Nachhaltiges Kiel

Wir machen Zukunft

In Kiel gibt es viele engagierte Menschen, die sich mit guten Ideen und viel Tatendrang dafür einsetzen, dass unsere Fördestadt nachhaltig und zukunftsfähig wird.

Jeden Monat stellen wir eine*n Kieler Zukunftsmacher*in in einem Kurzinterview vor. Sie kennen Leute, die unbedingt dazugehören? Dann lassen Sie uns das gerne wissen.

 

Oktober 2019: Moritz Dietzsch– ResteRitter

Moritz Dietzsch
Foto: Alexandra Brecht, Landeshauptstadt Kiel
Was hat dich nach Kiel geführt?

Nach meinem Abitur wollte ich das hektische Frankfurt einmal hinter mir lassen und etwas ganz anderes tun. Mein Freiwilliges Ökologisches Jahr mich dann nach Schleswig-Holstein in ein Dorf in Ostholstein verschlagen, wo ich den Norden kennen und lieben gelernt habe.

Mit vielen Kontakten und Ideen aus diesem einmaligen Jahr im Gepäck, wollte ich Schleswig-Holstein so schnell nicht mehr verlassen. Der Wunsch, auch im Studium etwas Sinnvolles für unsere Welt zu tun, trieb mich dann zum Geographiestudium nach Kiel.

Ohne wirkliche Vorstellungen von der Stadt an der Ostsee, war ich begeistert, wie viele kreative Ideen und nachhaltige Projekte hier entstehen. Ich freue mich, hoffentlich noch lange Teil dieser dynamischen Stadt zu sein und etwas beizutragen.

Was genau machst du?

Ich kämpfe gegen die Lebensmittelverschwendung! Dass wir in ein und derselben Stadt gleichzeitig Unmengen an Lebensmitteln wegschmeißen, während über 2000 Schulkinder nicht einmal genug Geld für ein warmes Mittagessen haben, konnte ich nicht mehr ertragen. Vor zwei Jahren habe ich gemeinsam mit Nick und Oke im Rahmen unseres Geographiestudiums die Idee der ResteRitter entwickelt.

Aus gerettetem Obst und Gemüse produzieren wir in Kiel leckere und haltbare Produkte, wie Fruchtaufstriche, Chutneys und Säfte. Mit jedem verkauften Produkt spenden wir an Soziale Initiativen, die sich gegen den Kinderhunger hier vor Ort engagieren.

Doch schnell war uns klar, dass wir so nur ein kleiner Teil der Lösung sein können. Wir wollen, dass wir als Gesellschaft umdenken und wieder ein vernünftiges Verhältnis zu unseren Lebensmitteln bekommen. Deswegen Veranstalten wir Schnibbelpartys, auf denen zur Musik nicht nur getanzt, sondern auch mit geretteten Lebensmitteln gekocht wird. 

Wir wollen zeigen, welche Dimensionen die Lebensmittelverschwendung durch unsere Verbraucheransprüche angenommen hat und welche tollen Gerichte aus geretteten Lebensmitteln gekocht werden können. Damit wollen wir zum Handeln und Umdenken anregen.

Mit Schulklassen untersuchen wir unsere eigenen Routinen und entwickeln neue Lösungen gegen die Lebensmittelverschwendung. Außerdem kochen wir natürlich gemeinsam und zeigen, wie man Lebensmittel haltbar machen kann und wie einfach und lecker sich aus geretteten Lebensmitteln neue Gerichte kochen lassen. Noch bevor sich die Kinder die Routinen des Verschwendens und das falsche Verhältnis zu unseren Lebensmitteln von den Eltern abschauen.

Welche SDGs sind von deinem Engagement besonders berührt?

Das Ziel 2: Kein Hunger steht im Zentrum: Die Lebensmittelverschwendung ist nicht nur teuer, klimaschädlich und unnötig, sondern auch unglaublich ungerecht. Unser Wegschmeißen führt dazu, dass weltweit, aber auch bei uns Zuhause, Millionen Menschen hungern. Es gibt genug für alle, wir müssen es nur gerecht verteilen!

Das Ziel 12 zu Nachhaltigem Komsum und nachhaltigen Produktionsweisen beinhaltet ein ganz konkretes Unterziel zur Halbierung der Nahrungsmittelverschwendung bis 2030. Dazu tragen wir bei. Wir müssen unsere Lebensmittel, wieder als „Mittel zum Leben“ ansehen und entsprechend Wertschätzen und nicht als verschwenderische Konsumgüter oder Statussymbole missbrauchen. Mit unserer momentanen Lebensmittelproduktion beuten wir unsere Erde aus und ernten auf Kosten der zukünftigen Generationen. Die Lebensmittelverschwendung beschleunigt dieses Verbrechen noch ungemein.

Warum findest du Nachhaltigkeit wichtig?

Ich will mir nicht vorstellen müssen, dass es nach mir keine Generation mehr gibt, die auf diesem Planeten leben will oder kann. Denn eigentlich geht es nicht um die Rettung unserer Erde, sondern um die Rettung der Menschheit.

Für mich ist Nachhaltigkeit nicht eine Entscheidung für oder gegen etwas, sondern die Basis unseres Zusammenlebens und wir haben jetzt die letzte Chance, dieses Zusammenleben zu sichern.

Nachhaltigkeit heißt für mich dabei, gemeinsam und nicht gegeneinander zu wirtschaften. Wir müssen versuchen, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als wir sie vorgefunden haben.

Kiel 2030 - was ist Deine Vision für unsere Stadt?

Kiel ist eine einmalige Stadt, mit einmaligen Menschen. 2030 haben wir unsere Potentiale richtig ausgeschöpft und sind die Stadt der Menschen für die Menschen (nicht der Autos oder Kreuzfahrtschiffe…).

Alle Kieler*innen engagieren sich gemeinsam für die Stadt und die Region und neue Ideen werden einfach angepackt und ausprobiert. Wir denken in Netzwerken und nicht in Konkurrenzen.

Nachhaltigkeit ist kein Modewort mehr, sondern der Grundpfeiler aller Entscheidungen. Einfach eine Stadt, in der wir alle gerne Leben wollen und können. 


Die Interviews der vergangenen Monate

 
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