Meldung vom 26. Februar 2018

Bildungsreport 2017: Von der Schule in den Beruf oder ins Studium

Jugendberufsagentur zieht in ehemalige Post-Räume in der Innenstadt

Kinder und Jugendliche sollen ihre Fähigkeiten und Talente in der Gesellschaft so gut wie möglich ausbilden können. Dafür ist das Bildungsumfeld von zentraler Bedeutung. Doch wie ist dieses gestaltet? Und welche Rahmenbedingungen können noch verbessert werden? Diesen Fragen geht die Landeshauptstadt Kiel seit dem Jahr 2013 mit einer systematischen Bildungsberichterstattung nach.

„Wir haben uns in der Bildungsregion Kiel ehrgeizige Ziele gesetzt. Wir werten aus, was gut läuft und was nicht. Das zeigt uns die Marschroute für die nächste Etappe auf“, erklärt Kiels Bildungsdezernentin Renate Treutel.

Der Fokus der Berichterstattung liegt auf der Betrachtung von Übergängen, da diese für das Gelingen von Bildungsbiografien eine entscheidende Bedeutung haben. Bereits im ersten Bildungsreport wurde die Situation von jungen Menschen an der wichtigen Schwelle von der Schule in den Beruf betrachtet. Auch im Report 2017 bildet der „Übergang Schule – Beruf – Studium“ einen Schwerpunkt.

Freuen sich über den Bildungsreport 2017 und die neuen Räumlichkeiten der Jugenberufsagentur: Die städtische Bildungsmangerin Kerstin Großmann, Jugendamtsleiterin Marion Muerköster, Bildungsdezernentin Renate Treutel und Bildungsmanagerin Suse Lehmler (von links).

Gerade der Wechsel ins Arbeitsleben ist für Jugendliche und deren Eltern von großer Bedeutung. Sie stellen sich Fragen wie „Für welchen Beruf interessiere ich mich?“, „Welche Qualifikationen und Interessen bringe ich mit?“, „Passt dieser Wunsch zum Ausbildungs- oder Studienangebot?“, Was halte ich als Elternteil für wichtig?“ oder „Welche Ansprechpersonen helfen uns?“.

Die Lehr- und Fachkräfte, die Eltern sowie die Schülerinnen und Schüler stellten 2013 fest, dass zu viele junge Menschen ohne Perspektive und Orientierung oder gar ohne Schulabschluss waren. Daher gründete die Landeshauptstadt Kiel das „Kieler Arbeitsbündnis zur Verbesserung des Übergangs Schule-Beruf“, um Jugendliche in ihren schulischen und beruflichen Biografien besser zu unterstützen. Dem Bündnis gehören auch die Agentur für Arbeit Kiel, das Jobcenter Kiel, das Schulamt Kiel, die Kreishandwerkerschaft, der Unternehmensverband Nord sowie die IHK Kiel an.

Die Entwicklung wird mit einer Verbleibabfrage des Jugendamtes gemessen. Jährlich wird erhoben, mit welcher Perspektive die Jugendlichen der Abschlussjahrgänge die Schulen verlassen.

Das Arbeitsbündnis verfolgt folgende zentrale Ziele:
 

  • „Jeder Jugendliche ist ausbildungsreif“ – Mindestens 94 Prozent der Schülerinnen und Schüler sollen die Schule mit einem Abschluss verlassen. 2013 lag die Quote bei 96,7 Prozent, 2017 dann bei 93,3 Prozent. Die Gründe für den Rückgang sollen gemeinsam eruiert werden. Das Arbeitsbündnis will Maßnahmen entwickeln, um wieder mehr junge Menschen zu einem Abschluss zu führen.
  • „Kein Abschluss ohne Anschluss“ – Angestrebt wurde, dass mindestens 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler wissen, wie es für sie nach der Schule konkret weitergehen soll. 2011 lag die Quote bei 81,5 Prozent. 2017 hatten dann 93,4 Prozent eine Anschlussperspektive. „Die Anstrengungen vieler Akteure – insbesondere in den Schulen – zeigen deutlich ihre Wirkung“, erklärt Bildungsdezernentin Renate Treutel.
  • „Ausbildung hat Vorrang“ – 30 Prozent der jungen Menschen sollten nach der Schule direkt in eine Ausbildung wechseln. Tatsächlich wählen jedoch nur rund 17 Prozent diesen Weg – sehr zum Leidwesen von Ausbildungsbetrieben, die gegen den Fachkräftemangel antreten.


Seit einem Jahr geht das Kieler Arbeitsbündnis neue Wege, um Eltern und Jugendliche besser zu unterstützen. Im Februar 2017 wurde die Kieler Jugendberufsagentur (JBA) gegründet, eine Kooperation der Landeshauptstadt Kiel mit der Agentur für Arbeit Kiel, dem Jobcenter Kiel, dem Schulamt Kiel sowie den drei Regionalen Berufsbildungszentren (RBZ).

Die Partner setzen sich für die eng aufeinander abgestimmte und engmaschige Begleitung der Jugendlichen auf dem Weg von der Schule ins Arbeitsleben ein. Dabei werden die Schwerpunkte da gesetzt, wo die Jugendlichen sind: Zunächst wurden in den drei RBZ jeweils JBA-Treffpunkte eröffnet. Ein Team aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aller Institutionen gibt ihnen am Infotresen zeitnah und unkompliziert Antworten auf drängende Fragen. Dieses Angebot wird gut angenommen.

Noch in diesem Jahr entsteht zudem ein zentraler Treffpunkt der Jugendberufsagentur direkt in der Kieler Innenstadt. In coolem Ambiente in den ehemaligen Räumen der Postbank am Stresemannplatz besteht für Jugendliche, Eltern, Lehrkräfte und weitere Interessierte bald die Möglichkeit, sich direkt informieren und beraten zu lassen.

Ein weiteres wichtiges Thema des Bildungsreportes 2017 ist der Zuzug vieler geflüchteter Menschen in den vergangenen Jahren. Für schul- oder berufsschulpflichtige Kinder und Jugendliche wurde der Anteil der DaZ-Plätze (Deutsch als Zweitsprache) deutlich aufgestockt. Dies brachte große Herausforderungen mit sich – sowohl hinsichtlich qualifizierten Lehrerpersonals als auch bezüglich räumlicher und infrastruktureller Anforderungen.

Das DaZ-System wurde organisatorisch neu aufgestellt und erheblich erweitert. Nun wird auch bei diesen jungen Menschen der Übergang in eine Ausbildung in den Blick genommen. Die Dauer des Spracherwerbs erfordert kreatives Agieren aller Beteiligten. Auch über das bestehende Arbeitsbündnis hinaus sind viele Partner gefragt, um die jungen Menschen aus anderen Kulturen ohne unnötige „Warteschleifen“ gut ausbilden zu können.

Bildungsdezernentin Renate Treutel betont die Wichtigkeit einer breit aufgestellten Verantwortungsgemeinschaft innerhalb der Bildungsregion: „Wir müssen die Versäulung von Zuständigkeiten aufbrechen – das bringt den Erfolg in der Begleitung der jungen Menschen. Und von diesem Erfolg wollen wir gemeinsam noch mehr.“

Der Bildungsreport 2017 zu den Themen „Elternbildung und Frühkindliche Bildung“ sowie „Übergang Schule-Beruf-Studium“ ist online zu finden. Interessierte erhalten ein gedrucktes Exemplar beim Dezernat V – Bildung Jugend und Kreative Stadt in Raum 302 im Kieler Rathaus, Fleethörn 9. Weitere Informationen gibt es bei Kerstin Großmann unter der Kieler Telefonnummer 901-3188.
 

Pressemeldung 124/26. Februar 2018/gro-ari


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