Nachhaltiges Kiel

Sozialer Frieden

SDG 10 beschäftigt sich mit der Frage der sozialen Ungleichheit. Das betrifft auch Kiel. Gaarden und Mettenhof zeigen – der Graben zwischen arm und reich wird immer größer. Dagegen müssen wir etwas tun.

Warum ist die Stadt Kiel zuständig?

Kiel hat ein Ungleichheitsproblem. Im Vergleich sind in Gaarden und auch in Mettenhof doppelt so viele Menschen arbeitslos wie in anderen Stadtteilen Kiels. Und überdurchschnittlich viele Menschen leben von Arbeitslosengeld II oder Grundsicherung. Das bedeutet für die Menschen in diesen Stadtteilen, dass sie sich viel stärker als anderswo in Kiel mit den sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Gegebenheiten in ihrem Stadtteil auseinandersetzen müssen.

Während die Sozial-, Lohn- und Steuerpolitik in Berlin entschieden wird, kann die Landeshauptstadt hier vor Ort dafür Sorge tragen, zum Beispiel allen Kieler Schüle*rinnen möglichst gleiche Bildungschancen zu gewähren, Menschen mit Behinderungen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben Kiels durch barrierefreien Zugang zu ermöglichen oder Menschen mit Migrationshintergrund eine gute Integration in unsere Stadtgesellschaft zu ermöglichen.

Auch die Neugründung einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft, um bezahlbare Mieten für alle sicherzustellen, bedient die Ziele von SDG 10. Kiel übernimmt hier Verantwortung.

Stadtansicht von oben
Auf die Einkommens- und Vermögensverhältnisse ihrer Einwohner*innen hat Kiel keinen Einfluss. Chancengerechtigkeit und die Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen am gesellschaftlichen Leben zu fördern, um soziale Ungleichheit abzufedern – darauf kann und will Kiel als Kommune ihren Einfluss geltend machen. - Foto: Peter Lühr, LH Kiel.

Das tut die Stadt – bottom-up is king!

Um Ungleichheit im Sinne von SDG 10 zu bekämpfen, gibt es von Seiten der Stadt eine Vielzahl an Maßnahmen, Projekten und Beratungsangeboten für die unterschiedlichen Zielgruppen. Wohnen für alle, Kids in die Clubs, Interkultureller Garten und andere Veranstaltungen, die für Toleranz und Vielfalt in der Stadtgesellschaft eintreten - Kiel bietet viele Möglichkeiten sich aktiv zu beteiligen.

Bürger*innen entscheiden mit

Mitsprache bietet auch die Einführung von Bürgerbeteiligungsverfahren, die es Kieler Bürger*innen ermöglichen, sich über Projekte und (Bau-)Vorhaben der Stadt zu informieren, einbezogen zu werden und mitzubestimmen. Auf politischer Ebene werden Beiräte für gesellschaftlich bedeutsame Gruppen eingesetzt, die unsere parlamentarische Arbeit in der Ratsversammlung fachlich unterstützen.

Dazu zählen der Beirat für Senior*innen, der Beirat für Menschen mit Behinderungen sowie der Junge Rat, der Kinder und Jugendliche vertritt. Zudem gibt es seit einigen Jahren das Forum für Migrant*innen. Diese Gremien erlauben noch mehr Teilhabe und politische Mit- und Selbstbestimmung von unten nach oben.

Soziale Stadt

Gegen die Ungleichheiten zwischen den Kieler Ortsteilen arbeitet zudem das Programm Soziale Stadt. Mit dem Städtebauförderprogramm werden Kommunen durch Bund und Länder in ihrer Aufgabe unterstützt, Stadt- und Ortsteile zu stabilisieren und die Lebensbedingungen insgesamt zu verbessern.

Die Aufgabe der Sozialen Stadt ist es, eine zukunftsorientierte Entwicklung in den Stadtteilen zu unterstützen. Kiel nimmt daran teil.

Bürger*innenbeteiligung in der Landeshauptstadt Kiel
Bürger*innenbeteiligung in der Landeshauptstadt Kiel

Das haben wir davon – Kiel wird sozialer

Wohnen für alle

Angesichts des großen Mangels an bezahlbarem Wohnraum, auch in allen anderen Stadtteilen, hat die Kieler Ratsversammlung Ende des Jahres 2018 mit klarer Mehrheit die Neugründung einer städtischen Wohnungsgesellschaft beschlossen. Die städtische Wohnungsgesellschaft (KiWog) soll in Kiel Wohnungen errichten, erwerben, betreuen, bewirtschaften und verwalten. Mit einer kommunalen Wohnungsgesellschaft will die Landeshauptstadt wieder vermehrt Einfluss auf dem Wohnungsmarkt gewinnen und mehr günstige Mietwohnungen schaffen.

Genug Platz für alle

Auch die jährlich stattfindenden Tage der Vielfalt sowie Kiels Teilnahme an den Internationalen Wochen gegen Rassismus machen deutlich, dass Kiel sich gegen jede Form der Diskriminierung stark macht. Zur Förderung des Zusammenlebens in Vielfalt hat die Landeshauptstadt Kiel auch den Fonds „Zusammenhalt stärken - Teilhabe sichern“ aufgelegt. Seit 2017 unterstützt das Förderprogramm Aktivitäten für eine tolerante und offene Kultur des Miteinanders.

Zu einer diversen Stadtgesellschaft gehört auch die Förderung vielfältiger Stadtviertel. Mit der Initiative Gaarden Hoch 10 hat die Landeshauptstadt eine Entwicklungsstrategie entworfen, um Gaarden als Stadtteil attraktiver machen. Auf Wunsch und mit Beteiligung engagierter Bürger*innen. Ohne die alten Bewohner*innen zu verdrängen.

Soziales Leben für alle

Ein Projekt der Landeshauptstadt Kiel und des Sportverbands Kiel e.V. ist das Projekt „Kids in die Clubs“, das Kinder und Jugendliche aus finanzschwachen Familien dabei unterstützt, kostenlos im Verein Sport zu treiben. Es verhilft nicht nur zur Teilnahme am Vereinssport, sondern leistet damit auch einen Beitrag zur Akzeptanz und zur Förderung der Integration sozial Benachteiligter, zur Beseitigung des Armutsproblems, zur Stärkung der Region und zum Investment in die kommende Generation.

Das Projekt „Interkulturelle Gärten Gaarden“ verfolgt ähnliche Ziele und setzt bei nachbarschaftlichem Miteinander an.

Kiel und SDG 10 im internationalen Vergleich

Über die Einkommens- und Vermögensverteilung innerhalb der Landeshauptstadt Kiel liegen keine Daten vor. Der Kieler Sozialbericht bietet jedoch jede Menge andere Zahlen zum Beispiel zu Arbeitslosigkeit, Gesundheit oder Sozialtransfers, die eine gute Grundlage bieten, um soziale Ungleichheit auch auf kommunaler Ebene anzugehen.

Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Gewerkschaften, wie in Deutschland zum Beispiel das Bündnis „Reichtum umverteilen“, weisen darauf hin, dass die Kluft zwischen arm und reich innerhalb und zwischen Staaten wächst und fordern Gegenmaßnahmen von der Politik.

So ist die Einkommensungleichheit in Deutschland heute höher als noch vor 20 Jahren und die Einkommen der unteren 40 Prozent sind inflationsbereinigt seit dem Jahr 2000 gesunken. Das Vermögen ist in Deutschland viel ungleicher verteilt als zum Beispiel in Griechenland, Italien oder Frankreich: laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung besaßen die reichsten fünf Prozent im Jahr 2014 mit 51,1 Prozent mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens in Deutschland.


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Koordinatorin kommunale Entwicklungspolitik

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