Werkbestand

Die Gemälde.
Teil 1

Sonntag, 26. Juni 2022, 11 Uhr bis 17 Uhr

Stadtgalerie Kiel

Andreas-Gayk-Straße 31, 24103 Kiel

Barrierefreier Zugang


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1986 wurde die Kieler Heinrich-Ehmsen-Stiftung gegründet. Die Reihe "Werkbestand" bietet mit vier Ausstellungen eine chronologische Übersicht über sämtliche grafischen und malerischen Werke Heinrich Ehmsens aus dem Besitz der Stiftung. Nach der zweigeteilten Präsentation der Grafiken, widmen sich der dritte und vierte Teil den Gemälden. Die Ausstellung berücksichtigt jene Werke, die vor 1933, dem Ende der Weimarer Republik, datiert sind.

An den Anfang der zeitlichen Abfolge sind vier Portraits zu setzen, die zwischen 1909 und 1911, während des Besuchs der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf entstanden. Sichtbar wird hier bereits, dass die Kontakte zu zeitgenössischen künstlerischen Strömungen Ehmsens Malweise mehrfach direkt beeinflussen; einzelne Impulse lassen sich dauerhaft und wiederkehrend im Œuvre weiterverfolgen. Die stete Wiederholung einzelner Sujets, Motive und Versatzstücke in verschiedenen Varianten wird ebenso früh zum Merkmal seines Gesamtwerkes. "Mädchen aus der Eifel II" und das erste Portrait von Mahi Scheffer (Portrait Mahi Scheffer) weisen ausschließlich verbindliche Elemente des Jugendstils auf. In dem zweiten Bildnis von Mahi Scheffer (Frau Mahi Scheffer) wird die Auseinandersetzung mit Vincent van Gogh deutlich. Die, für den niederländischen Maler charakteristischen, pastos, kurz und eng nebeneinander gesetzten Pinselstriche schließen sich in einem, weiterhin im Stile des Jugendstils angelegten Selbstbildnis (Selbstportrait als Clown) wiederum zu Flächen. Zu Ornamenten zusammengefasste Figuren, wie sie Ehmsen während seiner Studienzeit in zahlreichen Grafiken entwickelte, umkreisen den Kopf des Malers.

Zeugnis der Erlebnisse als Soldat im I. Weltkrieg ist das Gemälde "Gefallener I (Im Schützengraben)". Augenscheinlich ist hier der Kontakt zum Expressionismus. Zum einen die starken, leuchtenden Farben in denen Ehmsen den Tod an der Front dramatisch und alarmierend darstellt. Zum anderen der über die gesamte Bildfläche in starre Fragmente zertrümmerte Hintergrund, auf den der Tote gebettet ist.

Der Rest der in der Ausstellung präsentierten Gemälde, wie der Großteil des Stiftungsbestandes ist während der zahlreichen Reisen Ehmsens entstanden bzw. später aus Reiseskizzen hervorgegangen. Das ausgestellte Konvolut beinhaltet Werke, die Ehmsen während eines Aufenthalts in Südfrankreich, einer Reise durch Süditalien, die im Anschluss an ein sechsmonatiges Stipendium an der Villa Massimo in Rom stattfand und einer Russlandreise malte. Szenen aus den mediterranen Badeorten Cassis und Capri verbinden sich zu einem übergeordneten Themenkomplex, den Ehmsen bis in die 1950er Jahre weiterverfolgt. Das vermeintlich touristische Idyll zeigt sich aus einer veristisch-kritischen Perspektive bald subtil getrübt bald deutlich gestört. Im Zentrum stehen symbolhaft bis stereotyp stilisierte oder karikaturesk verzerrte Darstellungen von Personen und Personengruppen. Neben die gedrungene, von Linien getragene expressionistische Komposition der Kriegsdarstellungen, tritt eine offene, z.T. skizzenhafte Bildanlage, in der sich die zunächst klar eingefassten kulissenhaften Architekturelemente, aber auch Personen und Gegenstände zusehends zu Farbflächen öffnen oder als Farbverläufe in den Bildgrund übergehen.

Insgesamt zeigt sich eine spielerische Gleichzeitigkeit verschiedener malerischer Techniken: von kurzen Strichen, dynamischen, flüchtig gesetzten, bald sich verdichtenden Schraffuren über einen pastosen, getupft-flockigen Farbauftrag. Sujet typische Phänomene, Urlaub, Landschaft, Freizeit treten gegenüber gesellschaftlichen Fragen und Spannungen zurück. Aus der Zugehörigkeit und Konstellation der zeichnerisch, mit linearer Pinselführung eingesetzten Staffage, mondänen Tourist*innen, einheimischen Fischern, Arbeiter*innen oder auch Geistlichen entwickelt Ehmsen variierende Sequenzen menschlicher und sozialer Begegnungen. Polaritäten und eine teilweise dramatisch aufgeladene Stimmung werden maßgeblich durch farbgewaltige Kontraste und die malerische Unruhe innerhalb abstrakter Farbzonen evoziert.

Abb: Heinrich Ehmsen, Am Hafen, 1931/46, Foto: Helmut Kunde, Strande

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