Nachhaltiges Kiel

Kinderarmut ist beschämend

Armut gibt es auch in Kiel. Kinderarmut und Langzeitarbeitslosigkeit sind dabei die größten Herausforderungen, denen wir als Stadt uns hier vor Ort stellen müssen.

Das SDG 1 fordert Länder, Städte und Kommunen in der ganzen Welt auf, Armut in allen ihren Dimensionen energisch zu bekämpfen. Kiel nimmt diese Herausforderung an.

Warum ist die Stadt Kiel zuständig?

Weil Armut auch vergleichsweise reiche Länder wie Deutschland betrifft. Natürlich ist Armut und Armut nicht das gleiche. So fordert das SDG 1 einerseits, die extreme Armut – wie beispielsweise in einigen Ländern Afrikas – vollständig zu überwinden. Hiervon ist Kiel nicht betroffen.

Als extrem arm gelten laut Definition der UNO Menschen, die von weniger als 1,90 US Dollar pro Tag leben müssen. Das entspricht umgerechnet etwa 1,70 Euro am Tag. In Kiel bekommen bedürftige Menschen in Notlagen – wie überall in Deutschland – finanzielle Unterstützung über die gesetzlich verankerten und vorgegebenen Sozialschutzsysteme. Das ist in Afrika anders.

Slum in einem Entwicklungsland
In Kiel gibt es zwar keine Slums, wie hier in einem afrikanischen Land zu sehen. Aber auch hier sind bestimmte Bevölkerungsgruppen armutsgefährdet. - Foto: vleyva, Pixabay

Andererseits – und das ist das Neue an der Agenda 2030 – fordert das SDG 1 jedoch, dass bis zum Jahr 2030 auch der Anteil der Menschen, die nach der jeweiligen nationalen Definition in Armut leben, um die Hälfte gesenkt werden soll. Damit ist dieses Ziel auch für Kiel relevant.

Wie allgemein in Deutschland, sind auch in Kiel einige Bevölkerungsgruppen besonders armutsgefährdet. Dazu zählen vor allem alleinerziehende Frauen, Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen, Arbeitslose sowie Migrantinnen und Migranten.

Langzeitarbeitslosigkeit gestiegen in Kiel

Armut hat viele Gesichter. Die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen sehen den Kampf gegen die Armut als „die größte globale Herausforderung und eine unabdingbare Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung.“ Dass das Fehlen von ausreichendem Einkommen die Ursache von Armut ist, liegt auf der Hand. Welche Folgen ein auf Dauer zu geringes Einkommen für beispielsweise die Gesundheit oder auch Entwicklungschancen von Kindern und Kindeskindern hat, ist im aktuellen Kieler Sozialbericht nachzulesen.

Kinder aus den sozial am meisten benachteiligten Stadtteilen Kiels wie Gaarden oder Mettenhof haben beispielsweise deutlich schlechtere Zähne als Gleichaltrige in privilegierteren Stadtteilen Kiels. Und sind im Verhältnis deutlich übergewichtiger.

Trotz einer grundsätzlich positiven Entwicklung des Arbeitsmarktes gibt es in Kiel nämlich nach wie vor eine relativ hohe Anzahl an Langzeitarbeitslosen. Während sich die Zahl der Arbeitslosen insgesamt (10.748 Mai 2019) und der Unterbeschäftigten (16.274 Ende April 2019) in den letzten Jahren verringert hat, ist der Anteil derjenigen, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind, wieder angestiegen.

Zwar gibt es schon heute eine Reihe von erfolgreichen kommunalen Begleitmaßnahmen insbesondere durch das Jobcenter Kiel. Um die ganz große Herausforderung im Kampf gegen Armut im Sinne der UN-Nachhaltigkeitsziele anzugehen – nämlich die Armutsquote in Kiel um die Hälfte zu senken – will Kiel in den kommenden Jahren verstärkt an weiteren gezielten und wirksamen Maßnahmen arbeiten. Damit alle in Kiel auf Dauer und gut leben können.

Vinetaplatz in Kiel-Gaarden
Der Vinetaplatz in Kiel-Gaarden - Foto: LH Kiel

Kieler Kinderarmut über dem Durchschnitt

Am allerstärksten betroffen von der Armut ihrer Eltern sind jedoch deren Kinder. Die Landeshauptstadt Kiel ist eine Großstadt mit einer überdurchschnittlich hohen Kinderarmut.

Aktuell leben 29,1 Prozent der Kinder im Stadtgebiet von Sozialgeld. Das heißt, fast jedes dritte Kind in Kiel unter 15 Jahren ist arm. Ende des Jahres 2018 war Gaarden mit 61,5 Prozent der Stadtteil mit der höchsten Kinderarmut.

Dicht gefolgt von Mettenhof mit 57,5 Prozent. Während in Mettenhof die Kinderarmutsquote innerhalb der letzten zwei Jahre leicht gesunken ist, ist der Anteil der von Armut betroffenen Kinder in Gaarden sogar noch um fünf Prozentpunkte gestiegen. Hier gibt es für Kiel bis zum Jahr 2030 noch viel zu tun.

Das tut die Stadt – gegen Kieler Kinderarmut

Armut hat vielfältige Erscheinungsformen – zum Beispiel ein schlechter Gesundheitszustand, chronische Mangelernährung oder der fehlende Zugang zu Bildung. Auch nicht beteiligt zu werden an politischen Entscheidungsprozessen und ausgeschlossen zu sein vom sozialen und kulturellen Leben ist eine Erscheinungsform von Armut.

Über die allgemeinen Sozialschutzmaßnahmen hinaus, hat die Landeshauptstadt Kiel eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um gegen Kinderarmut vorzugehen. Denn die Zukunft dieser Kinder ist durch chronische Armut in Gefahr.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • im Rahmen der Kiel-Karte Zuschüsse für das Mittagessen in Schulmensen 
  • die Kostenübernahme bei Kita- und Schulausflügen
  • die Übernahme von Mitgliedsbeiträgen für Sport, Kultur und Freizeit
  • Lernförderung
  • Zuschüsse zu Lernmaterialien
  • Kostenübernahme von Klassenfahrten

Daten für Taten

Der Kieler Sozialbericht, der alle Jahre erneut herauskommt, trägt den passenden Titel „Daten für Taten“. Dieser Bericht ist eine wichtige Grundlage sowohl für die Politik als auch für die Verwaltung. Aber auch für alle anderen Akteure der Stadtgesellschaft.

Er bietet transparente Informationen über die sozialpolitischen Herausforderungen, die Kiel zu bewältigen hat. Er stellt die relevanten Sozialdaten für jeden Stadtteil gesondert dar und zeigt damit signifikante Polarisierungen im Stadtgebiet auf.

Der Kieler Sozialbericht ist somit ein Instrument, um kluge Entscheidungen treffen zu können. Und welche Maßnahmen insbesondere im Sinne der nachhaltigen Entwicklungsziele für ein sozial gerechtes Kiel zu ergreifen sind.


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