Nachhaltiges Kiel

Hunger tut uns allen weh

Kaum zu glauben – aber wahr. In Kiel gibt es circa 2.300 Kinder, deren Familien es sich nicht leisten können, 1 Euro Zuzahlung für das Mittagessen in der KiTa und in Schulmensen zu bezahlen. Hier hat Kiel sich engagiert.

Warum ist die Stadt Kiel zuständig?

Weil es auch in Kiel Menschen gibt, die nicht genug Geld haben, um sich und ihren Kindern jederzeit ausreichend und qualitativ gutes Essen zu kaufen. In ganz Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, braucht es beispielsweise trotz vorhandener staatlicher Sozialsysteme seit vielen Jahren gemeinnützige Aktionen wie die Tafeln, um die schlimmsten Notlagen abzumildern.

Hauptziel des SDG 2 ist es, bis 2030 den Hunger auf der Welt zu beenden. Theoretisch gesehen müsste zwar kein Mensch auf dieser Welt hungern, denn es sind genug Lebensmittel für alle vorhanden. Nur werden diese zum einen falsch verteilt und zum anderen haben viele Menschen nicht genug Einkommen, um sich entsprechend gut ernähren zu können.

Lebensmittel
Die Tafel Kiel e.V. gibt zur Zeit an circa 2000 Kieler Haushalte Lebensmittel ab, die in Supermärkten ansonsten weggeworfen würden. - Foto: Mittmac, Pixabay

Das tut die Stadt – gegen Kieler Kinderhunger

Ein Beispiel, wie Kiel zusammenhält und sogar über die Stadtgrenzen hinaus wirksam wird, ist die Aktion „Mach Mittag“, die seit 2011 Spendengelder sammelt. „Mach Mittag“ übernimmt den Elternanteil von einem Euro pro Mittagessen, wenn Familien sich diesen Anteil nicht leisten können. Die Kieler Ex-Oberbürgermeisterin Angelika Volquarz hatte die Aktion noch zu ihrer Amtszeit 2008 initiiert und ist seitdem Botschafterin des Vereins. Ebenso wie Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer und viele andere Akteure der Kieler Stadtgesellschaft.

Die gute Nachricht: Ab September 2019 werden private Spendengelder nicht mehr notwendig sein, um die Finanzierungslücke von 1 Euro pro Kind und Mittagessen zu schließen. Ab 01.09.2019 tritt das im Bundesausschuss beschlossene „Starke-Familien-Gesetz“ in Kraft. Alle bedürftigen Kinder erhalten in der Schule und im Hort eine warme Mahlzeit - ohne Zuzahlung.

Regional und nachhaltig - Essen ist Genuss und Freude

Das SDG 2 betont auch wie wichtig ein Umdenken in der Landwirtschaftspolitik ist. Diese ist vor allem auf Effizienz, Massenproduktion und Kostenvorteile ausgerichtet. Anstatt die Menschen in der jeweiligen Region zu versorgen wird häufig für den globalen Markt produziert. Die Marktmacht konzentriert sich zunehmend bei großen Agrar- und Lebensmittelkonzernen, während kleine und mittlere Landwirtschaftsbetriebe kaum noch existieren können. Diesen Trend wollen wir in Kiel aufhalten. Und eine regionale und nachhaltige Lebensmittelversorgung fördern.

Wie eine zukunftsfähige, genussvolle und für alle bezahlbare regionale Lebensmittelversorgung aussehen könnte, hat das Lüst-Festival hinterfragt, das im Mai 2019 auf dem Gelände der lille Brauerei in Kiel stattfand. In Vorträgen, Workshops und an Marktständen wurde regionale Ernährung zu einem kulinarischen Erlebnis. Kiel is(s)t schon heute mit großer Lust regional und nachhaltig.

Regionale Landwirtschaft
Regionale und nachhaltige Landwirtschaft fördern. - Foto: Wobogre, Pixabay

Das haben wir davon – Kieler Ernährungsrat

Gesunde, saisonal und regional produzierte Lebensmittel einzukaufen ist für Städter gar nicht so einfach. Insbesondere dann, wenn’s auch noch Bio sein soll. Sehr spannend vor diesem Hintergrund ist eine Bewegung, die nicht ganz neu ist, jedoch gerade aktuell wieder rasante Fahrt aufnimmt: in Deutschland und ganz konkret auch in Kiel - die kommunale Ernährungspolitik.

Denn immer mehr Menschen sind enttäuscht von einer global ausgerichteten Lebensmittel- und Landwirtschaftspolitik, die regionale Bedürfnisse ignoriert. Sie wollen eine Lebensmittelversorgung, die weder Umwelt noch Tiere noch Landwirte schädigt und die gesunde, regional produzierte Nahrungsmittel bereitstellt.

Hier engagiert sich der Anfang 2018 gegründete Kieler Ernährungsrat, der zum Ziel hat, dass sich Kiel künftig regionaler und gesünder ernährt. Dafür gilt es, Stadt und Umland besser miteinander zu vernetzen, die kleinen produzierenden Betriebe im Umland zu unterstützen, eng mit Schulen, Kindergärten, Kieler Kantinen und Einzelhändlern zusammen zu arbeiten und urbane Gärten zu fördern.

Kiel engagiert sich für globale Ziele!

Wie die Welthungerhilfe berichtete, waren im Jahr 2018 weltweit 821 Millionen Menschen von chronischer Mangelernährung betroffen. Dies ist zum einen ein Armutsproblem - ein zu geringes Einkommen ist der Hauptgrund für Hunger. Andererseits handelt es sich um ein weltweites Verteilungsproblem.

In der westlichen Welt - so auch in Kiel - haben wir vor allem ein Problem mit der Nahrungsmittelverschwendung. Die Welternährungsorganisation schätzt, dass weltweit ungefähr 30 Prozent des Getreides, 40 bis 50 Prozent des Gemüses und der Früchte, 20 Prozent der Fleisch- und Molkereiprodukte und 35 Prozent der gefangenen Fische verderben oder verloren gehen.

Daran ist einerseits unser verschwenderischer Umgang mit Nahrungsmitteln schuld, anderseits fehlen in ärmeren Ländern oft auch Ressourcen für Lagerung, Verpackung, Transport und Kühlung.

In Kiel gibt es beispielsweise die Initiative Resteritter, die Lebensmittel retten, diese nachhaltig verwerten und mit dem Gewinn soziale Initiativen unterstützen. Für ihren Weitblick und ihr Engagement wurden die Initiatoren mit dem IB.SH-Nachwuchspreis des Nachhaltigkeitspreises Schleswig-Holstein 2019 ausgezeichnet.


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