Nachhaltiges Kiel

Kein Hunger

Es ist kaum zu glauben, aber eine traurige Wahrheit: im Jahr 2018 gibt es noch 815 Millionen Menschen auf dieser Welt, die von chronischer Mangelernährung betroffen sind. Bei uns hingegen besteht vor allem das Problem der Nahrungsmittelverschwendung.

Ein zu geringes Einkommen als Hauptursache für Hunger

Hauptziel des SDG 2 ist es, bis 2030 den Hunger auf der Welt zu beenden. Theoretisch gesehen, müsste kein Mensch auf dieser Welt hungern, denn es sind genug Lebensmittel für alle vorhanden. Aber sie werden zum einen falsch verteilt und zum anderen haben viele Menschen einfach nicht genug Einkommen, um sich qualitativ gut und ausreichend zu ernähren. Selbst in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, braucht es gemeinnützige Aktionen wie zum Beispiel die Tafeln.

Hier in Kiel gibt es zudem die Aktion „Mach Mittag“, die garantieren möchte, dass alle Kinder eine warme Mittagsmahlzeit bekommen. Denn die Familien von rund 2.300 Kindern in Kiel können sich den einen Euro Zuzahlung pro Mittagessen, der in den Kieler Schulmensen anfällt, nicht leisten.

Nahrungsmittelverschwendung muss angegangen werden

Ein anderes großes Problem ist das Thema Nahrungsmittelverschwendung. Die Welternährungsorganisation schätzt, dass weltweit ungefähr 30 Prozent des Getreides, 40 bis 50 Prozent des Gemüses und der Früchte, 20 Prozent der Fleisch- und Molkereiprodukte und 35 Prozent der gefangenen Fische verderben oder verloren gehen.

Daran ist einerseits unser verschwenderischer Umgang mit Nahrungsmitteln schuld, anderseits fehlen in ärmeren Ländern oft auch die Ressourcen und das Know-how für Lagerung, Verpackung, Transport und Kühlung.

In Kiel gibt es die Initiative Resteritter, die Lebensmittel retten, diese nachhaltig verwerten und mit dem Gewinn soziale Initiativen unterstützen.

Regionale und nachhaltige Landwirtschaft fördern

Das SDG 2 betont auch wie wichtig ein Umdenken in der Landwirtschaftspolitik ist. Diese ist vor allem auf Effizienz, Massenproduktion und Kostenvorteile ausgerichtet. Anstatt für den Menschen in der jeweiligen Region wird für den globalen Markt produziert.

Das hat negative Folgen für uns und die Menschen im globalen Süden: natürliche Lebensgrundlagen wie Boden, Wasser und biologische Vielfalt werden ausgebeutet und zerstört und die hohen Treibhausgasemissionen der industrialisierten Landwirtschaft heizen den Klimawandel an.

Die Marktmacht konzentriert sich zunehmend bei großen Agrar- und Lebensmittelkonzernen, während kleine und mittlere Landwirtschaftsbetriebe kaum noch existieren können.

Kieler Ernährungsrat macht sich stark für kommunale Ernährungspolitik

Sehr spannend ist vor diesem Hintergrund eine Bewegung, die gerade rasante Fahrt in Deutschland, aber ganz konkret auch in Kiel aufnimmt und zum Teil an Konzepte aus lange vergangenen Zeiten anknüpft: die kommunale Ernährungspolitik.

Denn immer mehr Menschen sind enttäuscht von einer global ausgerichteten Lebensmittel- und Landwirtschaftspolitik, die regionale Bedürfnisse ignoriert. Sie wollen eine Lebensmittelversorgung, die weder Umwelt noch Tiere noch Landwirte schädigt und die gesunde, regional produzierte Nahrungsmittel bereitstellt.

Hier engagiert sich der Anfang 2018 gegründete Kieler Ernährungsrat, der zum Ziel hat, dass sich Kiel künftig regionaler und gesünder ernährt. Dafür gilt es, Stadt und Umland besser miteinander zu vernetzen, die kleinen produzierenden Betriebe im Umland zu unterstützen, eng mit Schulen, Kindergärten, Kieler Kantinen und Einzelhändlern zusammen zu arbeiten und urbane Gärten zu fördern.


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Kontakt

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Leiterin des Büros des Stadtpräsidenten

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Koordinatorin kommunale Entwicklungspolitik

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