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ALLRIS - Drucksache

Geschäftliche Mitteilung - 0052/2020

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Beratungsfolge

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Antrag

 

 

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Sachverhalt/Begründung

Auf der Basis des Antrages des Ortsbeirates Schilksee (Drucksache 0310/2019) hat die Ratsversammlung am 22.08.2019 einen Beschluss über den Umgang mit der Steilküste beschlossen (Drucksache 0175/2019).

 

 

 

1. Prüfung und Dokumentation des Küstenrückganges

Seit 1991 dokumentieren Mitarbeiter*innen der Verwaltung fast jährlich im Frühjahr den Küstenckgang des Schilkseer Steilufers. Dazu wird in einem engen Raster die Lage der Abbruchkante zwischen der Funkstelle und der Pumpstation Stubbek aufgemessen. Die Daten werden in eine Karte übertragen. Auf dieser Grundlage wird der Bestand genau erfasst.

Eine einheitliche Entwicklung sst sich hieraus jedoch nicht ableiten, da der Küstenrückgang ein fortdauernder, natürlicher Vorgang ist. Er verläuft nicht an allen Stellen gleich und findet überwiegend episodisch bei Hochwassern mit Stürmen aus nordöstlichen Richtungen statt.

 

Das Kartenmaterial wurde dem Ortsbeirat zuletzt im Februar 2019 vorgestellt und kann beim Grünflächenamt eingesehen werden.

 

Es wurde festgestellt, dass der durchschnittliche jährliche Küstenrückgang bei etwa 70cm liegt und in den Jahren zwischen 2000 und 2010 besonders hoch und in den letzten 10 Jahren recht gering war.

 

Um Aussagen zu einer Gefährdung der Flächen oberhalb des Steilufers unter besonderer Becksichtigung der kompakten Bebauung machen zu können, wurde der Rückgang exemplarisch an drei Schnittlinien auf Höhe der Straßen Fallreep, Reling (Treppe zum Strand) und im Wald Stubbek/ Pumpstation dargestellt (Anlage).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fallreep

Reling

Stubbek

Rückgang des Ufers seit 1991

23,1m

16,1m

7,3m

Durchschnittlicher Rückgang pro Jahr seit 1991

0,82m

0,57m

0,26m

Aktuelle Entfernung der oberen Abbruchkante zur einer Linie entlang der bebauten Grundstücke

55 m

100 m

138 m

Wann erreicht die Uferkante die Grundstücksgrenze unter der Annahme, dass der Küstenrückgang unverändert anhält

67 Jahre

175 Jahre

530 Jahre

 

 

 

 

 

Demnach re es rechnerisch, theoretisch möglich, dass die Wohnhäuser Fallreep 47 bis 51 in etwa 70 Jahren direkt an der Uferkante stehen könnten, andere Gebäude der ersten Linie deutlich später. Die dieser einfachen Prognose zugrunde gelegte Geschwindigkeit des Küstenrückganges kann jedoch auch anders verlaufen: Der durch den Klimawandel ansteigende Meeresspiegel und die häufiger und heftiger werdenden Sturmereignisse nnten einen schnelleren Rückgang vermuten lassen. Nicht weniger wahrscheinlich ist jedoch eine Verlangsamung der Erosion, wie sie im übrigen Teil der Ausgleichsküste zu verzeichnen ist.

 

Anderseits handelt es sich um eine Ausgleichsküste, die hohen Erosionsraten am Fallreep werden sich wahrscheinlich an die geringere Geschwindigkeit der Umgebung anpassen.

 

 

2. Strategie des Landes zum Küstenschutz an der Ostsee

Wie gewünscht, hat das Umweltschutzamt zur Frage nachhaltiger Küstenschutzmaßnahmen Kontakt mit dem zuständigen Ministeruim für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND) aufgenommen. Eine Antwort steht wegen der dortigen Arbeitsbelastung leider noch aus. Aber schon bei der Veranstaltung des Ortsbeirates Schilksee im Februar 2019 wurde vom Ministerium deutlich gemacht, dass das Land die Prioritäten beim Küstenschutz aktuell in überflutungsgefährdeten Bereichen sieht und keine verträglichen Maßnahmen zum Schutz von Steilküsten erkennen kann. Vielmehr hat die natürliche Dynamik einer Ausgleichsküste Vorrang.

 

Derzeit wird eine Gesamtstrategie zur Entwicklung der Ostseeküste bis zum Jahr 2100 erarbeitet, die in fünf Jahren abgeschlossen sein soll.

Fachleute erstellen dazu ein morphologisches Küstenmodell, um Schwerpunkte des Küstenschutzes setzen zu können.

In Kooperation mit den Universitäten Kiel und Hamburg-Harburg sollen mehrere Szenarien herausgearbeitet werden, wie sich der Meeresspiegel in Zukunft entwickeln könnte. Hierzu werden unter anderem Daten zum Wetter und der Zusammensetzung des Bodens erfasst, aus denen sich im Anschluss Möglichkeiten zur Verbesserung des Küstenschutzes ableiten lassen. Darüber hinaus soll ein Erosionskataster erstellt werden. Ein Beirat, der die lokalen Interessen und Kenntnisse der Menschen in den Gemeinden in die Planung einbindet, soll das Vorhaben unterstützen.

 

 

3. Schutz der Steilküste vor Beschädigungen

Eine anthropogene Beschädigung des Steilufers durch Erklettern oder Betreten ist bei einem narlichen Abbruch der Kliffkante von jährlich 20 bis 80 cm nur von sehr untergeordneter Bedeutung. Eine größere Bedeutung hat dies allerdings in artenschutzrechtlicher Hinsicht, insbesondere was den Schutz der Uferschwalbe betrifft.

 

Ein Zaun entlang der Steilküste von Schilksee bis Falckenstein wird als nicht notwendig gesehen, da es sich dort nicht um eine plötzlich auftretende oder schlecht sichtbare Gefahr handelt. Vielmehr handelt es sich um ein natürliches Steilufer, das sich dort seit der Entstehung Schleswig-Holsteins befindet. Eine Einzäunung würde das Landschaftsbild nachhaltig beeinträchtigen und immer wieder zu reparieren sein.

 

Ein „Geordneter Rückzug kann den Rückgang des Schilkseer Steilufers nicht verhindern oder aufhalten.

Das Grünflächenamt ist jedoch darum bemüht, die durch den stenrückgang auftretenden Einschränkungen für die Anwohner*innen und Besucher*innen dieses Küstenabschnittes möglichst gering zu halten. Zu den getroffenen Maßnahmen eines „geordneten Rückzuges“ gehört z.B. die vor etwa 10 Jahren am Ufer errichtete Stahltreppe, die bei Bedarf durch eine Brückenverbindung in Richtung des Ufers verlängert werden kann.

 

In den vergangenen Monaten wurde der Wanderweg vorsorglich erneut ein Stück landeinwärts verlegt, um eine Gefährdung auszuschließen. Dabei wurde darauf geachtet, den Weg nur behutsam zurückzuverlegen, um das Naturerlebnis weiterhin zu ermöglichen.

 

Um die Besucher*innen auf die Besonderheiten, Schönheiten und Gefahren dieser für das Land typischen geologischen Formation hinzuweisen, soll am Wanderweg eine Informationstafel unter wissenschaftlicher Beteiligung errichtet werden. Darauf soll u.a. auch auf die Bedeutung des Klimawandels für die Küste eingegangen werden.

 

 

4. Dialog mit den Betroffenen

Darüber hinaus wurden unter Beteiligung des Ortsbeirates mehrfach kompetent besetzte, spezielle Informationsveranstaltungen für die Anwohner organisiert. Der letzte Dialog hat im Februar 2019 stattgefunden. Dieser Dialog wird fortgesetzt.

 

 

 

 

 

Doris Grondke

Stadträtin

 

 

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Anlagen

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