Heinrich-Ehmsen-Stiftung - Werkbestand

Im Archiv - Diese Ausstellung lief vom
18. September 2022  bis  19. Februar 2023

Stadtgalerie Kiel

Andreas-Gayk-Straße 31, 24103 Kiel

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Die Gemälde. Teil 2

Der vierte und damit letzte Teil der Ausstellungsreihe "Werkbestand", einer chronologischen Übersicht über sämtliche grafischen und malerischen Werke Heinrich Ehmsens aus dem Besitz der Heinrich-Ehmsen-Stiftung, umfasst 23 Gemälde, die zwischen 1936 und 1963 entstanden sind.

Eine Vielzahl von Landschafts- und Personendarstellungen sind in einen unmittelbaren Zusammenhang mit einzelnen Reisen Heinrich Ehmsens zu bringen, wobei die Gemälde nur vereinzelt vor Ort entstanden aber in der Mehrzahl nach der Rückkehr im heimischen Atelier aus Reiseskizzen hervorgingen. Zum Teil übersetzte Ehmsen Zeichnungen und Aquarelle erst Jahre später in Malerei oder er fertigte in einem größeren zeitlichen Abstand Neufassungen bestehender Bilder an, was eine genaue Zuordnung der Werke nicht immer möglich macht.

Im Besitz der Stiftung befinden sich vier Ansichten der nordfriesischen Hallig Hooge, die der Maler 1936 besuchte. Ein auf das Jahr 1948 datiertes und mit "Karatschaier im Kubantal" betiteltes Gemälde verweist auf die nordkaukasische Region um den Fluss Kuban. Dem selben topografischen Kontext sind die Arbeiten "Kosake bei Utrchulan" aber auch "Auf dem Gebirgspfad im Himalaya" zu zuordnen - der Verweis auf das asiatische Hochgebirge im Titel ist hier irreführend. Den Kaukasus bereiste Ehmsen zweimal: im Verlauf einer neunmonatigen Studienreise durch die UDSSR 1932 und 1943 als Mitglied der Staffel der bildenden Künstler. 1954 begleitete Ehmsen von Rostock aus eine Fischfangflotte beim Heringsfang. Aus dem selben Jahr stammen die Werke "Fischer und Möwen" und "Ostseefischer". Das Bild "Vietnamesische Reisbauern" entstand zwei Jahre später. Ehmsen hatte das Angebot der Deutschen Akademie der Künste angenommen und eine Delegation auf einer Reise in die Volksrepubliken China und Vietnam begleitet.

Eine zweite Gruppe von Gemälden widmet sich Themen des Krieges und der Zerstörung. In den ersten Nachkriegsjahren entstanden die Werke "Am Ende eines Krieges" und "Bomben auf Berlin", sie bezeugen das zerstörte Berlin. Das Bild "Anklage" kann einer Folge von Arbeiten zugeordnet werden, in denen sich Ehmsen der Thematik der systematischen Massenmorde und des Holocaust annäherte. Kurz nachdem Ehmsen aus der Hochschule für Bildende Künste entlassen worden und in den Ostteil Berlins übergesiedelt war, entstand im Frühjahr 1950 das Bild "Jugend beim Aufbau des Walter-Ulbricht-Stadions" als eins von sieben Gemälden, die Ehmsen im Rahmen seines ersten staatlichen Auftrags für den Kulturfonds der DDR anfertigte.

Übergreifend legt Ehmsen seine Reisebilder aber auch Darstellungen von Ruinen und des Wiederaufbaus formal als Landschaften an, in die er Gruppen oft arbeitender, typisierter Personen in den Vordergrund einsetzt. Staffage und einzelne Elemente der Natur oder Architektur sind zeichnerisch umrissen. Farbwahl und Duktus der konturlosen, großflächig angelegten z.T. abstrakten Partien, umgesetzt in statisch-lasierender, sanft verlaufender oder aufgewühlt-pastoser, kontrastreicher Malweise bestimmen die Atmosphäre der Szenerien.

Entsprechend dem Werk "Die Wölfe (Balkankrieg)" von Franz Marc (1880-1916), mit dem der expressionistische Maler 1913, angesichts der Folgen des Balkankrieges - einem direkten Vorboten des I. Weltkrieges - prophetisch vor den Folgen der Kriegstreiberei warnte, setzt auch Ehmsen 1954, vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Konfrontation zwischen BRD und DDR, Tiere als Symbolträger ein. Mit dem Gemälde "Tierbild V (Hyänen)" (in der Forschung auch mit "Wolf und Hyäne" betitelt) nimmt Ehmsen kompositorisch und inhaltlich direkt auf das Gemälde von Franz Marc Bezug. Insgesamt entsteht ein etwa 20 Arbeiten umfassender Zyklus beunruhigender, allegorischer Darstellungen von Hyänen, Wölfen, Eulen und Geiern in expressiv-dramatischer und dynamischer Malweise. Mit der großformartigen Darstellung einer Atombombenexplosion ("Störungsrechnung") verweist Ehmsen im selben Jahr der Tierdarstellungen und neun Jahre nach der Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki, noch einmal direkt auf die Gefahren eines Kalten Krieges und atomarer Waffen.

Ein Porträt der Schriftstellerin Anna Seghers, die wie Heinrich Ehmsen Gründungsmitglied der Deutschen Akademie der Künste war, setzt der Maler nur bis zu den Schultern um. Das "Selbstbildnis mit Eltern" wurde von Ehmsen 1954 angelegt und zum Großteil eigenhändig ausgeführt aber erst knapp zehn Jahre später durch seinen Meisterschüler Bert Heller vollendet.

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Quelle

Landeshauptstadt Kiel