Nachhaltiges Kiel

Solide Grundausstattung

Beim SDG 9 geht es um die drei großen „I“s: Industrie, Innovation und Infrastruktur. Alle drei sind entscheidend für Gesellschaften und haben großen Einfluss darauf, ob unsere Entwicklung nachhaltig und zukunftsfähig ist. Von Hafen bis Hörnbad. Von WLAN bis Veloroute – Kiel strengt sich an.

Warum ist die Stadt zuständig?

Die Landeshauptstadt Kiel ist im Sinne des SDG 9 grundsätzlich für die öffentliche Daseinsvorsorge aller Bürger*innen verantwortlich – für Junge und Alte, für Arme und Wohlhabende, für Alteingesessene und Neuankömmlinge, für Innenstadtgebiete und Stadtrandlagen.

Wie in vielen anderen Städten auch, sind die finanziellen Mittel der Stadt Kiel jedoch begrenzt, was in den vergangenen Jahren dazu geführt hat, dass nicht genug in die Instandhaltung und den Ausbau von Infrastrukturen investiert werden konnte.

Inzwischen blicken wir aufgrund der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in Kiel aber durchaus optimistisch in die Zukunft. So gibt es aktuell spannende oder auch größere Projekte wie beispielsweise der Bau des kleinen Kiel-Kanals in der Innenstadt, die Ausweisung neuer Gewerbegebiete, die anstehende Erneuerung der Spundwand an der oberen Kiellinie.

Aber auch reguläre Instandhaltungsmaßnahmen wie die Renovierung von Schulgebäuden und der kontinuierliche Ausbau von Radwegen werden jetzt gemacht – um nur einige Beispiele zu nennen.

Das tut die Stadt – Kiel sorgt vor

Herbst an der Hörn
Die Kieler Hörn im Herbst. - Foto: LH Kiel, Kai Teichmann

Nachhaltige Hafeninfrastruktur für Kiel

Mit Blick auf die Förderung einer zukunftsfähigen Infrastruktur ist das im Mai 2018 beschlossene Konzept „Blue Port Kiel“ bemerkenswert. Dieses sieht vor, den Hafen umwelt- und klimafreundlicher auszurichten. Es nimmt auch die Kritik vieler Kieler*innen an der zunehmenden Anzahl an Kreuzfahrtschiffen auf, die auch während der Liegezeit im Hafen ihre Dieselmotoren laufen lassen. Um den Schadstoffausstoß zu verringern, wurde im Mai 2019 die erste Landstromanlage Kiels eingeweiht. Weitere Landstromanlagen mit zertifiziertem Ökostrom sind bereits für den Schweden- und Ostseekai in Planung.

Ehemaliges MFG5 Gelände

Schon jetzt ist das „Sanierungsgebiet Holtenau Ost“ ein beliebter Ausflugsort. Spazierengehen, die über 100-jährige Geschichte des Ortes entdecken, Fahrrad fahren oder segeln – das ehemalige MFG 5-Areal ist seit 2014 öffentlich zugänglich. Vorher wurde es militärisch genutzt. Dieses Sahnestück soll ein zukunftsorientiertes und vernetztes Stadtquartier werden - mit Wohnen, Gewerbe, Dienstleistungen, Sport- und Gemeinschaftsflächen und vielen Freizeitangeboten.Die Landeshauptstadt Kiel möchte die Entwicklung des für die Stadt so bedeutenden Areals im Kieler Norden mit einem breiten Dialog in der Stadtgesellschaft verankern. Mit dem Forum Holtenau Ost wird hierfür ein neues Format ins Leben gerufen – ein Ort der Information, der Beteiligung und des Austausches.

Güterverkehr auf die Schiene bringen

Zudem soll mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagert werden, dafür wird am Bahnhofskai ein drittes Rangiergleis gebaut. Die von den Schiffen ausgehende Belastung mit Stickoxiden und Feinstaub wird künftig vom Seehafen mit fünf Messstationen dokumentiert.

Öffentliches und kostenfreies Internet

Um eine zukunftsfähige Infrastruktur zu erhalten ist es notwendig, die Breitbandversorgung und ein dichtes WLAN-Netz im Stadtgebiet auszubauen, E-Government in der Verwaltung einzuführen und die Digitalisierung der Kieler Schulen zu fördern. Der Ausbau des SH WLAN hat beispielsweise dazu geführt, dass es inzwischen 25.000 Zugangspunkte gibt, die 1 Millionen Nutzer*innen kostenfreies Internet zur Verfügung stellen.

Digitale Verwaltung voranbringen

Auch Ämter und Behörden gehen mit der Zeit. Um die Digitalisierung sowohl innerhalb der Verwaltung als auch für die Bürger*innen voranzubringen, hat die Landeshauptstadt einen Chief Digital Officer (CDO) im Büro des Oberbürgermeisters eingestellt. So soll es ermöglicht werden, dass Anträge künftig ganz bequem und schnell vom heimischen PC oder sogar anhand einer App vom Smartphone ausgestellt werden können.

Kreativzentren fördern

Weltweit ist die Kreativwirtschaft einer der wichtigsten Sektoren für die Entwicklung einer zukunftsfähigen Wissensgesellschaft. Mehr denn je sind kreative Lösungen in Bezug auf Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Design Thinking gefragt. Um Kiel als kreative Stadt und als Standort der Kultur- und Kreativwirtschaft voranzubringen, hatte die Ratsversammlung der Landeshauptstandt Kiel beispielsweise schon 2016 beschlossen, unter anderem die Wik mit Anschargelände und Marinequartier als Standort der Kreativbranche zu entwickeln. Weitere Wissensquartiere und Kreativzentren der Stadt Kiel sind unter anderem die Alte Mu und die Starterkitchen im Kieler Wissenschaftspark.

Die Muthesius Kunsthochschule hat Kiels erstes Sustainability Design Lab eingerichtet. In zwei Arbeitsräumen am Grasweg finden acht Absolventinnen und Absolventen der Muthesius Kunsthochschule Platz, um gemeinsam ihre Projekte fortzuführen und um Nachhaltigkeitsentwürfe in die Tat umsetzen zu können. Ausgewählt von einer Fachjury erhalten die Alumnae und Alumni eine für ein Jahr befristete Anstellung als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um sich ihren Ideen widmen zu können.

Gemeinsam Kiel sauber halten

Kiel gemeinsam besser machen! Die Melde.Möwe hilft dabei. Sie melden, wir kümmern uns. Die kostenlose App Melde.Möwe macht es Kiels Einwohnern möglich, Dinge die sie als störend oder unangenehm empfinden können melden zu können: Kategorie auswählen, Foto machen, Ortsangabe kontrollieren, senden - fertig!

Bike-Sharing System in der KielRegion

Mit dem Rad vom Bahnhof weiter zur Arbeit: Die Radmitnahme ist in vollen Bussen und Zügen zur Hauptverkehrszeit häufig schwierig. Trotzdem sind viele Pendler/-innen am Zielort gerne flexibel und kostengünstig unterwegs. Das Bikesharing-System ist hier eine gute Möglichkeit. Ab der Ankunftsstation geht es mit dem Leihrad weiter zum Zielort. Aber nicht nur für Pendler/-innen ist das Bikesharing eine Option, sondern für alle, die kein eigenes Rad dabeihaben und spontan mobil sein wollen. Die SprottenFlotte stärkt den nachhaltigen Alltagsverkehr, steigert die toruistische Attraktivität und vor allem schafft sie eine neue, kostengünstige und umweltfreundliche Alternative zum PKW. Zurzeit stehen mehr als 600 Räder zur Verfügung, die aan über 100 Stationen ausgeliehen und abgegeben werden können. Die erste halbe Stunde ist kostenfrei, jede weitere halbe Stunde kostet einen Euro. Der Tageshöchstsatz liegt jedoch nur bei 9 Euro.  Zudem gibt es inzwischen Lastenfahrräder und sogar E-Bikes und E-Cargo-Bikes.

CAPTN Kiel - Revolution des ÖPNV

Die Initiative „Clean Autonomous Public Transport Network (CAPTN)“, initiiert durch die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, vereint seit 2018 diverse transdisziplinäre Aktivitäten von CAPTN Partnern aus Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung unter dem Leitgedanken: Die Etablierung einer integrierten innerstädtischen Mobilitätskette autonomer sauberer Verkehrsträger zu Wasser und zu Land mit Wasser-Land-Schnittstellen für den öffentlichen Personennahverkehr.

Mögliches Design für das CAPTN Kiel Projekt @Muthesius Kunsthochschule
Mögliches Design für das CAPTN Kiel Projekt @Muthesius Kunsthochschule

Das haben wir davon – Kiel hat Zukunft

Kiel muss zukunftsfähig werden. Und für alle Einwohner*innen lebenswert bleiben. Mit der Fertigstellung des Hörnbads im Frühjahr 2019 konnte ein wichtiges Projekt abgeschlossen werden. Auch im Bereich der Ladeinfrastruktur gibt es erfreuliche Entwicklungen. Mittlerweile gibt es in Kiel 70 Standorte mit öffentlich zugänglichen Ladesäulen mit Normal-Ladepunkten (bis 22 kW) und Schnell-Ladepunkten und weitere Ladesäulen werden von Betreiber*innen im öffentlichen Raum geplant.


 Das Mobilitätskonzept der Stadt Kiel sieht den Ausbau von Velo-Routen vor. Ebenso steht seit 2019 die „Sprottenflotte“ - städtische Fahrräder für den kleinen Stadtverkehr - an vielen Stationen innerhalb Kiels zur Verfügung.

Hinsichtlich einer kommunalen Infrastruktur im Sinne von SDG 9 ist die Digitalisierung auch in Kiel ein großes Thema. Um nachhaltigen Fortschritt voranzutreiben, hat die Stadtverwaltung die Digitale Strategie entwickelt. Diese soll die Lebensqualität für alle Menschen in Kiel weiter steigern und gleichzeitig die wirtschaftlichen und ökologischen Potenziale entfalten.

Seit 2017 wird beispielsweise jährlich im September die „Digitale Woche Kiel“ veranstaltet. Hier wird das Thema Digitalisierung in einer Vielzahl von Veranstaltungen erlebbar gemacht und Perspektiven für die Zukunft geschaffen.

Erste wichtige Schritte in Richtung digitale Stadt wurden auch innerhalb der Kieler Stadtverwaltung umgesetzt: so arbeitet beispielsweise die am 6. Mai 2018 neu gewählte Ratsversammlung künftig mit Tablets und damit papierlos. Für Kieler Bürger*innen wurde ein Chat-Bot eingerichtet: „Govii“, so heißt der digitale Mitarbeiter, kann Fragen zu allen behördlichen Themen beantworten, zum Beispiel wo man einen Personalausweis beantragen kann. Oder wer für Mülleimer zuständig ist.

Digitalisierung – Kiel hält Anschluss an die Welt

Im SDG 9 wird auch gefordert, den Zugang zur Informations- und Kommunikationstechnologie erheblich zu erweitern und vor allem für die am wenigsten entwickelten Länder einen allgemeinen und bezahlbaren Zugang zum Internet herzustellen.

Tatsächlich besteht weltweit immer noch ein sogenannter „Digital Divide“ (digitaler Graben): 60 Prozent der Weltbevölkerung sind offline und nur 15 Prozent haben Zugang zu Highspeed Internet. Es besteht aber große Hoffnung, dass die Digitalisierung dazu beitragen kann, dass bestimmte Stufen der Entwicklung einfach übersprungen werden können, beispielsweise durch das Bezahlen per Handy oder durch 3D-Drucker, die direkt vor Ort und an die lokalen Anforderungen angepasste Produkte drucken.

Eng mit dem Thema verknüpft ist daher der Plan, Kiel und die Region (Stadt Neumünster, Kreis Plön, und Kreis Rendsburg-Eckernförde) zur smarten Region zu machen. So sollen etwa moderne Wirtschaftsquartiere und Kreativzentren entstehen, die Co-working-Spaces anbieten, um die Vereinbarkeit von Leben und Arbeit effizient und nachhaltig zu gestalten. Es geht also darum, Impulse für die digitale, vernetzte, ökologische und soziale Zukunft der Region zu setzen. Damit dies gelingt, arbeiten Akteure und Aktricen aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft, Politik und der Verwaltung eng zusammen. 

Digitale Verwaltung - Tiny Rathaus

Die Initiative für das Tiny Rathaus kommt von der Stadtmacherin Sophie Mirpourian aus dem Kreativzentrum Anscharcampus in der Wik: „Unsere Welt wird komplexer, aber die gute Nachricht ist: Es gibt so viel Wissen, Kreativität und Tatendrang, wir müssen nur zuhören und wagen Neues auszuprobieren!” Sophie Mirpourian will zusammen mit ihrem städtischen Kooperationspartner, dem Referat Kreative Stadt, vorhandene Erfahrungen aus Dänemark nutzen, um eine mutige Gesprächskultur zu schaffen.

Die Landeshauptstadt ist mit dem Projekt Tiny Rathaus Teil einer internationalen Bewegung, die Stadtverwaltung neu zu denken. Denn internationale Expert*innen der Stadtentwicklung rufen auf, neue Werkzeuge zu entwickeln und die Krise als Chance zu nutzen. Auch wegen des Projekts Tiny Rathaus erhielt die Landeshauptstadt Kiel im Mai 2021 den Bundespreis „Kooperative Stadt“ im Bereich Großstadt.

Das rollende Rathaus besteht aus nachhaltigen Rohstoffen und recycelten Materialien, die für ein ganzheitliches Tiny Rathaus ausgesucht wurden. Die Challenge war: Regionales, nachhaltiges, möglichst barrierefreies und passendes Design!


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Kontakt

Stefanie Skuppin
Leiterin des Büros des Stadtpräsidenten

0431 901-3040


 
Frauke Wiprich
Leiterin des Sachbereichs Internationales und Nachhaltigkeit

0431 901-2504