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ALLRIS - Drucksache

Geschäftliche Mitteilung - 0484/2021

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Beratungsfolge

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Antrag

 

 

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Sachverhalt/Begründung

Das Amt für Gesundheit und das Jugendamt der Landeshauptstadt Kiel informieren den Ausschuss für Soziales, Wohnen und Gesundheit und den Jugendhilfeausschuss über den aktuellen Sachstand der Frühen Hilfen Kiel“ und die geplante Weiterentwicklung unter besonderer Berücksichtigung des Jahresverlaufs 2020 und den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie.

 

Zuletzt wurde im Bildungsreport 2019 ausführlich die Entwicklung in der Elternbildung und frühkindlichen Bildung im Bereich Frühe Hilfen beschrieben und die Angebotslandschaft analysiert (Drs. 0698/2020). Im Folgenden soll dies durch einen Blick auf das Jahr 2020 und das erste Quartal 2021 ergänzt werden. Vervollständigt wird diese Geschäftliche Mitteilung durch Erfahrungsberichte der Mitglieder des Arbeitsbündnisses Frühe Hilfen zu den Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeit mit Eltern und Kindern im vergangenen Jahr.

 

Frühe Hilfen sind lokale und regionale Unterstützungssysteme mit koordinierten Angeboten für Eltern und Kinder ab Beginn der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren (Schwerpunkt 0 bis 3 Jahre). Sie werden in der Anlage 1 näher beschrieben.

 

 

Aktuelle Situation unter dem Einfluss der Pandemie

 

Netzwerkstrukturen

r die bestehenden Netzwerkstrukturen der Frühen Hilfen war mit Beginn der Pandemie eine Umstellung der Zusammenarbeit notwendig. Die Präsenztreffen mit persönlichen Kontakten und informellen Austauschmöglichkeiten entfielen und wurden schrittweise durch digitale Austauschformate ersetzt.

 

Da die dafür benötigte Hard- und Software nicht überall sofort verfügbar war, konnten gerade in der ersten Hälfte des Jahres 2020 bei weitem nicht alle Netzwerktreffen umgesetzt werden. Die sechs lokalen Netzwerktreffen entfielen, die Fachteams und das Arbeitsbündnis Frühe Hilfen konnten ca. die Hälfte der geplanten Treffen realisieren. Gleichzeitig war es von hoher Bedeutung, stets über die veränderten Rahmenbedingungen der bestehenden Angebote der Kooperationspartner*innen informiert zu sein, um die Zusammenarbeit und Vermittlung von Familien in passgenaue Angebote weiter zu ermöglichen.

 

Angebote

Die Angebote in den Frühen Hilfen wurden von den Trägern der aktuellen Situation angepasst und weiterentwickelt. Es wurden Hygienekonzepte für Gruppenangebote entworfen, Outdoor-Settings entwickelt, digitale Formate gefunden, Beratungstelefone geschaltet, Gruppenformate in Einzelbetreuungen umgewandelt, Bastel- und Spielpakete für Zuhause zur Verfügung gestellt und vieles mehr.

 

Mit Hilfe dieses Engagements und vieler kreativer Ideen konnte ein Großteil der Angebote aufrechterhalten, die Niedrigschwelligkeit der Angebote jedoch nicht auf dem bisherigen Niveau gehalten werden. Statt offener Sprechstunden waren Terminvereinbarungen und aufgrund der Hygienevorgaben eine Begrenzung der Platzzahl erforderlich. Hinzu kamen Zugangsbarrieren zu digitalen Angeboten, weil notwendiges Equipment in den Familien nicht immer zur Verfügung stand oder es an der Akzeptanz solcher Angebote fehlte. Und auch das Bedürfnis der Familien, in persönlichen Austausch mit Gleichgesinnten zu kommen und sich untereinander zu vernetzen, konnte nicht immer bedient werden.

 

Die Mitarbeiter*innen der Elternberatungsstellen wurden zum einen dringend zur Bekämpfung der pandemischen Lage in anderen Bereichen des Gesundheitsamtes benötigt, zum anderen konnte der Kontakt zu den Eltern aufgrund der Erlasse zur Bekämpfung der Pandemie nicht in der bisherigen Form weitergeführt werden. Das Angebot der Elternberatungsstellen konnte daher nur deutlich reduziert aufrechterhalten werden. Auch auf die Expertise der Mitarbeiter*innen in den Fachteams musste zeitweise verzichtet werden. Die Elternberatungsstellen bieten aktuell eine telefonische Beratung an. Bei Bedarf finden auch persönliche Einzelberatungen und Hausbesuche statt. Die Willkommensbesuche, die bisher alle Kieler Eltern auf den Wöchnerinnenstationen des Universitätsklinikums Schleswig-Holsteins und des Städtischen Krankenhauses erhielten, sind aufgrund des Betretungsverbots der Kliniken während der Pandemie ausgesetzt. In Kooperation mit den Klinken erhalten die Eltern jedoch das Willkommensbuch direkt vom Klinikpersonal ausgehändigt.

 

Insgesamt wurden die Angebote von den Familien weniger in Anspruch genommen und es konnten deutlich weniger neue Familien dazu gewonnen werden. Der Schwerpunkt der Träger lag vielmehr darauf, den Kontakt zu den bekannten Familien auch während der Pandemie und des Shutdowns zu halten und sie so weiter in dieser besonderen Situation zu unterstützen. Weitergehende und detaillierte Informationen dazu können der Befragung der Träger des Arbeitsbündnisses Frühe Hilfen entnommen werden, deren Ergebnisse der Geschäftlichen Mitteilung als Anhang beigefügt sind.

 

Zusätzliche Angebote durch Umwidmung von Mitteln

Im Rahmen der Bundesstiftung Frühe Hilfen konnten Gelder, die durch Ausfall von Netzwerktreffen u.ä. frei geworden waren, erfolgreich umgewidmet werden. Mit einem Teil des Geldes wurde das Angebot der Familienhebammen der DRK-Heinrich-Schwesternschaft bis Ende des Jahres um ein sogenanntes Clearing ergänzt. Hier wird zunächst der Bedarf einer Familie ermittelt, um dann die passende Art der Unterstützung zu finden, sei es durch Übernahme einer Betreuung oder Weiterleitung an andere Stellen und Kooperationspartner*innen. Zudem konnte mit dem Projekt „wellcome“ der Zukunftswerkstatt ein Angebot aus dem Bereich Psychosoziale Unterstützung von Familien durch spezifische Angebote von Freiwilligen einmalig gefördert werden. 

 

 

Auswertung der Trägerbefragung des Arbeitsbündnisses Frühe Hilfen zum Jahresverlauf 2020 /2021

Befragt wurden die Mitglieder des Arbeitsbündnisses Frühe Hilfen, das derzeit aus 22 Trägern besteht, die alle Angebote für (werdende) Eltern mit Kindern im Alter zwischen 0 und 3 Jahren vorhalten.

 

Inanspruchnahme der Angebote

Die Antworten der befragten Träger hinsichtlich der Nutzung ihrer Angebote zeigen eine individuelle Vielfalt, die keine pauschale Aussage zulässt. Ersichtlich ist jedoch, dass die Gruppenangebote, trotz Anpassung an die pandemische Situation, seltener genutzt wurden. Auch bei den Beratungsangeboten ist kein eindeutiger Trend erkennbar. Es gibt sowohl Träger, die von stärkerem Zulauf berichten, während andere keinen Unterschied zum Vorjahr wahrgenommen haben oder eine Abnahme der Inanspruchnahme verzeichnen. Die Angebote der Kliniken und der Familienhebammen wurden unverändert in Anspruch genommen. Die Alltagsunterstützung durch Ehrenamtliche verzeichnete einen deutlichen Rückgang.

Herausforderungen

Ein Großteil der Träger berichtet von einem hohen Organisationsaufwand durch die notwendigen Anpassungen und Digitalisierung der Angebote sowie von finanziellen Belastungen durch die Anschaffung notwendiger Hard- und Software. Die Klärung datenschutzrechtlicher Fragen und der Bereitstellung datensicherer Zugangswege für die Nutzer*innen der Angebote stellt eine Herausforderung dar. Als herausfordernd wurden auch das Finden neuer Informationswege zu den Zielgruppen und anderen Institutionen erlebt. Träger berichten von einem erhöhten Beratungsbedarf bei Familien, der sich zeitlich intensiver gestaltete und häufiger von finanziellen Notlagen in Familien gekennzeichnet war. In der Beratungsarbeit wurde zudem deutlich, dass das Onlineformat die Bindungsarbeit mit Familien bzw. die Entwicklung einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Klient*in und Berater*in erschwert.

Positive Erfahrungen

Insgesamt wurden die Angebote der Träger dankbar von den Familien angenommen und ausprobiert. Kontakte zu den bekannten Familien konnten auf diesem Wege gut gehalten werden. Die Netzwerkpartner*innen waren getragen von einer bemühten, kooperativen und kreativen Grundstimmung. Die Erkenntnis, dass digitale Angebote auch nach der Pandemie eine gute Ergänzung im Angebotsspektrum darstellen, wird als Gewinn gesehen, da auf diesem Wege auch Zielgruppen erreicht werden können, die zuvor z.B. aufgrund schlechter Verkehrsanbindung oder gesundheitlicher Mobilitätseinschränkungen an den Angeboten nicht teilhaben konnten.

Schlussfolgerungen

Für viele Träger steht fest, dass ein großer Teil der neu geschaffenen, digitalen Angebote auch nach der Pandemie erhalten bleiben wird. Hybride Veranstaltungsformen mit einer Kombination aus Präsenz- und virtuellen Angeboten werden zukünftig, so die Erkenntnis, zu festen Bestandteilen im Berufsalltag werden. In dem Zusammenhang stehen Fragen nach Finanzierungsmöglichkeiten der dafür erforderlichen, technischen Ausrüstung. Für die zukünftige Arbeit wird es notwendig sein, bestehende Angebote sowohl bei potentiellen Teilnehmer*innen als auch Fachkräften des Netzwerkes neu zu bewerben und in Erinnerung zu rufen. Im Zusammenwirken mit regelmäßigen Testungen und Impffortschritten besteht das Ziel, Vorbehalte gegen Gruppenangebote wieder abzubauen, die Angebote wiederzubeleben und neue Teilnehmer*innen zu gewinnen.

 

Ausblick

Unter der Voraussetzung einer reduzierten Infektionslage wird der Fokus in diesem Jahr auf der Wiedereröffnung und Wiederbelebung der Angebote der Frühen Hilfen, sowie der verbindlichen Wiederaufnahme der verschiedenen Austauschgremien im Netzwerk liegen. Wichtig erscheinen eine Bestandsaufnahme und ein genauer Blick auf die Familien, verbunden mit der Frage, welche neuen Errungenschaften aus der Pandemie beibehalten werden sollten und was darüber hinaus notwendig ist, um die Frühen Hilfen mit den dadurch neu entstandenen Herausforderungen effektiv weiter entwickeln zu können.

 

Allerdings wird zu überprüfen sein, ob zur Erhaltung und Erweiterung der bestehenden Angebotsvielfalt eine Anpassung und Dynamisierung des Finanzvolumens notwendig ist. Den seit z.T. fünfzehn Jahren nicht angepassten und nicht dynamisierten Fördersummen von Bund und Land, sowie der kommunalen Eigenmittel, stehen tarifliche Personalkostensteigerungen gegenüber, die ohne eine Anpassung zu einer Einschränkung der Angebotsumnge und -vielfalt führen müssten.

 

r das Jahr 2022 ist ein „Sonderbericht 15 Jahre Frühe Hilfen in Kiel“ geplant, in dem ausführlich der Auf- und Ausbau der Angebotsstrukturen, sowie die sich verändernden Anforderungen und Perspektiven in diesem Bereich dargestellt werden.

 

Zudem ist geplant, gemeinsam mit dem Arbeitsbündnis Frühe Hilfen und dem Kieler Netzwerk gegen Kinderarmut im September 2021 eine Veranstaltung zum Weltkindertag auszurichten. Nachdem 2019 die Veranstaltung unter dem Motto „Kinder haben Rechte“ sowohl auf dem Asmus-Bremer-Platz als auch in der Hans-Christian-Andersen-Stadtteilschule stattfand, wird für dieses Jahr eine gemeinsame Ausrichtung auf dem Platz der Kinderrechte angestrebt. In welcher Form sie dieses Jahr letztendlich gestaltet sein wird (digital oder vor Ort) ist jedoch vom weiteren Verlauf der Pandemie sowie dem Fortschreiten der Impfkampagne abhängig.

 

 

 

 

Renate Treutel  Gerwin Stöcken

rgermeisterin  Stadtrat

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Anlagen

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