Bildung ist der Schlüssel

Was können wir tun, um unser Bildungssystem gerechter zu machen? Wie können alle jungen Menschen profitieren? Wie lassen sich Talente ein Leben lang fördern? Das ist das Thema von SDG 4.

Warum ist die Stadt Kiel zuständig?

Bildung ist entscheidend dafür, ob Menschen die Chance erhalten, ihre Fähigkeiten zu entfalten, ihre beruflichen Ziele zu verwirklichen, ein gutes Einkommen zu erzielen und an der Gesellschaft aktiv teilzuhaben. Das SDG 4 zielt auf eine inklusive, gleichberechtigte, hochwertige und lebenslange Bildung. Es orientiert sich am Konzept des lebenslangen Lernens und umfasst damit alle Phasen von der frühkindlichen Erziehung bis zur Erwachsenenbildung und berücksichtigt auch die Qualität der Bildung.

Auch die Gleichstellung der Geschlechter und Inklusion, sowie die Bekämpfung des Analphabetismus sind wichtige Ziele dieses nachhaltigen Entwicklungszieles. Daran arbeitet auch die Kieler Stadtverwaltung im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten. Im Schulterschluss mit dem Land Schleswig-Holstein.

Baustelle soziale Ungleichheit

Auch im deutschen Bildungssystem gibt es noch einige große Herausforderungen: so hängt zum Beispiel der schulische Erfolg von Kindern in Deutschland sehr viel stärker von der sozialen Herkunft ab als in anderen Ländern.

Das ist auch in Kiel der Fall. Anhaltende Unterschiede bestehen auch zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen bei den erreichten Schulabschlüssen. Ausländische Jugendliche verlassen mehr als doppelt so häufig das Schulsystem ohne Hauptschulabschluss und erreichen dreimal seltener die Hochschulreife.

Zudem sind etwa 7,5 Millionen Menschen in Deutschland funktionale Analphabeten. In Kieler Schülerzahlen ausgedrückt heißt dies für das Schuljahr 2016/17, dass von insgesamt 960 Schüler*innen der 9. Und 10. Abgangsklassen an den allgemeinbildenden Schulen 65 Personen (6,77 Prozent) ohne ersten Schulabschluss (ESA) die Schule verlassen haben.

Das tut die Stadt – Bildung für alle

Bildungsregion Kiel

Die Landeshauptstadt Kiel sieht in Bildung eine ganz zentrale Voraussetzung für jede*n Bürger*in, um selbstbestimmt und selbstwirksam leben zu können, um berufliche Perspektiven zu entwickeln und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Darüber hinaus ist Bildung auch für die wirtschaftliche, soziale und ökologische Stabilität der gesamten Kiel Region von entscheidender Bedeutung.

Um besonders Schulen in Schleswig-Holstein zu fördern hat sich Bildungsministerin Karin Prien (CDU) für ein Bildungsbonus-Programm ausgesprochen, bei dem insgesamt 20 Schulen bis 2024 jedes Jahr einen Bildungsbonus erhalten werden. Ab dem neuen Schuljahr erhalten diese Schulen, darunter neun in Kiel und jeweils zwei in Neumünster und Rendsburg, je 230.000 Euro zusätzlich, die von den Schulen eigenständig eingesetzt werden können.

Um einen umfassenden Überblick über den Bedarf an kommunalen Handlungsfeldern zu identifizieren, gibt es seit 2013 jährlich eine systematische Bildungsberichterstattung - genannt Bildungsmonitoring - zu ausgewählten Schwerpunktthemen in der Bildungsregion Kiel. Dabei arbeiten die relevanten Referate und Ämter der Landeshauptstadt eng zusammen mit anderen Akteur*innen der Bildungsregion. Hier finden Sie die aktuellen Zahlen, Daten und Fakten für Kiel.
 

Das haben wir davon – hier liegt unsere Zukunft

Jugendliche forschen am Strand
Junge Kieler*innen erforschen den Strand - Foto: LH Kiel Grit Hiersemann

Frühkindliche Bildung

Ein Schwerpunktthema der Bildungsregion Kiel ist die Elternbildung und frühkindliche Bildung, wobei auch ein besonderes Augenmerk auf die Situation von neuzugewanderten Menschen gelegt wird. Zentral für die Chancengerechtigkeit aller Kinder ist der frühzeitige Erwerb der deutschen Sprache. Deswegen wird die Sprachförderung sowohl in den Kitas als auch in den Gemeinschaftsunterkünften in Kooperation mit verschiedenen Trägern durch besondere Angebote ausgebaut.

Sehr positiv entwickelt hat sich die Anzahl der Beratungen im Bereich Elternbildung und Frühkindliche Bildung, vor allem auch durch die neu aufgebauten Familienzentren in Kiel.

Wie in anderen deutschen Städten auch, ist es in Kiel eine große Herausforderung, dass jedes Kind mit Betreuungsbedarf einen Platz in einer Krippe, Kita- oder betreute Grundschule erhält. Hier ist der Bedarf zurzeit noch höher als das Angebot, die Stadt arbeitet aber mit Hochdruck daran, insbesondere die Kita- und Krippenplätze weiter auszubauen. Dies wird im Masterplan „Frühkindliche Bildung“ ausführlich beschrieben.

Übergang von Schule in Beruf verbessern

Am 1. Februar 2017 wurde die Kieler Jugendberufsagentur (JBA) mit Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung der beteiligten Institutionen gegründet. Gemeinsam kümmern sich die Agentur für Arbeit Kiel, die Landeshauptstadt Kiel, das Jobcenter Kiel, das Schulamt der Landeshauptstadt sowie die drei Regionalen Berufsbildungszentren (RBZ) darum, dass möglichst keine Jugendlichen auf dem Weg von der Schule ins Arbeitsleben verloren gehen.

Integration von jungen Geflüchteten

Seit 2015 sind in Kiel zahlreiche niedrigschwellige und bedarfsorientierte Projekte und Angebote für geflüchtete Kinder und ihre Familien entstanden. Auch wurden Kapazitäten im Rahmen des DaZ-(Deutsch als Zweitsprache) Systems in den Schulen massiv ausgebaut und außerschulische Integrationskurse für Erwachsene wurden stark aufgestockt.

Großen Handlungsbedarf gibt es jedoch noch für die Gruppe junger volljähriger Geflüchteter, die aufgrund rechtlicher Gegebenheiten von Integrationskursen und Leistungen der Arbeitsförderung ausgeschlossen sind. Hier ist die Stadtgesellschaft mit ehrenamtlichem Engagement gefordert.

Kiel engagiert sich nachhaltig

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Im Rahmen des SDG 4 haben sich die Regierungen weltweit auch dazu verpflichtet, den Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) künftig verstärkt zu fördern. Die Bundesregierung hat hierzu in 2017 einen nationalen Aktionsplan verabschiedet und möchte zukünftig auch die Kommunen darin unterstützen, BNE strukturell und ganzheitlich voranzubringen.

Bildung für nachhaltige Entwicklung ermöglicht es den Menschen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und stärkt damit nicht nur die Eigenverantwortung der Bürger*innen, sondern auch die Innovationsfähigkeit und das Demokratieverständnis einer Stadtgesellschaft.

Das Klimaschutzteam Kiel bietet bereits spannende Bildungsangebote für Schulen im Bereich Klima- und Umweltschutz. Es fehlt in der Landeshauptstadt bisher aber noch an einer systematischen Verankerung von BNE in allen Bildungsbereichen.

Kiel als Wissenschaftsstandort

Kiel hat knapp 35 000 Studierende und ist Heimat einer Vielzahl renommierter Bildungs- und Forschungsinstitutionen. Dazu zählen beispielsweise die Christian-Albrechts-Universität (CAU), die Fachhochschule (FH), die Muthesius Kunsthochschule (MKH), die Duale Hochschule Schleswig-Holstein (DHSH), das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), das Institut für Weltwirtschaft oder das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, das weltweit führend in der Meeres- und Klimaforschung ist. 

Geomar
Das Geomar Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung an der Kiellinie - Foto: LH Kiel, Annette Wiese-Krukowska

An der CAU gibt es sogar eine eigene Kiel School of Sustainability, die fünf verschiedene Masterstudiengänge im Bereich Nachhaltigkeit anbietet. Das Koordinationsbüro „klik - klima konzept 2030“ initiiert und begleitet an der CAU Umwelt- und Klimaschutzaktivitäten. Das Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen - PerLe setzt unter anderem Impulse für Bildung für Nachhaltige Entwicklung als Querschnittsthema für die Lehre an der gesamten CAU.

Im Rahmen von „Wissenschafftzukunft“, einer Kooperation der Landeshauptstadt Kiel mit allen Wissenschaftseinrichtungen finden regelmäßig spannende Bildungsangebote für die Kieler*innen statt.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Deutsche UNESCO-Kommission haben herausragende Bildungsinitiativen für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet, darunter auch einen Bildungsort in Kiel. Das RBZ Wirtschaft Kiel erhielt am 27. November 2018 eine Auszeichnung für sein Engagement für Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Bildung als Schlüssel zur Veränderung

Um die SDGs der Vereinten Nationen auch jungem Publikum näher zu bringen, kann bald die SDG Entdecker App genutzt werden. Die App, die noch in Entwicklung ist, wurde 2018 beim SDG-Ideenwettbewerb des Rates für nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung als förderwürdig ausgezeichnet. Mit kreativen Aufgaben sollen die Inhalte der SDGs Jugendlichen vermittelt werden.

Einen neuen Ansatz bietet das Programm Bildung trifft Entwicklung (BtE), das in Zusammenarbeit mit Frauke Wiprich (Büro des Stadtpräsidenten) Nachhaltigkeit an die Schulen bringen will. In kostenlosen Workshops können Schüler*innen alles über die globalen Nachhaltigkeitsziele der UN lernen.


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Grafik Hochwertige Bildung
Logo The Global Goals for sustainable Development
Kontakt

Stefanie Skuppin
Leiterin des Büros des Stadtpräsidenten

0431 901-3040


 
Frauke Wiprich
Koordinatorin kommunale Entwicklungspolitik

0431 901-2504