Meldung vom 4. Mai 2018

100 Jahre Kieler Matrosenaufstand: Ausstellung beleuchtet „Die Stunde der Matrosen“

Mit vielen Veranstaltungen und Aktionen feiert Kiel in diesem Jahr das 100. Jubiläum des Matrosenaufstandes. Das Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum widmet diesem nationalgeschichtlichen Ereignis die große Sonderausstellung „Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918“.

Die Ausstellung rekonstruiert anhand von rund 400 Exponaten die historischen Ereignisse einschließlich der komplexen Vorgeschichte im Ersten Weltkrieg und ihrer Folgen. Auch die Rezeptionsgeschichte wird beleuchtet – von der „Dolchstoßlegende“ bis hin zu verschiedenen Interpretationen der Novemberereignisse im geteilten Deutschland.

Offiziell eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 6. Mai, von Ministerpräsident Daniel Günther und Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. Anschließend ist sie bis zum 17. März 2019 im Schifffahrtsmuseum Fischhalle, Wall 65, zu sehen.

Parallel zu Sonderausstellung in der Fischhalle schickt das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein die Wanderausstellung „Revolution 1918. Aufbruch in Schleswig-Holstein“ durch das Land. Erste Station ist die Kieler Fischhalle.


Hintergrund und Ziele der Ausstellung

Mit Blick auf das Kriegsende und die Revolution 1918 kommt dem Kieler Matrosenaufstand eine besondere Rolle zu. Er machte die Verweigerung des Krieges durch den Einzelnen zu einer politischen Bewegung, die sich gegen die Autorität der staatlichen Gewalt durchsetzte und mit dem Arbeiter- und Soldatenrat ein eigenes revolutionäres Organisationsorgan schuf.

Der Matrosenaufstand wurde so zur Weichenstellung für eine Massenbewegung im ganzen Deutschen Reich, die das Ende des Krieges forderte und demokratische Alternativen zur Monarchie verlangte. Der politische Umbruch gab Raum für Visionen von einer gerechteren Gesellschaft und einem neuen Menschen, schürte aber auch Ängste und führte zum gewaltsamen Kampf um Macht und politische Positionen.

Ziel der Ausstellung ist es, den Kieler Matrosenaufstand als ein Schlüsselereignis der deutschen Geschichte und als Meilenstein auf dem Weg zur Demokratie zu präsentieren. Nie zuvor ist diesem wichtigen Thema eine so komplexe, wissenschaftlich fundierte Einzelausstellung oder zusammenfassende Dokumentation gewidmet worden.

Die Ausstellung präsentiert die lokale und regionale Ereignisgeschichte ebenso wie deren Vorgeschichte und die Folgeentwicklung auf nationaler Ebene. Der Darstellung liegen neue Erkenntnisse im Bereich der Sozial- und Alltagsgeschichte von Marine und Arbeiterschaft zugrunde. Außerdem wurden unter anderem Forschungen zu Prozessen der Politisierung und Entwicklung von Widerständigkeit sowie zu kulturhistorischen Aspekten aufgegriffen.

Unter Berücksichtigung dieser neuen Forschungsansätze würdigt die Ausstellung den Kieler Matrosenaufstand unabhängig von der über viele Jahre polarisierenden, durch politische Vereinnahmung entstandenen Legendenbildung. Lange diente die Darstellung der Revolutionsgeschichte vor allem der eigenen Positionierung der verschiedenen politischen Lager. Heute gilt es, sich davon zu lösen und sich mit unverstelltem Blick um eine Neuverortung des Matrosenaufstandes in der Erinnerungskultur zu bemühen.

Die Ausstellung will eine Reflexion anregen über das Verhältnis von Individuum und Staat, über Selbstbestimmung, Fremdbestimmung und Mitbestimmung – über Fragen also, die in jeder freiheitlichen Gesellschaft laufend neu verhandelt werden, auch heute.


Überblick: Die Themen der Ausstellung

Die Ausstellung ist in 63 einzelne, weitgehend chronologisch geordnete  Themenbereiche gegliedert, die immer wieder zwischen der lokalen und der überregionalen Perspektive auf das historische Geschehen wechseln.  Das Zentrum bildet die Darstellung der Kieler Ereignisse im November 1918.

Inhaltlich widmet sich die Ausstellung zunächst der Vorgeschichte der Revolution, also dem Ersten Weltkrieg und der militärischen, politischen und gesellschaftlichen Situation auf der lokalen wie auch nationalen Ebene bis 1918. Dabei gewichtet sie die verschiedenen sozialen und politischen Voraussetzungen und Auslöser. Unterschiedlichste Exponate – persönliche Erinnerungsstücke ebenso wie politische Dokumente – geben Einblick in die verschiedenen Milieus, in denen sich revolutionäres Gedankengut entwickelt hat, und zeigen die Komplexität von Motiven und Anlässen auf.

Ausgehend von einem Einführungsfilm mit Interviews der am Ausstellungsprojekt Beteiligten stehen im ersten Teil Themen der sozialen, politischen und kulturellen Situation in Kiel und im Kaiserreich im Mittelpunkt. In der Folge befasst sich die Ausstellung dann mit dem Kriegsbeginn und widmet sich dabei auch der großen Kriegsbegeisterung.

Viel Raum wird der Propagandageschichte gegeben – sei es der Werbung für Kriegsanleihen oder der Darstellung des Seekriegs in der Marinemalerei. Dabei wird einerseits die Rolle der „Heimatfront“ verdeutlicht, andererseits die Situation bei der Marine. Kurz gestreift wird der Stellungskrieg an der Westfront mit dem hunderttausendfachen Tod auf den Schlachtfeldern, um dann wieder zur prekären Ernährungssituation in den deutschen Städten zurückzukommen, die bald zu ersten – nun auch politischen – Protesten und zum Widerstand der Bevölkerung führt.

Viele kriegs-und außenpolitische Ereignisse seit Ende 1917 führen zu ersten Waffenstillstandsverhandlungen ein Jahr später: Der Kriegseintritt der USA, die Russische Revolution und der Frieden von Brest-Litowsk, die endgültige militärische Niederlage des Deutschen Reiches und die Oktoberreform mit der neuen Reichsregierung. Als die Admiralität entgegen den Waffenstillstandsverhandlungen die Flotte von Wilhelmshaven aus gegen die Royal Navy auslaufen lassen will, verweigern die Mannschaften auf den Schiffen den Gehorsam.

Den dramaturgischen Höhepunkt der Ausstellungsstory und der raumgestaltenden Szenografie bilden die Kieler Ereignisse im November 1918. Das dritte Geschwader mit den inzwischen inhaftieren aufständischen Matrosen aus Wilhelmshaven wird an die Förde verlegt, und am 3. November ziehen kriegsmüde Matrosen und Werftarbeiter durch Kiel und fordern die Freilassung der Verhafteten sowie ein Ende des Krieges. Sie übernehmen die Kontrolle über die Stadt und schaffen sich am 4. November 1918 mit dem ersten Arbeiter- und Soldatenrat Deutschlands ein revolutionäres Organ, das sich am 9. November – nun unter Führung des Sozialdemokraten Gustav Noske – zur provisorischen Regierung der Provinz erklärt.

Die Ausstellung stellt die Protagonisten des Geschehens vor, wobei die auf zahlreichen Porträts gezeigten Matrosen weitgehend anonym bleiben. Bestimmendes Thema ist die Angst vor Unruhe, Gewalt und Chaos. Die gezeigten Dokumente verweisen auf eine von Angst und Irritation, aber auch von Aufbruch und Mut getragene Stimmung.

Anschließend folgen zum Teil interaktive Präsentationen zur Verbreitung der Revolution im Deutschen Reich und bis nach Berlin, wo bald die Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung beschlossen wird. Nun wird die Spaltung der Bewegung in revolutionäre und reformistische Flügel überdeutlich – dabei geht es um den zum Teil gewaltsamen Kampf zwischen sozialistischem Rätesystem und Parlamentarismus. 

Hier legt die Ausstellung wiederum einen starken Fokus auf Propaganda und die mediale Verbreitung politischer Positionen. Den bildlichen Darstellungen nicht nur in der Plakatgrafik sondern auch in der Kunst wird viel Raum gegeben, denn darin visualisieren sich die an die Revolution geknüpften gesellschaftlichen Utopien. Mit den Stilmitteln des Expressionismus wird eine durch Krieg, Hungersnot und Revolution gebrochene Welt versinnbildlicht, aus deren Trümmern die Zukunft als „Lichtschein eines neuen Morgen“ aufleuchtet. 

Die konkreten Folgeentwicklungen der Revolution werden in der Ausstellung kurz angerissen. Überregional folgten die Wahl zur Nationalversammlung, die Gründung der Weimarer Republik, der Versailler Friedensvertrag, das Erstarken konterrevolutionärer Kräfte mit bürgerkriegsähnlichen Folgen und die gewaltsame Niederschlagung der Räterepubliken. Auf der lokalen Ebene rücken die Abrüstung des einstigen Reichskriegshafens Kiel und die Reorganisation des wirtschaftlichen und sozialen Lebens unter den schwierigen Anfangsbedingungen der jungen Republik in den Fokus.

Den Abschluss der Ausstellung bildet der Blick auf die Rezeption der Revolutionsgeschichte beziehungsweise ihre unterschiedliche Interpretation im politischen Raum. 

Die wirkmächtige, sehr früh einsetzende Rezeptionsgeschichte von der „Dolchstoßlegende“ bis zu den verschiedenen Sichtweisen auf die Revolution in beiden deutschen Staaten bis 1989 hat Mythen und Legenden hervorgebracht, die seit fast 100 Jahren die heute oft nur schwer rekonstruierbaren historischen Ereignisse überlagern. Sie werden in der Ausstellung hinterfragt und aufgebrochen; ihre Entstehung, Zielsetzung und Wirkung werden analysiert.

Es ist den überlieferten historischen Exponaten geschuldet, dass die Ausstellung neben der Ereignisgeschichte außerdem einen inhaltlichen Schwerpunkt bei der Mediengeschichte von Weltkrieg und Revolution setzt. Politische Plakate waren die wichtigsten Propagandamedien mit einer massiven Präsenz und großer Wirkkraft in der Öffentlichkeit in der Zeit vor, während und nach dem politischen Umbruch.

Die großen Propagandakampagnen haben seit Beginn des Krieges zur Politisierung der Bevölkerung in verschiedener Richtung beigetragen. Diese Medien sind damit fundamentaler Teil des revolutionären beziehungsweise auch des konterrevolutionären Prozesses. Die Ausstellung zeigt, welchen Einfluss sie auf das Geschehen hatten und mit welchen gestalterischen Mitteln sie ihre Wirkung entfalten konnten.


Gestaltungskonzept, Szenografie und Medieneinsatz

Eine Ausstellung zu Aufstand und Revolution steht unter einem hohen Erwartungsdruck des Publikums hinsichtlich einer fesselnde Präsentation und actionreicher Dramaturgie. Doch leider erfüllen die überlieferten Sach- und Bildquellen derartige, meist von Film und Medien geprägte Vorstellungen zum Revolutionsthema nicht.

Es liegt in der Natur der Sache, dass ein politischer Aufstand kaum materielle Zeugnisse hinterlässt. Die Schießereien und dramatischen Tumulte machten nur einen kleinen Teil des historischen Lebensalltags während der Revolution aus, vielmehr bewegte die Menschen die Sorge um die tägliche Ernährung und um ihre unsichere Zukunft.

Dennoch stellt die Ausstellungskonzeption die historischen Originale aus der Museumssammlung in den Mittelpunkt. In klassischer Museumshängung präsentiert, bieten Exponate aus den Bereichen der zeitgenössichen Fotografie und Printmedien, darunter die großformatigen historischen Plakate, eine hohe Authentizität und Anschaulichkeit. Sie dokumentieren die politischen Entwicklungen, Positionen und Auseinandersetzungen vor, während und nach den Kieler Novemberereignissen und beantworten die Frage nach der Bedeutung beziehungsweise Bewertung revolutionärer Prozesse. Gleichzeitig zeigen sie die Wirkkraft von politischen Bildern, Kommunikation und Propaganda.

Um der Ausstellung darüber hinaus dennoch mit einer spannenden Dramaturgie einen nachhaltigen Erlebnischarakter zu geben, wird auf ein starkes szenografisches Gestaltungselement zurückgegriffen, das die Idee des revolutionären Umbruchs beeindruckend visualisiert und räumlich erfahrbar macht: Ein raumdominierender Keil bildet ein imposantes Architektur- und Grafikelement, das die 600 Quadratmeter große Ausstellungshalle teilt und so die Sprengkraft der Revolution sichtbar werden lässt.

Ausgeführt in Form von zwei bis zu fünf Meter hoch aufragenden dreieckigen Wänden – innen in leuchtendem Rot, außen mit einer wie rostiger Schiffsstahl der Kieler Werften anmutenden Strukturoberfläche –
bestimmt er das Raumerlebnis in der großen Halle.

Der rote Keil ist ein abstraktes, dennoch greifbares Element mit vielfältiger symbolischer Bedeutung: Er ist zugleich als Anleihe bei der Revolutionskunst des russischen Konstruktivismus zu verstehen und spielt speziell auf El Lissitzkys Plakat „Schlagt die Weißen mit dem roten Keil“ (1920) an – bis heute ein Klassiker der Revolutionsikonografie. Ein interaktiver Medientisch und eine Groß-Projektion mit historischen Fotos verdeutlichen innerhalb dieses szenografischen Komplexes, wie sich die Revolution von Kiel ausgehend ins ganze Deutsche Reich verbreitete.

Ein wichtiger didaktischer Grundsatz der Ausstellungskonzeption ist die Trennung von Exponat- und textlicher Informationsebene: Erläuternde Begleittexte zu den 63 Themenfeldern des Ausstellungsrundgangs sind nicht an den Ausstellungswänden verortet, sondern in einem Textheft auf Deutsch oder Englisch abgedruckt, das den Besucherinnen und Besuchern kostenlos ausgehändigt wird und auch eine spätere inhaltliche Vertiefung möglich macht. Die Texte sind auch über einen Audioguide abrufbar.

Weitere Medienstationen mit Bild-, Ton- und Filmpräsentationen ergänzen ein vielfältiges didaktisches Angebot, das unterschiedliche Zugänge zu den Themen bietet.

Das Gestaltungskonzept einschließlich Typografie, Medien-  und Farbkonzept wurden von der Berliner Agentur Iglhaut + von Grote in Abstimmung mit dem Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum entworfen.


Die Exponate


In der Ausstellung werden circa 500 Exponate gezeigt, davon etwa je zur Hälfte Bildreproduktionen und historische Originalobjekte. Bei diesen handelt es sich um wenige dreidimensionale Objekte wie Schiffsmodelle, Uniformen und Uniformteile oder Souvenirs, die an Krieg und Revolution erinnern. Dokumentarisch herausragend, obwohl optisch wenig spektakulär, sind darunter die einzigartigen Stücke aus dem direkten Kieler Revolutionsgeschehen: Eine Gewehrkugel, von der überliefert ist, dass sie während des Aufstandes abgefeuert wurde, oder das Fragment eines Offiziers-Säbels, zerbrochen von revolutionären Matrosen, die ihren Vorgesetzten den Gehorsam verweigerten und ihnen Ehren- und Rangabzeichen abnahmen.

Zahlenmäßig weit überwiegen in der Ausstellung Bilder aus Kunst und Gebrauchsgrafik sowie archivalische Dokumente. Eindrucksvoll sind die im Original gezeigten großformatigen politischen Plakate und die Gemälde, die die Situation vor und nach der Revolution darstellen. Künstlerische Darstellungen geben die zeitgenössischen Positionen der jeweiligen Künstler in Bezug auf die politischen Ereignisse wieder. Ihr Spektrum reicht von der kaiserlichen Marinemalerei am Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur konstruktivistischen Utopie der frühen 1920er Jahre. Dabei liegt der Schwerpunkt bei Künstlern mit lokaler Anbindung an Kiel.

Die Werke verdeutlichen die Entwicklung neuer künstlerischer Ausdrucksformen und Motive, wie Beispiele der Kieler „Revolutionsexpressionisten“ aus dem Bestand der Stadtgalerie zeigen. Eine herausragende Leihgabe der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen ist Peter Drömmers „Selbstporträt als Revolutionär“ von 1919.

Beeindruckende Propagandaplakate machen einen großen Teil der Exponate in der Ausstellung aus. Sie stammen zumeist aus dem Bestand des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums, das seinen großen Sammlungsschwerpunkt politischer Plakate im Rahmen des Ausstellungsprojektes durch zahlreiche Neuerwerbungen erweitern konnte.

Die ausgestellten, oft sehr großformatigen Plakate reichen von der Kriegsanleihe- und Durchhaltepropaganda des Kaiserreichs über den nach der Revolution eingerichteten „Werbedienst der Republik“, für den herausragende Künstler wie Max Pechstein gearbeitet haben, und die Parteienplakate zur Wahl der Nationalversammlung bis hin zur lokalen Kieler Imagewerbung der frühen 1920er Jahre.

Besonderen quellenkritischen Umgang erforderten die zahlreichen Fotografien, die im Original oder zumeist als vergrößerte Reproduktionen in der Ausstellung gezeigt werden. Insbesondere bei vielen Einzelfotos führten Recherchen im Rahmen der Ausstellungsvorbereitung zur Neubestimmung ihres historischen Kontextes. Etliche Bildmotive sind zuvor jahrelang fehlinterpretiert und – dem Wunsch nach einer Visualisierung der politisch so umstrittenen, zugleich aber spärlich dokumentierten Revolutionsereignisse folgend – unbedarft als Illustration in falschen beziehungsweise fiktiven Zusammenhängen verwendet worden.

Tatsächlich ist die Zahl der authentischen Fotos vom Revolutionsgeschehen, insbesondere von bewaffneten Kämpfen, äußerst gering, denn die Kieler Ereignisse verliefen weitgehend spontan. Fotografen waren nicht vor Ort – und sie hätten wohl auch kaum Aufnahmen machen können, weil die meisten Aktivitäten in den dunklen Abendstunden stattfanden.

Neben den seltenen Aufnahmen von Ereignissen oder Straßenszenen sind ebenfalls nur sehr wenige Einzel- und Gruppenporträts revolutionärer Matrosen erhalten. Manche dieser Fotos sind echte Neuentdeckungen; sie sind allein dem Engagement privater Sammler zu verdanken und werden in der Ausstellung erstmals gezeigt.

Die Fotos sind stolze Selbstzeugnisse der Revolutionäre in dem Bewusstsein, den Frieden und die Republik erkämpft zu haben. Derartige Gruppen- oder Einzelporträtfotos von Matrosen kommen persönlichen politischen Bekenntnissen gleich, sie gehören zu den ganz seltenen Ego-Dokumenten, die von den einfachen Matrosen überliefert sind.

Auch politisches Schriftgut und rein textliche archivalische Dokumente wie Flugblätter, öffentliche Anschläge oder Werbeblätter von Parteien werden als anschauliche Belege der politischen Entwicklung in der Ausstellung präsentiert. Aber auch bei dieser Quellengruppe ist die Überlieferung in Bezug auf den Kieler Matrosenaufstand spärlich, wohingegen überregionales Material oder solches zu den Berliner Revolutionsereignissen recht zahlreich ist. Die hier gezeigten Dokumente stammen vorwiegend aus der privaten Sammlung Altewolf und aus der Zeitgeschichtlichen Sammlung des Stadtarchivs Kiel.

Während der allergrößte Teil der Exponate aus dem Eigenbestand von Museum und Stadtarchiv beigesteuert wurden, gilt der Dank des Museums folgenden privaten und öffentlichen Leihgebern: Sammlung Altewolf, Sammlung Linnig, Sammlung Schoppe, Sammlung Zimmer sowie Stadtgalerie Kiel und Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen. Die Bildreproduktionen gehen vorwiegend auf die Bestände des Bundesarchivs und des Deutschen Historischen Museums zurück.


Museumspädagogik und Begleitprogramm


Die Ausstellung mit ihren komplexen Inhalten und zahlreichen Exponaten wird von einem breiten museumspädagogischen Programm gerahmt, das viele unterschiedliche Zielgruppen anspricht – darunter auch Touristen, die mit einem durchgängig englischsprachigen Textangebot bedient werden.

Zum Veranstaltungsprogramm gehören unter anderem Vorträge, Lesungen, Film- und Theatervorführungen sowie Sonderführungen durch die Ausstellung, vielfach ausgerichtet in Kooperation mit Partnern wie dem Stadtarchiv Kiel oder der Christian-Albrechts-Universität. Ein Team freier Mitarbeiter wurde eigens als Ausstellungsbegleiter geschult und kann für Gruppenführungen gebucht werden.

Die Ausstellung versteht sich als Vermittlungsprojekt der Politischen Bildung. Für Schulklassen wurden daher altersgerechte Workshop-Programme ausgearbeitet, die sich unter anderem mit Mediengeschichte und Propaganda befassen. Ein eigener museumspädogogischer Raum steht dafür zur Verfügung.

Auch speziell für Angehörige aus den Ausbildungsbereichen von Marine und Bundeswehr werden Workshops angeboten, die sich im Rahmen der Politischen Bildung mit den spezifisch militärgeschichtlichen Fragen zum Matrosenaufstand – speziell mit der Thematik Gehorsam und Befehlsverweigerung – auseinandersetzen. 

Ein besonderer außerschulischer Lernort ist die Ausstellung auch im Rahmen des Bundeswettbewerbes der Körber-Stiftung, die ihre diesjährige Auftaktveranstaltung hier ausrichtet. Ein Familienprogramm für Groß und Klein wird von der Zeitschrift GEOlino in der Ausstellung initiiert, um auch jüngsten Besuchern Zugang zum Thema zu ermöglichen.


Der Katalog


Begleitend zur Ausstellung erscheint eine gleichnamige Publikation, herausgegeben von Sonja Kinzler und Doris Tillmann im Verlag Theiss WBG. Darin enthalten sind knapp 40 kürzere und längere Textbeiträge von 30 Fachautorinnen und Fachautoren sowie über 200 Abbildungen aus der Ausstellung. 


Partner und Förderer

Das Ausstellungsprojekt, dem eine zweijährige Vorbereitungsphase vorausging, basiert auf umfangreichen Kooperationen und vielfältiger Unterstützung. Für großzügige finanzielle Förderung dankt das Museum der Kulturstiftung der Länder sowie dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein.

Zu dem kooperativen Netzwerk im Vorfeld der Ausstellung gehörten die wissenschaftlichen Partner aus dem Historischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität Kiel sowie viele Historikerinnen und Historiker, die Forschungsbeiträge geliefert haben

Auch das Deutsche Marinemuseum in Wilhelmshaven und das Museum für Hamburgische Geschichte haben Ausstellungen zur von den Hafenstädten ausgehenden Novemberrevolution vor 100 Jahren erarbeitet. Hier kam es zu engen Kooperationen.

Ebenfalls gut zwei Jahre tagte der städtische Begleitausschuss von interessierten Bürgerinnen und Bürgern sowie Initiativen und Vertretern von Parteien unter der Leitung des damaligen Kulturdezernenten Wolfgang Röttgers und diskutierte Ideen und Konzepte. Auf diesem Wege konnten auch Kontakte zu vielen privaten und öffentlichen Leihgebern geknüpft werden. Die museumspädagogischen Konzepte stammen von Julia Buchholz in Zusammenarbeit mit der Landesstelle für Politische Bildung.


Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918


6. Mai 2018 bis 17. März 2019
Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum Fischhalle
Wall 65
24103 Kiel
Telefon 0431/901-3428
www.kiel-museum.de
twitter@StadtKulturKiel


Öffnungszeiten:

dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr
donnerstags 10 bis 20 Uhr

Eintritt frei

Öffentliche Führungen: sonntags 14.30 Uhr (Kosten: 1 Euro pro Person)
Gruppenführungen nach Vereinbarung unter Telefon (0431) 901-3488 oder 901-3428.
 

Pressemeldung 339/4. Mai 2018/DT-ari


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