Kieler Aktionsplan zum Bienenschutz

Die Situation der Wild- wie auch der Honigbienen ist besorgniserregend schlecht. Auch in Schleswig-Holstein ist ein dramatischer Rückgang von Arten und Populationen zu verzeichnen. Ursachen dafür sind das nicht ausreichende Nahrungsangebot sowie schwindender Lebensraum, Krankheiten, Parasiten und die Folgen von Pestizideinsatz.

Ein Aktionsplan mit Erfolg

Seit 2014 gibt es in Kiel den „Aktionsplan Bienenschutz“, mit dem Ziel, die Lebensbedingungen und Lebensräume für Bienen (vor allem Wildbienen) und andere Insekten zu verbessern. Seitdem sind diverse Maßnahmen umgesetzt oder angestoßen worden, über die an dieser Stelle informiert werden sollen.


Im gesamten Stadtgebiet werden im Rahmen von Neu- und Umbaumaßnahmen artenreiche Blühwiesen angelegt. Bereits auf über 30.000 Quadratmeter Fläche wurden artenreiche Blühmischungen ausgesät. Und es kommen ständig weitere Flächen hinzu – zum Beispiel wurden im letzten Jahr in der Grünanlage Dockshöhe zwei Blühwiesen mit über 1.600 Quadratmeter angelegt, die sich bereits gut entwickelt haben. Auch auf den städtischen Friedhöfen und an Regenrückhaltebecken werden vermehrt artenreiche Blühwiesen angelegt. Im Herbst 2020 wird eine etwa 1.000 Quadratmeter große Rasenfläche in der Schwarzlandwiese aus Mitteln der Treuhandstiftung Heinrich Wilhelm Kruse umgewandelt. Weitere Flächen werden im Programm „18 Blühwiesen für Kiel“ angelegt.


Saatgutmischungen für Blühwiesen in Kiel:

  • mehrjährige Pflanzen, die über viele Jahre ein Nahrungs- und Blütenangebot schaffen
  • In der Regel gebietsheimisches Saatgut
  • Speziell auf die Fläche abgestimmte Artenzusammensetzung
  • Berücksichtigung der Boden- und Lichtverhältnisse

 

Ergänzend zur Anlage von Blühwiesen werden vermehrt im öffentlichen Grün nektar- und pollenspendende Solitärblütensträucher gepflanzt. Diese Sträucher werden so miteinander kombiniert, dass ein lang anhaltender Blühaspekt erzielt und damit ein Nahrungsangebot für blütenbesuchende Insekten geschaffen wird, das verteilt über das gesamte Jahr zur Verfügung steht.



Blühwiese mit Haus im Hindergrund
Ein Schild mit der Aufschrift Wiesen für Insekten steht in ein einer Blumenwiese
Seidenbiene auf einer Magarite

Wildbienenkartierungen

In den Jahren 2015 und 2019 wurden durch Gutachter*innen Wildbienenkartierungen auf ausgesuchten städtischen Flächen durchgeführt. Die Ergebnisse der Untersuchungen sind bemerkenswert. Es wurden seit 2015 insgesamt 116 Wildbienenarten nachgewiesen, von denen einige Arten als gefährdet oder potenziell gefährdet registriert sind. Als Beispiele sind hier die Seidenbiene oder die Dünen-Blattschneiderbiene zu nennen. Die Ergebnisse zeigen das hohe Artenpotential, das sich durch Erhalt, Schutz und kompetente Förderung entfalten kann. Auch Standorte, die optisch nicht als „bunte Blumenwiesen“ in Erscheinung treten, können als Lebensraum für Insekten sehr wertvoll sein.


Mähen für Insekten?!

Das Grünflächenamt der Landeshauptstadt Kiel hat in den letzten Jahren an diversen Stellen in der Stadt Blühwiesen angelegt, die im Frühsommer prachtvoll blühen. Die schönsten befinden sich im Schleusenpark in der Wik, in der Grünanlage Orchideenwiese an der Feldstraße und auf dem Quartiersplatz in Meimersdorf am Kieler Weg. Sie wurden nicht nur angelegt, weil sie schön anzusehen sind, sondern um Lebensräume für viele Pflanzen- und Tierarten, insbesondere für Insekten, zu schaffen.

Um die Vielfalt der bunten Wiesen zu erhalten, ist es sehr wichtig, sie richtig zu pflegen.

Blühwiesen müssen 1 bis 2 mal im Jahr gemäht werden, und das Schnittgut muss von der Fläche abgeräumt werden. Ohne die regelmäßige Mahd machen sich schnell konkurrenzstarke und unerwünschte Arten wie Brennnesseln, Gräser oder Giersch breit, die allmählich die blühenden Kräuter verdrängen. Da in Kiel nährstoffreiche Böden vorherrschen, reicht ein einmaliges Mähen im Spätsommer an vielen Stellen nicht aus. 

Es muss 2 mal gemäht werden. Das bedeutet, dass die erste Mahd erfolgt, wenn ein Teil der Pflanzen in voller Blüte steht. Dies ist für den Betrachter schwer nachzuvollziehen. Dieser Schnitt ist allerdings wichtig, um die gewünschten Arten zu stärken und die Blütenvielfalt für die Insekten zu erweitern! 

Nach dieser frühen Mahd kann die Blühwiese sogar ein zweites Mal im Spätsommer blühen und bildet dann eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten zu einer Zeit, wo das Blütenangebot anderenorts oft schon deutlich reduziert ist. Um den Tieren trotz der Mahd den Lebensraum zu erhalten, werden wenn möglich wechselnd Teilbereiche stehen gelassen und erst bei der nächsten Mahd wieder geschnitten.

Ab 2021 ist geplant, weitere 18 Flächen als Blühwiesen anzulegen. Dieses Projekt befindet sich noch in der Vorbereitung und wird dann noch mehr Lebensräume für blütenbesuchende Insekten in Kiel schaffen.


Jede*r kann sich für Bienenschutz engagieren

Eine Pflanzenliste mit heimischen Wildpflanzen haben wir dazu zusammengestellt.

Jede*r in Kiel und Umgebung kann sich für den Bienenschutz engagieren, indem Pflanzen mit Nektar und Pollen für Bienen und andere Insekten bei der Bepflanzung von Balkon, Terrasse oder Garten verwendet werden. Als Faustregeln gelten hierfür: Besser heimische als exotische Arten und eher ungefüllte als gefülltblühende Sorten verwenden.

Gleichzeitig ist es wichtig, einen Blühaspekt für einen möglichst langen Zeitraum im Jahr zu erreichen, da die Insekten vom frühen Frühjahr bis in den späten Herbst hinein Nahrung suchen. 

Weitere Informationen finden Sie im Flyer Keine Angst vor Wespen, Hornissen, Hummeln und Bienen.


Poster zum Herunterladen & Ausdrucken
Zum Herunterladen
Deckblatt Flyer

Flyer "Keine Angst vor Wespen, Hornissen, Hummeln und Bienen"

 

Auch interessant
Kontakt

Landeshauptstadt Kiel
Umweltschutzamt
Untere Naturschutzbehörde

Sabine Kalder 

0431 901-3740

 

Landeshauptstadt Kiel
Grünflächenamt
Pflege- und Entwicklungsplanung,
Grünflächeninformationssystem

Anna-Margareta Bläse

0431 901-3846