Umgebungslärm

In Deutschland sehen sich über 60 Prozent der Menschen durch Lärm, vor allem durch Verkehrslärm, belästigt, davon sogar mehr als zehn Prozent stark oder äußerst stark. Lärm ist für viele Menschen das vorrangige Umweltproblem.

Die Richtlinie 2002/49/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Juni 2002 über die
Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm (Umgebungslärmrichtlinie) hat zum Ziel, schädliche Auswirkungen einschließlich Belästigungen durch Umgebungslärm zu verhindern, ihnen vorzubeugen oder sie zu mindern.

Die Umsetzung der Richtlinie in Bundesrecht erfolgte mit der Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes vom 25. Juni 2005 (BGBl. I S. 1865 - § 47 a-f BImSchG)
und der Verordnung über die Lärmkartierung vom 6. März 2006 (BGBl. I S. 516 - 34. BImSchV).  

Aufgaben und Umsetzung der Umgebungslärmrichtlinie

Die wesentlichen Aufgaben der Umgebungslärmrichtlinie sind die Ermittlung der Belastung durch strategische Lärmkarten und die Verminderung und das Vorbeugen durch Lärmaktionspläne.

Die Lärmkarten müssen alle fünf Jahre aktualisiert werden. Bei wesentlichen Änderungen muss dann auch der Aktionsplan an die neue Situation angepasst werden.

Die Kieler Ratsversammlung hat in ihrer Sitzung am 20. November 2014 der Fortschreibung des Kieler Lärmaktionsplans zugestimmt.


Die Lärmkartierung 2017/2018 für Straßenverkehrslärm, Schienenverkehrslärm und Industrie- und Gewerbelärm einschließlich Hafenanlagen ist abgeschlossen. Auch das Eisenbahnbundesamt hat die Lärmkarten zum Schienenverkehr jetzt bereitgestellt.


Kieler*innen können Einsicht nehmen und mitreden

Die Lärmkarten und Betroffenenstatistiken liegen in der Zeit vom 1. bis zum 31. August 2018 während der Dienststunden im Stadtplanungsamt der Landeshauptstadt Kiel, Rathaus, 4. Geschoss, Zimmer 462b, zur Einsichtnahme aus und können auch hier heruntergeladen werden.

Die Lärmkarten stellen die Lärmsituation vor Ort dar. Sie bilden die Grundlage für die anschließende Lärmaktionsplanung der Landeshauptstadt Kiel.

Alle Bürger*innen können sich anhand der Lärmkarten über ihre Lärmbelastung im Wohnumfeld informieren und spätestens im Rahmen der Aktionsplanung Vorschläge zur Lärmminderung dem Umweltschutzamt mitteilen. Die Lärmaktionsplanung erfolgt nach einer intensiven Auswertung der Lärmkartierung Anfang 2019.

In den Karten werden die Lärmpegel wie folgt dargestellt:

LDEN = Tag-Abend-Nacht-Lärmindex
Dies ist ein gewichteter Mittelwert, der
12 Tagesstunden (6 Uhr bis 18 Uhr),
4 Abendstunden (18 Uhr bis 22 Uhr) und
8 Nachtstunden (22 Uhr bis 6 Uhr) umfasst.

LNight = Nachtlärmindex
Der Nachtlärmindex betrifft nur die 8 Nachtstunden, die aber aus Sicht der Gesundheitsvorsorge (Vermeidung von Schlafstörungen) besonders bedeutsam sind.

Ausschnitt Lärmkarte
Strategische Lärmkarte für Kiel 2017 (Ausschnitt, Quelle: LHK)

Die Lärmkarten und die Betroffenenstatistiken können Sie hier herunterladen:

Straßenverkehrslärm (LDEN) 2017
Straßenverkehrslärm (LNight) 2017
Betroffenenstatistik Verkehrslärm 2017
Industrie- und Gewerbelärm einschließlich Hafen (LDEN) 2017
Industrie- und Gewerbelärm einschließlich Hafen (LNight) 2017
Betroffenenstatistik Industrie- und Gewerbelärm einschließlich Hafenanlagen 2017
Schienenverkehrslärm (LDEN) 2017
Schienenverkehrslärm (LNight) 2017
Betroffenenstatistik Schienenlärm 2017

Weitere Informationen und die Lärmkartierungen anderer Städte und Gemeinden aus Schleswig-Holstein finden Sie auf dem Lärmportal Schleswig-Holstein.

Die Kieler Ratsversammlung hat in ihrer Sitzung am 20. November 2014 der Fortschreibung des Kieler Lärmaktionsplans zugestimmt.

Den Lärmaktionsplan und andere Dokumente finden Sie auch hier zum Download.

Entsprechend der Umgebungslärmrichtlinie ist der Lärmaktionsplan der 1. Stufe (Beschlussfassung der Ratsversammlung am 8. Oktober 2009) alle fünf Jahre zu überprüfen und erforderlichenfalls zu überarbeiten.

Beim Vergleich der Verkehrslärmkartierungen von 2007 und 2012 zeigen sich größere Veränderungen bei den Belastetenzahlen und den Problemschwerpunkten.

Das überarbeitete Konzept wurde von der Ratsversammlung beschlossen. Im Wesentlichen wurden folgende Änderungen vorgenommen:

  • Die Anzahl der durch Verkehrslärm in der Nacht Belasteten konnte um 25 Prozent reduziert werden.
  • Die Straßen Belvedere, Eckernförder Straße, Ellerbeker Weg, Olshausenstraße und Schönberger Straße stellen keine Problemschwerpunkte mehr dar.
  • Die Straßen Rathausstraße und Ziegelteich müssen auf Grund eine hohen Lärmkennziffer (hoher Verkehrslärmpegel in Verbindung mit hohen Anwohnerzahlen) als Problemschwerpunkte aufgenommen werden.
  • Straßenabschnitte, in denen die gesundheitlichen Lärmschwellenwerte des Umweltbundesamtes an der Wohnbebauung überschritten werden, sind in einer eigenen Karte dargestellt.
  • Prüfkriterien und mögliche Varianten zum Thema Tempo 30 werden erläutert.
  • Der "Natur- und Erlebnisraum Heidenberger Teich" wird als innerstädtische Erholungsfläche ausgewiesen.

Handlungsbedarf an Problemschwerpunkten
Die Analyse der Lärmkartierung macht deutlich, dass auch weiterhin der Straßenverkehr die wesentliche Ursache für Lärmbelastungen darstellt. Besonders an 13 Problemschwerpunkten im Stadtgebiet ergibt sich ein hoher Handlungsbedarf. Der Kieler Lärmaktionsplan zeigt verschiedene kurz- und langfristige Maßnahmen zur Lärmminderung auf.

Gerade in Ballungsräumen sind sogenannte "Ruhige Gebiete" und "innerstädtische Erholungsflächen" wichtige Bereiche für die Naherholung der Bevölkerung. Als weitere innerstädtische Erholungsfläche konnte der "Natur- und Erlebnisraum Heidenberger Teich" ausgewiesen werden. Im Lärmaktionsplan sind nun 15 ruhige Gebiete und 10 innerstädtische Erholungsflächen festgelegt. Dies entspricht etwa 35 Prozent der städtischen Gesamtfläche.

 

Die Fortschreibung des Lärmaktionsplans und das Kartenmaterial können Sie als PDF-Dokumente herunterladen:
Lärmaktionsplan 2013
Lärmkennzifferanalyse 2013
Problemschwerpunkte 2013
Ruhige Gebiete 2013


Der Lärmaktionsplan aus dem Jahr 2008 steht hier zum Herunterladen bereit:
Lärmaktionsplan 2008
Problemschwerpunkte 2008
Ruhige Gebiete 2008

Die Umgebungslärmrichtlinie legt fest, dass Bereiche, die in einem engen räumlichen und funktionalen Zusammenhang stehen und mehr als 100.000 Einwohner zählen, als sogenannter Ballungsraum betrachtet werden. Der Ballungsraum Kiel umfasst neben der Landeshauptstadt Kiel die Stadt Schwentinental und die Gemeinden Altenholz, Heikendorf, Kronshagen, Molfsee (nur Ortsteile Rammsee und Schulensee), Mönkeberg und Schönkirchen.

Im ersten Schritt mussten für die Landeshauptstadt Kiel bis zum 30. Juni 2007 strategische Lärmkarten erstellt werden. Diese Lärmkarten wurden 2012 aktualisiert. Alle Straßen mit mehr als 8.200 Kraftfahrzeugen pro Tag, Schienenwege mit mehr als 164 Zügen täglich sowie größere Industrie- und Gewerbeflächen einschließlich Hafenanlagen wurden berücksichtigt.

Mit der Aufstellung des Lärm-Aktionsplans 2008 liegt jetzt ein Konzept zur Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm vor. Es werden kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen zur Reduzierung der Lärmbelastungen aufgezeigt. Weiterhin werden „Ruhige Gebiete“ und innerstädtische Erholungsflächen ausgewiesen und Leitlinien zum Schutz vor einer Zunahme des Lärms festgelegt. Der Lärmaktionsplan muss dann alle 5 Jahre überprüft und aktualisiert werden.

In strategischen Lärmkarten sind die von Hauptlärmquellen ausgehenden Lärmbelastungen, die Zahl der betroffenen Menschen sowie die empfindlichen Einrichtungen, wie Schulen und Krankenhäuser, darzustellen.

Für diese Aufgabe ist innerhalb der Stadtgrenzen Kiels das Umweltschutzamt der Landeshauptstadt zuständig. Einzige Ausnahme sind die Lärmkarten für die Haupteisenbahnstrecken des Bundes, die vom Eisenbahn-Bundesamt erstellt werden.

Die Ermittlung des Umgebungslärms erfolgt nach den vorläufigen Berechnungsmethoden für den Umgebungslärm an Schienenwegen (VBUSch), an Straßen (VBUS), an Flugplätzen (VBUF) sowie für den durch Industrie- und Gewerbe hervorgerufenen Umgebungslärm (VBUI)" vom 22. Mai 2006, bekannt gemacht im Bundesanzeiger am 17. August 2006 (Beilage Nr. 154a).

Straßenverkehr
Die Belastung durch den Straßenverkehrslärm ergibt sich insbesondere aus der Anzahl der Fahrzeuge pro Zeiteinheit, ihrer Geschwindigkeit, dem LKW-Anteil und der jeweiligen Straßengeometrie und -beschaffenheit. In Form von Isophonen (Linien gleichen Schalldruckpegels in dB(A)) wird der Straßenverkehrslärm unter Berücksichtigung der Topographie und der künstlichen und natürlichen Hindernisse auf den Lärmkarten (Schallimmissionsplänen) dargestellt.
Insgesamt wurden 150 Kilometer Straße für die Kartierung der Landeshauptstadt Kiel berücksichtigt.

Schienenverkehr

Das Berechnungsverfahren für den Schienenverkehrslärm gleicht dem oben beschriebenen Verfahren. Hierbei werden insbesondere berücksichtigt: Zugart, Zuglänge, Geschwindigkeit, Taktfrequenz, Aufbau des Gleisbettes, Schienenzustand sowie topographische und bauliche Gegebenheiten. Die Kartierung wird vom Eisenbahnbundesamt durchgeführt.

Industrie und Hafen
Die EG-Umgebungslärmrichtlinie fordert eine Berechnung nur für bestimmte Anlagentypen, die in der "Richtlinie über die Integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung (IVU-Richtlinie)“ genannt sind.

Folgende IVU- und Hafenanlagen werden in Kiel berücksichtigt:

  • Gemeinschaftskraftwerk Kiel
  • Ostuferhafen einschließlich Kieler Schrotthandel GmbH und Getreide AG
  • Nordhafen
  • Scheerhafen
  • Norwegenkai
  • Schwedenkai

Beurteilungspegel: Größe zur Kennzeichnung der Stärke der Schallimmissionen während einer bestimmten Beurteilungszeit, Angabe in dB(A)

dB(A):
Kurzzeichen für die Maßeinheit Dezibel, mit der Schallemissionen und -immissionen benannt werden. Der Zusatz "(A)" bedeutet, dass der damit bezeichnete Schall mit einer dem menschlichen Ohr angepassten Frequenzbewertung ermittelt wurde.

Lärm: Schall, der das körperliche, seelische und soziale Wohlbefinden von Personen beeinträchtigt und insbesondere schädliche Umwelteinwirkungen hervorrufen kann

Schallemissionen: gehen von Schallquellen aus

Schallimmissionen: wirken auf Menschen ein

Schallleistungspegel: kennzeichnet die gesamte von einer Schallquelle ausgehende Schallleistung, entspricht dem Schalldruckpegel, wenn die schallabstrahlende Fläche 1 m2 groß ist, Angabe in dB(A)

Umgebungslärm: bezeichnet belästigende oder gesundheitsschädliche Geräusche im Freien, die durch Aktivitäten von Menschen verursacht werden, einschließlich des Lärms, der von Verkehrsmitteln, Straßenverkehr, Eisenbahnverkehr, Flugverkehr sowie Geländen für industrielle Tätigkeiten ausgeht. Im Sinne der Umgebungslärmrichtlinie umfasst dies nicht Lärm, der von davon betroffenen Person selbst oder durch Tätigkeiten innerhalb von Wohnungen verursacht wird, Nachbarschaftslärm, Lärm am Arbeitsplatz, in Verkehrsmitteln oder Lärm, der auf militärische Tätigkeiten in Militärgebieten zurückzuführen ist.

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Kontakt

Landeshauptstadt Kiel
Umweltschutzamt
Klaus-Peter Juhl
Umweltschutzamt
Holstenstraße 108
24103 Kiel
 

0431 / 901-3792