Nachhaltiges Kiel

Keine Armut

Ein wichtiges Ziel der Agenda 2030 ist es, Armut in allen ihren Formen und Dimensionen zu beenden. Die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen sehen dies als „die größte globale Herausforderung und eine unabdingbare Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung“.

Natürlich bedeutet dabei Armut in Kiel etwas anderes als zum Beispiel Armut in unserer Partnergemeinde Moshi Rural in Tansania.

Das Neue an der Agenda 2030 ist, dass sie auf diesen Unterschied zwischen Ländern eingeht. So fordert das Sustainable Development Goal (SDG) 1 einerseits, die extreme Armut vollständig zu überwinden. Als extrem arm gelten dabei Menschen, die von weniger als 1,90 US Dollar pro Tag leben müssen. Dies ist in Kiel nicht der Fall, denn in Deutschland haben wir vorgegebene Sozialschutzsysteme und –maßnahmen, die gesetzlich verankert sind. Dazu zählen zum Beispiel das Arbeitslosengeld oder die Grundsicherung für Arbeitsuchende (das sogenannte „Hartz IV“).

Armut gibt es auch bei uns

Andererseits fordert das SDG 1 auch, dass bis 2030 der Anteil der Menschen, die in Armut nach der jeweiligen nationalen Definition leben, um die Hälfte gesenkt werden soll. Damit ist dieses Ziel auch für die reichen Länder wie Deutschland relevant.

Armut hat dabei vielfältige Erscheinungsformen: zum Beispiel das Fehlen von ausreichendem Einkommen, Mangelernährung, ein schlechter Gesundheitszustand oder fehlender Zugang zu Bildung. Auch die mangelnde Beteiligung an den politischen Entscheidungsprozessen und am sozialen und kulturellen Leben ist eine Erscheinungsform von Armut.

Wie allgemein in Deutschland, sind auch in Kiel einige Bevölkerungsgruppen besonders armutsgefährdet. Dazu zählen vor allem alleinerziehende Frauen, Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen, Arbeitslose sowie Migrantinnen und Migranten.

Kinderarmut und Langzeitarbeitslosigkeit sind besondere Herausforderungen in Kiel

Auch die Kinderarmut steigt in Deutschland kontinuierlich, in Kiel ist sie eine besonders große Herausforderung: So lebten zum Jahresende 2016 29,7 Prozent der Kinder in Kiel von Sozialgeld, das heißt, fast jedes dritte Kind in Kiel unter 15 Jahren. Damit ist die Landeshauptstadt eine Großstadt mit einer überdurchschnittlich hohen Kinderarmut.

Über die allgemeinen Sozialschutzmaßnahmen hinaus, hat die Landeshauptstadt Kiel hat eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um gegen Kinderarmut vorzugehen, dazu gehören z.B. im Rahmen der Kiel-Karte Zuschüsse für das Mittagessen in Schulmensen, die Kostenübernahme bei Kita- und Schulausflügen, die Übernahme von Mitgliedsbeiträgen für Sport, Kultur und Freizeit, Lernförderung, Zuschüsse zu Lernmaterialien oder die Kostenübernahme von Klassenfahrten.

Trotz einer grundsätzlich positiven Entwicklung des Arbeitsmarktes gibt es in Kiel zudem eine relativ hohe Anzahl an Langzeitarbeitslosen. Während sich die Zahl der Arbeitslosen insgesamt in den letzten fünf Jahren verringert hat, ist der Anteil derjenigen, die in Langzeitarbeitslosigkeit verharren, gestiegen. Nahezu die Hälfte der arbeitslos gemeldeten Personen in Kiel sind ein Jahr und länger arbeitslos. Um diese große Herausforderung anzugehen, gibt es eine Reihe von kommunalen Begleitmaßnahmen insbesondere durch das Jobcenter Kiel.

Der Kieler Sozialbericht bietet Informationen über alle Ortsteile

Diese großen sozialpolitischen Herausforderungen werden jährlich im Kieler Sozialbericht dargestellt. Dieser bietet sehr transparente Informationen. Er zeigt auch die räumlichen Polarisierungen auf, in dem er die relevanten Sozialdaten jeweils für die unterschiedlichen Kieler Stadtteile darstellt.

Das Ziel des Berichtes ist es, „Daten für Taten“ offenzulegen. Damit ist der Sozialbericht eine wichtige Grundlage sowohl für die Politik als auch für die Verwaltung, um Entscheidungen darüber zu treffen, welche Maßnahmen insbesondere im Sinne der nachhaltigen Entwicklungsziele für ein sozial gerechtes Kiel zu ergreifen sind.


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