Oberbürgermeister*innen

Heinrich Mölling (1825 - 1888)

Foto Heinrich Mölling
Oberbürgermeister Heinrich Mölling; Abbildung: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek

* 27.8.1825 in Lensahn
+ 10.04.1888 in Neumünster, in Kiel beigesetzt

Amtszeit
28.9.1867 - 10.4.1888

Oberbürgermeister seit 1875

Heinrich Mölling wurde am 27. August 1825 in Lensahn geboren, wo sein Vater Gerichtshalter war. Als dieser 1833 eine Stelle als Amtmann in Eutin bekam, zog die Familie dorthin um.

Heinrich Mölling besuchte in Eutin das Gymnasium von 1837 bis 1845. Danach begann er das Jurastudium in Heidelberg, dann wechselte er nach Bonn und Kiel. Im Frühjahr 1848 nahm er als Freiwilliger an der schleswig-holsteinischen Erhebung teil, setzte aber im Sommer sein Studium fort, zunächst in Göttingen, ab Herbst 1849 wieder in Kiel. 1850 bestand Mölling beim Oberappelationsgericht sein juristisches Examen.

Danach arbeitete er als Verwaltungsjurist, zuerst als Sekretär in der Landdrostei Pinneberg. Er unterbrach diese Tätigkeit 1850/51, als er sich wiederum als Freiwilliger an der schleswig-holsteinischen Erhebung beteiligte. 1854 wechselte er als Kanzlist in das Ministerium für Holstein und Lauenburg in Kopenhagen. Schon ein Jahr später wurde er dort Chef des Kontors. Daneben arbeitete Mölling als kommissarischer Bürgermeister in Segeberg. 1859 wurde er zum hauptamtlichen Magistratsmitglied in Altona ernannt.

Von Heinrich Mölling hängt ein Bild in der Portraitgalerie im Rathaus.
 


Bürgermeister im Auftrag der preußischen Regierung

1863 beschloss die dänische Regierung die Verschmelzung des Herzogtums Schleswig mit Dänemark durch eine gemeinsame Verfassung. Dieses Vorhaben widersprach dem Londoner Vertrag von 1852. Zur Sicherung der Bundesrechte in Holstein und Lauenburg entsandte der Bundestag im Dezember 1863 Truppen dorthin. Im Januar 1864 ernannten Bundeskommissare Mölling zum kommissarischen, 1865 zum endgültigen Eisenbahnkommissar in Holstein.

Nach dem Deutschen Krieg von 1866 wurden die Herzogtümer Schleswig und Holstein am 12. Januar 1867 im Kieler Schloss feierlich in das Königreich Preußen eingegliedert. Im Oktober des Jahres erhielt Mölling die Ernennung zum kommissarischen Bürgermeister in Kiel.

Mit der 1869 verabschiedeten neuen Schleswig-Holsteinischen Städteordnung war die Direktwahl der Magistrate durch die wahlberechtigten Bürger verbunden. Mölling bewarb sich für das Amt des Bürgermeisters in Kiel. Er wurde am 21. April 1870 auf zwölf Jahre gewählt, 1882 auf weitere zwölf Jahre. 1875, zu seinem 50. Geburtstag, verlieh ihm der preußische König den Titel Oberbürgermeister.
 


Die Herausforderung einer wachsenden Stadt

Heinrich Mölling stand vor gewaltigen Herausforderungen. Die Stadt befand sich in einem rasanten Veränderungsprozess: Am 24. März 1865 befahl der preußische König die Verlegung der Marinestation von Danzig nach Kiel. Die Stadt wurde 1867 Kriegshafen des Deutschen Bundes und 1871 Reichskriegshafen. Kiel, 1867 eine mittlere Stadt mit circa 24 000 Einwohnern, hatte bisher von Handel, Gewerbe und Handwerk gelebt. Nun setzte eine rasante Veränderung ein.

Marine, Werften und deren Zulieferbetriebe bestimmten fortan die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt, die in einem raschen Tempo wuchs. Bis 1885 war die Einwohnerzahl mit circa 51 000 gegenüber 1867 auf das Doppelte angewachsen. Neubaugebiete entstanden in Südwesten, Westen und Norden der Stadt und auch auf dem Ostufer. Marineneinrichtungen, wie Kasernenanlagen, Lazarette, Marineschule und Marineakademie, wurden westlich der Förde eingerichtet, auf dem Ostufer verschiedene Werften.

Als Oberbürgermeister dieser Stadt hatte Mölling zusammen mit dem Magistrat vielfältige Probleme zu lösen. Um ein planloses und unorganisches Wachstum der Stadt durch öffentliche und private Bauten zu verhindern, wurden 1869 und 1883 Stadterweiterungspläne beschlossen, die aber nicht konsequent verwirklicht wurden. Im Zusammenhang mit der Stadterweiterung bemühte sich Mölling um Eingemeindungen der zunehmend verstädterten Vororte. Lediglich in Brunswik war er 1869 damit erfolgreich.

Über den Hafen nahm Mölling Verhandlungen mit der Marine auf. Diese beanspruchte fast die gesamte Förde. Kiel aber konnte den Handelshafen vom Fischertor bis in die innere Hörn ausbauen und neue Kaianlagen schaffen. Außerdem entstanden mehrere Fähranleger für den Ausflugsverkehr und vor allem für die pendelnden Arbeiter zu den Werften auf dem Ostufer. Unter Mölling wurde die Infrastruktur der wachsenden Stadt ausgebaut. 1881 fuhr die erste Pferdebahn vom Rondeel bis zum Schlossgarten und zurück.

1879 entstand das erste Wasserwerk mit einem Wasserbehälter im Vieburger Gehölz. Damit war Kiel von dem nicht immer sauberen Oberflächenwasser des Schreventeichs unabhängig. 1887 wurde eine zweite Gasanstalt am Rondeel in Betrieb genommen. Um mit dem Hinterland besser verbunden zu sein, setzte sich Mölling für den Bau der Eisenbahnlinie Kiel-Flensburg ein, die 1881 bis Eckernförde fertiggestellt war. Konzipiert wurde auch ein neuer Bahnhof in Kiel. Der vorhandene am Ziegelteich lag ungünstig und war an seine Kapazitätsgrenze angelangt. Seit 1884 wurde der neue Standort diskutiert und zugunsten des Sophienblattes entschieden.

Der preußische König schätzte den Kieler Oberbürgermeister. 1879 berief er ihn auf Lebenszeit ins preußische Herrenhaus. 1869 erhielt er den Roten Adlerorden 4. Klasse, 1881, den der 3. Klasse.
 


Ein anerkannter Oberbürgermeister

Mölling, im April 1888 von einer Dienstreise aus Berlin kommend, verunglückte in Neumünster beim Verlassen des Zuges. Er starb dort am 10. April 1888 vor Beendigung seiner Dienstzeit. Unter großer Anteilnahme der Kieler Bevölkerung, die ihn wegen seiner Leistungen sehr verehrte und achtete, fand eine große Trauerfeier in der Nikolaikirche statt. Heinrich Mölling wurde in einem Ehrengrab auf dem Südfriedhof beigesetzt.

Die „Kieler Zeitung“ würdigte Mölling in einem Nachruf unter anderen mit folgenden Worten: „Kiel war stolz auf seinen Oberbürgermeister und hatte ein Recht zu diesem Stolze. Kaum hätte die Stadt in der Übergangszeit einer schnellen Entwicklung einen für die organisatorische Aufgabe mehr geeigneten Mann finden können als Mölling. ... Oberbürgermeister Möllling ist der Begründer des neuen Kiels, dem er die Kraft seines Lebens mit ungewöhnlichem Erfolge gewidmet hat. Für alle Zeiten ist sein Name mit dem von Kiel verbunden, ein dankbares und ehrenden Gedächtnis wird ihm bei Bürgern und Bürgerskindern erhalten bleiben.“

Nach seinem Tod 1888 erhielten die 1868 aufgeschütteten Anlagen an der nordwestlichen Ecke des Kleinen Kiels den Namen Möllingsruh. Auch die Möllingstraße erinnert an den verdienten Oberbürgermeister.

 
Text: Christa Geckeler


Literatur & Zeitungen

  • Schuh, Friedrich: Mölling, Heinrich Johannes Georg, in: Hans-F. Rothert (Hg.): Kieler Lebensläufe in sechs Jahrhunderten, Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 55, Seite 231-233
  • Volbehr, Friedrich: Zu Geschichte von Rath und Bürgerschaft in Kiel, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 7, 1886, Seite 13 f.
  • Kieler Tageblatt vom 13. April 1888
  • Kieler Zeitung vom 11. & 14. April 1888

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