Stadtpräsidentinnen & Stadtpräsidenten

Johann Schweffel (1796 - 1865)

Foto Johann Schweffel
Stadtpräsident Johann Schweffel

* 28.07.1796 in Kiel
† 14.04.1865 in Kiel

Amtszeit
1851 - 1859

Johann Schweffel, am 28. Juli 1796 in Kiel geboren, gehörte zu einer angesehenen Kaufmannsfamilie, die Handelsgeschäfte betrieb. 1819 übernahm er das väterliche Geschäft „Schweffel und Sohn“.

Johann Schweffel erweiterte das Unternehmen, indem er 1825 auf der Rosenwiese, südlich der Altstadt an der heutigen Kaistraße, eine Maschinenfabrik errichtete, die sich bald zu einer Schiffswerft entwickelte. Schweffel besaß drei eigene Segelschiffe und das Dampfschiff „Löven“, das regelmäßig zwischen Kiel und Dänemark verkehrte.
 


Ein Pionier der Industrialisierung

1838 gründete er unter dem Namen „Schweffel und Howaldt“ mit dem Mechaniker August Ferdinand Howaldt auf der Rosenwiese eine Maschinenanstalt und Eisengießerei. Die Firmengebäude bestanden aus einer Maschinenwerkstatt, einer Schmiede, einer Schlosserwerkstatt und einer Eisengießerei, hinzu kamen eine Dampfkesselfabrik, ein Putzhaus, ein Zylinderofen und ein Maschinenhaus.

Das Unternehmen arbeitete sehr erfolgreich. Es beschäftigte 1841 bereits 120 Fabrikarbeiter. Das Sortiment der hergestellten Produkte war sehr vielfältig. Es bestand aus Dampfmaschinen, Dampfkesseln und einer Vielzahl von landwirtschaftlichen und Hausgeräten: zum Beispiel Kornreinigungs- und Häckselmaschinen, Milchsatten, Schwung- und Räderpflügen, Schweinetrögen, Öfen, Kochherden, Töpfen, Geländern, Gitter, Wasserleitungsröhren, Grabkreuzen.

Für den Bau der Eisenbahnlinie Kiel-Altona lieferte die Firma Schweffel und Howaldt Lokomotiven und Güterwagen. 1848, während der schleswig-holsteinischen Erhebung, stellte die Firma Gewehre her, mit denen die Kieler Studenten in den Kampf zogen.

Das Unternehmen erwarb sich mit seinen Produkten einen guten Ruf, so dass es der Berlin-Hamburger-Eisenbahngesellschaft 12 Güterwagen, an die dänische Eisenbahnlinie Kopenhagen-Roskilde 16 Wagenkästen und an die dänische Marine Kessel lieferte. 1848 baute die Firma das erste Schraubenkanonenboot der Welt, die „Von der Tann“. 1850 entstand das erste deutsche Unterseeboot, der „Brandtaucher“, nach den Entwürfen von Wilhelm Bauer. Obwohl es in Kiel mehrere verarbeitende Betriebe gab, konnten sich diese an Größe und Modernität mit der Maschinenfabrik und Eisengießerei von Schweffel und Howaldt nicht messen.

1857 übertrug Johann Schweffel aus gesundheitlichen Gründen seinem zweiten Sohn Hermann das Handelshaus. Seit 1854 leitete der älteste Sohn Johann zusammen mit Howaldt die Maschinenfabrik und Eisengießerei.
 


Ein langjähriger Vorsteher des Stadtverordneten-Kollegiums

Im 17. Jahrhundert hatten sich die Bürger eine Interessenvertretung in Form der „XVI-Männer“ bzw. der „XXXII-Männer“ erstritten, die jeweils einen „Worthalter“ als Sprecher der Bürgerschaft wählten.

1821 wurde Johann Schweffel mit 25 Jahren in das Kollegium der XXXII-Männer gewählt, 1826 in das der XVI-Männer. Durch das Lokalstatut von 1850 gingen diese beiden Gremien in ein 24-köpfiges Stadtverordnetenkollegium über, das von den wahlberechtigten Bürgern auf sechs Jahre gewählt wurde. Das Kollegium bestimmte Schweffel zu ihrem Bürgerworthalter. Er bekleidete dieses Amt bis 1864, als er aus gesundheitlichen Gründen aus den städtischen Ämter ausschied und auch die Wahl als Ratsherr ablehnte.

Schweffel engagierte sich nicht nur für Kiel politisch. Sein Ansehen ging über die Stadt hinaus. Als 1831 „erfahrene Männer“ aus allen Teilen des Landes nach Kopenhagen gerufen wurden, um ihren Rat für die Einrichtung einer Ständeversammlung zu hören, war Schweffel einer der vier Vertreter Kiels. 1835/36 nahm er als einer der gewählten Mitglieder der ersten holsteinischen Ständeversammlung in Itzehoe teil. Eine Wiederwahl aber lehnte er aus Zeitmangel wegen seiner kommunalen und beruflichen Tätigkeit ab.
 


Vielfältiges Engagement im öffentlichen Leben

Auf zahlreichen Gebieten des öffentlichen Lebens in Kiel wirkte Schweffel mit. Eine rege Tätigkeit entwickelte er beim Bau der Eisenbahnlinie Kiel-Altona. Er war Hauptförderer der Gewerbeschule, war Mitbegründer und Mitglied des ersten Vorstandes der Kieler Liedertafel. Er gehörte dem Kunstverein an und war Kassierer des Kunstmuseums.

Die Orgel in der Klosterkirche wurde vor allem durch sein Bemühen wieder hergerichtet. Außerdem wirkte Schweffel von 1848-1850 im Flottenausschuss mit und war 1847 Mitbegründer und Vorsitzender des Handels- und Industrievereins, der heutigen Industrie- und Handelskammer.

Johann Schweffel starb am 14. April 1865 in Kiel. Das „Kieler Wochenblatt“ würdigte ihn anlässlich seiner Beisetzung unter anderem mit folgenden Worten: „Der am Dienstag der Osterwoche zu Grabe getragene Herr Joh. Schweffel war ein echter und rechter Bürger unserer Stadt, ein Bürger im vollsten Sinne des Wortes. In ihm hat Kiel einen Mann verloren, dem es nach vielen Seiten hin dankbar verpflichtet ist ...“.

 

Text: Christa Geckeler


Literatur & Zeitungen

  • Klewin, Ferdinand: Das Haus der Familie Schweffel, in: Aus Kiels Stadtgeschichte, Kiel 1986, Seite 35-41
  • Ostersehlte, Christian: Von Howaldt zu HDW, Kiel 2004, Seite 24 f.
  • Sievert, Hedwig: Schweffel, Johann, in: Hans-F. Rothert (Hg.): Kieler Lebensläufe aus sechs Jahrhunderten, Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 55, Neumünster 2006, Seite 302
  • Kieler Zeitung vom 27. August 1910
  • Kieler Wochenblatt vom 25. April 1865