Nachhaltiges Kiel

Gesundheit und Wohlergehen

Die Verbesserung der Gesundheit aller Menschen der Erde ist ein zentrales Anliegen der Agenda 2030 und kommt vor allem im SDG 3 zum Ausdruck. Dabei ist Gesundheit nicht nur ein wichtiges Gut an sich, sondern sie ist gleichzeitig Ziel, Voraussetzung und Ergebnis einer nachhaltigen Entwicklung.

Gesundheit als Menschenrecht bedeutet, dass genügend und qualitativ hochwertige öffentliche Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäuser und Arztpraxen vorhanden sind und dass diese für alle Menschen zugänglich sein müssen.

Dies ist in Kiel wie in ganz Deutschland grundsätzlich der Fall. Dabei wirkt der Öffentliche Gesundheitsdienst im Rahmen seiner Aufgaben insbesondere auf gesunde und gesundheitsförderliche Lebensverhältnisse hin und strebt gleiche Gesundheitschancen für alle an.

Schlechte Luft ist ein Gesundheitsrisiko

Das SDG 3 benennt zunächst Ziele, die vor allem für die Länder des globalen Südens relevant sind und schon bei den Millenniumentwicklungszielen eine wichtige Rolle gespielt haben.

Dazu zählen beispielsweise die Senkung der Mütter-, Neugeborenen- und Kindersterblichkeit sowie die Beseitigung von Aids, Tuberkulose und Malaria. Während zum Beispiel in Tansania 398 Frauen von 100 000 Frauen im Kontext einer Geburt sterben, sind es in Deutschland nur 6 von 100 000 Frauen.

Andere Ziele, wie die Zahl der Todesfälle und Verletzungen infolge von Verkehrsunfällen zu halbieren sowie die Sterblichkeits- und Erkrankungsrate aufgrund gefährlicher Chemikalien und Umweltverschmutzung erheblich zu verringern, sind auch für die deutsche Politik sehr relevant.

Dies zeigt aktuell zum Beispiel die Diskussion um schädliches Stickoxid, das die Luft deutscher Städte verpestet belastet und ein Gesundheitsrisiko für die Anwohner und Anwohnerinnen darstellt.

Amt für Gesundheit in Kiel

Kommunaler Träger des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) ist in der Landeshauptstadt Kiel das Amt für Gesundheit. Hier arbeiten Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Gesundheitswissenschaftlerinnen und Gesundheitswissenschaftler, Verwaltungsangestellte und Fachkräfte für Hygienekontrolle.

Aufgabe des ÖGD ist die bevölkerungsmedizinische Versorgung sowie Prävention,  Gesundheitsschutz und Sachverständigentätigkeit.

Die ambulante Versorgung der Bevölkerung durch Ärztinnen und Ärzte aller Fachbereiche ist in Kiel – auch im landesweiten Vergleich – gut. Für die stationäre Versorgung stehen in Kiel von Universitätskrankenhaus über Städtisches Krankenhaus verschiedene weitere Fachkliniken zur Verfügung. Daraus ergibt sich eine besonders gute Versorgungslage.

Beratungs- und Hilfsangebote

Das Amt für Gesundheit bietet den in Kiel lebenden Menschen verschiedene Beratungs- und Unterstützungsangebote an. Dazu zählt der Sozialpsychiatrische Dienst, der niederschwellige Beratung bei psychischen und sozialen Problemen für Betroffene, Angehörige und Freunde vorhält und bei Bedarf weitere Unterstützung vermittelt.

In der offenen Sprechstunde der Beratungsstelle für Sexuelle Gesundheit kann sich jeder umfassend beraten und testen lassen. Aktuell hat die Beratungsstelle ein besonderes Aufklärungs- und Präventionsangebot für Menschen mit Migrationshintergrund in Bezug auf sexuell übertragbare Krankheiten, Verhütung, Schwangerschaft und Geburt entwickelt.

Seit November 2017 gibt es im Amt eine Impfsprechstunde, die Nichtkrankenversicherten, aber auch allen Anderen, offen steht. Auch im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung ist das Amt für Gesundheit – oft in Kooperation mit anderen Institutionen und Akteuren des Gesundheitswesens – aktiv. Ein aktuelles Beispiel ist das Bewegungsangebot „Spiel und Spaß für alle“ im Stadtteil Neumühlen-Dietrichsdorf.

Überwachung der Hygiene

Die Überwachung der Hygiene – von der Sandkiste eines Spielplatzes im öffentlichen Raum bis hin zur Intensivstation einer Klinik – übernimmt ebenfalls das Amt für Gesundheit.

Für eine Großstadt am Meer spielt dabei Hygiene nicht nur an Land, sondern auch auf Schiffen eine wichtige Rolle. Kiel ist inzwischen ein beliebter Anlaufpunkt für Fähr- und Kreuzfahrtschiffe mit einem entsprechend hohen Passagieraufkommen – in 2017 waren es über 2,1 Millionen Menschen.

Dies erfordert eine hohe personelle und apparative Ausstattung des Hafenärztlichen Dienstes. Dazu gehört auch eine ständige Rufbereitschaft der Hafenhygiene-Kontrolleurinnen und Kontrolleure und der Ärzte und Ärztinnen im Infektionsschutz. Bei Ausbruchslagen an Bord gilt es, Maßnahmen zur Versorgung von Passagieren und Besatzung einzuleiten und die Bevölkerung an Land vor Ansteckung zu schützen.

Kindergesundheit hat Priorität

Eine Stadtgesellschaft, die zukunftsfähig sein möchte, ist auf gesunde Kinder und Jugendliche angewiesen. Frühzeitige Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsförderung sind somit eine zentrale Aufgabe für soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und die Eröffnung von Bildungsmöglichkeiten.

Der letzte Bericht zur Gesundheit von Kieler Schulanfängerinnen und Schulanfängern zeigt, dass auch in Kiel Gesundheitsrisiken noch sehr ungleich verteilt sind. Beim Thema Zahngesundheit und Übergewicht wird deutlich, dass in den Ortsteilen mit hohem Migrationsanteil und einem hohen Anteil an Transferleistungen die Zahlen für Übergewicht und Karies bei Kindern und Jugendlichen deutlich höher liegen als in anderen Ortsteilen.

Hier gilt es, wirksame Präventionsmaßnahmen im Zusammenwirken mit den interdisziplinär besetzten Elternberatungsstellen im Rahmen der sogenannten Frühen Hilfen, dem Zahnärztlichen Dienst und den Familienzentren weiter auszubauen.

Ältere Menschen

Eine besondere Herausforderung für die Erreichung der Ziele von SDG 3 stellt in Deutschland der demografische Wandel dar: um Armut, Isolation und Fremdbestimmtheit im Alter zu begegnen, müssen Wohnungen und Quartiere altersgerecht gestaltet, ärztliche Versorgung dezentral und ambulant bereitgestellt sowie die häusliche Pflege so lange wie gewünscht im vertrauten Umfeld gewährleistet und bezahlbar werden.

Zu allen altersrelevanten Fragen informiert und berät die Leitstelle „Älter werden“. Mit der sozialraumorientierten Pflegebedarfs- und Infrastrukturplanung entwickelt die Leitstelle zudem eine bedarfsgerechte Angebotsstruktur für Menschen im Alter mit dem Ziel, Teilhabe, Selbstbestimmung und Selbstständigkeit auch in dieser Lebensphase zu erhalten.

Seniorinnen und Senioren gehören zudem zu der Bevölkerungsgruppe, die in Kiel besonders armutsgefährdet ist. Altersarmut kann ein großer Risikofaktor für die psychische und physische Gesundheit sein. Entsprechend hat die Stadt Kiel gemeinsam mit Kirchen, Wohlfahrtsverbänden, einer Stiftung und Parteien ein „Bündnis gegen Altersarmut“ initiiert, das dieser wachsenden Herausforderung begegnen möchte. 

Gesunde Städte-Netzwerk

Seit dem Jahr 2002 ist Kiel Mitglied im Gesunde Städte-Netzwerk (GSN), das gesundheitsfördernde Maßnahmen mit innovativen Methoden umsetzen möchte. Bei regionalen und überregionalen Treffen tauschen sich die städtischen Gesundheitsexpertinnen und –experten über Projekte und Ansätze aus und diskutieren in Workshops fachliche Fragen. In den jährlich bundesweit erscheinenden GSN-Nachrichten informiert die LH Kiel über ihre Aktivitäten. 


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