Meldung vom 28. Februar 2018

Bildungsreport 2017: Elternbildung und frühkindliche Bildung im Fokus

Seit dem Jahr 2013 veröffentlicht die Landeshauptstadt Kiel regelmäßig systematische Berichte zu ausgewählten Schwerpunktthemen im Bildungsbereich. „Eltern wollen das Beste für ihre Kinder. Wir wollen Eltern und Kinder in Kiel von Anfang an gut dabei unterstützen. Eine unbeschwerte und schöne Zeit zwischen Eltern und Kindern ist der beste Start ins Leben“, erklärt Kiels Bildungsdezernentin Renate Treutel.

Der Bildungsreport 2017 stellt unter anderem die Elternbildung und die frühkindliche Bildung in den Mittelpunkt und nimmt damit die Entwicklungsphase der Kinder von null bis unter drei Jahren in den Blick.

Insgesamt leben derzeit rund 7030 Kinder dieser Altersgruppe in Kiel, das sind knapp 500 mehr als bei der letzten Auswertung. Die Landeshauptstadt möchte allen Eltern eine vielfältige und wachsende Angebotspalette der sogenannten Frühen Hilfen bieten. Dabei geht es um die zentrale Frage, ob Eltern gut erreicht werden und ob sie auch das Passende für sich in ihrer Nähe finden können.

2015 wurden unter anderem folgende Kriterien festgelegt, mit denen eine positive Veränderung gemessen werden kann: „Gute Übersicht über die Angebote“, „Erreichbarkeit der Unterstützung“, „Erreichte Zielgruppen von Eltern“, „Möglichkeiten der Auswertung weiter entwickeln“, „Betreuungsquote in der Kindertagesbetreuung“, „Ausbau des Netzwerkes der Frühen Hilfen“.

Das Elternwerden und der Start des Kindes ins Leben sind besonders intensive Ereignisse und bringen starke Veränderungen mit sich. Diese Zeit kann von Verunsicherung, einem Gefühl der Überforderung und Stress geprägt sein.

Das große Bedürfnis der Eltern nach Rat und Beistand zeigte sich in der Befragung der Träger von Angeboten, die für den Bildungsreport durchgeführt wurde.

Mit der Einrichtung der zwölf Familienzentren stiegen die Angebote von insgesamt 539 auf mittlerweile 646 an. Um bei dieser Fülle einen guten Überblick im eigenen Wohnumfeld zu finden, hat sich die Kieler Familien-App (www.familienapp.kiel.de) gut etabliert. Seit November 2017 ist das Angebot auch auf Türkisch nutzbar.

Mit dem größeren Angebot stieg auch die Anzahl der Beratungen deutlich um 67 Prozent von 2679 auf 4478. Gerade die Fachkräfte der Familienzentren berichten, wie hilfreich der „Alltagskontakt“ von Ansprechpartnerinnen und Eltern beim Bringen und Abholen der Kinder ist: Er baut Hemmschwellen ab und macht es leichter, bei Sorgen, Fragen und Nöten auf die Fachkräfte zuzugehen. Das ist wichtig, denn nur wenn die Familien erreicht werden, wird Unterstützung möglich.

Für die Angebote der Alltagsunterstützung gilt es zunehmend, spezielle Zielgruppen in den Blick zu nehmen: Alleinerziehende mit Kindern ohne Kitaplatz, Mütter mit psychischer Erkrankung oder auch Frauen mit Fluchterfahrung ohne Deutschkenntnisse. Welche Rahmenbedingungen brauchen sie? Wo und für wen müssen neue Konzepte entwickelt werden?
Diese Fragen werden im „Arbeitsbündnis Frühe Hilfen“ mit 15 Institutionen im Sinne der Eltern bewegt. Die Besonderheit in diesem Netzwerk ist vor allem die Verbindung von Jugendhilfe und Gesundheitshilfe im Service für die Eltern.

Bei dem Besuch einer Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin in der Geburtsklinik wird der Willkommensordner mit wichtigen Informationen zu den Beratungs- und Unterstützungsangeboten in Kiel übergeben. Die vielfältigen Angebote der Frühen Hilfen in Elternberatungsstellen, Erziehungsberatungsstellen und Gruppenangebote für Eltern und ihre Kinder stehen den Eltern für Rat und Tat zur Verfügung. Dabei geht es häufig um Themen wie Schlafstörung, Fütterstörung und häufiges Schreien.

Die Schwangerenberatungsstellen, die sich früher vor allem mit der Schwangerschaftskonfliktberatung beschäftigt haben, berichten von einer Zunahme der normalen Schwangerenberatung bis hin zur Kinderwunschberatung. Erfreulich ist dabei die Entwicklung, dass zunehmend Frauen und Männer gemeinsam die Beratung wahrnehmen.

Insbesondere Geburtsvorbereitungskurse würden die Familienzentren gerne häufiger anbieten. Für neu zugewanderte Familien könnten solche Angebote ein niedrigschwelliger „Türöffner“ zum Verständnis des deutschen Gesundheitssystems sein. Die Umsetzung dieser Kurse ist aufgrund der Kapazität der Hebammen jedoch beschränkt.

Weitere Ergebnisse aus dem Bildungsreport 2017:

  • Die Anzahl der Bildungsangebote für geflüchtete Familien mit Kindern im Alter von null bis unter drei Jahren ist angestiegen.
  • Die Versorgungsquote der Kindertagesbetreuung (null bis unter drei Jahre) sank aufgrund des Bevölkerungswachstums leicht (37,3 Prozent).
  • Die Kindertagespflege ist ein wichtiges Element der Kindertagesbetreuung in Kiel. Derzeit werden im Rahmen einer Qualifizierungsdebatte mit einem Großteil der Tagespflegepersonen Standards von Tagespflege festgelegt.

Trends, die sich abzeichnen:

  • Insbesondere werdende Mütter werden in der letzten Zeit deutlich unsicherer. Das „intuitive Wissen“ um Kinderversorgung und -erziehung verschwindet zunehmend, wodurch der Wunsch nach mehr Beratung und Unterstützung steigt.
  • Bildung und Gesundheit stehen in einem engen Zusammenhang.
  • Familienzentren sind sehr wichtige Säulen geworden.
  • In Beratungen werden mehr Dolmetscherinnen und Dolmetscher eingebunden.
  • Wiedereinstieg in Arbeit, Paarkonflikte und Übergang von der Elternzeit in die Krippe stehen häufiger in der Beratung im Vordergrund.


„Die Bedeutung der ersten Lebensjahre steht glücklicherweise nicht mehr zur Diskussion“, resümiert Bildungsdezernentin Renate Treutel. Trotz einer breiten Angebotspalette in Kiel gäbe es allerdings nach wie vor Eltern, die noch nicht eingebunden werden können. „Wir müssen gemeinsam vor allem mehr Eltern mit Migrationsgeschichte erreichen“, macht Treutel deutlich.

Der Bildungsreport 2017 zu den Themen „Elternbildung und Frühkindliche Bildung“ sowie „Übergang Schule-Beruf-Studium“ ist online zu finden. Interessierte erhalten ein gedrucktes Exemplar beim Dezernat V – Bildung, Jugend und Kreative Stadt in Raum 302 im Kieler Rathaus, Fleethörn 9. Weitere Informationen gibt es bei Kerstin Großmann unter der Kieler Telefonnummer 901-3188.


 

Pressemeldung 132/28. Februar 2018/gro-ari


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