Nachhaltiges Kiel

Stadt, Land, Bienen

SDG 15 zielt darauf ab, die lebenswichtigen Landökosysteme zu erhalten, zu schützen und nachhaltig zu nutzen. Interessenkonflikte und konkurrierende Anforderungen entstehen bei der Nutzung begrenzter Flächen. Kiel ist eine wachsende Stadt.

Warum ist die Stadt zuständig?

Unternehmen benötigen Gewerbegebiete, Einwohner*innen Wohnraum, Tourist*innen Hotels und alle gemeinsam eine gute Verkehrsinfrastruktur. Ein großer Interessenskonflikt mit den Nachhaltigkeitszielen von SDG 15 besteht bei der Versiegelung der Flächen.

Dies gilt auch für Kiel als eine mit Blick auf die Wirtschaftskraft und Einwohnerzahl wachsende Stadt. Pro Tag werden in Deutschland 66 Hektar Naturflächen zubetoniert. Das sind etwa 100 Fußballfelder - jeden einzelnen Tag! Auch in Kiel steigt der Druck auf den mittlerweile rund 100 Jahre alten historischen Kieler Grüngürtel.

Um die Stadt und die Nachbargemeinden vor zu viel Bebauung zu schützen, wurde in einer interkommunalen Arbeitsgemeinschaft das Freiräumliche Leitbild erarbeitet. Dieses definiert einen Rahmen, das so genannte grüne Grundgerüst, das grundsätzlich von Bebauung frei gehalten werden soll. Entsprechend müssen diese Freiräume bei der weiteren Stadtentwicklung berücksichtigt werden.

Das tut Kiel – Stadtgrün und Wald

Etwas über zehn Prozent der Stadtfläche Kiels sind Wald - allerdings nicht zusammenhängend, sondern verteilt auf unterschiedlich große Areale wie unter anderem das Düsternbrooker, Viehburger, Hasseldieksdammer oder Projensdorfer Gehölz. 

Rotwild im Tiergehege Hammer
Rotwild im Tiergehege Hammer. - Foto: Bodo Quante, LH Kiel

Flora und Fauna pflegen

Dabei setzt die Stadt auf ein naturnahes Waldkonzept zum Schutz und zur Wiederbelebung des Ökosystems Wald. Ziel ist es, den Wald im Kieler Stadtgebiet als Lebensraum für anderenorts selten gewordenen Pflanzen und Tiere attraktiv zu machen. Bereits jetzt bietet er Rückzugorte für große Säugetiere wie Hirsche und Wildschweine. Auch der besonders unter Schutz stehende Uhu wurde hier schon beobachtet.

Zudem gibt es in Kiel fünf Tiergehege, mehr als 100 Kilometer Wanderwege, etwa 60.000 Bäume, verschiedene Gewässer sowie eine Vielzahl an Grünanlagen, Parks und Friedhöfen, für deren Pflege und Gestaltung das Grünflächenamt zuständig ist.

Klima-Anpassung als Strategie

Nicht selten müssen Bäume aber auch gefällt werden, weil sie von Krankheiten befallen sind und abzusterben drohen. Der Klimawandel stellt für den Schutz der Bäume eine zusätzliche Herausforderung dar: Insgesamt werden in ganz Norddeutschland mehr heiße Tage, mehr Hitzewellen und weniger Frosttage pro Jahr verzeichnet. Damit geht eine frühere Vegetation einher. Auch ungewohnte Regenfälle sowie Stürme machen den Bäumen zu schaffen.

Daher ist die Zertifizierung des Kieler Stadtwaldes nach dem deutschen Standard des „International Forest Stewardship Council (FSC)“ sowie nach „Naturland Standard“ beschlossen worden. Durch die Teilnahme an dem Projekt „Klimatolerante Baumarten“ untersucht das Grünflächenamt seit 2016, welche von 100 getesteten Baumarten dem Klimawandel Stand halten könnten.

Das haben wir davon – Kiel ist eine grüne Stadt

Weide-, Moor- und Wasserlandschaften

Kiel ist naturverbunden. Beispiele sind unter anderem die in Kiel-Rönne Mitte der neunziger Jahre gestarteten Weidelandschaften, die inzwischen 90 Hektar umfassen oder die Wiedervernässung des Alten Moorsees im Kieler Süden. In Schilksee werden seit dem Jahr 2005 die Seekamper Seewiesen nach und nach angestaut und bieten einen wichtigen Lebensraum für alle möglichen Wasservögel, die hier aus unmittelbarer Nähe beobachtet werden können.

Bienenfreundliche Blütenpflanzen

Ein wichtiges Projekt, das zum Erhalt der Artenvielfalt im Stadtgebiet beiträgt, ist der Kieler Aktionsplan Bienenschutz, der dem Aussterben zahlreicher Wildbienenarten in Schleswig-Holstein entgegen wirken soll. Hierfür werden „Buntflächen“ angelegt, die Bienen und anderen Insekten reichlich Nahrung bieten.

Im Jahr 2010 ist Kiel dem Bündnis „Biologische Vielfalt in Kommunen“ beigetreten, das sich eine möglichst naturnahe Pflege der Flächen zum Ziel setzt. Zudem wird bereits seit über 30 Jahren bei der Pflege der städtischen Grün- und Freiflächen darauf verzichtet, Herbizide - also Unkrautbekämpfungsmittel - einzusetzen.

Orchideenwiese in Kiel Wik
Orchideenwiese in Kiel Wik. - Foto: Anne Bläse

Aufklärung und Umweltbildung

Auch die Öffentlichkeitsarbeit spielt beim SDG 15 eine wichtige Rolle. Die Kieler Umweltberatung bietet seit 30 Jahren niedrigschwellige Beratungs- und Präventionsangebote. Zudem gibt es zahlreiche Initiativen aus der Zivilgesellschaft wie etwa der Kieler Honig oder der Naturerlebnisraum „Alte Stadtgärtnerei Kollhorst“  Das vielfältige umweltpädagogische Veranstaltungsprogramm der am Hasseldieksdamer Tiergehege gelegenen Stadtgärtnerei reicht von Apfelsaftpressen über die Herstellung von Naturkosmetik bis zu Keschern in Kleingewässern und zur Honigproduktion.

Umweltschutz für große und kleine Kieler*innen

Damit wird auch schon den ganz jungen Kieler*innen die große Bedeutung von Natur- und Biodiversitätsschutz nahe gebracht. Die Stadt Kiel unterstützt zudem einzelne Projekte wie zum Beispiel das Projekt am Walkderdamm: In diesem Urban-Gardening-Projekt haben Studierende spezielle Hochbeete entwickelt und gebaut, die auch von Rollstuhlfahrer*innen bearbeitet werden können. Somit trägt das Projekt gleichzeitig zur Begrünung der Stadt als auch zur Inklusion bei.

Kiel für die Welt – Wälder sind in Gefahr

Ein große Thema vor dem Hintergrund von SDG 15 ist die Zerstörung der Wälder, die nicht nur massiv zum Klimawandel beiträgt, sondern auch das Artensterben vorantreibt, da die natürlichen Lebensräume für Tiere und Pflanzen zerstört werden. Die deutsche Bevölkerung ist vor allem durch ihre Konsum- und Produktionsweise mitverantwortlich für die globale Waldzerstörung.

Immer mehr Menschen wollen möglichst billig Fleisch essen. Für den Anbau der Futtermittel für die Tiere werden große Flächen Wald gerodet. Auch die Nachfrage nach Bau- und Energieholz sowie nach Papier wächst. Beim Papierverbrauch belegt Deutschland sogar einen traurigen Spitzenplatz: Durchschnittlich 249 Kilogramm Papier pro Kopf verbrauchen wir jährlich. Zum Vergleich: Der Weltdurchschnitt beträgt 55 Kilogramm.

Hier setzt Kiel sich ein – viele öffentliche Kantinen und Mensen bieten zunehmend fleischlose Gerichte an. Die Kieler Stadtverwaltung bemüht sich im Rahmen der Digitalen Strategie zunehmend um papierlose Büros. Die Kieler Ratsversammlung arbeitet seit 2019 mit Tablets – und möchte so zum Schutz der Wälder der Welt beitragen.


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