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ALLRIS - Drucksache

Geschäftliche Mitteilung - 0736/2021

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Beratungsfolge

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Antrag

 

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Sachverhalt/Begründung

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Die Ratsversammlung hat vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels die rderung der Praxisintegrierten Ausbildung für Erzieher*innen mit einer Klasse in Kiel für die zwei Ausbildungsjahrgänge 2020/2021 und 2021/2022 zugestimmt, soweit das Land Schleswig-Holstein oder der Bund nicht die Förderung übernehmen (Drs. 0069/2020). Die Förderung umfasst die Vergütung r die Auszubildenden im Rahmen der Praxisintegrierten Ausbildung über drei Ausbildungsjahre. Vorausgegangen war die unerwartete Mitteilung des Bundes Ende Dezember 2019, das Förderprogramm im Rahmen der Fachkräfteoffensive nicht fortzusetzen. Mit dieser Geschäftlichen Mitteilung wird dem Jugendhilfeausschuss und der Ratsversammlung zum aktuellen Stand der Praxisintegrierten Ausbildung in Kiel berichtet.

 

 

Aktueller Stand

 

Der erste PiA-Ausbildungsjahrgang 2020/21 startete zum 01.08.2020. Insgesamt sechs Träger der Jugendhilfe mit insgesamt 23 Ausbildungsplätzen sind an der Umsetzung des ersten Ausbildungsjahrganges in enger Kooperation mit der Fachschule Fachrichtung Sozialpädagogik des RBZ am Königsweg beteiligt. Im ersten Schuljahr bzw. zu Beginn des zweiten Ausbildungsjahres haben insgesamt drei Auszubildende die Ausbildung aus persönlichen Gründen beendet.

 

Auf der Grundlage des Beschlusses der Ratsversammlung konnte mit der Planung des zweiten Ausbildungsjahrganges im Herbst 2020 begonnen werden. Insgesamt acht Träger der Jugendhilfe bieten ab dem Ausbildungsjahr 2021/2022 insgesamt weitere 25 PiA-Ausbildungsplätze in Kiel an, vier Träger davon erstmalig. Der zweite Ausbildungsjahrgang startete zum 01.08.2021.

 

Insgesamt engagieren sich in Kiel somit zehn Träger der Jugendhilfe bei der Umsetzung der Praxisintegrierten Ausbildung (Anlage). In der Praxisintegrierten Ausbildung werden fachtheoretische und fachpraktische Ausbildungszeiten zeitlich verzahnt, so dass eine Unterrichtswoche drei Tage Unterricht in der Schule und zwei Tage Praxis umfasst. Alle Auszubildenden sind in der Kindertagesbetreuung (Elementar, Krippe) beschäftigt. Aufgrund der Änderung der Fachschulverordnung sind die Auszubildenden des zweiten Ausbildungsjahrgangs mit dem Schwerpunkt auf den Elementarbereich festgelegt. Im dritten Halbjahr ihrer Ausbildung absolvieren die Auszubildenden mindestens 300 Stunden im Bereich der Arbeit mit Schulkindern oder der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.

 

In gemeinsamen Treffen der Trägervertreter*innen, des Amtes für Kinder- und Jugendeinrichtungen, des Jugendamtes und des RBZ am Königsweg wurde ein enger Austausch zur Gestaltung und zum Verlauf des ersten und der Planung des zweiten Ausbildungsjahrganges sichergestellt. Es fand zudem eine enge Kooperation und Abstimmung zwischen der Fachschule und den Anleiter*innen statt. Dies erfolgte in Einzelgesprächen ebenso wie im Rahmen der von der Fachschule angebotenen zwei ganztägigen Austausch- und Qualifizierungsmodule für die Praxisanleitungen.

 

Der erste Ausbildungsjahrgang und insgesamt die Kindertagesbetreuung hatten im Ausbildungsjahr 2020/2021 die herausfordernden Bedingungen der Pandemie zu bewältigen. Durch zum Beispiel die Notbetreuung, Kontaktbeschränkungen und Homeschooling waren die Auszubildenden, die Fachkräfte der Kindertageseinrichtungen und die Lehrkräfte der Fachschule in besonderer Art und Weise mit der erstmaligen Umsetzung der Praxisintegrierten Ausbildung gefordert.

 

Aus Sicht der Fachschule Fachrichtung Sozialpädagogik des RBZ am Königsweg stellt die praxisintegrierte Ausbildung eine qualitativ sehr hochwertige Ausbildungsform dar. Durch die enge Schule-Praxis-Verknüpfung erfolgt ein durchgängiger Transfer in beide Richtungen, so dass die Schüler*innen die erlernte Fachtheorie sofort in der Praxis anwenden können, aber auch Beispiele und Situationen aus der Praxis in die Schule mitnehmen können. Die enge und abgestimmte Kooperation mit den Anleiter*innen und Kindertageseinrichtungen ermöglicht es der Schule, die doppelte Vermittlungsebene auf didaktischer und methodischer Ebene so

auszugestalten wie es bei keiner anderen Ausbildungsform zur*zum Erzieher*in möglich ist. Die Lehrkräfte erleben die Schüler*innen als sehr motiviert und engagiert, unter anderem aufgrund dieser Kooperation, aber natürlich auch wegen der finanziellen Vergütung.

Die Trägervertreter*innen berichten ebenfalls von einem erfolgreichen Ausbildungsverlauf und dem hohen Engagement der Anleiter*innen und Auszubildenden. In den ersten zwei Ausbildungsjahren sind die Auszubildenden jeweils drei Tage in der Fachschule und zwei Tage in den Kindertageseinrichtungen. Auf Wunsch der Einrichtungsträger wurde durch eine Umstrukturierung des Unterrichts durch die Fachschule ermöglicht, den Praxisanteil im dritten Ausbildungsjahr zu erhöhen. Die Auszubildenden sind dann drei Wochentage in den Kindertageseinrichtungen und haben zwei Wochentage Unterricht.

 

 

Evaluation

 

Im Rahmen des Fachaustauschs der beteiligten Träger wurde vereinbart, eine Evaluation der Praxisintegrierten Ausbildung vorzunehmen. Dazu hat eine Arbeitsgruppe bestehend aus Fachberatungen aus unterschiedlichen Trägern ein Evaluationskonzept erarbeitet. Das Konzept sieht u.a. eine anonymisierte Auswertung der Bewerbungsdaten vor und eine jährliche Befragung der Auszubildenden und Praxisanleiter*innen zur ihrer Einschätzung der Praxisintegrierten Erzieher*innenausbildung. Je nach Ausbildungsjahr werden unterschiedliche Schwerpunkte bei den Befragungen gesetzt, beispielsweise zu den Themenfeldern Motivation, Ankommen, Theorie und Praxis, eigenständiges Arbeiten und verschiedene Perspektiven der Gesamtausbildung.

 

In den Monaten April/Mai 2021 führte das Amt für Kinder- und Jugendeinrichtungen gemeinsam mit den freien Trägern und der Fachschule eine erste Befragung durch. Die Grunddaten wurden zudem trägerübergreifend von der Ausbildungsabteilung der Landeshauptstadt Kiel erfasst und ausgewertet.

 

Das Interesse an der Praxisintegrierten Ausbildung ist groß. Für den ersten Ausbildungsjahrgang 2020/2021 haben sich über 200 Bewerber*innen bei den unterschiedlichen Trägern beworben. Für den zweiten Durchgang 2021/2022 hat sich die Zahl der Bewerber*innen fast verdoppelt, es haben sich über 400 Bewerber*innen bei den Trägern beworben.

Die Altersstruktur der Bewerber*innen war gemischt, wobei der Schwerpunkt bei den 20- bis 39Jährigen liegt. Die Qualifikation, Vorerfahrungen und Kompetenzen der Bewerber*innen deckten mit sozialen, kaufmännischen, gewerblich/technischen bis handwerklichen Bereichen ein breites Spektrum ab.

 

Die Praxisintegrierte Erzieher*innenausbildung wurde in der ersten Befragung von Schüler*innen und Anleiter*innen trotz der Pandemiebedingungen positiv bewertet. Fast alle teilnehmenden Auszubildenden nannten die vergütete Ausbildung als Motivationsgrund. Auch das Verhältnis Theorie-Praxis wurde von drei Viertel der Befragten als wichtiger Grund für die Berufsentscheidung genannt. 

 

Die Aufnahme und das Ankommen in den Praxiseinrichtungen wurde überwiegend sehr gut bewertet und die meisten Auszubildenden fühlten sich in den Kindertageseinrichtungen wohl. Die Auszubildenden sowie Anleiter*innen gaben an, dass die schulischen Inhalte in der Praxis relevant waren und die Zusammenarbeit mit der Schule für gut befunden wurde. Ein Drittel wünschte sich mehr Transparenz und Absprachen, zum Beispiel durch mehr Treffen und einen besseren Informationsaustausch zwischen Kita, Träger und Schule.   

 

Die Ergebnisse der ersten Befragung werden bei der weiteren Ausbildungsplanung und Begleitung berücksichtigt.

 

 

 

 

Ausblick

 

Der Fachkräftebedarf ist vor dem Hintergrund des fortschreitenden Ausbaus der Kindertagesbetreuung, des nahenden Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule sowie der Umsetzung des KitaG enorm. Die Erhöhung der Ausbildungskapazitäten und die Fachkräftegewinnung im pädagogischen Bereich ist weiterhin eine maßgebliche Zukunftsaufgabe bundesweit und für das Land Schleswig-Holstein.

 

In Zeiten des Fachkräftemangels stellt die Praxisintegrierte Ausbildung aus Sicht der Fachschule und der beteiligten Träger eine wichtige Säule der Ausbildung bzw. der Gewinnung von Fachkräften dar. Auch in Kiel konnten bereits aufgrund fehlender pädagogischer Fachkräfte dringend benötigte Plätze in der Kindertagesbetreuung trotz der zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten und angemeldeten Kindern nicht angeboten werden. Es ist zu befürchten, dass diese Situation sich in den kommenden Jahren deutlich verschärfen wird.

 

Allein in Kiel erhöhte sich der Fachkräftebedarf aufgrund der Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen des neuen KitaG durch den zukünftig umzusetzenden Betreuungsschlüssel um rund 180 zusätzliche Erzieher*innen bis Ende 2023. Bestehende und absehbare erhebliche Fachkräftebedarfe aufgrund des Aufwuchses an Betreuungsplätzen und z.B. anstehenden Berentungen sind hierbei nicht berücksichtigt. Um die Kindertagesbetreuung in Kiel zu sichern, ist eine erhöhte Anzahl an Fachkräften bei dem kommunalen und den freien Trägern zu generieren.

 

r die ersten beiden dreijährigen Ausbildungsjahrgänge entstehen der LH Kiel Aufwendungen in Höhe von rund 1,43 Mio. € (Ausbildungsjahrgang 2020/21, 24 Plätze) und in Höhe von rund 1,52 Mio. € (Ausbildungsjahrgang 2021/22, 25 Plätze). Vorzeitige Beendigungen der Ausbildungen verringern die Aufwendungen entsprechend. Eine Anrechnung der Auszubildenden im dritten Ausbildungsjahr als Sozialpädagogische Assistenten ermöglicht Einsparungen und würden zu bereinigten Personalkosten in Höhe von insgesamt 1,18 Mio. € (Ausbildungsjahrgang 2020/21) und von rund 1,24 Mio. € (Ausbildungsjahrgang 2021/22) führen. Hierbei müssen jedoch personalrechtliche Aspekte wie geltende Arbeitszeitregelungen des vorhandenen Personals berücksichtigt werden, so dass dies vermutlich nicht in jedem Fall realisierbar sein wird (vgl. Drs. 0069/2020).

 

Das Interesse an der Planung und Umsetzung eines weiteren PiA-Ausbildungsjahrgangs mit einer Klasse mit bis zu 25 Auszubildenden in Kiel ist hoch. Hierzu müssten jedoch spätestens ab November 2021 die Verteilung der Praxisstellen im Einvernehmen der Träger, die Ausschreibung und Besetzung der Ausbildungsstellen erfolgen sowie zuvor die entsprechenden finanziellen Mittel in den Haushalt eingestellt bzw. über das Land/den Bund generiert werden.

 

Der Städteverband Schleswig-Holstein hat sich gemeinsam mit dem Städtetag Schleswig-Holstein beim Land für die bedarfsgerechte Finanzierung der praxisintegrierten Ausbildung eingesetzt. Auch die LH Kiel hat sich beim Land wiederholt für eine Förderung der Praxisintegrierten Ausbildung eingesetzt und auf die Notwendigkeit der Erhöhung der Ausbildungskapazitäten an den Fachschulen des Landes hingewiesen. Bisher haben weder das Land, noch der Bund eine (Wieder-)Aufnahme einer Förderung der Praxisintegrierten Ausbildung vorgenommen. Den Haushaltsberatungen des Landes war zu entnehmen, dass eine geringfügige anteilige Finanzierung angedacht wurde. Das Land Schleswig-Holstein hat zeitnah eine Förderrichtlinie angekündigt.

 

Vor dem Hintergrund eines neu konzipierten Rechtsanspruches und den bereits aktuell kaum noch vorhandenen Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt für neue Aufgaben ist es völlig unverständlich, dass sich derzeit weder das Land SH noch der Bund maßgeblich finanziell unterstützend in der Pflicht sehen und die Kommunen, die Träger, die Eltern und die Kinder mit dieser r sie unlösbaren und zunehmend dramatischen Betreuungssituation allein lassen. Die limitierenden Faktoren für einen weiteren zügigen Ausbau der Kindertagesbetreuung ist - neben den Finanzen und Grundstücken - mittlerweile der Fachkräftemangel.

 

 

 

 

Renate Treutel

rgermeisterin

 

 

 

 

 

 

 

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Anlagen

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