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ALLRIS - Drucksache

Geschäftliche Mitteilung - 0663/2018

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Sachverhalt/Begründung

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Mit dieser Geschäftlichen Mitteilung werden die Ausschüsse über den aktuellen Stand der Aktivi-täten informiert.

 

Um den Bedarf und die relevanten Gestaltungskriterien für ein internationales Schulangebot in Kiel genauer zu analysieren, wurde in den Monaten Januar bis April 2018 von der Fachhochschule Kiel und dem städtischen Wissenschaftsreferat unter Einbeziehung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur eine Befragung von Unternehmen, Eltern sowie verschiedenen Expertinnen und Experten durchgeführt (Drs. 0060/2018).

 

r die Befragung wurde zunächst eine vergleichbare Studie des Wiener Institutes für Bildungs-forschung der Wirtschaft analysiert und auf die Kieler Gegebenheiten angepasst. Der so entwickelte Fragebogen wurde mit dem Bildungsministerium abgestimmt und für die erste Runde der Befragungen eingesetzt.

 

Dieser erste Durchlauf diente der Erhebung von qualitativen Daten. Dafür wurden Vertreterinnen und Vertretern von Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen sowie weitere Expertinnen und Experten durch das städtische Wissenschaftsreferat interviewt.

 

Insgesamt wurden 15 persönliche Interviews geführt, unter anderem dem UKSH, Geomar, CAU, ThyssenKrupp Marine Systems, Designa, KVP und Ferring. Die Idee, ein international ausgerichtetes Schulangebot in Kiel zu entwickeln, stieß bei den Befragten auf eine sehr hohe Akzeptanz. Der Grteil der Interviewten äerte, dass der Bedarf nach solch einem Schulangebot besteht und künftig noch weiter ansteigen wird. Die genannten Gründe hierfür waren vielfältig: steigender Zuzug von ausländischen Familien und Fachkräften, steigendes Interesse von Eltern und Unternehmen an der Arbeitssprache Englisch sowie zunehmendes internationales Wachstum von Kieler Unternehmen.

 

Die Erfahrungen und Ergebnisse der persönlichen Interviews flossen in die Feinabstimmung des anschließenden Online-Fragebogens. Ziel der Online-Befragung war die quantitative Überprüfung und Fundierung der vorherigen Ergebnisse, um werthaltige Informationen für eine mögliche Aus-gestaltung eines internationalen Schulangebotes zu gewinnen.

 

Mit Hilfe verschiedener Fragenbögen wurden Eltern und Nicht-Eltern sowie Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen im Zeitraum vom 14.März 2018 bis 18.April 2018 befragt. Es wurden dafür unter anderem von der Kieler Wirtschaftsförderung und der IHK zu Kiel die 100 größten sowie international ausgerichtetem Kieler Unternehmen sowie die verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen mit der Bitte um Teilnahme angeschrieben.

 

In Summe beteiligten sich knapp 90 Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen.
Insbesondere Großunternehmen waren vertreten (62%), aber auch klein- und mittelständische Unter-nehmen beteiligten sich. Auch in der Online-Befragung äerte sich die große Mehrheit der Vertreterinnen und Vertreter der Unternehmen und der wissenschaftlichen Einrichtungen eindeutig positiv zu der Idee, ein international ausgerichtetes Schulangebot in Kiel zu etablieren.

 

Mehr als 90% sind der Meinung, dass die Einrichtung eines internationalen Beschulungsangebotes in Kiel mindestens im Großen und Ganzen sinnvoll ist. Mehr als die Hälfte (55%) sind der Ansicht, dass ein internationales Schulangebot in Kiel sehr sinnvoll ist. Nur 9% der Befragten befanden die Idee weniger sinnvoll. Keiner empfand ein internationales Schulangebot für nicht sinnvoll. Hinsichtlich des konkreten Interesses von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ein internationales Schulangebot für ihr Kind zu nutzen, gaben 40% der Befragten an, dass dieses bestehen würde. Nur 10% sahen bei den eigenen Mitarbeitenden kein Interesse, die übrigen 50 % konnten dies nicht einschätzen.

 

Diese grundsätzlich sehr hohe Akzeptanz eines internationalen Schulangebotes bei Vertreterinnen und Vertretern von Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen spiegelt die Eindrücke aus den zuvor durchgeführten halbstrukturierten Interviews wieder. Ebenso hoch war die Akzeptanz bei den befragten Eltern und Nicht-Eltern.

 

Die Befragung von Eltern und Nicht-Eltern wurde ebenfalls mittels eines Onlinefragebogens durchgeführt, der in deutscher und englischer Sprache vorlag. Über lokale Tageszeitungen und soziale Medien wurde auf die Befragung mit der Bitte um Teilnahme aufmerksam gemacht. Zu-dem wurden Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen darum gebeten, den Link mit ihren Mitarbeitenden zu teilen. Zusätzlich wurden Informationen an die Kieler Schul- und Kreis-elternvertretungen mit der Bitte gegeben, diese Informationen an alle Eltern weiterzugeben.

 

Auch bei den teilnehmenden Eltern und Nicht-Eltern sprach sich die große Mehrheit (ebenfalls 90%) für ein internationales Schulangebot in Kiel aus. Und ebenfalls gut 40% gaben an, dass sie das Angebot für ihr Kind nutzen würden, weitere 54% würden darüber nachdenken.

 

Die Grundgesamtheit der befragten Eltern (81%) und Nicht-Eltern (19%) bestand dabei aus 773 Personen. Bei den teilnehmenden Eltern verteilte sich die Anzahl der im Haushalt lebenden Kinder relativ gleichmäßig über die abgefragte Altersgruppe unter sechs Jahre, zwischen 6-12 Jahre und zwischen 12-18 Jahre.

 

Hinsichtlich der Akzeptanz und des konkreten Bedarfs setzten die Ergebnisse der Befragung somit ein klares Signal für die Einrichtung eines internationalen Schulangebotes in Kiel.

 

Neben dieser grundsätzlichen pro-/contra-Frage und der Frage nach dem tatsächlichem Bedarf ging es in der Befragung auch darum, die aus Sicht der Unternehmen, wissenschaftlichen Ein-richtungen und Eltern relevanten Gestaltungskriterien herauszufiltern. Hier zeigen sich klare Überschneidungen, aber auch Unterschiedlichkeiten bei den verschiedenen Zielgruppen.

 

Wichtig war allen Zielgruppen, dass der Zugang zu dem Schulangebot nicht über hohe Schulge-bühren ermöglicht wird, sondern dass entweder keine oder nur geringe Schulgebühren anfallen. Auch bei der Frage nach der bevorzugten Schulform gab es übereinstimmend eine leichte Präferenzr eine Gemeinschaftsschule mit anschließender Oberstufe, wobei die durchgängige
rderung der Mehrsprachigkeit in allen Bildungsstufen eine hohe Zustimmung erfährt.  Ebenfalls übereinstimmend hoch war die Einschätzung, dass die englische Sprache als besonders wichtig erachtet wird, aber ein international ausgerichtetes Schulangebot mehr als nur Fremdsprachen-erwerb ist und auch die Förderung der sozialen Kompetenz und der MINT-Fächer von Bedeutung ist. Auch sprachen sich jeweils rund 66 % für internationale Abschlüsse nach der Oberstufe aus. Allerdings würden 71% der Unternehmen/wissenschaftlichen Einrichtungen die Möglichkeit eines Doppelabschluss (deutsches und internationales Abitur) begrüßen. 65% der Eltern/Nicht-Eltern finden diese Möglichkeit ebenfalls wichtig.

 

Die prozentual signifikantesten Unterschiede zwischen den Zielgruppen gab es bei der Frage, ob ein international ausgerichtetes Angebot an einer „Internationalen Schule“ gebündelt sein soll oder ob es über das Stadtgebiet verteilt verschiedene international ausgerichtete Klassen und Angebote geben sollte. 56% der teilnehmenden Eltern/Nicht-Eltern fänden es wichtig, dass es einzelne mehrsprachige Klassen an bereits bestehenden Schulen gäbe. Bei den Unternehmen/wissenschaftlichen Einrichtungen gaben nur 37% dieses Gestaltungskriterium als wichtig an.

 

Dieses und die weiteren Ergebnisse der Befragung geben in der Gesamtschau erste Hinweise auf die relevanten Gestaltungskriterien für die Realisierung eines international ausgerichteten Schulangebotes in Kiel.

 

Neben dem Austausch mit der bestehenden privaten Initiative für eine „ Kiel International School“ zeigt sich aus städtischer Sicht der Bedarf, gemeinsam mit dem Bildungsministerium, der Kieler Selbstverwaltung, den Kieler Schulen, der CAU sowie weiteren Akteuren zu überprüfen, ob und wie sich folgende Ansätze an bestehenden Kieler Schulen realisieren lassen könnten:

 

-Aufbau eines rein englischsprachigen Zweiges mit der Möglichkeit eines internationalen oder doppelten Abschlusses nach der Oberstufe

-Stärkung und Ausbau bilingualer Angebote (nicht nur in englischer Sprache).

 

Ein erstes Auswertungs- und Abstimmungsgespräch mit dem Bildungsministerium zu den Ergebnissen der Befragung fand bereits statt. Ein zweites folgt Anfang September. Ebenfalls Anfang September findet ein erneutes Austauschgespräch mit der privaten Initiative für die Gründung der „Kiel International School“ statt, um den Abgleich der Entwicklungen weiterhin aufrecht zu erhal-ten. Darüber hinaus werden die kommunale Selbstverwaltung sowie die Öffentlichkeit über die Ergebnisse und das weitere Vorgehen informiert.

 

Parallel dazu werden die Kieler Schulen mit dem Bildungsministerium zu einem Informations-
treffen eingeladen, das direkt nach den Herbstferien und unter Einbeziehung aller oben genannten Akteure stattfinden soll. Ziel dieser Veranstaltung ist es, potentiell interessierte Schulen zu identifizieren und gemeinsam mit allen Akteuren die beiden genannten Ansätze zu konkretisieren.

Hilfreich kann dafür ein Besuch interessanter Referenzschulen sein, wie zum Beispiel die Claus-Rixen-Grundschule in Altenholz, Hansa- und Luisengymnasien in Hamburg sowie die Carl-von-Ossietzky-Schule oder die Aziz-Nesin-Grundschule in Berlin-Kreuzberg. Die Auswahl der möglichen Schulen soll gemeinschaftlich auf dem Informationstreffen im Oktober erfolgen.

 

Die Langfassung der Ergebnisse der Bedarfsanalyse ist zu finden unter www.kiel.de/internationalesschulangebot.

 

 

 

 

Renate Treutel

Stadträtin

 

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