich vornehmlich die Opfer in eine flächig angelegte, zersplitternde Landschaft gebettet. Die sorgfältig komponierten Bildräume der Revolutionsdarstellungen eröffnen eine narrative Ebene, hier treten die Täter hinzu. In den Druckgrafiken entwickelt Ehmsen aus z.T. unruhigen Strichen und Schraffuren dramatische Kontraste. Die Zeichnungen sind von fließenden, z.T. flüchtigen, die Protagonisten verzerrenden und karikierenden Linien geprägt.

Abb: HES 114, Giraffen im Düsseldorfer Zoo, 1907

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