Infosystem Kommunalpolitik

 
 
ALLRIS - Drucksache

Interfraktioneller Antrag - 0116/2023

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Antrag

Antrag:


Die Verwaltung wird aufgefordert, die historischen Denkmäler Kiels, dabei insbesondere jene aus der Zeit des deutschen Kaiserreichs (1871 1918), zu überprüfen und ein Interventionskonzept zu entwickeln, welches die Denkmäler und ihre Darstellungen kritisch-historisch einordnet. Dabei sind besonders die Denkmäler im Hiroshima-Park sowie im Schlossgarten zu beachten, das Konzept ist jedoch auf das gesamte Stadtgebiet anzuwenden.

 

Die Interventionen sollen im öffentlichen Raum möglichst barrierearm, gut erkennbar und langfristig errichtet werden. Diese Kriterien sind im Konzept zu berücksichtigen.

 

Die Erarbeitung des Interventionskonzepts ist in Zusammenwirkung mit Interessen- und wissenschaftlichen Fachgruppen, der Kommission für historische Stadtmarkierungen, dem Stadt- und Schifffahrtsmuseum, dem Stadtarchiv und dem Zentrum zur Geschichte Kiels zu erarbeiten. Weiteres Expert*innenwissen kann auch außerhalb Kiels akquiriert werden. Insbesondere die Expertise von Schwarzen Menschen, PoC, Menschen der jüdischen Gemeinschaft, sowie Sinti*zze und Rom*nja ist einzubeziehen.

 

Eine geschäftliche Mitteilung zu dem Zwischenstand des Konzepts soll der Ratsversammlung noch im Jahr 2023 vorgelegt werden. Für das Haushaltsjahr 2024 sind entsprechende Mittel für die Umsetzung bereitzustellen.

 

Reduzieren

Sachverhalt/Begründung

Begründung:


In den letzten Jahren entwickelte sich global ein kritisches Bewusstsein für das historische Erbe vieler Länder und Städte. Der Deutsche Bundestag beschäftigt sich regelmäßig mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands, angefangen bei der Provenienzforschung bis zur Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe und dem Umgang mit Denkmälern. Dieser notwendigen Entwicklung sollte sich auch Kiel anschließen und sich kritisch mit seinen Denkmälern auseinandersetzen.

 

Denkmäler haben sowohl Kunst- als auch historischen Zeugniswert und besitzen aufklärerisches Potential für die Zukunft. Um dieses Potential ausschöpfen zu können, ist eine kritische Auseinandersetzung mit ihnen und ihrer Geschichte unablässig. So sollte etwa eine Kontextualisierung der dargestellten Persönlichkeiten, ihrer Taten und deren Folgen stattfinden, um die Öffentlichkeit über die komplexe(n) und teilweise verdeckte(n) Geschichte(n) hinter den Denkmälern zu informieren. Hierfür ist es wichtig, auch einzelne Denkmäler in den Blick zu nehmen.

 

Kiel hat mit der Kommission für historische Stadtmarkierungen und der Aufarbeitung im Bereich von Straßennamen im sog. „Afrika-Viertel“ bereits einen Anfang zur Aufarbeitung seines historischen Erbes gemacht. Dies soll nun auf alle in Kiel befindlichen historischen Denkmäler ausgeweitet werden.

Eine kritische historische Auseinandersetzung mit Denkmälern kann etwa durch künstlerische Interventionen, Hinweistafeln oder eine transparente Deplatzierung erfolgen. Auch kommentierende Inschriften oder ein Gegendenkmal können der historischen Einordnung dienen. Die Konzeptentwicklung für Kiel ist ergebnisoffen zu gestalten, um nicht einzelne Optionen im Vornherein auszuschließen.


Da bundesweit zahlreiche Orte vor der Herausforderung eines kritisch-historischen Umgangs mit ihren Denkmälern stehen, ist ein Austausch sinnvoll, um Synergieeffekte zu nutzen. So wurde z.B. in Bremen ein antikoloniales Mahnmal installiert und in Hamburg eine Forschungsstelle zur Aufarbeitung des kolonialen Erbes der Stadt eingerichtet; in Flensburg gibt es Postkoloniales Netzwerk.

 

 

 

gez. Ratsmitglied Svenja Bierwirth

Ratsfraktion Die Politiker*innen

 

gez. Ratsherr Burkhardt Gernhuber

Ratsfraktion DIE LINKE

 

gez. Ratsherr Marcel Schmidt

SSW-Ratsfraktion

 

 

Loading...