Nachhaltiges Kiel

Leben unter Wasser

Kiel lebt vom Meer, das ist klar. Ohne die Kieler Förde und die umliegenden Strände wäre Kiel wohl kaum eine attraktive Stadt.

Aber wie steht es eigentlich um die Ostsee als unser Markenzeichen und die anderen Meere und Ozeane, die immerhin zusammen über 70 Prozent der Erdoberfläche bedecken und für das ökologische Gleichgewicht unseres Planeten von essentieller Bedeutung sind? Leider nicht besonders gut.

Meeresschutz ist für die Bevölkerung ein wichtiges Thema

Die Meere versauern, werden überfischt und zunehmend als Müllkippe missbraucht. Daneben bedrohen vor allem Abwässer, insbesondere aus der industriellen Landwirtschaft, und die Offshore-Erdölförderung die maritimen Ökosysteme. Immerhin, das Thema Meeresschutz ist in der Bevölkerung angekommen: Nach einer repräsentativen Umfrage des Umweltbundesamtes im November 2017 ist der Plastikmüll in den Weltmeeren in der Wahrnehmung der deutschen Bevölkerung das Umweltrisiko Nummer eins.

Mit dem SDG 14 haben sich die Regierungen weltweit dazu bekannt, mehr für die Ozeane und Meere zu tun, sie zu schützen und deutlich nachhaltiger zu bewirtschaften. Die Zivilgesellschaft kritisiert allerdings, dass es noch immer an politischer Kontrolle mangele, dass der Meeresschutz den Umweltorganisationen und die Nutzung der Meere einfach großen Unternehmen überlassen werde.

Meeresforschung: Kiel hat herausragende Institutionen

Als Landeshauptstadt können wir kaum konkret und regulierend auf den Meeresschutz einwirken, das ist Sache des Bundes und des Landes Schleswig-Holstein.

Aber die Landeshauptstdat Kiel ist für das Thema Meeresforschung weit über die nationalen Grenzen hinaus bekannt. Dahinter stehen das renommierte „Geomar Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung“, das die chemischen, physikalischen, biologischen und geologischen Prozesse im Ozean und ihre Wechselwirkung mit dem Meeresboden und der Atmosphäre untersucht, sowie das multidisziplinäre Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“.

Im September 2018 trafen sich mehr als 300 Forschende aus 33 Ländern in Kiel, um im Rahmen einer internationalen Fachtagung über die Abnahme des Sauerstoffs im Ozean und die Ursachen und Konsequenzen zu diskutieren. Zum Abschluss der Konferenz veröffentlichten die Wissenschaftler+innen einen eindringlichen Appell, die „Kieler Erklärung", in dem sie zu mehr Meeres- und Klimaschutz aufrufen.

Auch viele Kieler*innen setzen sich aktiv für den Meeresschutz ein. Zum Beispiel die Schüler*innen, die jedes Jahr beim „Coastal Clean-up Day“ Mitte September die Strandabschnitte vom angeschwemmten Müll reinigen.

Meeresfilmfestival in Kiel

Ein großer Mehrwert für unsere Stadt ist sicherlich auch das im Oktober stattfindende internationale Meeresfilmfestival CineMare Kiel, dessen Ziel es ist, die Menschen für Meere zu begeistern und ihre Verbundenheit zum Wasser zu fördern. Denn nur wem der Wert unseres überwiegend blauen Planeten bewusst ist, wird sich auch für dessen Schutz einsetzen.

Für die Zukunft: Kiels Profil als nachhaltige maritime Stadt schärfen

Im April 2018 hat der Oberbürgermeister von der Kieler Ratsversammlung den Auftrag bekommen, bis zum November 2018 ein Konzept zu erarbeiten, wie diese vorhandenen Kompetenzen, Institutionen und Akteure im Bereich Meeresschutz noch besser aufeinander angestimmt und miteinander vernetzt werden können. Ziel ist es, das Kiel ein deutlich wahrnehmbareres Profil als Meeresschutzstadt entwickelt. Denn hier liegt viel Potential.

Folgende Fragen sollen dabei unter andern beantwortet werden: Wie kann Kiel zu einer „blauen Stadt“ mit Modellcharakter werden? Welche Erfahrungen haben Kiels Partnerstädte, von denen viele ebenfalls an der Ostsee liegen, auf diesem Gebiet? Wie kann der maritime Tourismus nachhaltiger werden? Wie können Bildungsangebote zu Meer und Meeresschutz ausgebaut werden?


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