Nachhaltiges Kiel

Guter Ort für gute Arbeit

Der Privatsektor ist ein unerlässlicher Partner für die Erreichung nachhaltiger Ziele. Ohne die Wirtschaft geht es nicht. Städte und Kommunen sind gleichzeitig Auftraggeber. Kontrollorgan. Und Netzwerkpartner.

SDG 8 handelt von guter Arbeit. Gerechten Löhnen. Und nachhaltigem Wirtschaftswachstum.

Warum ist die Stadt Kiel zuständig?

Das achte Nachhaltigkeitsziel SDG 8 verlangt im Wortlaut, „dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle“ zu fördern. Um das zu erreichen, müssen privatwirtschaftliche Unternehmen mitspielen. Und mit der öffentlichen Hand zusammenarbeiten.

In der Praxis kann das heißen, dass ein Unternehmen in Bezug auf SDG 8 Prioritäten setzt, indem es existenzsichernde Löhne für alle Mitarbeiter*innen an allen Produktionsstandorten weltweit bezahlt.

Kiel handelt wie ein Unternehmen

Für Kommunen und Städte kann das heißen, dass sie in Bezug auf kommunale Beschaffung und Auftragsvergabe Prioritäten im Sinne von ressourcenschonendem Umgang mit der Umwelt setzen und fair gehandelte Produkte einkaufen. Oder die Entwicklung nachhaltiger Geschäftsideen mit geeigneten Förderprogrammen unterstützen. Sowie als bedeutende Arbeitgeber soziale Standards setzen.

Hier sind Städte und Kommunen – im unternehmerischen Sinne – gefragt, die Auswirkungen ihres Handelns zu erheben, sich ehrgeizige Ziele zu setzen und ihre Fortschritte transparent zu kommunizieren. Kiel hat diese Herausforderung angenommen.

Kiels Tradition als Arbeiterstadt

Kiel hat eine lange Tradition als Industriestandort und Arbeiterstadt. Schiff- und Maschinenbau, zudem Wehrtechnik und die Marine waren lange Zeit prägende Arbeitsumgebungen für die Bevölkerung Kiels. Neben dem Wirtschaftswachstum fordert das SDG 8 menschenwürdige Arbeitsbedingungen.

Im Kampf um soziale Arbeitnehmer*innen-Rechte hat Kiel eine lange Tradition vorzuweisen. Der Arbeiter- und Soldatenrat – der als Organisation aus dem Kieler Matrosenaufstand hervorging – wurde 1918 gegründet. Ein Jahr bevor die Vereinten Nationen im Jahr 1919 die Sonderorganisation Internationale Arbeitsorganisation (ILO) mit Hauptsitz in Genf gründeten.

Das tut die Stadt – Kieler Wirtschaft

Wie andernorts auch, ist der industrielle Bereich in den vergangenen Jahrzehnten geschrumpft. Inzwischen werden 85 Prozent der Wirtschaftsleistung in Kiel im Dienstleistungssektor erzeugt.

Das ist alles, was weder Produktion noch öffentlicher Dienst ist: beispielsweise Handel, technische und kreative Dienstleistungen, Handwerk oder Pflege.

Die Digitalisierung stellt Kiel vor einige Herausforderungen - und bietet große Chancen.

Digitale Strategie Kiel
Die Landeshauptstadt Kiel will den digitalen Wandel gestalten und unsere Stadt auf die Zukunft bestmöglich vorbereiten. Dafür haben wir eine digitale Strategie entwickelt mit konkreten Maßnahmen und Umsetzungs­vorschlägen.

Ökologische Herausforderungen bewältigen

Kiel bietet beste Bedingungen für Wachstumsbranchen wie die Gesundheitswirtschaft, die digitale Wirtschaft und Kreativwirtschaft, die erneuerbaren Energien und das produzierende Gewerbe. Der Kieler Hafen befindet sich in einem äußerst wettbewerbsintensiven Umfeld und ist insgesamt auf Wachstumskurs. Mit dem aktuellen Konzept „Blue Port“ zeigt die Landeshauptstadt auf, wie die daraus folgenden Herausforderungen im Umweltbereich angegangen werden - beispielsweise durch den Bau von Landstromanlagen, die zu einer deutlichen Reduzierung der Abgase beitragen werden.

Wirtschaftsleistungen hervorheben

Aber auch die Kieler Privatwirtschaft ist aktiv: Der Handels- und Industriepark (HIP) in Wellsee ist mit ca. 160 ha der Gewerbeschwerpunkt der Region Kiel. Hier haben sich über 200 Unternehmen aus den verschiedensten Branchen angesiedelt und in dem großzügig angelegten Areal ihre Produktions- und Arbeitsstätte gefunden. Nun haben sich mehrere Mitglieder der Energieeinkaufsgemeinschaft dazu entschlossen, nur noch Strom aus erneuerbaren Energien zu beziehen. Mit diesem Wechsel wollen sie einen deutlichen Beitrag leisten, um das CO2-Ziel zu erreichen.

Innovationen beflügeln

Künstler*innen, Start-ups, Kreative - in den vergangenen Jahren hat sich in Kiel eine innovationsfreudige und lebendige Szene entwickelt, aus der heraus spannende Initiativen und vielversprechende Unternehmungen entstanden sind. Dazu zählen zum Beispiel die Alte Mu oder der AnscharCampus. Die sogenannten „Innovation-Hubs“ sind Orte, an denen CoWorking-Spaces, Projekte, Initiativen, Kunst- und Kreativwirtschaft sowie gemeinnützige Vereine zusammenkommen und für eine solidarische und nachhaltige Stadtentwicklung eintreten.

Kreativzentren ermöglichen

Das Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Akteure und Aktricen - unter anderem die Kiel School of Sustainability, die Starterkitchen im Wissenschaftspark, das Bildungscluster opencampus.sh, der Muthesius Transferpark im Anscharpark - schafft beste Voraussetzungen dafür, Kiel zu einem richtigen Gründerort zu machen und kreative Talente auch nach dem Examen in Kiel zu halten. Die Landeshauptstadt Kiel unterstützt dies explizit mit unterschiedlichen Förderinstrumenten.

Technologie- und Gründerzentren unterstützen

Wichtige Institutionen in der Kieler Wirtschafts- und jungen Start-up Szene sind die KiWi - die Kieler Wirtschaftsförderung. Sowie die KielRegion. Beide sind im Kieler Wissenschaftspark angesiedelt und Partner des Kieler Wissenschaftszentrums, das seit 2008 existiert. Die KiWi ist Schirmherrin des Waterkant Festivals und der Starterkitchen. OpenCampus ist ein Projekt der KielRegion. Und beide rocken viele Veranstaltungen mehr! Beispielsweise Gründer-Wettbewerbe, das Frauen-BarCamp oder das Kieler Innovationsfestival.

Das älteste Ideenzentrum (seit 1996!) der Stadt ist das Kieler Innovations- und Technologiezentrum (KITZ), das einen Standort für junge Unternehmen bei ihrem Start in den Markt bietet. Im Technologiezentrum sind Existenzgründer genauso willkommen wie junge, technologieorientierte Unternehmen. Im Juni 2019 war der Spatenstich für den offiziellen Erweiterungsbau des Kitz, um jungen Absolvent*innen noch mehr Raum für ihre Ideen bereit zu stellen.

Der Landeshauptstadt geht es wirtschaftlich gesehen zurzeit gut. Bei einer Einwohnerzahl von knapp 250 000 beträgt die Zahl der Erwerbstätigen etwa 170 000 (2017). Die Arbeitslosigkeit liegt auf dem niedrigsten Niveau seit 20 Jahren.

Die zwei großen Werften in Kiel, Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) und German Naval Yards sind für viele Menschen in Kiel und Umgebung nach wie vor ein wichtiger Arbeitgeber. Auch viele Zulieferer, IT-Firmen, Ingenieursbüros oder Meeres- und Unterwassertechnik-Spezialisten sind eng verflochten mit den Schiffbaubetrieben.

Sie alle profitieren davon, dass sich die beiden großen Kieler Werften trotz Krise in der Schifffahrt behaupten und ihr Geschäft ausweiten konnten.

Werft
Das Gelände der German Naval Yards bei Nacht. Foto: LH Kiel, Michael Dietrich

Das haben wir davon – Waffeln statt Waffen

Alte und Neue Wirtschaft in Kiel

Doch selbst wenn – vielleicht noch? – etliche Rüstungsaufträge einen Teil der Kieler Wirtschaftsleistung ausmachen und der Fährverkehr und der Kreuzfahrttourismus unsere Innenstadt und die Kieler Förde umweltbelasten, ist es positiv zu bewerten, dass andererseits wichtige Elemente der Agenda 2030 und der nachhaltigen Entwicklungsziele in der Start-up Szene oft ganz selbstverständlich mitgedacht und gelebt werden.

Dass nicht nur Junge Wilde sich auf Veränderung einlassen können, haben übrigens schon die Alten gezeigt (nur reden die nicht so gern darüber!) – beispielsweise hat die Kieler Firma Walter Werk, die in ihrer Gründerzeit in den 1930er Jahren noch Antriebe für U-Boote und Flugzeuge baute, Ihre Produktion bereits kurz nach Kriegsende1951 auf Eiswaffel-Backstraßen umgestellt. Und ist mit dieser blühenden Geschäftsidee heute Weltmarktführer!

Eiswaffel mit Blüten
Vom Kriegs- zum Friedensgeschäft – die Firma Walter Werk produziert nachhaltig im Sinne von SDG 16 (Frieden) seit 1951 Eiswaffel-Backmaschinen statt U-Boot-Antriebe und bedient erfolgreich SDG 8 als verlässlicher Kieler Arbeitgeber. - Foto: pixel2013, Pixabay

Kiel international – SDG 8 und Nachhaltigkeit

Das SDG 8 wird häufig als das widersprüchlichste nachhaltige Entwicklungsziel herausgestellt: kann es wirklich ein dauerhaftes - also endloses - Wirtschaftswachstum geben, das gleichzeitig nachhaltig ist?

Auch in Kiel ist die Situation für Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen noch nicht zufriedenstellend. Zudem liegt der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern mit 22 Prozent sehr hoch und muss dringend angegangen werden. Und kollidieren nicht andere Nachhaltigkeitsziele wie Klimaschutz, Meeresschutz und andere ökologische Ziele mit der Forderung von SDG 8 nach dauerhaftem Wirtschaftswachstum?

 Weltwirtschaft - made in Kiel

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) ist eine traditionsreiche und international bekannte Forschungs- und Beratungseinrichtung. Eines der aktuellen Forschungsprojekte „Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel“ befasst sich explizit mit der Frage wie ein nachhaltigeres Wirtschaftswachstum erreicht werden kann.

Jedes Jahr verleiht das IfW während der Kieler Woche und in Kooperation mit der Landeshauptstadt Kiel und der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein den weltwirtschaftlichen Preis an herausragende Vordenkerinnen und Vordenker einer weltoffenen, marktwirtschaftlichen und sozialen Gesellschaft.

Im Jahr 2018 gehörte dazu auch Bas van Abel, der Gründer des Fairphones. Im Jahr 2013 wurde Gro Harlem Brundtland ausgezeichnet. Die ehemalige Ministerpräsidentin Norwegens leitete unter anderem auch die Klima- und Umwelt- Kommission der Vereinten Nationen und gilt als eine der wichtigsten Nachhaltigkeitspionierinnen weltweit.


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Koordinatorin kommunale Entwicklungspolitik

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