Luftreinhaltung

Akut: Luftreinhalteplanung für den Theodor-Heuss-Ring

Ballungsräume sind aufgrund des höheren Verkehrsaufkommens und der größeren Zahl an gewerblichen wie industriellen Emittenten im Vergleich zu Umlandgemeinden meist von stärkeren Luftschadstoffbelastungen betroffen. Gleichwohl ist die Luftqualität in Kiel im Vergleich zu anderen Ballungsräumen als gut zu bezeichnen, Belastungen sind auf wenige, kleinräumige Abschnitte beschränkt.

Die höchsten Belastungen in Bezug auf die typischen verkehrsbedingten Schadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide werden in der Nähe von stark befahrenen Straßen gemessen. Mit zunehmender Entfernung von der Fahrbahn verringert sich die Schadstoffkonzentration bereits deutlich.

Auch aufgrund anderer Schadstoffquellen muss im gesamten Stadtgebiet mit einer nicht verkehrsbeeinflussten Grundbelastung gerechnet werden. Diese wird als städtische Hintergrundbelastung bezeichnet und ist typisch für städtische Wohngebiete.

Der Luftreinhalteplan

Der aktuelle Luftreinhalteplan Kiel für den Bereich Bahnhofstraße zwischen Schwedendamm und Joachimplatz wurde im Juli 2009 durch das Umweltministerium des Landes Schleswig-Holstein in Kraft gesetzt.

Am Theodor-Heuss-Ring zwischen Krusenrotter Weg und Dithmarscher Straße werden nun an der Luftmessstation des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) seit mehreren Jahren Stickstoffdioxidkonzentrationen gemessen, die die Immissionsgrenzwerte weit überschreiten.

 

Immissionsgrenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2)

 

  • Der über ein Kalenderjahr gemittelte Immissionsgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) beträgt 40 µg/m³.
  • Der über eine volle Stunde gemittelte Immissionsgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) beträgt 200 µg/m³ bei 18 zugelassenen Überschreitungen im Kalenderjahr.

 

Werden Immissionsgrenzwerte für Schadstoffe überschritten, so sind entsprechend § 27 der Verordnung über Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen (39. BImSchV) Luftreinhaltepläne durch die zuständigen Behörden zu erstellen. 

 

Stickstoffdioxid - Jahresmittelwerte
Stickstoffdioxid: Jahresmittelwerte
Station
Grenzwert
µg/m³
2013
µg/m³
2014
µg/m³
2015
µg/m³
2016
µg/m³
2017
µg/m³

Theodor-Heuss-Ring406764656556
Bahnhofstraße403737414241
Stickstoffdioxid: Anzahl der Überschreitungen der Stundenwerte > 200 µg/m³
Stickstoffdioxid: Anzahl der Überschreitungen der Stundenwerte > 200 µg/m³
StationGrenzwert20132014201520162017
Theodor-Heuss-Ring189112080
Bahnhofstraße1820000

Hauptverursacher für die Grenzwertüberschreitungen ist das hohe Verkehrsaufkommen auf dem Theodor-Heuss-Ring (~ 100.000 Kraftfahrzeuge an Werktagen) und der hohe Anteil an Diesel-Kraftfahrzeugen. 

 

Auf Grund der dauerhaften Überschreitung der Luftqualitätsgrenzwerte für Stickstoffdioxid muss der bestehende Luftreinhalteplan aus dem Jahr 2009, der bislang nur einen Abschnitt der Bahnhofstraße berücksichtigt, zwingend um den Theodor-Heuss-Ring zwischen Krusenrotter Weg und Dithmarscher Straße erweitert und fortgeschrieben werden.

Der derzeit gültige Luftreinhalteplan für Kiel  

 

Luftreinhaltepläne werden in Schleswig-Holstein durch das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND) aufgestellt. Zuständig für die
Überwachungsmessungen ist das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR).

Der derzeit gültige Luftreinhalteplan für Kiel

Arbeitspapier zur Fortschreibung des Luftreinhalteplans Kiel (MELUND, 05/2018)

 

Zur Verbesserung der Luftqualität in Kiel und speziell am Theodor-Heuss-Ring sind eine Vielzahl von Maßnahmen vorstellbar. Diese lassen sich in folgende Kategorien einteilen:

  • Räumliche und zeitliche Verlagerung des Kfz-Verkehrs
    Verschiedene Fahrverbotsvarianten sowie weitere Möglichkeiten zur Verlagerung des Verkehrs.
  • Modale Verkehrsverlagerung
    Verlagerung des Kfz-Verkehrs auf andere Verkehrsmittel (ÖPNV, Rufservice, Fahrräder etc.).
  • Verstetigung des Verkehrsflusses
    Flüssigeren Verkehrsfluss am Theodor-Heuss-Ring ermöglichen und Stauanteile reduzieren.
  • Erneuerung und Elektrifizierung der Fahrzeugflotte
    Umstieg auf emissionsfreie oder moderne Fahrzeugantriebe mit deutlich reduzierten Emissionen im Stadtbetrieb.
  • Maßnahmen mit direkter Immissionswirkung
    Immissionsschutzwand oder die Filterung der schadstoffbelasteten Luft

Ein wichtiges Bewertungskriterium stellt dabei die kurzfristige Umsetzbarkeit der jeweiligen Maßnahme dar.

 

Durch zwei Gutachten werden zur Zeit die verschiedenen Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität untersucht. Inhaltlich stehen vor allem die verkehrlichen Auswirkungen im Vordergrund der Beurteilung.

Die Auswirkungen auf die NO2-Belastung am Theodor-Heuss-Ring und an den Ausweichstrecken müssen abschließend noch mit den Fachleuten Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) abgestimmt werden.

 


Was geschieht als Nächstes?

Tests mit Luftreinigungsanlagen

Die Firma Purevento aus Trittau hat der Landeshauptstadt Kiel kostenfrei einen Test mit einer strombetriebenen Pilotanlage angeboten. Die Stadt und das Umweltministerium erkunden nun zusammen mit der Firma, ob eine aktive Luftreinigung dazu beitragen kann, die Schadstoffgrenzwerte am Theodor-Heuss-Ring einzuhalten.

Das zweistufige Filtersystem enthält einen Filter für Feinstaub sowie eine Aktivkohle-Filterebene für gasförmige Schadstoffe – zum Beispiel Stickstoffdioxid. Die Anlage ist 4,80 Meter lang, 2,40 Meter breit und 2,50 Meter hoch, fahrbar und mit einer einklappbaren Anhängerdeichsel versehen.  

Kartenausschnitt mit Markierung
Standort der Versuchsanlage

Am 6. Februar wird die Versuchsanlage auf dem Radweg zwischen Dithmarscher Straße und Krusenrotter Weg am Fahrbahnrand des Theodor-Heuss-Rings aufgestellt und die Auspuffgase der dort vorbeifahrenden Autos absaugen.

Damit beginnt ein ein- bis zweiwöchiger Test, mit dem zunächst Handhabung, Optik, Ansaugkraft, Auslass-Stärke und Lautstärke geprüft werden. Die Herstellerfirma gibt einen Schallpegel von 75 dB(A) für die Anlage bei Volllast an.

Nachts läuft die Anlage nicht. Vorgesehen ist der Testbetrieb nur tagsüber an vier bis sechs Stunden zu Stoßzeiten.

Nach dieser ersten Testphase geht die Pilotanlage in weitere interessierte Kommunen. Im Frühjahr wird sie erneut in Kiel aufgestellt. Dann zeichnet ein zertifiziertes mobiles Messgerät die Daten zur Wirksamkeit auf und ermöglicht auch einen Datenvergleich mit der von der Landesbehörde betriebenen stationären Messanlage. Die Stadt erwartet nicht, dass die Anlage allein zur Grenzwertunterschreitung führt, aber einen deutlichen Beitrag zur Reduzierung der Luftschadstoffbelastung leisten kann.

Verläuft auch dieser zweite, mehrtägige Test erfolgreich, könnten gegebenenfalls mehrere Anlagencontainer auf knapp 200 Metern Länge am Theodor-Heuss-Ring verteilt für reinere Luft sorgen, und zwar solange, wie die Verursacher der Schadstoffe - das sind vor allem die Kraftfahrzeuge - nicht entsprechend nachgerüstet oder ersetzt sind. 

Zum Herunterladen: Datenblatt zur Versuchsanlage

 


Maßnahmenkatalog

Die Landeshauptstadt Kiel hat am 17. Dezember 2018 ein Portfolio mit Maßnahmen, die innerhalb der nächsten 24 Monate umgesetzt werden können, und ein Gutachten zur Wirkungsanalyse (PTV-Gutachten) an das schleswig-holsteinische Umweltministerium übergeben.  Lesen Sie hier die Meldung dazu: Gesundheit schützen, Grenzwerte einhalten und Fahrverbote vermeiden

 

Das Umweltministerium (MELUND) ist aufgrund seiner Zuständigkeit für die Aufstellung des Luftreinhalteplans federführend verantwortlich. Die fachliche Bewertung von Maßnahmen zur Verbesserung der lufthygienischen Situation erfolgt durch das Landesamt.

Die Durchführung von straßenverkehrlichen und straßenbaulichen Maßnahmen liegt im Zuständigkeitsbereich der Landeshauptstadt Kiel. Dazu zählen beispielsweise Maßnahmen wie das Aufstellen von Straßenverkehrsschildern, die Koordinierung von Ampelschaltungen oder bauliche Maßnahmen der Streckenführung.

Bei der Aufstellung beziehungsweise Änderung eines Luftreinhalteplans wird die Öffentlichkeit von der zuständigen Behörde (MELUND) beteiligt. Der Luftreinhalteplan wird einen Monat lang ausgelegt. Bis zwei Wochen nach Ablauf der Auslegefrist kann gegenüber dem Umweltministerium dann Stellung genommen werden. Diese Stellungnahmen werden bei der Entscheidung über die Annahme des Plans angemessen berücksichtigt. Anschließend wird die Landeshauptstadt Kiel um ihr verkehrsbehördliches Einvernehmen gebeten - erst nach dieser Erteilung kann der Luftreinhalteplan in Kraft treten. 

 


Green City Plan

Die Landeshauptstadt Kiel hat mit dem Green City Plan mehr als 40 Sofortmaßnahmen zur Gestaltung einer nachhaltigen und emissionsfreien Mobilität entwickelt, die in den kommenden fünf Jahren umgesetzt werden sollen.

Durch die Erstellung des Green City Plans hat die Kiel die Voraussetzungen für die Anwerbung von Projektmitteln aus dem „Sofortprogramm Saubere Luft“ der Förderrichtlinie Digitalisierung des Verkehrs und anderen Förderprogrammen des Bundes und des Landes geschaffen.

Lesen Sie mehr zum Green City Plan

 


Informationen für die Ratsversammlung

 


Kontakt

Landeshauptstadt Kiel
Umweltschutzamt
Holstenstraße 108
24103 Kiel

Klaus-Peter Juhl 

0431 901-3792